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Scholary Paper (Seminar), 1998, 15 Pages
Author: Florian Görner
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Cologne (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Untertan, Heinrich, Mann, Satire, Wilhelminische, Bürgertum, Einführungsseminar, Neuere, Deutsche, Sprache, Literatur
Year: 1998
Pages: 15
Grade: gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20895-6
ISBN (Book): 978-3-638-75815-4
File size: 96 KB
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Abstract
Zu Beginn meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Definition des Begriffes „Satire“ . Ich versuche, die wichtigsten Merkmale herauszuarbeiten und so zu einer eigenen, zusammenfassenden Definition zu gelangen, von der ausgehend ich dann den Roman Heinrich Manns systematisch unter dem Gesichtspunkt seines satirischen Charakters untersuchen werde. Dabei werde ich versuchen, die satirischen Merkmale des Textes darzustellen und diese im Bezug zum Inhalt des Romans zu sehen. So hoffe ich, den Roman im Hinblick auf seinen Inhalt, seine Bedeutung und seine Form einigermaßen umfassend darstellen zu können. Unter „umfassend“ verstehe ich in diesem Zusammenhang, die wichtigsten und wesentlichen Aspekte des Textes möglichst anschaulich darzustellen. Erschöpfend kann diese Darstellung im beschränkten Rahmen einer solchen Arbeit selbstverständlich nicht sein.
Excerpt (computer-generated)
INSTITUT FÜR DEUTSCHE SPRACHE UND LITERATUR DER UNIVERSITÄT ZU KÖLN
Einführungsseminar in die Neuere Deutsche Sprache und Literatur
Schwerpunkt Prosa
Sommersemester 1998
DER UNTERTAN VON HEINRICH MANN ALS SATIRE AUF DAS
WILHELMINISCHE BÜRGERTUM
Florian Görner
Inhaltsverzeichnis
1 Konzept der Arbeit
2.1 Zur Definition des Begriffes „Satire“
2.2 Zusammenfassung
3 Der Roman
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Rezeptionsgeschichte
3.3 Resümee
4.1 Inhaltliche und strukturelle Konzeption
4.2 Satirische Mittel
5 Schlußresümee
1. Konzept der Arbeit
Zu Beginn meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Definition des Begriffes „Satire“ . Ich versuche, die wichtigsten Merkmale herauszuarbeiten und so zu einer eigenen, zusammenfassenden Definition zu gelangen, von der ausgehend ich dann den Roman Heinrich Manns systematisch unter dem Gesichtspunkt seines satirischen Charakters untersuchen werde. Dabei werde ich versuchen, die satirischen Merkmale des Textes darzustellen und diese im Bezug zum Inhalt des Romans zu sehen. So hoffe ich, den Roman im Hinblick auf seinen Inhalt, seine Bedeutung und seine Form einigermaßen umfassend darstellen zu können. Unter „umfassend“ verstehe ich in diesem Zusammenhang, die wichtigsten und wesentlichen Aspekte des Textes möglichst anschaulich darzustellen. Erschöpfend kann diese Darstellung im beschränkten Rahmen einer solchen Arbeit selbstverständlich nicht sein.
2.1 Zur Definition des Begriffes „Satire“
Ganz allgemein läßt sich über das Wesen der Satire sagen, daß sie Gesellschaftskritik übt. Sie kritisiert bestehende soziale Zustände, menschliche Gewohnheiten und Verhaltensweisen mit dem Ziel, dem Leser diese Mißstände bewußt zu machen und möglicherweise eine Veränderung, eine Verbesserung zu bewirken.
