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Universitätsbesucher in Erfurt und Köln im Mittelalter - ein statistischer Vergleich

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Wolfram Baier
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V16021
ISBN (E-book): 978-3-638-20979-3
ISBN (Book): 978-3-638-67644-1
File size: 308 KB
Notes :
Immatrikulationsfrequenzen und -konjunkturen im Reich im Mittelalter; Forscher: Schwinges, Abe, Eulenburg, Kleineidam


Abstract

„Die Frequenz einer Universität ist das getreue Spiegelbild ihrer historischen Entwicklung. (...) Demzufolge bildet die Frequenz eine der Hauptgrundlagen, auf der jede Untersuchung aufbauen muß, die sich die Erforschung irgendeiner Universitätsgeschichte zum Ziele gesetzt hat.“ Mit diesen Worten leitet Horst Rudolf Abe, Erfurter Universitätshistoriker, seine Frequenzuntersuchung des Universitätsbesuchs der mittelalterlichen Hochschule Erfurt ein. Sein Zahlenmaterial werde ich nur am Rande verwenden, da er nicht alle Hochschulen des Reiches miteinbezieht. Die neueren und umfassenderen Ergebnisse und Daten von Rainer Christoph Schwinges bilden die Grundlage dieser Arbeit. Auf das Zahlenmaterial von Eulenburg, der zum Ende des 19. Jh. die erste umfassende Frequenzuntersuchung vornahm, wird verzichtet, weil Schwinges aufgrund elektronischer Datenverarbeitung die genaueren Daten vorweist. Die wichtigsten und vollständigsten Quellen, um den Universitätsbesuch zu ermitteln, sind die Rektoratsmatrikeln. Die Immatrikulation oder auch Intitulation der Studenten in Einschreibelisten war ein formaler und konstitutioneller Akt, der vom Rektor vorgenommen wurde: nach einem Eid, der sich dem sozialen Status des Besuchers anpaßte, erfolgte die Gebührenzahlung (intitulatura) und die namentliche Eintragung in das Matrikelbuch (matricula, album oder registrum). Für Köln und Erfurt sind glücklicherweise diese Allgemeinen Matrikeln überliefert und ediert. Doch ist ein kritischer Umgang mit diesen Quellen nötig, da Schreiber die Namen ungenau, mal verschieden oder gar nicht notierten; auch sind Diener, Würdenträger oder Familienangehörige eingetragen worden, so daß es schwierig ist, die exakte Zahl der Studenten, ihre soziale oder räumliche Herkunft zu erfassen. Ein Ziel dieser Arbeit ist, das vorhandene Zahlenmaterial zu den mittelalterlichen Universitäten Köln, gegründet 1388, und Erfurt, gegründet 1392, zu sammeln und die Frequenzen vergleichend gegenüberzustellen. Das alleine ist aber sicherlich nicht ausreichend, denn die frequentielle Intensität von Hochschulen ist ein Gradmesser ihrer jeweiligen Bedeutung, demzufolge muß „auch der geistige Aktionsradius dieser Universitäten entsprechend unterschiedlich genannt werden“ (Abe). Das andere Ziel lautet daher, die Immatrikulationszahlen auf wirtschaftliche, soziale, politische und geographische Aspekte im Umfeld der Universitäten zu beziehen.


Excerpt (computer-generated)

Universitätsbesucher in Erfurt und Köln
im Mittelalter - ein statistischer Vergleich



Verfasser: Wolfram Baier

Inhalt

1. Einleitung 3

2. Die Universitätsstädte Erfurt und Köln 4

3. Die Universitätsbesucher in Köln und Erfurt 6

3.1. Die Immatrikulationsfrequenzen 6
3.2. Interpretation der Frequenzen und konjunkturelle Prozesse 8
3.3. Köln und Erfurt im Kontext der Reichsfrequenz 11

4. Räumliche Herkunft der Erfurter und Kölner Studenten 15

5. Schluß 19

Literaturverzeichnis 21





1. Einleitung

„Die Frequenz einer Universität ist das getreue Spiegelbild ihrer historischen Entwicklung. (...) Demzufolge bildet die Frequenz eine der Hauptgrundlagen, auf der jede Untersuchung aufbauen muß, die sich die Erforschung irgendeiner Universitätsgeschichte zum Ziele gesetzt hat.“1 Mit diesen Worten leitet Horst Rudolf Abe, Erfurter Universitätshistoriker, seine Frequenzuntersuchung des Universitätsbesuchs der mittelalterlichen Hochschule Erfurt ein.2 Sein Zahlenmaterial werde ich nur am Rande verwenden, da er nicht alle Hochschulen des Reiches miteinbezieht.3 Die neueren und umfassenderen Ergebnisse und Daten von Rainer Christoph Schwinges bilden die Grundlage dieser Arbeit.4 Auf das Zahlenmaterial von Eulenburg, der zum Ende des 19. Jh. die erste umfassende Frequenzuntersuchung vornahm, wird verzichtet, weil Schwinges aufgrund elektronischer Datenverarbeitung die genaueren Daten vorweist.5

