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Ausgewählte Methoden der Problemlösung und ihre Bedeutung für die Gruppenarbeit mit Jugendlichen in der kirchlichen Gemeindepraxis

Diplomarbeit, 1994, 136 Seiten
Autor: Georg Braß
Fach: Pädagogik - Allgemein

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 1994
Seiten: 136
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V15985
ISBN (E-Book): 978-3-638-20951-9

Dateigröße: 357 KB
Anmerkungen :
Problem- und Konfliktlösung in der Gruppenarbeit



Textauszug (computergeneriert)

Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Fachbereich Kirchliche Gemeindepraxis

Ausgewählte Methoden der Problemlösung
und ihre Bedeutung für die Gruppenarbeit mit Jugendlichen
in der kirchlichen Gemeindepraxis

Diplomarbeit

vorgelegt von

Georg Braß

Externenprüfung 94/95

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung ... 2
0.1. Inhaltsverzeichnis ... 2
0.2. Einführung ... 7

1. Gemeindeprobleme im biblischen Kontext ... 12
1.1. Einsetzung von Helfern für Mose (2.Mose 18,13-27) ... 12
1.1.1. Problemerkenntnis ... 12
1.1.2. Zielfindung ... 12
1.1.3. Aktionsplanung und Ausführung ... 13
1.1.4. Anregungen für die gemeindliche Gruppenarbeit ... 13
1.2. Die Wahl der Sieben Armenpfleger (Apg. 6,1-8) ... 15
1.2.1. Konflikt und Ursache ... 15
1.2.2. Der Lösungsprozeß ... 16
1.2.3. Anregungen für die gemeindliche Gruppenarbeit ... 16
1.3. Das Apostelkonzil (Apg.15) ... 18
1.3.1. Unterschiedliches Schriftverständnis als Problem- und Konfliktursache ... 18
1.3.2. Die Vermittlerrolle der Jerusalemer Gemeinde ... 19
1.3.3. Problemlösung ... 20
1.3.4. Anregungen für die gemeindliche Gruppenarbeit ... 21
1.4. Streit um einen Mitarbeiter (Apg.15,36-41) ... 23
1.4.1. Der Konflikt ... 23
1.4.2. Trennung statt Konfliktlösung ... 23
1.4.3. Anregungen für die gemeindliche Gruppenarbeit ... 24
1.5. Mirjam gegen Mose (4.Mose 12,1-16) ... 25
1.5.1. Zweischichtige Konfliktursache ... 25
1.5.2. Konfliktlösung durch ein Gottesurteil ... 26
1.5.3. Konfliktlösung und Vergebungsbereitschaft ... 26
1.5.4. Anregungen für die gemeindliche Gruppenarbeit ... 26
1.6. Prozeß der Problemlösung bei Nehemia ... 28
1.6.1. Problemerkenntnis und Betroffenheit (Neh.1,2-4a) ... 28
1.6.2. Gebet (1,4b-11) ... 28
1.6.3. Informationssammlung (1,2-3; 2,11-15) ... 29
1.6.4. Zielsetzung (2,5.17.18) ... 29
1.6.5. Planung (2,5-8) ... 29
1.6.6. Betroffenheit wecken, Helfer gewinnen (2,17) ... 29
1.6.7. Organisation, Delegation und Motivation (3,1-37) ... 30
1.6.8. Konfliktlösung (5,1-13) ... 30
1.6.9. Anregungen für die gemeindliche Gruppenarbeit ... 31

2. Ausgewählte Methoden der Problemlösung ... 33
2.1. T. U. Schall: Konfliktursachen und Konfliktlösungen ... 33
2.1.1. Konfliktursachen ... 34
2.1.1.1. Wahrnehmungen ... 34
2.1.1.2. Überzeugungen ... 35
2.1.1.3. Werte ... 35
2.1.1.4. Emotionen ... 35
2.1.1.5. Verhaltensrepertoire ... 35
2.1.2. Der larvierte Konflikt ... 35
2.1.2.1. Wirkungslosigkeit ... 36
2.1.2.2. Manifester Konflikt ... 36
2.1.2.3. Konfliktverlagerung ... 36
2.1.3. Konfliktlösung ... 37
2.1.3.1. Drei Grundfragen ... 37
2.1.3.2. Konfliktlösungsverfahren ... 38
2.1.4. Anmerkungen zur Konfliktlösung nach T. U. Schall ... 41
2.2. Thomas Gordon: Managerkonferenz ... 43
2.2.1. Problemlösung und Bedürfnisbefriedigung ... 43
2.2.2. Der Führer als Helfer bei der Problemlösung ... 45
2.2.2.1. Gesprächstechniken ... 46
2.2.2.2. Aktives Zuhören in der Praxis ... 47
2.2.3. Der Führer als Betroffener bei der Problemlösung ... 48
2.2.4. Konfliktlösung: Die Jeder-gewinnt-Methode ... 50
2.2.5. Anmerkungen zur Problemlösung nach Th. Gordon ... 52
2.3. S. Pokras: Problemlösung und Entscheidungsfindung ... 54
2.3.1. Grundlagen ... 54
2.3.1.1. Die Methode im Überblick ... 54
2.3.1.2. Dynamik der Kommunikation ... 55
2.3.2. Schritt 1: Problemerkennung ... 56
2.3.3. Schritt 2: Problembenennung ... 58
2.3.4. Schritt 3: Analyse der Problemursache ... 59
2.3.5. Schritt 4: Lösungsalternativen ... 61
2.3.6. Schritt 5: Entscheidungsfindung ... 62
2.3.7. Schritt 6: Aktionsplanung ... 64
2.3.8. Anmerkungen zu S. Pokras ... 66

