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Ich, Du und die ganze Welt

Subtitle: Der Dialog in den Medien

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Nicola Mager
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Hauptseminar: Dialoganalyse
Institution/College: University of Münster (Institut für Deutsche Philologie I)
Tags: Welt, Hauptseminar, Dialoganalyse
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V16921
ISBN (E-book): 978-3-638-21627-2
ISBN (Book): 978-3-638-64479-2
File size: 115 KB

Abstract

„Der Prototyp des Dialogs ist für die meisten gegenwärtigen Forschungsrichtungen die spontane mündliche Wechselrede zwischen zwei Personen face-to-face.“ (Fritz/ Hundsnurscher 1994: 8) Zwar sind Dialoge in ihrer Grundstruktur musterhaft; dennoch sind die unterschiedlichen Dialogformen jeweils für sich, in ihren spezifischen Bedingungen und Erscheinungen zu untersuchen. Es macht Sinn, in der Analyse ein Streitgespräch zwischen zwei Privatpersonen von einem Fernsehinterview zu unterscheiden. Dass eine bestimmte Situation in einem bestimmten Rahmen uns vorgibt, was und wie etwas zu sagen ist, macht Dialoge so „spannend“. Nicht nur allgemein gültige soziale Regeln und Normen spielen hier bei der Analyse eine Rolle; insbesondere Gespräche die unter ganz speziellen, institutionellen Rahmenbedingungen verlaufen, sind für die Analyse interessant. Zu nennen wären hier die institutionellen, die Medien- und die literarischen Gespräche. In dieser Arbeit soll nur ein Aspekt dialogischer Kommunikation näher betrachtet werden - eine Form dialogischer Kommunikation, die in der letzten und aktuellen Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen hat: Medienkommunikation, das heißt massenmediale Gespräche. Medien sind zu einem Bestandteil unseres Lebens geworden, seit es sie überhaupt gibt. Ein Leben ohne Zeitung, Zeitschrift, Fernsehen und Internet ist für die meisten Menschen nicht mehr denkbar. Schon die Einführung der Schrift erbrachte wesentliche kommunikative Leistungen für die Gesellschaft, da bestimmte Ereignisse nun nicht mehr nur von Mund zu Mund, sondern auch in geschriebener Form kund gemacht werden konnten. Damit leistet die Schrift „temporale Indifferenz, Zugänglichkeit für alle (soziale Zugänglichkeit) und Absicherung der Authentizität in sachlicher Hinsicht“ (Merten et al. 1994: 150). Mit der Erfindung der Druckkunst durch Johannes Gutenberg wurde es dann möglich, umfangreiche Texte in großer Auflage herzustellen. Anfang des 17. Jahrhunderts erschienen die zwei ersten Zeitungen, und somit war „das erste der sogenannten Massenmedien [.] geboren“ (Merten et al. 1994: 151). Die „Geburt“ der Presse hatte gewaltige Wirkungen auf die Gesellschaft, aber auch auf die Entstehung neuer Medien. In immer kürzerer Zeit entstanden und entstehen immer mehr Medien und je mehr Medien entstehen, umso schneller entstehen noch mehr Medien. Kurz, die Evolution der Massenmedien vollzieht sich rasant und scheint sich immer weiter zu beschleunigen.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms Universität Münster
Institut für Deutsche Philologie I
Wintersemester 2001/2002
Hauptseminar: Dialoganalyse

Ich, Du und die ganze Welt
Der Dialog in den Medien

Nicola Mager

 

Inhalt

1. Einleitung 1

2. Medienkommunikation – Massenmediale Gespräche 4
2.1 Seitigkeit von Kommunikation 5
2.2 Die Sehnsucht nach dem Dialog 6
2.3 Mediale Inszenierung 8
2.4 Zusammenfassung 9

3. Ich, Du und die ganze Welt: Dialoge in den Medien 10
3.1 Das Medium, mein Freund und Partner 10
3.2 „Alles, was Sie bisher nicht zu fragen wagten…“ 11
3.3 Mit Rat und Tat zur Seite… 13
3.4 Zusammenfassung 18

4. Schluss 19

5. Literatur 21

 

1. Einleitung

„Der Prototyp des Dialogs ist für die meisten gegenwärtigen Forschungsrichtungen die spontane mündliche Wechselrede zwischen zwei Personen face-to-face.“ (Fritz/ Hundsnurscher 1994: 8) Von dem genannten Prototyp des Dialoges aus gehen allerdings vielfältige verwandte Formen des Dialoges wie beispielsweise der Mehrpersonendialog, die technisch über Entfernungen übertragene mündliche Kommunikation (über Telephon oder Fernsehbild) oder die Medienkommunikation.

