Alternativpresse: vom Untergrundblatt zur Hochglanzzeitschrift close Bitte warten


Details

Institut: Fachhochschule Hamburg (Fachbereich Bibliothekswesen)
Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 1987
Seiten: 42
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 625 KB
Archivnummer: V16603
ISBN (E-Book): 978-3-638-21404-9
Anmerkungen :
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.

Textauszug (computergeneriert)

Alternativpresse:
Vom Untergrundblatt zur Hochglanzzeitschrift

HAUSARBEIT
zur Diplomprüfung an der
FACHHOCHSCHULE HAMBURG

FACHBEREICH BIBLIOTHEKSWESEN

vorgelegt von JAN SANDMANN

Hamburg, Mai 1987

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 3

1. Was ist alternativ an der Alternativpresse? ... 5
1.1. Zum Begriff ... 5
1.2. Thematik/Erscheinungsweise ... 8
1.3. Selbstverständnis ... 8
1.4. Äußerliche Form ... 8
1.5. Innerer Aufbau ... 9
1.6. Finanzen ... 10
1.7. Anzeigen ... 11

2. Entwicklung der amerikanischen Untergrundpresse ... 12
2.1. Die Beatgeneration ... 12
2.2. Die periodischen Publikationen der Beatniks ... 13
2.3. Die sechziger Jahre ... 15
2.4. Amerikanische Untergrundnachrichtenagenturen ... 16
2.5. Die amerikanische Untergrundpresse etabliert sich ... 18

3. Entstehung und Verbreitung der Alternativpresse in der Bundesrepublik ... 19
3.1. Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition gegen die Pressekonzentration ... 19
3.2. Gegenöffentlichkeit ... 20
3.3. Kleinverlage ... 21
3.4. Gegenbuchmesse ... 22
3.5. Minipressen Messe ... 22
3.6. Das Literarische Informationszentrum ... 23

4. Die siebziger Jahre: Entwicklung zum Sprachrohr der Alternativbewegung ... 25
4.1. Über Landkommunen und spirituelle Zeitschriften ... 25
4.2. Der Begriff Underground wird vermarktet ... 26
4.3. Die Alternativbewegung ... 26
4.4.. Interssengemeinschaften ... 27
4.5. Frauenzeitschriften ... 28
4.6. Politische Zeitschriften und Zeitungen ... 28

5. Die tageszeitung (taz) ... 29

6. Großstadtpublikationen ... 32
6.1. Stadtzeitschriften ... 32
6.2. Wochenzeitungen ... 33
6.3. Stadtillustrierte ... 34

7. Hindernisse und Rückschläge ... 34
7.1. Repressionen ... 34
7.1.1. Beispiele der Strafverfolgung gegen die Alternativpresse ... 36
7.2. Pleiten ... 37

8. ID - Informaionsdienst e.V. : Zentrum für alternative Medien ... 39

Nachwort ... 42

Anhang
Zeitschriftenliste ... 46
Literaturverzeichnis ... 47

 

 

Einleitung

In dieser Arbeit wird die Entwicklung einer Presseform nachgezeichnet, die sich in den vergangenen zwanzig Jahren in der Bundesrepublik verbreitet hat. Die Alternativpresse dient unterschiedlichen, zumeist jugendlichen Protestbewegungen als Medium, indem sie Kritik an bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen artikuliert. Dem Autor ist es gelegen, diese Presse im Kontext der Entwicklung dieser Protestbewegungen und deren Einbindung in das Zeitgeschehen darzustellen.

Das Interesse des Verfassers an diesem Thema ist abzuleiten von der geschichtlichen Erfahrung, die zeigt wie gefährlich eine Meinungskonzentration ist, da die Bevölkerung durch sie manipuliert werden kann. In der Meinungsfreiheit sieht der Autor die Basis jeder demokratischen Entwicklung. Es stellt sich ihm die Frage: erzielt die Alternativpresse eine Wirkung, die über den begrenzten Leserkreis hinausgeht? Trägt sie zur Meinungsvielfalt bei, oder ist sie das politisch isolierte Forum einer kleinen Minderheit?

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt bei den Zeitschriften und Zeitungen. Auf die Literarische Alternativpresse kann nur insoweit eingegangen werden, wie es dem Verfasser für die Gesamtentwicklung notwendig erscheint. Die Kleinverleger werden erwähnt, weil sie für das Entstehen der Gegenbuchmesse und der Mini Pressen Messe verantwortlich sind und diese entscheidend zu der Bekanntmachung und der Verbreitung dieser Presseform beigetragen haben.