Die wichtigsten und vollständigsten Quellen, um den Universitätsbesuch zu ermitteln, sind die Rektoratsmatrikeln. Die Immatrikulation oder auch Intitulation der Studenten in Einschreibelisten war ein formaler und konstitutioneller Akt, der vom Rektor vorgenommen wurde:6 nach einem Eid, der sich dem sozialen Status des Besuchers anpaßte, erfolgte die Gebührenzahlung (intitulatura) und die namentliche Eintragung in das Matrikelbuch (matricula, album oder registrum). Für Köln und Erfurt sind glücklicherweise diese Allgemeinen Matrikeln überliefert und ediert.7 Doch ist ein kritischer Umgang mit diesen Quellen nötig, da Schreiber die Namen ungenau, mal verschieden oder gar nicht notierten; auch sind Diener, Würdenträger oder Familienangehörige eingetragen worden, so daß es schwierig ist, die exakte Zahl der Studenten, ihre soziale oder räumliche Herkunft zu erfassen.8

Ein Ziel dieser Arbeit ist, das vorhandene Zahlenmaterial zu den mittelalterlichen Universitäten Köln, gegründet 1388, und Erfurt, gegründet 1392, zu sammeln und die Frequenzen vergleichend gegenüberzustellen. Das alleine ist aber sicherlich nicht ausreichend, denn die frequentielle Intensität von Hochschulen ist ein Gradmesser ihrer jeweiligen Bedeutung, demzufolge muß „auch der geistige Aktionsradius dieser Universitäten entsprechend unterschiedlich genannt werden“9. Das andere Ziel lautet daher, die Immatrikulationszahlen auf wirtschaftliche, soziale, politische und geographische Aspekte im Umfeld der Universitäten zu beziehen. Das Augenmerk dieser Darstellung wird auf der räumlichen Herkunft der Studentenschaften liegen, da eine Bearbeitung aller Bereiche den Rahmen sprengen würde. In Kapitel vier werden die Ergebnisse aus den Arbeiten von Schwinges zu Köln und Erfurt bezüglich der Herkunft miteinander verglichen. In einem ersten Schritt führe ich in Kapitel drei die Frequenzen von Köln und Erfurt tabellarisch auf und erläutere sie kurz, dann werden die Zahlen im Zusammenhang mit historischen Einflüssen interpretiert und drittens werden Köln und Erfurt in die Frequenzentwicklungen aller Reichsuniversitäten eingebunden. Kurz gehe ich in den Abschnitten 3.2. und 3.3. auf die von Schwinges durch Zeitreihenanalysen berechneten Zyklusfolgen des Hochschulbesuchs ein.10 Im folgenden Kapitel führe ich kurz in die beiden Universitätsstandorte ein und erkläre, warum sich die Hochschulen für eine Gegenüberstellung eignen.

2. Die Universitätsstädte Erfurt und Köln

[...]


1 Abe (1/1962) S. 13. Die bibliographischen Verweise werden mit dem Nachnamen des Autors und dem Erscheinungsjahr der verwendeten Auflage angegeben. Die vollständigen Angaben sind dem Literaturverzeichnis am Schluß zu entnehmen.
2 Der Begriff Universitätsbesuch(er), wie er in dieser Arbeit verwendet wird, ist bei Schwinges (1980) S. 38 und (1986) S. 8 erläutert.
3 vgl. Abe (2/1962) S. 34 Anm. 11.
4 Schwinges (1986) S. 95 zum Vorgehen von Abe: „Leider beschränkte sich Abe aus ‚grundsätzlichen Erwägungen‘, deren Grundsätze freilich zweifelhaft geblieben sind, auf den ‚Bereich der eigentlichen deutschen Kernlande‘, so daß Wien, Löwen und Basel aus den Betrachtungen ausgeschieden wurden.“
5 siehe Eulenburg (1904). Der Leipziger Nationalökonom hat ebenfalls wie Abe die Immatrikulationen der Universitäten Löwen, Basel und Wien nicht ausgezählt und mit zwei verschiedenen Frequenzbegriffen gearbeitet. Zum einen mit der Immatrikulationsfrequenz und zum anderen mit einer Gesamtfrequenz, die eine (nicht gesicherte) studentische Verweildauer am Hochschulort miteinzuberechnen versucht. Da diese Gesamtfrequenz nur sehr vage zu nennen ist, habe ich in dieser Arbeit auf sie verzichtet und beschränke mich allein auf die Anzahl der Universitätsbesucher, die in den Matrikeln gezählt wurden.
6 vgl. Schwinges (1993) S. 166.
7 Matrikeleditionen: Keussen, Hermann: Die Matrikel der Universität Köln. 3 Bände. Bonn 1919, 21928, 1931 (Ndr. 1979). Weissenborn, J.C. Hermann: Acten der Erfurter Universität (1392-1636). 3 Bände. Halle 1881- 1899 (Ndr. 1976). Siehe Beispielseite aus der Erfurter Matrikel im Anhang.
8 vgl. di Simona (1996) S. 236. Abe (1/1962) S. 21: „Überhaupt ist eine erschreckende Oberflächlichkeit bei der Führung der Matrikel nicht zu übersehen.“ Abe (1/1962) S. 44, Anm. 36: „Bereits die Art der Inskription ist völlig uneinheitlich und für heutige Begriffe gänzlich unzulässig.“
9 vgl. Abe (2/1962) S. 38.
10 siehe Anm. 29.


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