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Scholary Paper (Seminar), 1998, 29 Pages
Author: M.A. Hans Christian Siller
Subject: Politics - Political Systems - Germany
Details
Institution/College: University of Freiburg (Institut für Politikwissenschaften)
Tags: Bürgergeld, Teufel, Beelzebub, Seminar, Politik, Grundkurs, Arbeitsmarktpolitik
Year: 1998
Pages: 29
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 50 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10976-5
ISBN (Book): 978-3-638-72274-2
File size: 139 KB
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Abstract
Kaum eine politische Idee hat in den vergangenen Jahren eine vergleichbare Resonanz quer über die politischen Fronten und Lager hinweg hervorgerufen wie das Konzept eines Bürgergeldes. Liberale Marktwirtschaftler, Konservative, die Kirchen, die Gewerkschaften, die Grünen, Arbeitgeber und Sozialwissenschaftler und -utopisten zeigen sich von der bestechenden Einfachheit der Bürgergeldidee beeindruckt und diskutieren die Umgestaltung des existierenden Systems der Sozialen Sicherheit. Daß hierunter die Trennschärfe des Begriffs des Bürgergeldes erheblich gelitten hat, war wohl unvermeidlich. Mittlerweile stellt dieser Begriff ein Sammelbecken für eine Vielzahl unterschiedlichster Konzeptionen vom Niedriglohnzuschuß bis zur sozialistischen Gesellschaftsutopie dar. In dieser Arbeit werden die Begriffe Bürgergeld, Negative Einkommensteuer und Sozialdividende als Synonyme verwendet. Genauere Abgrenzungen werden bei Bedarf vorgenommen. In dieser Hausarbeit soll in einem ersten Schritt die Entstehung, die bisherige Diskussion und die teilweise bereits stattgefundene praktische Erprobung des Konzeptes beleuchtet werden. Daran anschließend sollen die unterschiedlichen kursierenden Konzeptvarianten mit ihren Ansatzpunkten und unterschiedlichen Zielsetzungen kurz dargestellt, und ihre (mutmaßlichen) praktischen Auswirkungen untersucht werden . Nach einer kurzen Erörterung der Finanzierungsfrage werden abschließend die Vorschläge diskutiert und bewertet. Als Literatur wurden relativ viele Zeitschriftenartikel verwendet, da zum Thema noch keine sehr breite Bücherauswahl vorhanden ist. Auch hat sich die wissenschaftliche Diskussion in Deutschland hauptsächlich in den Fachzeitschriften abgespielt. Bei der Zusammenstellung wurde versucht, ein Gleichgewicht zwischen Aufsätzen aus finanzwissenschaftlichen-, sozialwissenschaftlichen und fächerübergreifenden Zeitschriften herzustellen, weshalb auch Artikel aus der ZEIT und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verwendet wurden. Allgemein ist zu beobachten, daß die Diskussion der Bürgergeldidee zwar um 1994 erneut aufgegriffen wurde, doch dann nicht mehr ernsthaft weiterverfolgt worden ist. Auch die scheint sich die deutsche Politik momentan eher den „kleinen Lösungen“ zuzuwenden, wie z.B. einem Einstiegsgeld für Langzeitarbeitslose.
Excerpt (computer-generated)
Universität Freiburg im Breisgau
Seminar für wissenschaftliche Politik
Grundkurs: Arbeitsmarktpolitik
Sommersemester 1998
Das Bürgergeld: den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?
Referent:
Hans Christian Siller
Magisterstudiengang Politikwissenschaft Jura/VWL, zweites Semester
Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 2
Einleitung 1
Historische Entwicklung der Bürgergeldidee 2
Krise oder Ende des Sozialstaats 2
Krise oder Ende der Arbeitsgesellschaft 4
a) vorübergehende Anpassungskrise 6
b) Strukturkrise, Ende der Arbeitsgesellschaft 6
Bürgergeldkonzepte 9
Negative Einkommensteuer 9
Sozialdividende 11
Kosten des Bürgergelds 11
Auswirkungen der Einführung eines Bürgergeldes 13
Arbeitsmarkt 13
Sozialsystem 15
Kritische Würdigung der Bürgergeldidee 16
Empirische Untersuchungen über das Arbeitsangebot, Arbeitsanreiz 16
Sozialstaatsreform 18
Fazit 21
Literaturverzeichnis: 23
Einleitung
Kaum eine politische Idee hat in den vergangenen Jahren eine vergleichbare Resonanz quer über die politischen Fronten und Lager hinweg hervorgerufen wie das Konzept eines Bürgergeldes. Liberale Marktwirtschaftler1, Konservative, die Kirchen, die Gewerkschaften, die Grünen, Arbeitgeber2 und Sozialwissenschaftler und -utopisten zeigen sich von der bestechenden Einfachheit der Bürgergeldidee beeindruckt und diskutieren die Umgestaltung des existierenden Systems der Sozialen Sicherheit.
