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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 32 Pages
Author: Sandra Schmidt
Subject: Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Sonderpädagogik)
Tags: Armut, Sicht, Armut, Benachteiligung, Herausforderung, Lernbehindertenpädagogik
Year: 2002
Pages: 32
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21586-2
File size: 870 KB
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Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität – Institut für Sonderpädagogik
WS 2001/ 2002
Seminar: Armut und soziale Benachteiligung
als Herausforderung an die Lernbehindertenpädagogik
Thema der Seminararbeit:
Armut aus soziologischer Sicht
„Wenn Penner in Hauseingängen schlafen, in Parks, Klos
oder Telefonzellen... die Gesellschaft braucht das als Abschreckung,
um nicht so tief zu kommen.
Aber in dem Moment, in dem sie sich zusammenschließen,
sind sie ein unerträglicher Vorwurf.“
Anonymer obdachloser Wagenburgler in Berlin1
Eingereicht von: Sandra Hofmann
Sonderpädagogik (L/HS)
5.Semester
Gliederung
0 Vorwort ... 2
1 Definitionen von Armut ... 2
2 Neue Armut ... 4
3 Bedeutungswandel von Armut in der Geschichte ... 7
3.1 Das frühe Mittelalter ... 7
3.2 Das späte Mittelalter ... 9
3.2.1 Armut am Landv 9
3.2.2 Armut in der Stadt ... 10
3.2.3 Arbeit und Essen ... 10
3.2.4 Armenpolizeiliche Maßnahmen ... 11
3.3 Zur Zeit des Nationalsozialismus ... 12
3.4 Armut und moderner Sozialstaat ... 12
3.5 Armenbehandlung heute ... 13
4 Armut – Ein Thema für Deutschland ... 14
4.1 Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik ... 15
4.2 Die Süddeutsche Zeitung ... 17
5 Theorien der Armut ... 18
5.1 Armut – Tabuthema in der Wohlfahrtsgesellschaft ... 18
5.2 Armut als Ungleichheit - Deprivationskonzepte ... 19
5.3 Armut als Lebenslage ... 22
5.4 Das Pentagon der Armut nach Tschümperlin ... 23
5.5 Armut als Kumulation sozialer Benachteiligung ... 23
6 Nachwort ... 27
7 Quellenverzeichnis ... 29
8 Anlage ... 31
0 Vorwort
Das Thema meiner Seminararbeit lautet „Armut aus soziologischer Sicht“. Was heißt
das ein Thema mit Hilfe der Soziologie zu betrachten. Einerseits um die Sichtweise,
die Auswirkungen und die Veränderungen in der Geschichte von Armut. Aus diesem
Grund möchte ich zu Beginn der Arbeit einen Einblick in die Sozialgeschichte der
Armut geben. Ebenso werde ich speziell auf Armut in Deutschland eingehen.
Ein weiterer Aspekt sollen Theorien von Armut sein, die Ursachen,
Erscheinungsformen und Auswirkungen von Armut in unserer Gesellschaft
beleuchten.
In diesem Vorwort möchte ich darauf hinweisen, dass es hier um eine ganz andere
Armut geht, als die in den Dritte Welt Ländern bzw. in Kriegsgebieten wie
Afghanistan oder dem Nahen Osten. Es soll hier primär um die Armut in unserem
Wohlfahrtsstaat Deutschland gehen, wie sie fassbar wird und inwiefern sie in
Erscheinung tritt.
1 Definitionen von Armut
Um von Armut zu sprechen, bedarf es erst einer kurzen begrifflichen Betrachtung von Armut. Betrachten wir daher verschiedene Definitionen von Armut.
In der Microsoft Encarta finden sich folgende Erklärungsvorschläge:
A) Ar·mut die; -; nur Sg;
1 der Zustand, arm (1) zu sein, der (sehr) große Mangel an Geld u. Besitz » Mittellosigkeit « Reichtum áin A. leben; in e-m Land herrscht bittere, tiefe, drückende A.ñ
2 A. (an etw. (Dat)) der Zustand, arm (2) an etw. zu sein » Dürftigkeit « Reichtum: die A. e-s Textes an sachlichen Informationen3
In dieser ersten Erläuterung wird hauptsächlich vom finanziellen Mangel gesprochen, der Armut ausmacht. Es ist also die Rede von der Einkommensarmut.
