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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 25 Pages
Author: Wolfram Baier
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Linguistik)
Tags: Form, Produktivität, Endung, Deutschen, Hauptseminar, Wort-, Begriffsbildung, Deutschen
Year: 2001
Pages: 25
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20980-9
ISBN (Book): 978-3-638-67645-8
File size: 167 KB
Fremdwortbildung; Korpusarbeit; Forscher: Fuhrhop, Mater, Wellmann, Dittmer
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Abstract
Die Fremd- oder auch Lehnwortbildung im Deutschen wird in der Forschung sehr verschieden interpretiert. Die Grenzen zwischen einheimischem Wort, Fremdwort und Lehnwort sind nicht immer eindeutig zu ziehen. Eine Vielzahl von Fachbegriffen und Definitionen erschweren eine einheitliche Terminologie. Simmler beispielsweise sublimiert Suffixe unter den Begriff Formationsmorphem, Fleischer unter Wortbildungsmorphem. Für diese Arbeit sollen die Begriffe fremd und sekundärsprachlich, Fremdwort und Lehnwort sowie Endung und Suffix gleichbedeutend sein. Weitere Begrifflichkeiten werden im jeweiligen Kapitel präzisiert. Hintergrund und Ausgangspunkt bildet der Aufsatz „Form und Distribution der Fremdwortsuffixe im Neuhochdeutschen“ von Ernst Dittmer. Unter anderem am Beispiel der Endung -(at)ion stellt Dittmer die These auf, daß Fremdwörter und fremde Endungen im Deutschen andere Ableitungsmuster als einheimische aufweisen. Im Unterschied zu Wellmanns Regelwerk „Deutsche Wortbildung – Das Substantiv“ nimmt er statt vier Suffixvarianten nur eine für alle gültige Endung -tion an. Diese unterschiedlichen Sichtweisen werde ich erläutern. Den Hauptteil meiner Untersuchung macht eine eigene Analyse der online zugänglichen Korpora des Instituts für Deutsche Sprache (IdS) aus. Ich werde anhand der aus den „Korpora der gesprochenen Sprache“ erstellten Wörterliste erstens die Richtigkeit und Durchsichtigkeit der von Dittmer und Wellmann vorgeschlagenen Regeln überprüfen, zweitens zeige ich einen alternativen Lösungsansatz auf mit dem Ziel, ein einheitliche Endung -ion formal und systematisch erklärbar zu machen. Dabei stütze ich mich auf Teilaspekte aus Murjasovs Artikel „Zur Wortbildungsstruktur der Ableitungen mit Fremdsuffixen“ und Fuhrops Stammparadigma5 für fremde Endungen. A Ende behandele ich die Frage, ob die Ableitung mit dem Suffix -(at)ion als produktiv gelten kann. Hierzu habe ich in verschiedenen IdS-Korpora und im Internet recherchiert. Allen Ausführungen ist die synchrone, rein formale Beschreibung gemeinsam; nur vereinzelt wird die diachrone und semantische Ebene mit einbezogen. Im Anhang finden sich eine Tabelle mit der Wörterliste und Wortbelege; jeweils extrahiert aus den Korpora des IdS.
Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für deutsche Sprache und Linguistik
Hauptseminar: „Wort- und Begriffsbildung im Deutschen“
Sommersemester 2001
Form und Produktivität der sekundärsprachlichen
Endung -(at)ion im Deutschen
Wolfram Baier
Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Die Wortbildungsstruktur der Substantive auf -(at)ion 4
3. Analyse der Ableitungen auf -(at)ion 6
3.1. Die Textkorpora und die Vorgehensweise 6
3.2. Die Ergebnisse der Analyse 6
3.3. Nominale und verbale Derivationsstammbildung 8
4. Die Produktivität des Suffixes -(at)ion 11
5. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 15
Anhang I-X
a) Wörterliste alphabetisch mit Derivationsstammbildungen I
b) Belege zu Kapitel 4 V
1. Einleitung
Die Fremd- oder auch Lehnwortbildung im Deutschen wird in der Forschung sehr verschieden interpretiert. Die Grenzen zwischen einheimischem Wort, Fremdwort und Lehnwort sind nicht immer eindeutig zu ziehen. Eine Vielzahl von Fachbegriffen und Definitionen erschweren eine einheitliche Terminologie. Simmler beispielsweise sublimiert Suffixe unter den Begriff Formationsmorphem, Fleischer unter Wortbildungsmorphem. Für diese Arbeit sollen die Begriffe fremd und sekundärsprachlich, Fremdwort und Lehnwort sowie Endung und Suffix gleichbedeutend sein. Weitere Begrifflichkeiten werden im jeweiligen Kapitel präzisiert. Hintergrund und Ausgangspunkt bildet der Aufsatz „Form und Distribution der Fremdwortsuffixe im Neuhochdeutschen“ von Ernst Dittmer.1 Unter anderem am Beispiel der Endung - (at)ion stellt Dittmer die These auf, daß Fremdwörter und fremde Endungen im Deutschen andere Ableitungsmuster als einheimische aufweisen. Im Unterschied zu Wellmanns Regelwerk „Deutsche Wortbildung – Das Substantiv“2 nimmt er statt vier Suffixvarianten nur eine für alle gültige Endung -tion an. Diese unterschiedlichen Sichtweisen werde ich im zweiten Kapitel erläutern.