Das Selbstverständnis dieser Presse, wie sie sich finanziert, ihr Verhältnis zur Werbung, der innere Aufbau und die äußere Gestaltung unterscheiden sie von der übrigen Presse. Wo diese Unterschiede liegen ist Teil der Betrachtung. Die Entwicklung der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg ist stark durch die amerikanische Kultur geprägt. Es überrascht daher nicht, daß diese Publikationsform ihren Ursprung in Nordamerika hat. Deswegen wird in einem Kapitel die Entwicklung der amerikanischen Untergrundpresse dargestellt. Die Bundesrepublik der sechziger Jahre ist unter anderem gekennzeichnet durch das Entstehen einer außerparlamentarischen Opposition. Ihr Widerstand gegen die Pressekonzentration, die daraus resultierende Bereitschaft Gegenöffentlichkeit herzustellen, und das Bestreben verschwiegene und unterbliebene Nachrichten publik zu machen, sind die Voraussetzung für das Entstehen der Alternativpresse. Einzelne Strömungen der breiten Palette der Alternativbewegung und deren Publikationen, wie politische und spirituelle Zeitschriften und Veröffentlichungen der Frauenemanzipationsbewegung werden skizziert. Die Auswahl der genannten Titel richtet sich danach, inwieweit sie nach Meinung des Verfassers prägend für die Gesamtentwicklung dieser Presseform sind.

Seit 1979 erscheint in West-Berlin DIE TAGESZEITUNG. Sie ist die erste täglich und überregional erscheinende Alternativzeitung und mit 160 Beschäftigten der größte selbstverwaltete Betrieb. Deshalb wird das Projekt hier vorgestellt. Parallel zur Alternativbewegung entstehen die Stadtzeitschriften, die schon bald einen festen Platz in der Medienlandschaft einnehmen. Ebenso die in den achtziger Jahren entstehenden Wochenzeitungen.

Das die Meinungsvielfalt nicht allen gesellschaftlichen Gruppierungen genehm ist und das sie unter Umständen wirtschaftlichen Interessen zuwider läuft, so zum Beispiel der Atomindustrie, liegt im Wesen der Sache. Seit ihrem Bestehen ist die Alternativpresse mit der Verfolgung durch die Strafbehörden und mit der Beschlagnahme einzelner Ausgaben konfrontiert. In einem Kapitel wird geschildert wie der Staat auf ihm unbequemes Schrifttum reagiert und mit welchen Gesetzen er versucht diese Presse zu reglementieren.

Das Zeitungssterben zu Beginn der achtziger Jahre ist auch an der Alternativpresse nicht vorbeigegangen. Die Ursachen hierfür werden in dem Kapitel Hindernisse und Rückschläge beschrieben.

Zuletzt wird das Zentrum für alternative Medien vorgestellt. Das größte Archiv alternativer Medien in der Bundesrepublik hat in Frankfurt am Main einen umfangreichen Bestand dieser Presseform aus den vergangenen zwanzig Jahren zusammengetragen. Da diese Arbeit Bestandteil der Abschlußprüfung zum Diplom- Bibliothekar ist, liegt es für den Verfasser nahe, in diesem Zusammenhang auf ein berufsverwandtes Projekt der Alternativbewegung hinzuweisen.

An dieser Stelle ein Wort des Dankes für die freundliche Unterstützung an die Mitarbeiter Zentrum für alternative Medien. In einem Gespräch haben sie den Autor über ihre Arbeit informiert und ihm Material zur Verfügung gestellt, das für dieses Kapitel nötig gewesen ist.

Im Anhang befindet sich eine Liste der in dieser Arbeit genannten Zeitungs- und Zeitschriftentitel. Die in dieser Arbeit genannten Zeitungs- und Zeitschriftentitel werden zur besseren Übersichtlichkeit groß geschrieben. 

1. Was ist alternativ an der Alternativpresse?
1.1. Zum Begriff

Der Begriff Alternativpresse ist unklar. Eine eindeutige Definition, die als Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit dienen kann, liegt nicht vor. Zunächst muss der Begriff losgelöst von der Alternativbewegung betrachtet werden. Erst seit Mitte der siebziger Jahre versteht sich die Bewegung als Alternative und erst seit diesem Zeitpunkt werden periodische Publikationen explizit mit dem Begriff Alternativpresse in Zusammenhang gebracht. Ausnahmen sind die Literaturzeitschriften der Literarischen Alternativpresse, die seit dem Ende der sechziger Jahre der Alternativpresse zugerechnet werden. Es erscheint daher notwendig auf drei Begriffe näher einzugehen:

a.) Alternative
b.) Alternativpresse
c.) Alternativbewegung

a.) Alternative bedeutet, so steht es im Duden: „(Die) Möglichkeit des Wählens zwischen zwei oder mehreren Dingen, Zweitmöglichkeit.“1 Im vorliegenden Fall bilden sich zwei Gegensätze heraus:

[...]


1 Duden „Fremdwörterbuch“/Bearb. v. Wolfgang Müller u.a. 4., neubearb. u. erw. Aufl.- Mannheim u.a.: Bibliographisches Institut, 1982 (Der Duden in [zehn] Bänden ; Bd. 5)

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