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Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Jan Tilman Günther
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Strukturen, Neuen, Bürgerkriegen, Zukunft, Krieges, Gewaltrisiken, Ordnungsansätze, Jahrhundert
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21237-3
File size: 77 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die Zukunft des Krieges. Gewaltrisiken und Ordnungsansätze im 21. Jahrhundert
Sommersemester 2001
Ökonomische Strukturen in neuen Bürgerkriegen
Jan Tilman Günther
Inhalt:
1. Einleitung 03
2. Strukturmerkmale und Entstehungsbedingungen neuer Bürgerkriege 04
2.1 Die politische Dimension der neuen Bürgerkriege 05
2.2 Entstaatlichung der Konflikte und Perpetuierung der Gewalt 08
3. Kriegsökonomien als strukturelles Element neuer Bürgerkriege 09
3.1 Interne Faktoren der Kriegsökonomien 12
3.2 Externe Faktoren in neuen Kriegsökonomien 15
4. Schlussbetrachtung 17
5. Literatur 19
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den ökonomischen Strukturen neuer Bürgerkriege.
Die „neuen Kriege“ der Zeit nach dem Kalten Krieg zeichnen sich durch qualitative Merkmale aus, die aus Sicht vieler klassischer Erklärungsansätze der Kriegsursachenforschung zunächst paradox erschien. Nach dem Diktum Max Webers, dass Krieg eine „ökonomisch zweckrationale Veranstaltung“ sei, schienen Ursachen und Verlaufsformen dieser Konflikte zunächst kaum greifbar. Neuere Forschungsergebnisse erkennen in den komplexen und oft scheinbar sinnlosen Strukturen der neuen Bürgerkriege jedoch eben diese ökonomisch zweckrationalen Kategorien wieder.
Während sich der erste Teil der Arbeit mit den spezifischen Entstehungsbedingungen und Verlaufsformen neuer Bürgerkriege auseinander setzt, werden im zweiten Teil die ökonomischen Ursachen gegliedert dargestellt. Politische und ökonomische Faktoren sind in der Beurteilung von Konflikten nicht voneinander zu trennen und bedingen einander wechselseitig. „Die wirtschaftliche Dimension gegenwärtiger Konflikte herauszuheben und zu beschreiben heißt nicht, [...] daß man diese Phänomene auf einen simplen Interessenkonflikt zwischen einzig von materiellen Motiven getriebenen und nur nach Profit strebenden Akteuren verkürzen könnte oder sollte.“ (Jean/ Rufin 1999, 9) Die Trennung von ökonomischen und politischen Faktoren soll deshalb als rein analytisch verstanden werden. Die Analyse vollzieht sich im folgenden auf der Ebene der Gesellschaft, da die Erosion der staatlichen Zentralgewalt ein konstitutives Merkmal neuer Kriege ist und die staatliche Analyseebene folglich ungeeignet erscheint. Wo es für die Analyse innerstaatlicher Konflikte notwendig ist, werden die Akteure und Aktionen des internationalen Systems mit einbezogen.
2. Strukturmerkmale und Entstehungsbedingungen neuer Bürgerkriege
Nach den totalen Kriegen des 20. Jahrhunderts und den Stellvertreterkriegen des Kalten Kriegs hat sich die Hoffnung auf eine Periode weltweiten Friedens nicht erfüllt. Die Zahl der bewaffneten Konflikte ist nicht zurückgegangen, allerdings haben sich die Kriege in ihrer Qualität geändert. Von den weltweiten bewaffneten Konflikten des Jahres 1999 waren nach Klassifizierung der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung nur neun Prozent klassische Staatenkriege. Dem gegenüber standen 41 Prozent Antiregimekriege und 32 Prozent Autonomie- bzw. Sezessionskriege. Diese Verlagerung von den Kriegen zwischen modernen Flächenstaaten mit ihren klaren politischen und ökonomischen Zielsetzungen, den Staatsinteressen im Clausewitzschen Sinn, hin zu innerstaatlichen Konflikten ist jedoch nicht das einzige Merkmal der veränderten militärischen Konflikte. Die Bürgerkriege selbst haben eine neue Qualität entwickelt, die als neue Kriege bezeichnet werden.
Viele Konflikte haben das Spannungsfeld des Ost-West-Konfliktes überdauert, neue Kriege sind hinzu gekommen und eskalierten, wie in Bosnien und Ruanda, mit äußerster Brutalität. Während die Kriege alten Typs vor allem zwischen den Kombattanten1, also regulären Streitkräften oder Rebellentruppen, ausgetragen wurden und die Zivilbevölkerung weitgehend geschont wurde, ist Gewalt gegen Zivilisten, teilweise sogar als strategisches Element der Kriegsführung, bezeichnend für die neuen Kriege. Genozid und Massenvertreibungen schienen den Interpreten vielfach aus tief verwurzelten Gründen aus ethnischem, religiösem oder tribalem Hass aufzusteigen oder scheinbar der Faszination an der Gewalt zu gehorchen.
Andererseits dauern neue Bürgerkriege auf einem geringen Intensitätsniveau über einen langen Zeitraum an. Unterstellt man den Kriegsparteien eine Logik die darauf abzielt, politische oder territoriale Ziele durchzusetzen und den jeweiligen Gegner schließlich zu besiegen, so erscheinen viele dieser Konflikteirrational und undurchschaubar. „Many analysts have stressed the irrationality und unpredictability of contemporary civil warfare, portraying it as evil, medieval, or both.” (Keen 2000, 20)
[....]
1 Die Trennung von Kombattanten und Nichtkombattanten ist völkerrechtlich durch die Haager Landkriegsordnung (1899/ 1907) und die Genfer Konventionen (1929/ 1949) verbindlich festgelegt.
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