B) Armut, wirtschaftliche Lage, in der es Menschen an ausreichendem Einkommen fehlt, um ein bestimmtes minimales Niveau an Gesundheitsvorsorge, Nahrung, Wohnen, Kleidung und Bildung aufrechtzuerhalten, das allgemein als notwendig erachtet wird, um einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten. Was dabei als angemessen gilt, hängt allerdings stark vom durchschnittlichen Lebensstandard der jeweiligen Gesellschaft ab. Der Begriff relative Armut findet Verwendung zur Beschreibung der materiellen Lage von Personen, deren Einkommen beträchtlich unter dem jeweiligen gesellschaftlichen Durchschnitt liegt. Subjektive Armut liegt dann vor, wenn die Betroffenen selbst ihre Lage als Armut empfinden. Als absolute Armut bezeichnet man den Mangel an der für den Erhalt der Gesundheit notwendigen Nahrung.4
Die eben zitierte Erklärung beinhaltet bereits eine dreifache Aufteilung der Armut in relative, subjektive und absolute. Diese Splitting des Begriffes beinhaltet weiterhin die materielle Armut, nimmt aber wichtige Aspekte, wie die Einschätzung der Person selbst und die Überlebenschancen mit auf. Ebenso wurde der Begriff des Lebensstandards hier aufgegriffen. Doch nicht nur auf den Aspekt Nahrung beschränkt, sondern durch Gesundheitsvorsorge, Wohnen, Kleidung und Bildung sinnvoll erweitert. Abschließend möchte ich eine Definition anführen, die in eine kurzen Fassung den Begriff Armut in seiner Bedeutung und Auswirkung aussagekräftig darlegt:
Eine weitere Definition gibt der Rat „[...]der Europäischen Gemeinschaft von 1984, nach der Personen, Familien und Gruppen als arm gelten, „die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat in dem sie leben, als Minimun annehmbar ist.““5
2 Neue Armut6
Bevor ich in die Geschichte von Armut einsteige möchte ich, die „neue Armut“ nach Ulrich Becks` „Risikogesellschaft“ darlegen, um die „neue Armut“ im Folgenden schon mit der Armut in früheren Zeiten vergleichen zu können. Deutschland – ein Land in dem es keine Klassenunterschiede mehr gibt? Ein Land mit einem gut ausgebauten sozialen (Auffang-)Netz. Kann es hier noch soziale Ungleichheiten geben, ist das nicht undenkbar?
Betrachten wir uns Zahlen und Entwicklungen in unserer Gesellschaft, so werden „zwei Einkommensbewegungen erkennbar: ein allgemeines Auseinanderdriften zwischen Unternehmern und Selbständigen auf der einen Seite und allen Arbeitnehmern auf der anderen Seite. Dies geht einher mit einer Abschirmung eines Teils der Bevölkerung, die fest in den insgesamt schrumpfenden Arbeitsmarkt integriert ist, und einer wachsenden Nicht-Mehr-Minderheit, die in der Grauzone von Unterbeschäftigung, Zwischenbeschäftigung und Dauerarbeitslosigkeit von den immer spärlich fließenden öffentlichen Mitteln lebt oder von >>informeller<< Arbeit (Eigenarbeit, Schwarzarbeit usw.). Schätzungen über diese letzte Gruppe , die um die Sozialhilfe- und Armutsgrenze herum lebt, gehen – wie die Unstetigkeit der Versorgungsbedingungen nicht anders erwarten läßt – weit auseinander. Sie schwanken zwischen zwei und mehr als fünf Millionen. Wobei diese Gruppe kontinuierlich wächst, wie der inzwischen auf ein Drittel gesprungene Anteil der (registrierten!) Arbeitslosen von 2,2 Millionen (Herbst 1985) anzeigt, die überhaupt keine Arbeitslosenunterstützung erhalten.“7
[...]
1 Aus einem Interview in der ARD/WDR-Sendung Monitor vom 21.10.1993 nach Dietz, Berthold: Soziologie der Armut – Eine Einführung, Frankfurt am Main – New York 1997, S.132.
2 Aus: Mitten unter uns Armut in Deutschland, Titelseite.
3 "Armut", Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. Wörterbuch;® Langenscheidt KG, Berlin und München.© Alle Rechte vorbehalten.
4 "Armut", Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. Wörterbuch;® Langenscheidt KG, Berlin und München.© Alle Rechte vorbehalten.
5 Nach: Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.): Lebenslagen in Deutschland – Erster Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Band 1: Bericht, S.10.
6 Vgl. Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986, S.143-151.
7 Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986, S.143f.
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