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Hans Sachs im Urteil von Zeitgenossen und Nachwelt

Hauptseminararbeit, 2003, 22 Seiten
Autor: Hendrikje Schulze
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 22
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V17246
ISBN (E-Book): 978-3-638-21862-7
ISBN (Buch): 978-3-638-64512-6
Dateigröße: 190 KB

Zusammenfassung / Abstract

"Hans Sachs war ein Schuh/macher und Poet dazu" - dieser viel zitierte Vers aus dem 18. Jahrhundert ist vielleicht auch heute noch die erste und oft wohl leider auch die einzige Assoziation, die mit dem Namen "Hans Sachs" in Verbindung gebracht wird. Dem Laien mag der Name allenfalls noch aus Richard Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" ein Begriff sein. Wer Hans Sachs eigentlich war, zu welcher Zeit er gelebt hat und welche Bandbreite sein Werk umfasst, dürfte unter „Nicht-Literaturwissenschaftlern“ hingegen weniger bekannt sein. Hans Sachs ist, wie so viele Autoren vergangener Epochen, heute nicht unbedingt ein gelesener Autor. Dass sich dennoch bestimmte Assoziationen bei der Nennung seines Namens einstellen, ist im Wesentlichen auf die Rezeptionsgeschichte zurückzuführen, die unser gegenwärtiges "Hans-Sachs-Bild" entscheidend mitgeprägt hat. Die Ansichten über Hans Sachs waren während der vier Jahrhunderte, die seit seinem Tod vergangen sind, vielfältigen Schwankungen unterworfen und reichten von verherrlichender Bejahung bis zu radikaler Ablehnung und Missachtung seines Werkes. Positive wie negative Urteile waren dabei oft nicht von sachlicher Einsicht geprägt, sondern wurden vom vorherrschenden Kunstgeschmack der Zeit oder von vorgefassten Überzeugungen diktiert. So ist die Geschichte des Nachlebens von Hans Sachs zugleich ein Ausschnitt deutscher Literatur- und Kulturgeschichte. Da es den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde, alle literarischen Epochen und Strömungen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert mit der gleichen Ausführlichkeit zu behandeln, wird der Schwerpunkt hier auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts gelegt. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht somit das Hans-Sachs-Bild in der Zeit des Sturm und Drang (um 1770 bis 1789), in der das Interesse an dem Nürnberger Poeten wieder aufzuleben begann. Dennoch soll auch auf vorangegangene und nachfolgende Epochen ein kurzer Blick geworfen werden, um einen Rahmen bzw. eine geeignete Ausgangslage für detailliertere Untersuchungen zu schaffen. Abschließend wird diskutiert, welche Maßstäbe zur Beurteilung eines Dichters einer vergangenen Epoche angewendet werden können und inwieweit eine objektive Beurteilung aus einer anderen Zeit heraus, die vollkommen andere Anforderungen an die Dichtkunst stellt, überhaupt möglich ist.


Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Germanistische Literaturwissenschaft
Sommersemester 2003

„Hans Sachs war ein Schuh-/macher und Poet dazu“
Hans Sachs im Urteil von Zeitgenossen und Nachwelt

Hendrikje Schulze

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Zur zeitgenössischen Wirkung Hans Sachs´ 3

3. „Schutzpatron der vereinigten Tannezapfen- und Narrenkolbenzunft“ - Zum Hans-Sachs-Bild im deutschen Barock 3

4. „Hans Sachs war ein Schuh-/macher und Poet dazu.“ - Tiefpunkt des dichterischen Ruhms 4

5. Der Musenhof zu Weimar und die Rehabilitierung Hans Sachsens 5
5. 1. „In Froschpfuhl all´ das Volk verbannt, das seinen Meister je verkannt“- „Erklärung eines alten Holzschnittes, vorstellend Hans Sachsens poetische Sendung“  7
5. 2. Hans Sachs und Goethe 9
5. 3. Zeugnisse von Goethes Studium und Adaption Sachsischer Dichtung 10
5. 3. 1. Der Knittelvers 10
5. 3. 2. Die Verwendung des Knittelverses in Goethes Werk 11
5. 4. Erfolge und Misserfolge nach der von Weimar ausgehenden Rehabilitierung Sachsens 12

6. „Ich, Hans Sachs und Goethe. Ist noch außer uns ein Poete?“ - Das Hans-Sachs Bild in der deutschen Romantik 14

7. Zusammenfassung – Was kann die Rezeptionsgeschichte über die Beurteilung eines Dichters einer vergangenen Literaturepoche aussagen? 16

8. Bibliographie 20

 

