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Partnerschaft und Sexualität bei behinderten Menschen - Eine Befragung von MitarbeiterInnen von Behinderteneinrichtungen zu ihrem Umgang und ihren Einstellungen zum Sexualleben von Betreuten

Diploma Thesis, 2003, 105 Pages
Author: Steffen Grundmann
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 105
Grade: 2,5
Language: German
Archive No.: V15823
ISBN (E-book): 978-3-638-20837-6

File size: 474 KB


Excerpt (computer-generated)

Berufsakademie Stuttgart
Staatliche Studienakademie
- Fachbereich Sozialwesen -

Diplomarbeit

Thema:
Partnerschaft und Sexualität von geistig behinderten Menschen
Eine Befragung von MitarbeiterInnen von Behinderteneinrichtungen zu ihrem
Umgang und ihren Einstellungen zum Sexualleben von Betreuten

vorgelegt von

Steffen R. Grundmann

Datum: 24.03.2003

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung ... 1
1.1 Warum dieses Thema? ... 2
1.2 Was soll mit dieser Arbeit erreicht werden? ... 3
1.3 Zur Strukturierung ... 3
1.4 Nicht näher bearbeitete Themen ... 4

2. Theoretische Grundlagen ... 5
2.1 Definitorische Annäherung an den Begriff der „Behinderung“ ... 5
2.2 ...und speziell der geistigen Behinderung ... 7
2.2.1 Ursachen von geistiger Behinderung ... 9
2.3 Der Begriff der Einstellung – Erklärt am mehrdimensionalen Einstellungsmodell ... 10
2.4 Der Begriff der Sexualität ... 15
2.4.1 Die „andere“ Sexualität? ... 16
2.4.2 Zur Selbstbefriedigung bei geistiger Behinderung – Risiken und Chancen der aktiven Unterstützung für hilflose Menschen ... 17
2.5 Selbstbestimmung von geistig behinderten Menschen ... 21
2.6 Rechtliche Grundlagen zur Partnerschaft und Sexualität bei geistig behinderten Menschen ... 25
2.6.1 Die allgemeinen Grundrechte ... 26
2.6.2 Rechts- und Geschäftsfähigkeit von geistig behinderten Menschen ... 27
2.6.3 Juristische Aspekte zur Eheschließung ... 29
2.6.4 Juristische Aspekte zum Kinderwunsch von geistig behinderten Menschen ... 30
2.6.5 Juristische Aspekte zur Sterilisation ... 32
2.6.6 Exkurs 1: Juristische Aspekte zum Schwangerschaftsabbruch ... 36
2.6.7 Exkurs 2: Juristische Aspekte zur Sexualassistenz ... 36

3. Praktischer Teil – Die Umfrage ... 38
3.1 Wer wird befragt? Was wird erfragt? ... 38
3.2 Wie wird befragt? ... 38
3.3 Zum Rücklauf ... 40
3.4 Wie wurden die Fragebögen ausgewertet? ... 43
3.5 Hypothesen zu dieser Arbeit ... 44

4. Auswertung der Fragebögen ... 45
4.1 Statistische Fragen (Fragen 1 bis 9) ... 45
4.2 Zufriedenheit mit der Arbeit (Fragen 11 und 12) ... 49
4.3 Aufbau der Gruppe (Fragen 13 bis 21) ... 50
4.3.1 Fragen 18 bis 21 ... 52
4.4 Fragen zu Freundschaft, Partnerschaft und Ehe von geistigbehinderten Menschen (Fragen 22 bis 29) ... 54
4.5 Ursache von geistiger Behinderung (Frage 30) und weitere „Wissensfragen“ zur Sexualität geistigbehinderter Menschen (Fragen 31 und 32) ... 57
4.6 Fragen zur Aufklärung und Verhütung (Fragen 33 bis 37) ... 58
4.7 Toleranz gegenüber der Sexualität von geistigbehinderten Menschen allgemein (Frage 38) und speziell zur Selbstbefriedigung (Fragen 39 bis  42) ... 62
4.8 Fragen zu Kinderwunsch von geistigbehinderten Menschen (Fragen 43 und 44) und zur Sterilisation (Frage 45) ... 65
4.9 Eigene Einstellung zur Sexualität (Frage 46) und Vergleich der eigenen Einstellungen zur Sexualität mit denen der Kollegen und der Einrichtung (Fragen 47 bis 49) ... 67

5. Schlussteil ... 72
5.1 Verifizierung bzw. Falsifizierung der aufgestellten Hypothesen ... 72
5.2 Zusammenfassung ... 78

Literaturverzeichnis ... 81

Anhang ... 83

 

1. Einleitung
Sexualität ist normal. Sexualität ist schön. Sexualität ist lebenswichtig. Jeder Mensch nimmt für sich das Recht in Anspruch, sich sexuell so auszuleben, wie er es will – Sexualität als individuelles Grundrecht.

Sexualität ist aber auch mehr als das, mehr als nur der bloße Geschlechtsakt: Sie ist die treibende Kraft in unser aller Leben, Sexualität formt unsere Persönlichkeit, mit ihr äußern wir den Wunsch nach so elementaren Bedürfnissen wie Zärtlichkeit, Lust und Gesellschaft.

