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Hausarbeit, 1999, 26 Seiten
Autor: M.A. Hans Christian Siller
Fach: Politik - Int. Politik - Region: Westeuropa
Details
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Institut für Politikwissenschaften)
Tags: demokratischer Frieden, Friedfertigkeit, democratic peace, Kant, vom ewigen Frieden
Jahr: 1999
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-10977-2
ISBN (Buch): 978-3-638-72275-9
Dateigröße: 138 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die These, daß Demokratien keine Kriege gegeneinander führen scheint auf den ersten Blick einleuchtend und unumstritten zu sein. Spätestens seit US-Präsident Woodrow Wilsons 14-Punkten hatte die Vision einer demokratischen und daher friedlichen Welt ihren festen Platz in der Riege der politischen Philosophien eingenommen. Mittlerweile gehört sie sogar zum Standardprogramm der politischen Populärrethorik: In den Wahlkampfreden während der Präsidentschaftskampagnen sowohl von George Bush als auch von Bill Clinton tauchte der Begriff der "international zone of 'democratic peace'" regelmäßig auf . Clinton hat die Demokratisierung regelmäßig als 'third pillar' seiner Außenpolitik bezeichnet und festgestellt: “Democracies don't attack each other.“ “Democratic Peace Theory [...] has become a lodestar that guides America's post-Cold War foreign policy.” Überraschend daran ist, wie schnell diese These den Weg von der Wissenschaft in die politische Praxis gefunden zu haben scheint. Zwar ist die Idee der friedlichen Demokratie nicht sonderlich neu, jedoch verdichteten sich seit den 70er Jahren empirische Hinweise auf eine tatsächliche Existenz des demokratischen Friedens. In der vorliegenden Arbeit sollen die verschiedenen theoretischen Erklärungsversuche des demokratischen Friedens auf ihre Stichhaltigkeit untersucht werden. Hierbei soll gezeigt werden, daß sowohl die Empirie als auch die Theorien des demokratischen Friedens mit vielen Unstimmigkeiten behaftet sind. Nur im Lichte der Schwachstellen läßt sich beurteilen, wo der demokratische Frieden zwischen den Eingangszitaten anzusiedeln ist, d.h. zwischen dem sicheren und politisch unmittelbar realisierbaren Weltfriedensrezept oder der Adaption politisch opportuner, aber wissenschaftlich zweifelhafter Thesen, die auf der frommen Hoffnung in das gutwillige Verhalten der Gegner basieren.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Freiburg im Breisgau
Seminar für wissenschaftliche Politik
Grundkurs: Frankreich als internationaler Akteur
Wintersemester 1998/99
Demokratisierung - der Königsweg
zum Weltfrieden?
Referent:
Hans Christian Siller
Magisterstudiengang HF Politikwissenschaft,
NF Jura/VWL, drittes Semester
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 DER EMPIRISCHE BEFUND 4
3 THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE 6
3.1 Kant und seine Vorläufer 6
3.2 Kants Erben 8
3.2.1 Demokratische Mitbestimmung als Kriegshemmnis 8
3.2.2 Demokratische Kultur und Normen als Kriegshemmnis 9
3.2.3 Demokratische Institutionen als Kriegshemmnis 10
3.3 Realisten vs. Idealisten 11
3.3.1 Demokratischer Krieg? 12
3.3.2 Verdeckte Kriege: ′covert actions′ 14
3.3.3 Zur Externalisierung von Normen 14
3.3.4 Der Demokratische Frieden als selbsterfüllende Prophezeiung? 15
3.3.5 Alternative Erklärungsversuche 16
3.4 Zur empirische Datengrundlage und ihrer Aussagekraft 19
4 FAZIT 21
5 LITERATURVERZEICHNIS: 24
"Vor 200 Jahren schrieb Immanuel Kant in seiner Schrift ′zum ewigen Frieden′, daß Demokratien untereinander nicht Krieg führen. Was damals noch als idealistische Utopie erscheinen mochte, ist heute die konkrete Vision einer internationalen Friedensordnung. Die Nachkriegsgeschichte Westeuropas ist dafür der eindrucksvollste Beleg."
Roman Herzog1
"liberal international relations theory is based on hope, not in fact. [...] Given the stakes, the United States [...] cannot afford to have either its foreign policy, or the intellectual discourse that underpins that policy, shaped by theoretical approaches that are based on wishful thinking."
