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Examination Thesis, 1997, 64 Pages
Author: Dipl. Päd. Inga Koch
Subject: Theology / Religion (For Pre-University Students)
Details
Tags: Bibliodrama, Theorie, Praxis
Year: 1997
Pages: 64
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21696-8
ISBN (Book): 978-3-638-90150-5
File size: 176 KB
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Abstract
Im Wintersemester 1994/95 wurde an der Gesamthochschule Kassel das Seminar „Religion in meinem Leben“ von Prof. Dr. Gremmels angeboten. Studierende des Lehramtes Religion befassten sich an einem Wochenende außerhalb der Universität mit ihrer eigenen Religion. Für mich erfolgte in dem Seminar eine erste Konfrontation mit dem Bibliodrama, da die Veranstaltung bibliodramatisch orientiert war. Das Seminar war ausschließlich praktisch ausgerichtet. Die dort gewonnenen Erfahrungen motivierten mich zu dieser Arbeit, in der ich mich mit den theoretischen Hintergründen der Bibliodramaarbeit auseinandersetzen werde. Um im Fach Religion mit den Unterrichtsinhalten reflektiert umgehen zu können, erscheint mir die Auseinandersetzung mit dem Bibliodrama wichtig; der Rahmenplan Grundschule sieht eine Beschäftigung mit biblischen Texten im evangelischen Religionsunterricht vor. Auch der Frage, inwieweit das Bibliodrama dazu Anregungen bieten kann, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Nach einem ersten Überblick über die Thematik, geht es um den Gegenstand des Bibliodramas, nämlich den biblischen Text. Darin soll die Relevanz der Bibel für aktuelle Lebensfragen dargestellt werden. Anschließend wird eine Strukturierung der zahlreichen Veröffentlichungen zum Bibliodrama in verschiedene Ansätze vorgenommen. Diejenigen Artikel, die sich mit den Erfahrungen der Autoren, die sie durch die Teilnahme an einem Bibliodrama gewonnen haben, befassen, finden hier keine Erwähnung. Diese lassen sich nicht verallgemeinern, liefern jedoch einen weitgefächerten Einblick in individuelle Erfahrungen und können Interesse für ein eigenes Erleben eines Bibliodramas wecken. Da im Bibliodrama auch psychologische Aspekte eine Rolle spielen, ist diesen das darauf folgende Kapitel gewidmet. Die abschließenden Kapitel beschäftigen sich mit Voraussetzungen und praktischen Möglichkeiten der Durchführung.
Excerpt (computer-generated)
Bibliodrama - Theorie und gegenwärtige Praxis
Wissenschaftliche Hausarbeit
zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen
vorgelegt von
Inga Koch
Februar 1997
Gliederung
1. Einleitung ... 3
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung des Bibliodramas ... 4
3. Der Gegenstand des Bibliodramas: Der biblische Text ... 6
3.1 Welchen Sinn hat es, sich mit der Bibel zu beschäftigen? ... 6
3.2 Schwierigkeiten, die Bibel heute zu verstehen ... 9
3.3 Notwendigkeit und Ergänzungsbedürftigkeit der historisch-kritischen Methode ... 15
3.4 Ergänzungen der historisch-kritischen Bibelauslegung ... 17
3.4.1 Erfahrungsbezug ... 17
3.4.2 Gruppengeschehen ... 22
3.4.3 Ganzheitlichkeit ... 24
3.4.4 Berücksichtigung tiefenpsychologischer Aspekte ... 27
3.5 Der biblische Text im Bibliodrama ... 30
4. Ansätze in der Bibliodramabewegung ... 33
4.1 Textzentriertes Bibliodrama ... 35
4.2 Spielpädagogisches Bibliodrama ... 36
4.3 Seelsorgerliches Bibliodrama ... 37
4.4 Hagiodrama ... 39
4.5 Mimesis ... 42
4.6 Psychodramatisches Bibliodrama ... 44
5. Psychologische Komponenten im Bibliodrama ... 47
5.1 Problematisierung ... 47
5.2 Widerstand ... 49
6. Methoden ... 50
6.1 Einstieg: Einleitung und Körperarbeit ... 51
6.2 Identifikation ... 53
7. Arbeitsgebiete und Zielgruppen ... 54
8. Abschließende Bemerkungen ... 56
9. Literatur- und Quellenverzeichnis ... 58
10. Abkürzungen ... 64
1. Einleitung
Im Wintersemester 1994/95 wurde an der Gesamthochschule Kassel das Seminar „Religion in meinem Leben“ von Prof. Dr. G. angeboten. Studierende des Lehramtes Religion befaßten sich an einem Wochenende außerhalb der Universität mit ihrer eigenen Religion. Für mich erfolgte in dem Seminar eine erste Konfrontation mit dem Bibliodrama, da die Veranstaltung bibliodramatisch orientiert war. Das Seminar war ausschließlich praktisch ausgerichtet. Die dort gewonnenen Erfahrungen motivierten mich zu dieser Arbeit, in der ich mich mit den theoretischen Hintergründen der Bibliodramaarbeit auseinandersetzen werde.
