Autor: Kristin Jankowsky
Fach: Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Soziologie)
Jahr: 2002
Seiten: 18
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 639 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-21588-6
Textauszug (computergeneriert)
Der Vereinigungsprozess als Konflikt
Deutsch- deutsche Annäherungen
Humboldt- Universität zu Berlin
Abteilung: Soziologie und Pädagogik
Kristin Jankowsky
Inhaltsverzeichnis
I. Zum Begriff „Konflikt“
II. Geschichtlicher Hintergrund
- Das Nachkriegsdeutschland (1945 – ca.1961)
- Der kalte Krieg (1961 – ca.1980)
- Die Entspannungsphase (1980 – ca.1989/90)
- Das Ende der DDR und die deutsche Einheit (1989/90)
III. Deutschland nach der Wiedervereinigung
III.1. Das deutsch- deutsche Verhältnis
III.2. Die Jugend in Ostdeutschland zehn Jahre nach der Vereinigung
IV. Möglichkeiten der Konfliktlösung
V. Abschlusswort
VI. Quellenangabe
I. Zum Begriff „Konflikt“
Das Wort „Konflikt“ stammt von dem Lateinischen von dem Wort conflictus ab und bedeutet Aneinanderschlagen, Zusammenstoß und im weiteren Sinne Kampf oder Streit. Interpersonelle Konflikte charakterisieren sich durch folgende Eigenschaften:
- Vorhandensein von mindestens zwei Konfliktparteien
- d.h. es existieren zwei oder mehrere Parteien, die sich gegenüberstehen und unterschiedliche Standpunkte einnehmen, wobei das Verhalten der einen Partei Konsequenzen für das Verhalten der anderen Partei nach sich zieht
- Unvereinbarkeit der Handlungstendenzen
- allgemein sind Konflikte durch Handlungsdispositionen gekennzeichnet, welche sich aus der Wirksamkeit subjektiver Interessen (Motive), grundlegender Überzeugungen und Werthaltungen sowie aus den damit zusammenhängenden Erwartungen und Einstellungen erklären
- Unvereinbarkeit des Verhaltens
- dies stellt das direkt beobachtbare Konfliktverhalten dar, wobei Meinungsverschiedenheiten noch nicht dazu gehören, falls sie noch nicht in entsprechendem Interaktionsverhalten manifestiert sind
Selbstverständlich können auch widersprüchliche Handlungstendenzen innerhalb einer Person auftreten. Hier spricht man dann von einem intrapersonalen Konflikt. Lewis A. Coser (1965) definiert jeden Konflikt als Kampf, so daß Konfliktverhalten als Kampfhandlung verstanden werden kann, die je nach Situation und nach der Ausstattung der beteiligten Parteien mit unterschiedlichen Strategien vollzogen wird. Aus Kapitel IV des Buches „Theorie sozialer Konflikte“ ( Lewis A. Coser ) geht im letzten Abschnitt hervor „Konflikt kann dazu dienen, auflösende Elemente aus einer Beziehung zu entfernen und die Einheit wiederherzustellen...“. Diese These werde ich unter Betrachtung des Themas wieder aufgreifen und untersuchen.
II. Geschichtlicher Hintergrund
Im Folgenden werden die vier wichtigsten Phasen der gegensätzlichen Regierungen in Ost- und Westdeutschland beschrieben, um die Konfliktentwicklung bzw. Konfliktaustragung deutlich zu machen.
Schon bald nach Kriegsende erwies sich die Zusammenarbeit zwischen Ost und West als sehr mühselig und schwierig. Präsident Roosevelt (USA), Premierminister Churchill (Großbritannien) und Parteichef Stalin (Sowjetunion) legten Besetzung, Kontrolle und Reparationen Deutschlands fest. Doch aufgrund weltanschaulicher und machtpolitischer Gegensätze nahmen die Konflikte zwischen den einzelnen Besatzungsmächten über die gemeinsame Verwaltung recht schnell zu. Solche Konflikte gab es vor allem wegen der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung, die die sowjetische Besatzungszone nach Kriegsende einleitete und zusätzlich jegliche politische Opposition ausschaltete. Hinzu kam, daß die SBZ (Sowjetische Militärmacht bzw. Besatzungszone) ihre Politik gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzte. Der danach einsetzende Flüchtlingsstrom von Ost nach West ist Zeichen der Nichtakzeptanz dieser Politik.
Die in Potsdam geschaffene Konferenz konnte leider nicht die zunehmende Entfremdung der Sowjetunion gegen die Westmächte aufhalten.
1947 bildeten dann die USA und Großbritannien eine „Bizone“ für den gemeinsamen Aufbau einer neuen politischen Ordnung in Westdeutschland. Damit wurde der Grundstein schon früh für die Teilung Deutschlands gelegt. Denn beide Besatzungsteile verfügten über eine grundverschiedene Auffassung von „Freiheit“, „Demokratie“ und „Selbstbestimmung“. Stalin ließ sich zum Beispiel weder durch politischen noch wirtschaftlichen Druck davon abhalten, das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu achten, geschweige denn freie Wahlen zuzulassen.
Der Konflikt zwischen Ost und West, welche durch die jeweiligen Besatzungsmächte vertreten wurde, verschärfte sich und geriet außer Kontrolle.
Somit wurde erstmals von einer Zweiteilung der Welt von einem westlich- demokratischem und einem östlich- kommunistischem System gesprochen. Dieser Konflikt war nunmehr nicht mehr ein Kampf um Einfluß und Macht, sondern auch ein Ringen um die Durchsetzung ideologischer Ziele, die miteinander unvereinbar waren.
Dies war eine weltanschauliche Auseinandersetzung, die den Begriff „Kalter Krieg“ prägte. „Kalt“, deswegen, weil eigentliche Kriegshandlungen immer soeben noch vermieden werden konnten, aber nicht wirklich ausschlossen. „Krieg“, die höchste Form der Austragung eines Konflikts zweier oder mehrerer Parteien.
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