Autor: Christina Wolf
Fach: Politik - Int. Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Details
Institution/Hochschule: Universität Hildesheim (Stiftung) (Institut für Politische Wissenschaft)
Jahr: 2003
Seiten: 26
Note: keine
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1818 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-21725-5
Geologische und hydrologische Gegebenheiten, Geschichte des Konflikts zwischen Israel und Palaestinensern unter wasserpolitischen Aspekten. Die Rolle des Wassers im Osloer Friedensprozess. Kritik und Ausblick. Mit Landkarten.
Textauszug (computergeneriert)
Die Ressource Wasser als politisches
Instrument im israelisch-palaestinensischen Konflikt
Christina Wolf
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Hydrologische und geographische Gegebenheiten 6
3. Wasserverteilung und –verbrauch in Israel und den palästinensischen Gebieten 7
4. Streitpunkt Wasser: Ein Dauerbrenner im Nahost-Konflikt 9
4.1. Historie des Konflikts 10
4.2. Das Wasser im Friedensprozess 13
4.3. Der Prozess von Oslo: Eine kurze Bewertung unter hydrologischen Aspekten 16
5. Hypothesen zur weiteren Konfliktentwicklung oder: Wer bekommt das Wasser unter der Westbank? 18
Anhang
Karten
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Konfliktraum Naher Osten. Dazu gehören im engeren Sinne die Jordan-Anrainer Libanon, Syrien, Jordanien, Israel und die autonomen palästinensischen Gebiete. Viele Publikationen beschäftigen sich mit den Problemen und Streitigkeiten, die sich um die Teilhabe und die Nutzung des Jordanwassers drehen. In der hier vorliegenden Arbeit jedoch liegt der Focus auf den Wasserressourcen Israels, der Westbank und des Gaza-Streifens. Es geht um die Frage einer gerechten Verteilung und nachhaltigen Nutzung des Wassers zwischen Israel und den Palästinensern im Zuge der Friedensverhandlungen. Dabei bleibt zu beantworten, in wie weit das Wasser (Zugang und Nutzung) in den Friedensverhandlungen eine Rolle spielt, bzw. ob eine Lösung in der Wasserfrage den Friedensprozess positiv beeinflussen würde. Einen „Krieg um Wasser“1 prophezeite Klaus Polkehn 1992 den Bewohnern im Nahen Osten. Er begründete dies u. a. mit dem zu erwartenden, raschen Bevölkerungswachstum, ungeklärten Besitz- und Nutzungsverhältnissen (besonders im Einzugsgebiet des Jordan und des Yarmuk), und mit einer falschen, da nicht nachhaltigen Nutzung der verfügbaren Frischwasserressourcen. Es mag hoffnungsfroh stimmen, dass sich die Befürchtungen Polkehns bis heute nur teilweise erfüllt haben. Einen Krieg, der sich hauptsächlich um den Besitz und die Nutzung von Wasserressourcen drehte, gab es noch nicht. Der Streit um das Wasser in dieser trockenen Region stand aber spätestens seit der Staatsgründung Israels 1948 immer im Hintergrund der meisten Konflikte: es wurde, wie im Kapitel 4.1. gezeigt wird, zum Auslöser für kriegerische Auseinandersetzungen oder zur Demonstration von staatlicher Macht instrumentalisiert. Besonders der sich verhärtende Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist spätestens seit der Besetzung des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens 1967 ein Konflikt, in dem Wasser eine stark politisierte und emotionalisierte Rolle spielt, da Wassereinzugsgebiete und umstrittenen Territorien sich in vielen Fällen überlagern. Die vorliegende Arbeit versucht, so objektiv wie möglich, die hydrologischen Vorraussetzungen und die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes unter wasserpolitischen Aspekten zu schildern und daraus resultierend den Friedensprozess in dieser Hinsicht kritisch zu hinterfragen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema bietet fundierte und übersichtliche Literatur, die besonders aus den 90er Jahren stammt (der Grund hierfür ist wohl das zunehmende öffentliche Interesse im Zuge des Nahostfriedensprozesses). Allerdings zeigen m. E. nach einige Bücher, und besonders die Informationen aus dem Internet, eine Tendenz, zugunsten der politisch schwächeren Palästinenser zu urteilen. Viele Informationen (bes. Zahlen und Angaben zu Wassermengen) müssen deshalb unter Vorbehalt gesehen werden, da sie ohne Überprüfung (aufgrund fehlender Quellen aus israelischer Perspektive), verwendet werden mussten. Es ist noch kein Krieg um Wasser, aber es ist ein Konflikt, in dem der Zugang zu Wasser als Druckmittel eingesetzt wird und dessen Lösung nicht ohne eine gerechte Aufteilung der wenigen Frischwasservorkommen gefunden werden kann.