3. Grundsätze zur Problemlösung in der Gruppenarbeit mit Jugendlichen in der kirchlichen Gemeindepraxis ... 68
3.1. Arbeitsfeldbeschreibung ... 68
3.2. Grundsätze ... 69
3.2.1. Wurzelbehandlung: Der Sache auf den Grund gehen ... 69
3.2.1.1. Wahrnehmungsfehler als Störung bei der Problemdefinition ... 70
3.2.1.2. Konfliktpotential bei der Zieldefinition durch unterschiedliche Sozialisation ... 73
3.2.1.3. Konfliktpotential bei der Zieldefinition durch unterschiedliche Lebensziele ... 74
3.2.1.4. Konfliktausweitung durch Konfliktverlagerung ... 74
3.2.2. Kommunikation: Einander verstehen lernen ... 75
3.2.3. Teamarbeit: Die Vorteile der Gruppe nutzen ... 76
3.2.4. Moderation: Der Rahmen muß stimmen ... 78
3.2.4.1. Äußerlichkeiten ... 78
3.2.4.2. Der Moderator ... 78
3.2.4.3. Der Berater ... 79
3.2.5. Meditation: Nach dem Willen Gottes fragen ... 79
3.2.5.1. Evangelisation: Aufruf zum Glauben an Jesus Christus ... 80
3.2.5.2. Lehre: Verkündigung der biblischen Botschaft ... 80
3.2.5.3. Diakonie: Bedürfnisorientierte Lebenshilfe ... 80
3.2.6. Ausdauer: Nicht auf der Strecke bleiben ... 81
3.2.6.1. Immer wieder den Standort bestimmen ... 81
3.2.6.2. Gelegentlich auf das Ziel besinnen ... 81
3.2.6.3. Gute Methoden zur Gewohnheit machen ... 82
3.2.7. Transparenz: Methoden und Ziele sichtbar machen ... 82
3.2.8. Realismus: Die Grenzen akzeptieren ... 83
3.2.9. Wertschätzung: Einander achten und offen begegnen ... 84
3.2.9.1. Das Vorbild Jesu ... 84
3.2.9.2. Das segnende Gebet ... 85
3.2.9.3. Die Bitte um Entschuldigung ... 85