Um im Fach Religion mit den Unterrichtsinhalten reflektiert umgehen zu können, erscheint mir die Auseinandersetzung mit dem Bibliodrama wichtig; der Rahmenplan Grundschule sieht eine Beschäftigung mit biblischen Texten im evangelischen Religionsunterricht vor.1 Auch der Frage, inwieweit das Bibliodrama dazu Anregungen bieten kann, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
Nach einem ersten Überblick über die Thematik, geht es um den Gegenstand des Bibliodramas, nämlich den biblischen Text. Darin soll die Relevanz der Bibel für aktuelle Lebensfragen dargestellt werden. Anschließend wird eine Strukturierung der zahlreichen Veröffentlichungen zum Bibliodrama in verschiedene Ansätze vorgenommen. Diejenigen Artikel, die sich mit den Erfahrungen der Autoren2, die sie durch die Teilnahme an einem Bibliodrama gewonnen haben, befassen, finden hier keine Erwähnung. Diese lassen sich nicht verallgemeinern, liefern jedoch einen weitgefächerten Einblick in individuelle Erfahrungen und können Interesse für ein eigenes Erleben eines Bibliodramas wecken.3
Da im Bibliodrama auch psychologische Aspekte eine Rolle spielen, ist diesen das darauf folgende Kapitel gewidmet. Die abschließenden Kapitel beschäftigen sich mit Voraussetzungen und praktischen Möglichkeiten der Durchführung.
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung des Bibliodramas
In der Literatur findet man für den Begriff „Bibliodrama“ aufgrund verschiedener Ansätze mehrere Definitionen. Sie unterscheiden sich in der Zielsetzung, der Methodik und den inhaltlichen Schwerpunkten. Diese Faktoren sind abhängig von der Persönlichkeit des Bibliodramaleiters und dessen Zielgruppe. Die Unterschiede der Ansätze werden unter dem Gliederungspunkt4 näher erläutert, hier soll es zunächst um deren Gemeinsamkeiten, also um das was das Bibliodrama definiert, gehen.
Allgemein läßt sich über das Bibliodrama sagen, daß der Begriff aus den USA stammt und in Anlehnung an das „Psychodrama“, das in den fünfziger Jahren von J.R. Moreno ins Leben gerufen wurde, entstanden ist.4 Die Bildung des Begriffes weist auf gemeinsame Elemente beider Arbeitsformen hin. Das Psychodrama wird als „dramatische Darstellung von persönlichen oder allgemeinen Konflikt– und Entscheidungssituationen zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken sowie zur Einübung ungewohnter Verhaltensweisen“5 definiert. Die Teilnehmer übernehmen für eine begrenzte Zeit bestimmte Rollen. Im Rollenspiel ist die Handlung nicht festgelegt, die Entscheidung über das Geschehen bleibt weitestgehend den Spielern überlassen. Das Psychodrama wird als einzel– oder gruppenpsychotherapeutische Methode benutzt, um Patienten von emotionalen Spannungen zu befreien. Ve rschiedene Techniken unterscheiden sich zum Beispiel in der Größe der Gruppen, im Spielcharakter (patient– oder themenzentriert), in den Ausdrucksmitteln oder in der Einflußnahme des Leiters.6
In Deutschland wurde das Bibliodrama laut Teichert gegen Ende der siebziger Jahre von Hilarion Petzold und Gerhard Marcel Martin eingeführt.7 Wie im Psychodrama werden Konflikt- und Entscheidungssituationen in dramatisches Spiel umgesetzt. Die wesentlichen Unterschiede zum Psychodrama liegen zum einen in der Intention, da das Bibliodrama nicht der Therapie dient, auch wenn es seelsorgerisch sein kann, und zum anderen in der Beschäftigung mit einem biblischen Text, der dem Spiel zugrunde liegt8. Bubenheimer spricht von dem „Postulat eines doppelten Zieles der bibliodramatischen Arbeit: Bibelauslegung und Selbsterfahrung werden in einem integrierten Prozeß angestrebt.“9 Die Methode stellt ein ganzheitliches Konzept dar, es wird sowohl text- als auch erfahrungs- und körperbezogen gearbeitet. Die Teilnehmer sollen dadurch zu einem neuen Verständnis des Textes gelangen. Diese Zielsetzung deutet ein Defizit der herkömmlichen Bibelauslegung an. Darauf werde ich unter Gliederungspunkt 3.3 näher eingehen.