2. Hydrologische und geographische Gegebenheiten
Die mithin wichtigste Wasserquelle für Israelis und Palästinensern ist der Jordan. Trotz seines biblischen Ruhmes ist der Jordan mit ca. 230 km Luftlinienlänge und einer nutzbaren Wassermenge von ca. 550 Millionen Kubikmeter (MKM) Wasser bei einem jährlichen Durchfluss von 1500 MKM Wasser ein recht kleiner Fluss2. Der obere Jordan wird von drei Quellflüssen gespeist, die, obwohl sie in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, auf drei verschiedenen Staatsterritorien entspringen. Der Dan gehört international anerkannt zu Israel, der Hasbani zum Libanon und der Banias entspringt im syrischen Gebiet der Golan-Höhen, die Israel seit 1967 besetzt hält.
Der Jordan fließt durch israelisches Territorium bevor er den See Genezareth (auch Tiberias-See genannt) speist. Der See ist mit 167,8 km² das wichtigste Frischwasservorkommen Israels. Aufgrund von Verdunstung und hohem Salzgehalt durch Übernutzung werden die Quellen des Sees abgefangen und in einem Kanal am See vorbei in den unteren Jordan geleitet. Auch der untere Jordan ist stark salzhaltig und verliert durch die Nutzung der Anrainerstaaten zunehmend Wasser.3 Bevor der Jordan dann die Grenze zwischen Jordanien und der Westbank bildet, bekommt er noch 400-500 KM Wasser seines wichtigsten Nebenflusses Yarmuk und fließt dann in das Tote Meer.
Seit Beginn der israelischen Ableitung durch den National Water Carrier (ab 1964) ist der Jordan allerdings auf ein kümmerliches, stark salzhaltiges Rinnsal zusammengeschrumpft, das praktisch nicht mehr nutzbar ist. Dementsprechend sind die Grundwasservorkommen in Israel und den autonomen palästinensischen Gebieten mittlerweile die wichtigsten Wasserressourcen. Dieses Grundwasser ist in sechs Aquiferen (grundwasserführende, unterirdische Gesteinsschichten) unter der Westbank (das „Mountain-Aquifer“) und dem Gaza- Streifen gespeichert und wird durch den jährlichen Niederschlag erneuert. Das Wasserangebot des Westbank-Aquifer wird auf 600-720 MKM pro Jahr geschätzt4 und fließt entlang der „Green Line“ nach Westen zur Küste, bzw. nach Osten zum Jordanbecken hin ab. Aufgrund der Abflussrichtungen konnte Israel dieses Wasser bereits vor der Besetzung der Westbank 1967 nutzen und es ist bis heute eines der wichtigsten und deshalb umstrittensten Wasservorkommen für Israel und die palästinensischen Westbankbewohner. Wie der Jordan ist auch das Küstenaquifer unter dem Gaza-Streifen durch eindringendes Meerwasser stark versalzt und deshalb als Trinkwasser kaum nutzbar. Übernutzung und geringere Niederschlagsquoten (200-400 mm pro Jahr – in der Westbank fallen 600-800 mm pro Jahr5) lassen den Wasserspiegel jährlich absinken und verschärfen dadurch die Situation für über eine Million Menschen.
3. Wasserverteilung und –verbrauch in Israel und den palästinensischen Gebieten
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1 So der Titel des Buches von Klaus Polkehn: Krieg um Wasser- Der Jahrhundertkonflikt im Nahen Osten. 1. Aufl. Berlin 1992.
2 Diese Menge entspricht etwa einem Fünfzigstel der Wassermenge des Rheins. Daten nach: Libiszewski, Stephan: Wasserkonflikte im Jordan-Becken. in: Barandat, Jörg (Hrg.): Wasser – Konfrontation oder Kooperation. Ökologische Aspekte von Sicherheit am Beispiel eines weltweit begehrten Rohstoffs. Baden-Baden 1997.S.96.
3 Meuss, Marina: Wasserressourcen und Wassermanagement in Israel. in: Libiszewski, Stephan / Schiffler, Manuel (Hrg.): Wasserkonflikte und Wassermanagement im Jordanbecken. Beiträge eines Kolloquiums. Berlin 1995, S. 57.
4 Schiffler, Manuel / Al-Baz, Ismail: Wasserressourcen und Wassermanagement in Palästina und Jordanien. in: Libiszewski, Stephan / Schiffler, Manuel (Hrg.): Wasserkonflikte und Wassermanagement im Jordanbecken. Beiträge eines Kolloquiums. Berlin 1995, S. 21.
5 Ebd.
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