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Richard Buckminster Fuller und das Dymaxion

Termpaper, 2002, 30 Pages
Author: Diplom Designer Frank Ehnes
Subject: Art - Architecture / History of Construction

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 30
Grade: 1,6
Language: German
Archive No.: V16170
ISBN (E-book): 978-3-638-21092-8

File size: 269 KB

Abstract

Blickt man auf das Leben Richard Buckminster Fuller zurück, wird man keine Persönlichkeit mit klaren Linien und eindeutiger Gestalt zu Gesicht bekommen, wie man es von gewöhnlichen Biographien gewohnt ist. Vielmehr sind es immer nur Facetten eines Poeten, Kosmologen, Architekten, Designers, Ingenieurs, Philosophen, Mathematikers oder Revolutionärs – um hier nur einige zu nennen. Macht ihn sein ständiges Übergreifen seiner Aktivitäten, das fortwährende Nichtbeharren auf einer Disziplin zu einem Universalisten? Wenn ja, dann zählt er zu den letzten dieser Art im vorigen Jahrhundert.


Excerpt (computer-generated)

Richard Buckminster Fuller und das Dymaxion

für das Fach Design- und Architekturgeschichte
Burg Giebichenstein –
Hochschule für Kunst und Design Halle/Saale

 Frank Ehnes
April 2002

Inhaltsverzeichnis:

1. Der Navigator – Die Welt aus der Sicht des R. B. Fuller 2

2. Vierdimensionale Welten 6

3. Dymaxion 9
3.1. Dymaxion House – Sinnbild zukunftorientierten Wohnens 9
3.2. Dymaxion Car – Drei Räder sorgen für Furore 13
3.3. Dymaxion Bathroom – Vom Badezimmer zur nahtlosen Einheit 17
3.4. Dymaxion Deployment Unit – Silo wird Notbehausung 19
3.5. Dymaxion Dwelling Machine – Schöner Wohnen 21
3.6. Dymaxion Worldmap – Die Welt, wie jeder sie will 24

4. Der weitere Weg 26

Quellenverzeichnis, Internetressourcen 28

 

1. Der Navigator – Die Welt aus der Sicht des R. B. Fuller

Blickt man auf das Leben Richard Buckminster Fuller zurück, wird man keine Persönlichkeit mit klaren Linien und eindeutiger Gestalt zu Gesicht bekommen, wie man es von gewöhnlichen Biographien gewohnt ist. Vielmehr sind es immer nur Facetten eines Poeten, Kosmologen, Architekten, Designers, Ingenieurs, Philosophen, Mathematikers oder Revolutionärs – um hier nur einige zu nennen. Macht ihn sein ständiges Übergreifen seiner Aktivitäten, das fortwährende Nichtbeharren auf einer Disziplin zu einem Universalisten? Wenn ja, dann zählt er zu den letzten dieser Art im vorigen Jahrhundert.

Fuller, geboren 1895 in Milton (Massachusetts), gilt er als der Entwerfer von riesigen Kuppelbauten, die in seiner Vorstellung irgendwann auch halb Manhattan überspannen sollten, der Designer von aerodynamischen Autos, der Theoretiker einer neuen Geometrie und nicht zuletzt als jemand, der interaktive Simulationen vorschlug, damit die Menschheit als Besatzung auf dem „Raumschiff Erde“1 vernünftig damit umzugehen lernt. Sein Drang, Dinge anders zu sehen, brachte ihm Ende der 60er Jahre sogar Misstrauen seitens der paranoiden amerikanischen Regierung ein - diese verdächtigte Fuller der Aufwiegelung seiner Studenten und ließ seine Büros vom CIA durchsuchen.2

Nichts lag Buckminster Fuller ferner, als sich mit der vorgefundenen Welt zu begnügen. Ein generalistischer Weltblick war für ihn immer Grundvoraussetzung seines Handelns – man müsse einen angemessenen Standpunkt außerhalb der Erde suchen, um wirklichkeitsgetreue Aussagen machen zu können. Den blauen Planeten aus einem gewissen Abstand zu betrachten, lange bevor erste Raumsonden der NASA dies taten, bedeutete für Fuller, die Welt als Ganzes, als ein in sich verzahntes Gebilde zu sehen, dessen auch noch so kleinstes Teil Einfluss auf das Gesamte hat.