Zwar sind Dialoge in ihrer Grundstruktur musterhaft; dennoch sind die unterschiedlichen Dialogformen jeweils für sich, in ihren spezifischen Bedingungen und Erscheinungen zu untersuchen. Es macht Sinn, in der Analyse ein Streitgespräch zwischen zwei Privatpersonen von einem Fernsehinterview zu unterscheiden.

Dass eine bestimmte Situation in einem bestimmten Rahmen uns vorgibt, was und wie etwas zu sagen ist, macht Dialoge so „spannend“. Nicht nur allgemein gültige soziale Regeln und Normen spielen hier bei der Analyse eine Rolle; insbesondere Gespräche die unter ganz speziellen, institutionellen Rahmenbedingungen verlaufen, sind für die Analyse interessant. Zu nennen wären hier die institutionellen, die Medien- und die literarischen Gespräche.

Es ist schwierig, den Begriff institutioneller Kommunikation zu definieren – schon deshalb, weil sich die Frage stellt, ob Medien- und literarische Kommunikation nicht auch institutionelle Kommunikation an sich ist. Medien folgen bestimmten, ihrem System inhärenten Bedingungen, die institutionell - also in der Institution „Medium“ - verankert sind. Zudem haben Medien bestimmte gesellschaftliche Funktionen, und die Teilnehmer medialer Kommunikation nehmen, so wie es für institutionelle Kommunikation spezifisch ist, qua Amt an dem kommunikativen Prozess teil. Das heißt, die Teilnehmer der Medienkommunikation übernehmen eine professionelle, wohldefinierte institutionelle Rolle: Sie sind jeweils befugt, in einem bestimmten institutionellen Rahmen zu kommunizieren und müssen auch nur in einem begrenzten Maße Eigenverantwortung für das tragen, was sie kommunizieren.1 Verbunden damit, dass die Teilnehmer institutioneller Kommunikation eine bestimmte Rolle übernehmen und in einem System eine bestimmte Funktion ausüben, ist oftmals eine klare Stilisierung dieser Kommunikation. Das heißt, ein Fernseh-Moderator genauso wie ein Richter oder Priester kommuniziert innerhalb seiner Rolle und seiner Institution nach einem bestimmten Muster. Dieses gibt das System ihm vor; der Kommunikationsstil wiederum charakterisiert das System, in dem er handelt. An diesen beispielhaften Ausführungen wird deutlich, dass Dialoge als eine Form der Kommunikation eine große „Angriffsfläche“ für die Analyse bieten. In dieser Arbeit soll daher nur ein Aspekt dialogischer Kommunikation näher betrachtet werden - eine Form dialogischer Kommunikation, die in der letzten und aktuellen Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen hat: Medienkommunikation, das heißt massenmediale Gespräche. Medien sind zu einem Bestandteil unseres Lebens geworden, seit es sie überhaupt gibt. Ein Leben ohne Zeitung, Zeitschrift, Fernsehen und Internet ist für die meisten Menschen nicht mehr denkbar. Schon die Einführung der Schrift erbrachte wesentliche kommunikative Leistungen für die Gesellschaft, da bestimmte Ereignisse nun nicht mehr nur von Mund zu Mund, sondern auch in geschriebener Form kund gemacht werden konnten. Damit leistet die Schrift „temporale Indifferenz, Zugänglichkeit für alle (soziale Zugänglichkeit) und Absicherung der Authentizität in sachlicher Hinsicht“ (Merten et al. 1994: 150). Mit der Erfindung der Druckkunst durch Johannes Gutenberg wurde es dann möglich, umfangreiche Texte in großer Auflage herzustellen. Anfang des 17. Jahrhunderts erschienen die zwei ersten Zeitungen, und somit war „das erste der sogenannten Massenmedien [.] geboren“ (Merten et al. 1994: 151). Die „Geburt“ der Presse hatte gewaltige Wirkungen auf die Gesellschaft, aber auch auf die Entstehung neuer Medien. In immer kürzerer Zeit entstanden und entstehen immer mehr Medien und je mehr Medien entstehen, umso schneller entstehen noch mehr Medien. Kurz, die Evolution der Massenmedien vollzieht sich rasant und scheint sich immer weiter zu beschleunigen.

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1 Denn hinter dem Einzelteilnehmer steht das System Medium, das die einzelnen Vorgaben macht. In einem Fernsehinterview beispielsweise übernimmt der Interviewer qua Amt die Rolle des Fragenden. Der Interviewer befragt den Gast nicht aus persönlichem Interesse, sondern weil das Programm und seine Struktur dies zu einem bestimmten Zeitpunkt so vorsieht. Der Interviewer wird dafür bezahlt, es ist sein Job.


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