4. Darstellung eines Problemlösungsprozesses für die Gruppenarbeit mit Jugendlichen in der kirchlichen Gemeindepraxis ... 86
4.1. Die Voraussetzungen schaffen: Vorüberlegungen ... 87
4.1.1. Wer hat das Problem? ... 87
4.1.2. Wer bereitet die Sitzung in ihren Äußerlichkeiten vor? ... 87
4.1.3. Wer leitet und das Gespräch? ... 87
4.2. Der Sache auf den Grund gehen: Ist-Stand - Analyse ... 89
4.2.1. Biblische Besinnung ... 89
4.2.2. Brillen der Wahrnehmung ... 89
4.2.3. Definition des Ist-Standes ... 90
4.3. Das Kind beim Namen nennen: ... 91
Problemdefinition und Konfliktpotential ... 91
4.3.1. Biblische Besinnung ... 92
4.3.2. Gemeinsame Soll-Vorstellungen definieren ... 92
4.3.2.1. Formulierung: Gute Ziele sind unmißverständlich ... 92
4.3.2.2. Meßbarkeit: Wann ist das Ziel erreicht? ... 93
4.3.2.3. Prioritäten: Die Reihenfolge der Behandlung festlegen ... 94
4.3.2.4. Aktionsvorbereitung: Was ist vor dem Aktionsplan zu bedenken? ... 94
4.3.3. Unterschiedliche Soll-Vorstellungen definieren ... 94
4.3.3.1. Konfliktverlagerung erschwert die Zieldefinition ... 95
4.3.3.2. Den Konflikt zu seinen Anfängen zurückverfolgen ... 95
4.3.3.3. Den Interessenskonflikt definieren ... 96
4.4. In Gang kommen: Aktionsplan ... 97
4.4.1. Biblische Besinnung ... 98
4.4.2. Sieben Schritte zum Aktionsplan ... 98
4.4.2.1. Ursachenforschung: Welche Faktoren führten zum Problem? ... 98
4.4.2.2. Aufstellung von Lösungsalternativen ... 98
4.4.2.3. Erste Ausscheidung von Alternativen ... 99
4.4.2.4. Bewertung und Gewichtung verbleibender Alternativen ... 99
4.4.2.5. Festlegung der Problemlösungsschritte ... 100
4.4.2.6. Aufgabenverteilung und Kontrolle ... 101
4.4.2.7. Aktion und Zielrevision ... 102
4.5. Den Stier bei den Hörnern packen: Konfliktlösung ... 103
4.5.1. Biblische Besinnung ... 104
4.5.2. Verfahren zur Konfliktlösung ... 104
4.5.2.1. Die Regelung ... 104
4.5.2.2. Der Kompromiß ... 104
4.5.2.3. Den Konflikt ertragen ... 104
4.5.2.4. Rückzug ... 104
4.5.2.5. Situationsänderung ... 105
4.5.2.6. Vermittlerurteil ... 105
4.5.2.7. Zufallsurteil ... 105
4.5.2.8. Machtkampf ... 105
4.5.2.9. Trennung ... 105
4.5.2.10. Die Entscheidung über Lösungsverfahren vertagen ... 105
4.5.3. Aktionsplan ... 106
4.5.4. Vom Umgang mit Verletzungen ... 107
4.5.4.1. Versöhnung und Vergebung ... 107
4.5.4.2. Achtung der Person und Wertschätzung ... 107
4.5.5. Schlußbemerkung ... 108
4.5.5.1. Einteilung in Gesprächsgänge und Übersicht ... 108
4.5.5.2. Die Verantwortung des Moderators ... 108
4.5.5.3. Konfliktprophylaxe ... 108

5. Praxis der Problemlösung: Protokoll einer Gesprächsführung ... 111
5.1. Vorbereitungen zur Problemlösung ... 111
5.2. Technische Bemerkungen zu dem folgenden Protokoll ... 112
5.3. Der Prozeß der Problemlösung ... 113
5.3.1. Die Definition des Ist-Standes ... 113
5.3.2. Problemdefinition und Konfliktpotential ... 115
5.3.3. Aktionsplan ... 119
5.3.4. Schlußbemerkungen zum Fallbeispiel ... 121

6. Zusammenfassung und Ausblick ... 122

Anhang ... 123

1. Methodenblätter für die Problemlösung ... 123
Checkliste "Die Voraussetzungen schaffen" ... 124
Übersicht: "Brillen der Wahrnehmung" ... 125
Anleitung "Brainstorm" ... 126
Arbeitsbogen "Problemdefinition und Konfliktpotential" ... 127
Übersicht "Konfliktverlagerung" ... 128
Arbeitsbogen "Immer wieder Warum" ... 129
Arbeitsbogen "Problemlösung: Alternativen und Aufgabenverteilung" ... 130
Übersicht: "Verfahren zur Konfliktlösung" ... 132
Übersicht: "Der Prozeß der Problemlösung" ... 133

2. Verzeichnis der Abbildungen ... 134

3. Literaturverzeichnis ... 135

0.2. Einführung
In meiner Arbeit als Prediger der "Landeskirchlichen Gemeinschaft" und später als Jugendreferent im "Jugendverband ′Entschieden für Christus′ (EC)" mußte ich immer wieder die Erfahrung machen, daß sowohl bei mir als auch unter den Mitarbeitern in der Jugendgruppenarbeit eine gewisse Verunsicherung über das angemessene Vorgehen bei Problemlösungsprozessen besteht. Diese Verunsicherung wurde verstärkt, wenn zu ungeklärten Sachfragen noch zwischenmenschliche Beziehungsstörungen und Konflikte dazukamen. Die Managementliteratur liefert für den Bereich wirtschaftlicher Unternehmen eine Fülle von Problem- und Konfliktlösungsstrategien. Aber die geschilderten Hintergründe und Verfahren lassen sich nicht ohne weiteres für den Bereich ehrenamtlicher Tätigkeit in der kirchlichen Gruppenarbeit mit Jugendlichen übernehmen. Die vorliegende Arbeit versucht einen Problemlösungsprozeß für die Gruppenarbeit mit Jugendlichen in der kirchlichen Gemeindepraxis zu entwickeln.

