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Desires Everywhere: Die Rolle der Frau in den US Fernsehserien: Ally McBeal und Sex and the City

Thesis (M.A.), 2003, 69 Pages
Author: Ramona Schicke
Subject: American Studies - Comparative Literature

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2003
Pages: 69
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V17006
ISBN (E-book): 978-3-638-21693-7

File size: 405 KB


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden
Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Anglistik und Amerikanistik

Magisterarbeit

Desires Everywhere:
Die Rolle der Frau in den US Fernsehserien
Ally McBeal und Sex and the City

eingereicht von

Ramona Schicke

9. Januar 2003

Inhalt

1. Einleitung ... 1

2. Die Fernsehserie – ein sozio-kulturelles Phänomen ... 5

3. Die Serie in Bezug auf Ally McBeal und Sex and the City ... 8
3.1. Ally McBeal ... 9
3.1.1. Die Metamorphose der TV-Frau ... 12
3.1.2. Synopsis Ally McBeal ... 16
3.1.3. Emotionen vor Gericht ... 17
3.1.4. Inhaltsanalyse Drei sind keiner zuviel ... 20
3.1.5. Illusion Zweierbeziehung? ... 24
3.2. Sex and the City ... 29
3.2.1. Synopsis Sex and the City ... 31
3.2.2. Widersprüchlichkeiten ... 34
3.2.3. Inhaltsanalyse Drei sind einer zuviel ... 38

4. Phänomen Single-Leben ... 42

5. Die Ehe – das Ende? ... 45

6. „Effortlessly Striking“ ... 55

7. Idealvorstellung ... 58

8. Zusammenfassung ... 59

9. Bildergalerie ... 63

10. Literaturverzeichnis ... 65

 


“You’re a woman and men don’t like women to be human.
We aren’t supposed to fart, douche, use tampons or
have hair in places we shouldn’t.”


(Samantha Jones in Sex and the City, Staffel 1, Folge 11)

1. Einleitung
Ist es tatsächlich so, wie Samantha Jones im Gespräch mit Carrie Bradshaw behauptet? Männer mögen keine menschlichen Frauen? Warum zählt Ally McBeal die Tage bis zu ihrer ersten Schönheitsoperation? Die vorliegende Arbeit wird diese und andere Fragen nicht vollständig beantworten können, aber zumindest versuchen, die Hintergründe auszuleuchten und damit die Rolle der Frau in den Serien Ally McBeal und in Sex and the City näher untersuchen.

Sowohl Carrie und ihre Freundinnen als auch Ally haben sich bewußt für ein Leben als Single entschieden. Sie sind zwar auf der Suche nach einem passenden Mann, aber finden dann doch immer einen Grund, sich von potentiellen Ehemännern zu lösen. Sie suchen nicht die einfache Beziehung, sondern, so scheint es, mögen es lieber kompliziert. Der Grund dafür ist m. E. das Dilemma, in dem sich die berufstätige, unabhängige Frau heutzutage befindet. Carrie und Co. sind Opfer nicht nur der sog. Spaßgesellschaft, sondern auch der Freiheiten, die Frauen als Ergebnis der Women’s Movement genießen. Sie sind die erste Generation, die ihr unabhängiges Leben schon so lange genießen, daß es schwer wird, sich davon zu trennen. Aber was ist der Preis? Egal wieviel Spaß die Frauen auch haben, ein schaler Nachgeschmack bleibt. Die emotionale Befreiung, die mit der beruflichen Unabhängigkeit der Frau einhergeht, ist mit Entbehrungen verbunden. Die Gefühlswelt gerät auf der Suche nach der Balance zwischen Beruf und Privatleben aus den Fugen. Die klassische Rollenaufteilung des Bürgertums ist längst vergessen und der Postfeminismus offeriert nicht wirklich realisierbare Alternativen. Wird der neue Lebenswandel der Frau aufgrund der suggerierten Desillusionierung letztlich zu einem Backlash führen?

Im Mittelpunkt der Analysen stehen die Hauptdarstellerinnen der Serien. Bei Ally McBeal handelt es sich um die Namensgeberin der Serie und ihre Kollegen in der Anwaltskanzlei in der sie tätig ist und auf die im Verlauf der Arbeit eingegangen werden wird. In Sex and the City heißt die wichtigste Protagonistin Carrie Bradshaw, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit als Sexkolumnistin mit ihren und den Erlebnissen ihrer Freundinnen Samantha, Charlotte und Miranda auseinandersetzt. Im Großen und Ganzen geht es in beiden Serien sowohl um die Kommunikation zwischen den Geschlechtern, die größtenteils von Mißverständnissen und Interessenkonflikten geprägt ist, als auch um die emotionale Selbstfindung der Frau.

Als Grundlage für die Analysen von Ally McBeal dient dabei eine Auswahl von sieben Folgen der ersten Staffel, die komplette zweite Staffel und die zweite Hälfte der vierten Staffel. Für die Auswertung von Sex and the City werden alle Folgen der ersten bis dritten Staffel herangezogen. Im Rahmen der Untersuchungen stellt sich dabei die nicht unerhebliche Frage, inwiefern die Serien ein Abbild der Realität sind – ein Anspruch den die Medien gern an sich selber stellen. Der Sozialwissenschaftler Thomas Bruns veröffentlichte dazu eine Studie mit dem Titel „Fernsehserien als Indikator medialen und sozialen Wandels“1, auf die später noch näher eingegangen werden soll.