Den Hauptteil meiner Untersuchung macht eine eigene Analyse der online zugänglichen Korpora des Instituts für Deutsche Sprache (IdS) aus.3 In diesem dritten Kapitel werde ich anhand der aus den „Korpora der gesprochenen Sprache“ erstellten Wörterliste erstens die Richtigkeit und Durchsichtigkeit der von Dittmer und Wellmann vorgeschlagenen Regeln überprüfen, zweitens zeige ich einen alternativen Lösungsansatz auf mit dem Ziel, ein einheitliche Endung -ion formal und systematisch erklärbar zu machen. Dabei stütze ich mich auf Teilaspekte aus Murjasovs Artikel „Zur Wortbildungsstruktur der Ableitungen mit Fremdsuffixen“4 und Fuhrops Stammparadigma5 für fremde Endungen.
Das vierte Kapitel behandelt die Frage, ob die Ableitung mit dem Suffix -(at)ion als produktiv gelten kann. Hierzu habe ich in verschiedenen IdS-Korpora und im Internet recherchiert. Allen Ausführungen ist die synchrone, rein formale Beschreibung gemeinsam; nur vereinzelt wird die diachrone und semantische Ebene mit einbezogen. Im Anhang finden sich zu Kapitel drei eine Tabelle mit der Wörterliste und zum vierten Kapitel Wortbelege; jeweils extrahiert aus den Korpora des IdS.
2. Die Wortbildungsstruktur der Substantive auf -(at)ion
Dittmers Ausgangsfrage lautet: „Kann man die Fremdwörter im Deutschen nach deutschen Regeln beschreiben?“6 Eine synchrone Untersuchung über Form und Segmentierung der Substantive auf -(at)ion sollen als Beweis dienen, daß Fremdwörtern und fremden Endungen spezifische Ableitungsmuster und Wortbildungsregeln im Deutschen eigen sind. Ähnlich argumentiert Murjasov: „Im inneren Bau der deutschen und fremdsprachigen Ableitungen lassen sich bedeutende Unterschiede nachweisen. Die Kriterien, die bei der Behandlung der deutschen Substantive von Bedeutung sind, können bei der Analyse der Fremdwörter nicht benutzt werden.“7 Denn im Unterschied zu den heimischen Substantiven, deren Morphemstruktur deutlicher trennbar ist, existiert die Basis der Fremdsubstantive meistens in Form von Stämmen, die voneinander abhängig sind.8 Dieser Aspekt wird in Abschnitt 3.3. noch eine wichtige Rolle spielen.
Im Falle der Substantive auf -(at)ion formuliert Wellmann das Ableitungsmuster folgendermaßen: „Aus Nomina werden Substantive durch -ion (devot > Devotion), aus Verben meistens durch -ation abgeleitet; die Verbalendung -ier-(en) wird (...) getilgt.“9 Trotz dieser generellen Regel muß Wellmann vier Suffixvarianten: -ion, -ation, -ition und -tion auflisten, die wiederum jeweils mit bis zu neun morphologischen Zusatzregeln unterteilt werden. Außer der anteilsmäßig geringen deadjektivischen Ableitung wird als Basis ein Verb auf -ieren angenommen (Anteil: 97,1%), wobei die betreffende Basis über die Wahl des Suffixes entscheidet. Hier setzt die Kritik von Dittmer ein. Anstatt einseitig nach Vorbild einheimischer deverbaler Ableitungen vorzugehen (umgeben > Umgebung), schlägt er vor, das Substantiv als Basis zu nehmen. Ziel ist einerseits, die Variationen und Zusatzregeln zu mindern, andererseits den Prozeß der Wortbildung transparenter zu gestalten. In der Tat kann der Sprachbenutzer die richtige Suffixvariante nicht voraussagen, wenn er allein vom Verb ausgeht: „Warum führt invest- zu Investition, demonstr- dagegen zu Demonstration?“10
[....]
1 Dittmer (1983). Die bibliographischen Angaben werden mit dem Nachnamen des Autors und Erscheinungsjahr der verwendeten Auflage angegeben. Die vollständigen Angaben sind dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.
2 Wellmann (1975).
3 www.ids-mannheim.de
4 Murjasov (1976).
5 Fuhrop (1998).4
6 Dittmer (1983) S. 385.
7 Murjasov (1976) S. 121.
8 Die Segmentierung fällt zudem schwerer, weil Zahl und Bestand der Fremdsuffixe von Autor zu Autor schwanken; vgl. Murjasov (1976) S. 121f.
9 Wellmann (1975) S. 29.
10 Dittmer (1983) S. 386.
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