Christopher Layne2
1. Einleitung
Die These, daß Demokratien keine Kriege gegeneinander führen scheint auf den ersten Blick einleuchtend und unumstritten zu sein. Spätestens seit US-Präsident Woodrow Wilsons 14-Punkten hatte die Vision einer demokratischen und daher friedlichen Welt ihren festen Platz in der Riege der politischen Philosophien eingenommen. Mittlerweile gehört sie sogar zum Standardprogramm der politischen Populärrethorik: In den Wahlkampfreden während der Präsidentschaftskampagnen sowohl von George Bush als auch von Bill Clinton tauchte der Begriff der "international zone of ′democratic peace′" regelmäßig auf3. Clinton hat die Demokratisierung regelmäßig als ′third pillar′ seiner Außenpolitik bezeichnet und festgestellt: "Democracies don′t attack each other."4 "Democratic Peace Theory [...] has become a lodestar that guides America′s post-Cold War foreign policy."5
Überraschend daran ist, wie schnell diese These den Weg von der Wissenschaft in die politische Praxis gefunden zu haben scheint. Zwar ist die Idee der friedlichen Demokratie nicht sonderlich neu, jedoch verdichteten sich seit den 70er Jahren empirische Hinweise auf eine tatsächliche Existenz des demokratischen Friedens6.
In der vorliegenden Arbeit sollen die verschiedenen theoretischen Erklärungsversuche des demokratischen Friedens auf ihre Stichhaltigkeit untersucht werden. Hierbei soll gezeigt werden, daß sowohl die Empirie als auch die Theorien des demokratischen Friedens mit vielen Unstimmigkeiten behaftet sind. Nur im Lichte der Schwachstellen läßt sich beurteilen, wo der demokratische Frieden zwischen den Eingangszitaten anzusiedeln ist, d.h. zwischen dem sicheren und politisch unmittelbar realisierbaren Weltfriedensrezept oder der Adaption politisch opportuner, aber wissenschaftlich zweifelhafter Thesen, die auf der frommen Hoffnung in das gutwillige Verhalten der Gegner basieren.
2 Der empirische Befund
Eine systematische empirische Erforschung des Zusammenhangs zwischen Regierungsform und Außenverhalten von Staaten begann in den sechziger Jahren. Die ersten Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Während etliche Studien zu dem Ergebnis kamen, daß die Außenbeziehungen von Demokratien generell weniger konfliktbelastet sind (d.h. es wurden v.a. Konflikte unterhalb der Kriegsebene betrachtet)7, kam die Mehrzahl zum Ergebnis, "daß sich kein systematischer Zusammenhang zwischen Herrschaftsform und Kriegsbeteiligung [...] nachweisen lasse; Demokratien schienen also demnach ebenso kriegsanfällig zu sein wie Nichtdemokratien."8
1964 veröffentlichte Dean Babst die Ergebnisse seiner Studie, die nicht die Außenbeziehungen von Demokratien generell, sondern nur die Beziehungen von Demokratien zu Demokratien betrachtete. Er kam zu dem überraschenden Schluß, daß zwischen 1789 und 1941 keine Kriege zwischen demokratischen Staaten geführt worden waren9.
[...]
1 Roman Herzog, Rede zum Staatsakt in Berlin am 8. Mai 1995, zit. Nach Herzog, Roman: Demokratie als Friedensstrategie: Reden und Beiträge des Bundespräsidenten, herausgeg. Von Dieter S. Lutz, Baden-Baden, 1997, S. 40.
2 Layne, Christopher: Kant or Cant. The Myth of the Democratic Peace in: International Security, vol. 19, no. 2, 1994, S. 49. Die Begriffe ,liberal peace` und ,democratic peace` werden in der englisch-sprachigen Literatur synonym verwendet; vgl. hierzu Rummel: Libertarian Propositions on Violence Within and Between Nations in: in: Journal of Conflict Resolution, vol. 29, no. 3, September 1985, S. 450; unter Demokratie wird im folgenden das westliche Demokratiemodell verstanden.
3 vgl. Ray, James Lee: Democracy and International Conflict; An Evaluation of the Democratic Peace Proposition, University of South Carolina Press, Columbia, 1995, S. 210.
4 vgl. Owen, John Malloy: How Liberalism Produces Democratic Peace in: in: Brown, Michael E./Lynn-Jones, Sean M./Miller, Steven E. (Hrsg.), a.a.O., S. 116.
5 Layne, Christopher: Kant or Cant. The Myth of the Democratic Peace in: International Security, vol. 19, no. 2, 1994, S. 46.
6 Die Begriffe ,liberal peace` und ,democratic peace` werden in der englisch-sprachigen Literatur synonym verwendet; vgl. hierzu Rummel: Libertarian Propositions on Violence Within and Between Nations in: in: Journal of Conflict Resolution, vol. 29, no. 3, September 1985, S. 450; unter Demokratie wird im folgenden das westliche Demokratiemodell verstanden.
7 eine Aufzählung findet sich in Ray, James Lee: Democracy and International Conflict; An Evaluation of the Democratic Peace Proposition, University of South Carolina Press, Columbia, 1995, S. 11.
8 Rittberger, Volker: Zur Friedensfähigkeit von Demokratien; Betrachtungen zur politischen Theorie des Friedens in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 44/87, 31. Oktober 1987, S. 9.
9 "no wars have been fought between independen nations with elective governments between 1789 to 1941", zit. Nach Ray, James
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