Tatsächlich konnte im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Entwicklung in der Darstellung der Frau in Fernsehserien beobachtet werden. Mit fortschreitender Emanzipation, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der Women’s Movement der 70er Jahre in den USA hatte, wandelte sich auch das Frauenbild in den Fernsehserien. Vom Hausmütterchen des patriarchalisch geführten Hausstandes in den 40er Jahren, hin zur unabhängigen Karrierefrau am Ende der 90er Jahre. Aber repräsentieren Ally, Carrie und Co. tatsächlich das neue Frauenbild der Gegenwart? Die Meinungen gehen weit auseinander – insbesondere zwischen den Geschlechtern. Der Erfolg der Serien läßt jedoch den Schluß zu, daß viele Zuschauerinnen sich angesprochen fühlen und sich mit den Figuren identifizieren können.

Medienwissenschaftlerinnen haben in der Vergangenheit immer wieder Kritik an der stereotypen Darstellung der Rolle der Frau im Film und in Fernsehserien geäußert. Verheiratete Frauen werden oftmals asexuell porträtiert, während die Single-Frau meist eine junge, erfolgreiche und begehrenswerte Frau ist. Brigitte Armbruster in ihrem Essay „Das Frauenbild in den Medien“ geht sogar soweit zu sagen, daß die von den Männern beschriebene Frau nichts mit der real existierenden Frau zu tun hat. Bei aller Kritik muß man sich jedoch fragen, wie denn ein ideales Frauenbild in den Medien aussehen sollte? In Produktionen der DEFA, einziger Filmproduzent in der ehemaligen DDR, waren oftmals werktätige Frauen zu sehen, die abends müde von der Arbeit sich mit ihren Kindern beschäftigen und Gespräche mit dem Ehemann führen. Dies entsprach zwar der Realität der meisten Frauen, aber die wenigsten wollten auch noch am Abend damit konfrontiert werden. Ally und Carrie können also nur als überhöhte Abbildung der Realität dargestellt und sollten von den Rezipienten auch als solche verstanden werden. Auch wenn es ohne Zweifel Frauen gibt, die sich den in den Serien dargestellten Lebensstil zu eigen gemacht haben. Haben die Serien also bestenfalls Unterha ltungscharakter mit wenig Bezug zur Realität? Die Gefahr besteht einzig in der Tatsache, daß, nimmt man die Prämisse von Bruns ernst, sich fiktionale Serieninhalte auf das reale Leben der Zuschauer auswirken und damit einen Wertewandel hervorrufen können. Vor allem männliche Zuschauer könnten der Vorstellung erliegen, daß Frauen willig sind, jedem „Bewerber“ um ihre Gunst, eine Chance zu geben. In Sex and the City tritt dabei vor allem die sexuelle Komponente in den Vordergrund, während bei Ally McBeal eher auf die emotionale Ebene von Beziehungen eingegangen wird. Im Ergebnis der Analysen wird versucht, eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage, nach der emotionalen Beschaffenheit der Frau, zu finden.

Im nun folgenden Kapitel soll zunächst auf einige theoretische Hintergründe von Fernsehserien eingegangen werden. Unter anderem wird dabei versucht, Gründe für die Popularität der Serien aufzuzeigen. In späteren Kapiteln werden die Serien und ihre Darsteller näher vorgestellt, um ein umfassendes Bild von den Akteuren und ihren Rollen zu bekommen. Anhand dieser wird die Rolle der Frau in den beiden Serien aus verschiedenen Gesichtspunkten im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Um die Serien in einem direkten Vergleich gegenüberzustellen, soll außerdem betrachtet werden, wie das Thema Dreierbeziehung inhaltlich behandelt wird. Man hätte sicherlich auch ein anderes Thema für eine „Gegenüberstellung“ wählen können, allerdings bietet sich dieses regelrecht an, weil die deutschen Titel für die Episoden sich bis auf einen – essentiellen – Buchstaben gleichen: Drei sind keiner zuviel (Ally McBeal) und Drei sind einer zuviel (Sex and the City). Sehen sich die beiden Folgen auch inhaltlich ähnlich? Dies und mehr sollen die Analysen der beiden Episoden zeigen. Vorerst ein kurzer Exkurs in die Fernsehtheorie.

2. Die Fernsehserie – ein sozio-kulturelles Phänomen
Über die Fernsehserie und ihre Wechselwirkung mit der Realität wurden zahlreiche Studien angestellt. Die meisten mit dem Ergebnis, daß empirische Untersuchungen in diesem Medium nur schwierig durchzuführen sind.

[...]


1 in: Schatz, Heribert (Hg.). Fernsehen als Objekt und Moment des sozialen Wandels. Faktoren und Folgen der aktuellen Veränderungen des Fernsehens, Westdeutscher Verlag, Opladen, 1996.


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