Das Bibliodrama wurde nicht völlig neu entwickelt, es hat seine Wurzel im Bibelspiel, das schon im Mittelalter Laien einen Zugang zur Bibel bot.10 Abgesehen von Rollenspielen, Krippenspielen oder Ähnlichem in der Kinder- und Jugendarbeit, brach die Tradition des Bibelspiels jedoch durch Einfluß des Rationalismus zugunsten einer Theologie des Wortes ab. Im Unterschied zum Bibelspiel geht es im Bibliodrama jedoch, wie oben gesehen, um Selbsterfahrung und deren Reflexion. Deshalb sind die Texte und Personen nicht vorgegeben, sondern werden von den Spielern auf der Grundlage des Textes, erweitert um eigene Erfahrungen, neu entfaltet.11 Grundlegende Elemente des Bibliodramas sind die Körperarbeit, eine Spielphase und deren Aufarbeitung.12
[...]
1 Vgl. Hessisches Kultusministerium, Rahmenplan Grundschule, S. 36
2 Auf eine Erwähnung der weiblichen Form wird in dieser Arbeit verzichtet. Sie soll jedoch immer mitgedacht werden, gemeint sind Autoren und Autorinnen, Bibliodramaleiter und –leiterinnen, u.s.w..
3 In dem von Heidemarie Langer verfaßten Buch „Vielleicht sogar Wunder“ sind beispielsweise Schilderungen von Erlebnissen in durchgeführten Bibliodramen zu finden.
4 Vgl. Teichert im Gespräch mit Hildegunde Wöller (in: Seifert/Waiblinger, Therapie und Selbsterfahrung, S. 69)
5 Schmidt, Psychodrama, Sp. 945 (in: Lexikon der Psychologie)
6 Vgl. Schmidt, Psychodrama, S. 945 (in: Lexikon der Psychologie)
7 Vgl. Teichert im Gespräch mit Hildegunde Wöller (in: Seifert/Waiblinger, Therapie und Selbsterfahrung, S. 69)
8 Warns berichtet in seinem Aufsatz „Bibliodrama – Hermeneutik und Theologie“(in: Warns/ Fallner, Bibliodrama als Prozeß) von einem Bibliodramaverständnis, das nicht auf die Beschäftigung mit biblischen Texten beschränkt ist, sondern einen „methodischen Zugang zu Literatur überhaupt“ umfaßt. (S. 127) Dieser Aspekt wird in meiner Arbeit vernachlässigt, hier soll es um die Beschäftigung mit biblischen Texten gehen.
9 Bubenheimer, Bibliodrama- Selbsterfahrung und Bibelauslegung im Spiel, S. 534-535 (in: Baumgartner, Handbuch der Pastoralpsychologie)
10 Vgl. Teichert, in der Einleitung zu Kiehn, Laeuchli, u.a., Bibliodrama, S. 7
11 Vgl. Bubenheimer, Selbsterfahrung und Bibelauslegung im Spiel, S. 533 (in: Baumgartner, Handbuch der Pastoralpsychologie)
12 Vgl. Martin, Bibliodrama, S. 306 (in: Langer, Handbuch der Bibelarbeit)
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