Er sprach von einer bewohnten „Eine-Welt-Insel im Eine-Welt-Ozean“3 – kein Wunder, dass Fuller, wenn er mit gewissem Abstand auf das politische Treiben der bevölkerten Landmassen blickte, es als törichtes Gewimmel von Hofschranzen wahrnahm, von Wichtigtuern, die den Durchblick vortäuschen, aber Nichtsehende sind.4 Wie klein und banal scheinen da doch die Problemchen des Einzelnen.

Auf der Suche nach der Beschaffenheit der Materie scheint es für ihn fragsam, ob die Natur die getrennten Fächer Mathematik, Geometrie, Physik und Chemie kenne und nicht nur eines, nämlich das Fach „wie die Natur baut“. Wäre es nicht an der Zeit, dass der Mensch sein Schubladen- Denken ablegt? Schlimmer noch, die durch die Menschheit geschaffene Ordnung und separate Behandlung aller Welt-Dinge ist für Fuller schlichtweg inakzeptabel.

So kam die Idee eines weltumspannenden Gesamtkonzeptes zustande, das er wie folgt auslegt:
Die Erde als Kugel ist Baugrund, für den es kein Oben und Unten gibt - nur das Innen der Erde und das Außen des Weltraumes. Fast schon philosophisch wird sich mit dem Thema der Inbesitznahme von Land auseinandergesetzt. Entgegen jedem Althergebrachten heißt Land zu besitzen, frei von Anspruch auf Eigentum an Grund und Boden zu sein und auf Zeit an einem Ort zu wohnen - das Land zu benutzen, sei es als Nahrungsgrundlage oder Standort für ein Haus. Das „Zur Verfügung Stellen“ von Land ist genauso selbstverständlich wie die Freiheit eines jeden, das Meer mit dem Schiff zu befahren. „Kein Mensch denkt beim ewigbewegten Meer daran, die Wassermassen unter dem Kiel besitzen zu wollen.“5

Fuller hatte ein klares Bild vor Augen, was die Stellung des Menschen im industriellen Zeitalter betrifft. Dieser ist mobil, hat die Sesshaftigkeit abgelegt, in sein temporär bewohntes Haus zieht später der nächste ein oder er nimmt sein Haus einfach bei jedem Umzug mit. Die Erde ist umnetzt von Transportmöglichkeiten. In seinen Reden spricht Buckminster Fuller von solchen Dingen, als gehörten sie längst zur Normalität. In der Welt der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts galten solche Visionen natürlich noch als bloße Utopie und er wurde oft belächelt – gleichzeitig aber seine geistige Freiheit bewundert.

Doch was waren die wirklichen Leistungen dieses Mannes? Die Behauptung, Fuller hätte der Menschheit eine geniale Erfindung nach der anderen vermacht, ist so nicht ganz richtig. Hier gilt es einem Missverständnis zu begegnen, denn die Arbeit Fullers bestand nicht darin, Erfindungen oder Entdeckungen zu machen, vielmehr beschäftigte ihn die innovative und optimierte Anwendung der von ihm gefundenen, oder teilweise wieder gefundenen Prinzipien. Was nützt es schließlich, den rein theoretischen Gegenstand einer Erfindung wie zum Beispiel das bereits dreißig Jahre vorher vom Ingenieur Walter Bauersfeld entwickelte geodätische Kugelprinzip zu kennen, ohne eine sinnvolle Anwendung dafür zu haben?

[....]


1 Vgl. Krausse, Bahn (1973), nach Fuller
2 Siehe [1]
3 Krausse, Lichtenstein (2001), nach Kooning, Diskurs
4 Krausse, Lichtenstein (2001), nach Fuller
5 Krausse, Lichtenstein (2001, nach Fuller


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