Die allgemeinste Definition, die ich gefunden habe, bezeichnet Satire als (häufig literarischen) Spott über bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit, der allerdings nicht offen und direkt, sondern auf indirekte Art und Weise zu Tage tritt. Die Satire spottet demnach, indem sie das Objekt ihrer Kritik auf ästhetisch-künstlerische Weise nachahmt.1
Die genannten „Erscheinungen der Wirklichkeit“ können spezifiziert werden als Mißstände in der Gesellschaft, als Unsitten, Anschauungen, Ereignisse, Personen, auch als künstlerische, z.B. literarische Werke, in welchem Fall dann von Literatursatire zu sprechen ist. Allgemeiner formuliert geht es um den Spott und die Kritik, um die Entlarvung alles Kleinlichen, Schlechten, Ungesunden im menschlichen Leben und in der Gesellschaft, sowie um „dessen Preisgabe an Verachtung, Entrüstung und Lächerlichkeit“. 2 Dabei hat die Satire oft durchaus aggressiven Charakter, wie es von mehreren Autoren betont wird.
So heißt es bei Wilpert :
Neben Tendenz und Engagement ist die Satire jedoch auch oft Ausdruck einer auf Vernichtung des Objektes zielenden literarischen Aggression, die den Entwurf eines positiven Gegenbildes ablehnt.3
Zu der gleichen Thematik schreibt Röcke :
Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Darstellungsmustern satirischen Schreibens eine aggressive Kritik gegenüber gesellschaftlichen oder moralischen Mißständen, aber auch gegenüber Institutionen oder Einzelpersonen, die verspottet und verhöhnt, verzerrt und überzeichnet werden sollen, um auf diese Weise um so eindringlicher vor ihnen warnen zu können.4
Zu der oben kurz erwähnten Zielsetzung der Satire, nämlich eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu bewirken, schreibt Röckert :
Ziel satirischen Schreibens ist die Verbesserung der politischen, sozialen, kirchlichen oder moralischen Verhältnisse (causa correctionis), wobei als Maßstab der Kritik ein verbindliches Normensystem fungiert, an welchem die wirklichen Verhältnisse und Verhaltensweisen gemessen und – in der Regel – für schlecht befunden werden.5
Hier ist ein weiterer wichtiger Begriff gefallen, der bisher noch nicht erwähnt wurde, der Begriff der „Norm“. Die Satire orientiert sich in ihrer Kritik, in ihrem Angriff, meist an gesellschaftlichen Normen. Brummack nennt dies die „Normbindung des Angriffs“6. Hierunter ist zu verstehen, daß die Satire nicht zu dem Zweck verfaßt wird, einen privaten, persönlichen Anspruch durchzusetzen, sondern daß es ihr stets um etwas Komplexeres, Allgemeineres geht, um eine Idee, eine Norm, die der Autor für besser als die zum Zeitpunkt seines Schreibens vorherrschende hält. Brummack nennt einen weiteren wichtigen Aspekt, der weiter oben schon kurz erwähnt wurde; die Indirektheit des Angriffs. Und zwar greift die Satire meist deswegen auf indirekte Art und Weise an, „weil das Objekt durch Macht, Gesetz oder Sitte vor einem direkten Angriff geschützt ist“7.
Die Satire steht in enger Beziehung zum Realismus. Wenn dies vielleicht auf den ersten Blick erstaunlich klingen mag, so wird es doch deutlich, wenn man bedenkt, daß der Gegenstand der Satire die Wirklichkeit des menschlichen Lebens ist. Mit ihr beschäftigt sie sich, an ihr reibt sie sich und mit ihr setzt sie sich auseinander. Sie existiert überhaupt nur, um die Realität in ihrer mangelhaften Erscheinung zu kritisieren. An den Schluß dieser Ausführungen möchte ich deswegen ein Zitat Schillers stellen, welches das Verhältnis der Satire zur Realität beschreibt :
[....]
1 Vgl. Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. S.408.
2 Vgl. Gero von Wilpert - Sachwörterbuch der Literatur. S.809.
3 Vgl. Ebenda.
4 Vgl. Walther Killy. Literatur-Lexikon. Begriffe, Realien, Methoden. S.329.
5 Vgl. Ebenda.
6 Vgl. Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. S.602, Spalte 1.
7 Vgl. Ebenda.
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