Daß hierunter die Trennschärfe des Begriffs des Bürgergeldes erheblich gelitten hat, war wohl unvermeidlich. Mittlerweile stellt dieser Begriff ein Sammelbecken für eine Vielzahl unterschiedlichster Konzeptionen vom Niedriglohnzuschuß bis zur sozialistischen Gesellschaftsutopie dar. In dieser Arbeit werden die Begriffe Bürgergeld, Negative Einkommensteuer und Sozialdividende als Synonyme verwendet. Genauere Abgrenzungen werden bei Bedarf vorgenommen.
In dieser Hausarbeit soll in einem ersten Schritt die Entstehung, die bisherige Diskussion und die teilweise bereits stattgefundene praktische Erprobung des Konzeptes beleuchtet werden. Daran anschließend sollen die unterschiedlichen kursierenden Konzeptvarianten mit ihren Ansatzpunkten und unterschiedlichen Zielsetzungen kurz dargestellt, und ihre (mutmaßlichen) praktischen Auswirkungen untersucht werden3. Nach einer kurzen Erörterung der Finanzierungsfrage werden abschließend die Vorschläge diskutiert und bewertet.
Als Literatur wurden relativ viele Zeitschriftenartikel verwendet, da zum Thema noch keine sehr breite Bücherauswahl vorhanden ist. Auch hat sich die wissenschaftliche Diskussion in Deutschland hauptsächlich in den Fachzeitschriften abgespielt. Bei der Zusammenstellung wurde versucht, ein Gleichgewicht zwischen Aufsätzen aus finanzwissenschaftlichen-, sozialwissenschaftlichen und fächerübergreifenden Zeitschriften herzustellen, weshalb auch Artikel aus der ZEIT und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verwendet wurden.
Allgemein ist zu beobachten, daß die Diskussion der Bürgergeldidee zwar um 1994 erneut aufgegriffen wurde, doch dann nicht mehr ernsthaft weiterverfolgt worden ist. Auch die scheint sich die deutsche Politik momentan eher den ,,kleinen Lösungen" zuzuwenden, wie z.B. einem Einstiegsgeld für Langzeitarbeitslose4.
Historische Entwicklung der Bürgergeldidee
Die Entstehung der Bürgergeldidee läßt sich nur vor dem Hintergrund zweier großer gesellschaftlicher Tendenzen verstehen, die im folgenden kurz dargestellt werden sollen.
Krise oder Ende des Sozialstaats
Daß das Modell des Sozialstaats europäischer Ausprägung in eine tiefen Krise geraten ist, läßt sich seit der Kostenexplosion Mitte der 70er Jahre wohl kaum mehr bestreiten. Bislang hatten stabile Wachstumsraten und hohe Produktivitätssteigerungen für einen großen Verteilungsspielraum gesorgt, was den kontinuierlichen Ausbau des sozialen Sicherungssystems ermöglicht hatte.
Die nun in immer kürzeren Abständen auftretende Finanzkrisen lassen die Thesen der systeminhärenten Instabilität immer plausibler erscheinen. Dies soll im folgenden gezeigt werden.
Das als Moral Hazard charakterisierte Verhalten ist ein Phänomen des Sozialstaats, das nach Ansicht der neoliberalen Ökonomie nur über marktliche Hilfe in den Griff zu bekommen ist. Es bezeichnet das Risiko, daß Menschen so handeln, was man von ihnen befürchtet. Im konkreten Fall bedeutet dies, daß bereits das Vorhandensein einer Versicherung das Verhalten eines Versicherten beeinflußt. Dieser hat die Folgen seines Handelns nicht direkt und selbst zu tragen, sondern kann sie vielmehr auf die Solidargemeinschaft abwälzen.
[...]
1. so auch z.B. die Unternehmensberatung Mc Kinsey, vgl. Offermann (1997), S. 31
2. vgl. die Erklärung von UnternehmensGrün, (Verband zur Förderung umweltgerechten Wirtschaftens) in: DIE ZEIT, Nr. 44 vom 25.10.1996 Wirtschaft
3. leider kann im Rahmen dieser Arbeit nicht genauer auf Detailunterschiede zwischen den verschiedenen Vorschlägen eingegangen werden. Ein ausführlicher Vergleich findet sich in Kaltenborn, Bruno (1995)
4. in den USA existiert bereits eine Abwandlung der negativen Einkommensteuer (earned income tax credit) und stellt das ,,bedeutendste Mittel zur Armutsbekämpfung" (Jerger, Jürgen/Spermann, Alexander (1996), S. 11) dar. Auch in Großbritannien existierte bereits das family credit Programm, das unter Tony Blair durch eine negative Einkommensteuer abgelöst wurde.
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