Aufbau der Arbeit
In einem ersten Teil werden biblisch-theologische Zusammenhänge zum Thema skizziert. Das folgende Kapitel stellt drei ausgewählte Methoden der Problemlösung aus Wirtschafts- und Sozialmanagement zusammenfassend dar.

Ein dritter Teil formuliert aus den Erkenntnissen der beiden vorangegangenen Teile Grundsätze zur Problemlösung in der Gruppenarbeit mit Jugendlichen in der kirchlichen Gemeindepraxis.

Das nächste Kapitel entfaltet einen möglichen Problemlösungsprozeß unter Berücksichtigung der Zielsetzung der Arbeit und der vorgenannten Grundsätze. Abschließend wird in einem letzten Teil ein Fallbeispiel zur Problemlösung nach dem vorher beschriebenen Verfahren geschildert und ausgewertet.

Begriffsbestimmung: Problem
Albrecht Müller-Schöll und Manfred Priepke definieren ein Problem als Abweichung des Soll-Standes vom Ist-Stand:


Zunächst ist jedes Problem als die Diskrepanz zu definieren, die zwischen
einer Soll-Vorstellung und einer Ist-Gegebenheit besteht. In Zahlen
ausgedrückt, kann beispielsweise die erste grobe Problemdefinition so
aussehen:

Soll: 100
Ist: 70
Diskrepanz -30

unser fiktives Problem besteht als in der Diskrepanz von -30 (...).5

Rainer Michael Rahn bringt einen weiteren Aspekt zur Sprache. Von Problemen kann man nur reden, wenn die Möglichkeiten zur Lösung des Problems nicht in Sicht sind. Alles andere sind bestenfalls Schwierigkeiten:


Eine Schwierigkeit unterscheidet sich von einem Problem dadurch, daß die Lösung für die Situation auf der Hand liegt - auch wenn sie (...) mit Zeitaufwand und Kosten verknüpft ist. (...) Nachdem es nun sicher gelungen ist, Probleme von Schwierigkeiten abzugrenzen, gilt es den Begriff "Problem" noch etwas genauer zu fassen. Das Wesentliche an einem Problem ist, (...) daß es zunächst keine akzeptable Lösung zu geben scheint. Diese Wand, die zwischen der momentanen Situation und einer Lösung steht, nennen die Psychologen eine Barriere.6

Im Sinne der genannten Definitionen soll im folgenden von Problemen die Rede sein als: Eine nicht ohne erheblichen Aufwand und spezifisches Know-how zu beseitigende Abweichung des Ist-Zustandes von einer Soll-Vorstellung.

Begriffsabgrenzung Problem - Konflikt
Die Abgrenzung der Begriffe ist nicht leicht vorzunehmen. Im Sprachgebrauch von Jugendlichen werden die Begriffe vermischt gebraucht, so kann man z.B. hören "Ich habe ein Problem mit meiner Freundin", wenn ein Beziehungskonflikt gemeint ist. Auch in der Problemlösungs- und Konfliktlösungsliteratur gehen die Begriffe ineinander über: Gordon gebraucht die Begriffe, wie in Kap. 2.2.5. "Anmerkungen zu Gordon" näher ausgeführt, nahezu synonym. Schall bringt in seiner "Mitarbeiterführung" kein Kapitel über Problemlösung, führt aber Problemlösungsprozesse unter "Konfliktlösung" auf.

Nach der Definition des "Problems" kann eine Definition des "Konfliktes" etwas Entwirrung schaffen.

Schall definiert Konflikt als Widerstreit der Interessen:


Vorstehend und nachfolgend soll unter Konflikt Folgendes verstanden werden: Ein latenter (verborgener) oder manifester (offener) Gegensatz oder gar Widerstreit von zwei oder mehreren Interessen, Wünschen oder Bestrebungen, die sich entweder subjektiv (in der Meinung der Konfliktpartner) oder objektiv (nach den Regeln der Logik und allgemeiner Erfahrung) gegenseitig ausschließen. 7

Gordon zitiert ein nicht näher bezeichnetes Wörterbuch und beschreibt: "Ein Konflikt ist (...) eine Auseinandersetzung oder Meinungsverschiedenheit, eine Kontroverse oder ein Streit, ein Zusammenprall oder ein Zusammenstoß, eine Schlacht oder ein Kampf" 8.

[...]


5 Müller-Schöll / Priepke S. 60

6 Rahn S. 11f

7 Schall S. 80

8 Gordon Managerkonferenz 1991 S. 155


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