Doch nicht jeder Mensch bekommt die Möglichkeit, sich sexuell so ausleben zu können, wie er es will. Zwar wird seit Ende der 60er Jahre zunehmend von einer Liberalisierung der Sexualität gesprochen, doch gerade dem (geistig) behinderten Menschen, der Zeit seines Lebens von anderen Menschen mehr oder weniger abhängig ist, sind die Möglichkeiten der sexuellen Selbstbestimmung eingeschränkt bzw. verwehrt. Doch warum ist das so? Erklärungen dafür gibt es viele: Unwissenheit, Angst, mangelndes Vertrauen, gesellschaftliche & institutionelle Barrieren und Vorurteile. Man kann auch versuchen, dies mit einem Begriff zu erklären: Fehlerhafte Einstellungen gegenüber behinderten Menschen – und zwar fehlerhaft verglichen mit den allgemeinen Einstellungen, die wir „normalen“ Menschen gegenüber haben. Dazu einige Beispiele:

  • gerade schwerer behinderte Menschen müssen sich den „Vorwurf“ gefallen lassen, dass für sie Sexualität bei weitem nicht so bedeutend ist wie für uns „normale Menschen“. Somit besteht auch kein Sinn darin, ihre Sexualität zu fördern oder sich zumindest mit ihr auseinanderzusetzen. Fremdbestimmung ist die logische Folge.
  • die Hilflosigkeit und Unselbstständigkeit behinderter Eltern steht im krassen Widerspruch zu den Erwartungen, die man an „normale, gesunde“ Eltern stellt. Es ist unvorstellbar, das „ewige Kind“ (vgl. Hensle/Vernooij 2000, Seite 156f.) könnte erziehungsfähig sein.
  • die Distanzlosigkeit behinderter Menschen anderen gegenüber wird oft als aggressive Wildheit bezeichnet, aber korrekt betrachtet haben insbesondere geistig behinderte Menschen oftmals nicht die Fähigkeit, ihre Zuneigung verbal auszudrücken.

Frei von fehlerhaften Einstellungen anderen Menschen gegenüber ist sicherlich niemand. Selbst Personen, die beruflich mit behinderten Menschen zu tun haben, sind keineswegs frei von Vorurteilen. Erst recht nicht bei solch einem immer noch heiklen Thema wie der Sexualität bei geistig behinderten Menschen. Um diese Behauptung zu untersuchen, beschäftigt sich diese Arbeit speziell mit den Einstellungen, die MitarbeiterInnen in Behinderteneinrichtungen zu der Sexualität ihrer geistig behinderten Betreuten haben.

1.1 Warum dieses Thema?
Obwohl ich meine Praxisphasen im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Wahlwies ableiste, hat sich während meines Studiums und zweier Praktika mit geistig behinderten Menschen (zum einen in einer Schule mit geistig und mehrfach behinderten Kindern in Bautzen, zum anderen mit geistig behinderten Erwachsenen im Camphill Hermanus in Südafrika) herauskristallisiert, dass mein bevorzugtes Arbeitsfeld die Arbeit mit behinderten Menschen ist und nach dem Studium auch sein wird. Begründet durch mein überaus positives „Behinderte-Menschen-Bild“ beschäftige ich mich vorzugsweise mit den Problemen, die behinderte Menschen in unserer an Leistung und Wohlstand orientierten Gesellschaft haben. Die Entscheidung, dieses Thema zu bearbeiten, entsprang dem persönlichen Verlangen, die Hintergründe darzustellen und zu verstehen.

1.2 Was soll mit dieser Arbeit erreicht werden?
Eindeutig zu viel erwartet wäre es, die Einstellungen gegenüber behinderten Menschen zum Thema Sexualität durch diese Arbeit grundlegend verändern zu wollen, geschweige denn zu können (Vielleicht wird sich durch die Umfrage sogar herausstellen, dass dies zumindest im professionellen Sektor gar nicht mehr nötig ist!?). Diese Erwartung ist schon deshalb übertrieben, da die Umfrage aufgrund der relativ geringen Anzahl an befragten Personen nur bedingt als repräsentativ bezeichnet werden kann. Ein realistischeres Ziel ist es schon eher, wenn man durch die Befragung erreicht, dass dieses Thema in den befragten Einrichtungen neu bzw. erneut diskutiert wird. Zweifellos haben sich die Bedingungen für behinderte Menschen in den letzten Jahrzehnten entschieden verbessert. Schlagworte wie Integration und Normalisierungsprinzip machen dies deutlich. Doch kann ein kritisches Hinterfragen der gegenwärtigen Einstellungen zur Sexualität geistig behinderter Menschen nicht falsch sein – auch im Hinblick auf die aufgestellten Thesen und die Untersuchungsergebnisse. Da jeder an der Umfrage teilgenommenen Einrichtung die Auswertung der Fragebögen zugeschickt wird, ist diese Auseinandersetzung mit diesem Thema zumindest nicht völlig unwahrscheinlich.

[...]


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