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Essay, 2003, 7 Pages
Author: Helmut Kaiser, Prof. Dr.
Subject: Ethics
Details
Tags: Ohne, Angst, Leben, Spiel
Year: 2003
Pages: 7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21545-9
File size: 157 KB
Krankmachende Angst muss überwunden werden. Es geht nicht um eine Angst, die gehorsam machen will. Die gesunde Angst ist vielmehr ein Bewusstsein der Achtsamkeit und sollte helfen, dass es zu keiner Vergletscherung der Gefühle kommt und dass die Verantwortung geschärft wird.
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Excerpt (computer-generated)
Helmut Kaiser
Ohne Angst ist das Leben nur ein Spiel...
Angst, intuitiv ein Gefühl der Leere, das Herz rast, der Atem geht schneller, ein Gefühl wahnsinnig zu werden und völlig hilflos zu sein. Das alles ist Angst und erklärt, warum die Angst zu überwinden getrachtet wird. Gibt es überhaupt einen positiven Zugang zur Angst? Eine nicht ungefährliche Frage, doch ich will in meinen Überlegungen eine Antwort auf diese Frage versuchen. Lassen Sie sich auf diese Gratwanderung ein und lassen Sie mich versuchen, die Sinnhaftigkeit der Angst aufzuspüren!
Ängstige dich nicht, lebe!
So heisst der von mir leicht abgeänderte Titel des bekannten Buches von Dale Carnegie "Sorge dich nicht, lebe!" (2001) In diesem Buch, so ist in der Beschreibung zu lesen, "behandelt Carnegie das wohl drückendste Problem des heutigen Menschen: Sorge - Angst - Aufregung. Es ist ein fesselndes, leicht zu lesendes und in hohem Grade anregendes Handbuch zur Bewältigung unserer vielen Ängste und Sorgen."
Sich nicht sorgen, sich nicht ängstigen, sondern leben! Da ist das Motto der modernen Zeit! Es ist ein Buch, das gleich einem Rezeptbuch helfen will, die vielen Ängste zu überwinden. Auf den ersten Blick ist dieser Imperativ völlig einleuchtend, doch hat mich ein Text im zweiten Testament kritisch fragen lassen, ob das Postulat der Angstfreiheit wirklich einem guten Leben dient. Auf den ersten und oberflächlichen Blick entspricht auch der Text in Matthäus 6, 19-34 "Sorgt euch nicht um euer Leben...euer himmlischer Vater weiss, dass ihr das alles braucht" (Mt 6, 32) der Angstüberwindungsstrategie, doch im Kern geht es in diesem zentralen Text unserer jüdisch-christlichen Tradition um die Unterscheidung zwischen der falschen und rechten Sorge, die je nach Lebenssituation sich zu einer tiefen Angst verdichten kann! Diese Unterscheidung von rechter und falscher Sorge bzw. Angst liess mich weiterdenken und vorab möchte ich festhalten:
Ängste und Sorgen müssen überwunden werden! Es ist nicht so, dass ich ein solches Bestreben ablehne, im Gegenteil und ich möchte dies auch mit eigenen Erfahrungen bestätigen:
In unserem Freundeskreis hatte eine Frau im Alter von rund 40 Jahren panische Ängste. Sie konnte zum Beispiel weder mit dem Zug noch mit dem Auto durch einen Tunnel fahren. Sie konnte in keine Gondel einer Seilbahn mehr einsteigen, keinen Lift mehr benützen und ein vollbesetzter Zug oder eine vollbesetzte Strassenbahn löste bei ihr eine panische Angstattacke aus. In dieser Situation werde ich nie und nimmer sagen: Ohne Angst ist das Leben nur ein Spiel. Nein, hier bei dieser Frau war es wichtig, dass die Angst überwunden wurde durch sorgfältige Therapien, was dann auch mit viel Geduld und Zeit gelungen ist. Heute, nach wiedererlangter Gesundheit, ist es kaum mehr vorstellbar, was es einmal bedeutet hat, unter einer solch panischen Angst gelitten zu haben.
Solche panischen Ängste führen zu einer völligen Lähmung der Betroffenen, sind nicht mehr unkontrollierbar und lebensgefährlich. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir vor etwas Bestimmtem Angst haben (z.B. Autofahren) oder ob uns die Angst aus "heiterem Himmel" überfällt und wir eigentlich nicht genau sagen können, wovor wir Angst haben - es sei denn vor der Angst selbst. Angemessenes Reagieren oder Handeln ist dann unmöglich geworden, was zu erheblichen Problemen bei der Arbeit oder im Umgang mit anderen führt. Eine häufige Folge davon ist: Depression. Mit einer solchen Angst ist das Leben grauenhaft und extrem leidvoll. Trotzdem...
Ohne Angst ist das Leben nur ein Spiel...
Geschrieben hat diesen Satz der in der letzten Zeit bekannt gewordene höllandische Autor Leon de Winter (geboren 1954, Filmemacher, seit 1976 freier Schriftsteller) in seinem Buch Sokolows Universum. Ein Satz, der provoziert, weil es viele Beispiele dafür gibt, die begründen, warum wir Angst fürchten und die uns auffordern, die Angst zu überwinden.
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