1. Einleitung

„Hans Sachs war ein Schuh/macher und Poet dazu“ - dieser viel zitierte Vers aus dem 18. Jahrhundert ist vielleicht auch heute noch die erste und oft wohl leider auch die einzige Assoziation, die mit dem Namen Hans Sachs in Verbindung gebracht wird. Dem Laien mag der Name allenfalls noch aus Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ein Begriff sein. Wer Hans Sachs eigentlich war, zu welcher Zeit er gelebt hat und welche Bandbreite sein Werk umfasst, dürfte unter „Nicht-Literaturwissenschaftlern“ hingegen weniger bekannt sein. Denn Hans Sachs ist, wie so viele Autoren vergangener Epochen, heute nicht unbedingt ein gelesener Autor. Dass sich dennoch bestimmte Assoziationen bei der Nennung seines Namens einstellen, ist im Wesentlichen auf die Rezeptionsgeschichte zurückzuführen, die unser gegenwärtiges „Hans-Sachs-Bild“ entscheidend mitgeprägt hat.

Die Ansichten über Hans Sachs waren während der vier Jahrhunderte, die seit seinem Tod vergangen sind, vielfältigen Schwankungen unterworfen und reichten von verherrlichender Bejahung bis zu radikaler Ablehnung und Missachtung seines Werkes. Positive wie negative Urteile waren dabei oft nicht von sachlicher Einsicht geprägt, sondern wurden vom vorherrschenden Kunstgeschmack der Zeit oder von vorgefassten Überzeugungen diktiert. So ist die Geschichte des Nachlebens von Hans Sachs zugleich ein Ausschnitt deutscher Literatur- und Kulturgeschichte. Da es den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde, alle literarischen Epochen und Strömungen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert mit der gleichen Ausführlichkeit zu behandeln, soll der Schwerpunkt hier auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts gelegt werden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht somit das Hans-Sachs-Bild in der Zeit des Sturm und Drang (um 1770 bis 1789), in der das Interesse an dem Nürnberger Poeten wieder aufzuleben begann. Dennoch soll auch auf vorangegangene und nachfolgende Epochen ein kurzer Blick geworfen werden, um einen Rahmen bzw. eine geeignete Ausgangslage für detailliertere Untersuchungen zu schaffen.
Abschließend soll diskutiert werden, welche Maßstäbe zur Beurteilung eines Dichters einer vergangenen Epoche angewendet werden können und inwieweit eine objektive Beurteilung aus einer anderen Zeit heraus, die vollkommen andere Anforderungen an die Dichtkunst stellt, überhaupt möglich ist.

2. Zur zeitgenössischen Wirkung Hans Sachs´

Die zeitgenössische Wirkung Hans Sachsens stützte sich vor allem auf seine Meistergesangskunst. Sachs verfasste 4400 Meisterlieder, davon 2050 geistlichbiblischer und 2300 weltlicher Art, und war somit der produktivste Meistersinger seiner Zeit.1 Durch den Singschulbetrieb erlangte Sachs schon zu Lebzeiten eine solche Bedeutung, dass er, obwohl später geboren, in den Kreis der zwölf alten Meister2 eingereiht wurde.
Außerhalb Nürnbergs wurde Sachsens Name zu seinen Lebzeiten jedoch auch durch die Reformationsdialoge und die zeitkritischen Flugschriften bekannt, die er vor allem in den Jahren von 1523 bis 1526 verfasste. Auch seine dramatischen Produktionen wurden außerhalb Nürnbergs gespielt so z.B. in Frankfurt, Augsburg, Straßburg, München, Wien, Danzig und Basel.
Zur zeitgenössischen Verbreitung seines Werkes hat vor allem auch die 1558 von Sachs selbst begonnene Nürnberger Folioausgabe beigetragen, für die in relativ kurzer Zeit mehrere Neuausgaben erforderlich waren.
Sachs war also zu seinen Lebzeiten ein gelesener und vor allem auch ein „gespielter“ Autor, dessen Fastnachtsspiele, Schwänke, Dramen, Gedichte und Prosadialoge im Druck weit verbreitet waren.3

3. „Schutzpatron der vereinigten Tannenzapfen- und Narrenkolbenzunft“ - Zum Hans-Sachs-Bild im deutschen Barock

War Hans Sachs noch zu seinem Tode 1576 der bekannteste Dichter Deutschlands, so nahm sein Ruhm im folgenden Jahrhundert stetig ab. In der Epoche des Barock (um 1600-1700) wurde der gelehrte Dichter, der poeta doctus, der eine universitäre Ausbildung genossen und dabei die literarischen Tradition der römisch-griechischen Klassik studiert hatte, zum Ideal der Literaten.

[....]


1 Vgl. Eckhard Bernstein: Hans Sachs. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1993, S. 84.

2 Eine 1596 erschienene Abhandlung benennt zwölf Dichter des Mittelalters, unter ihnen Walther von der Vogelweide, Konrad von Würzburg, Reinmar von Zweter, Heinrich Frauenlob und Heinrich von Mügeln als Begründer des Meistergesangs. Dieser so genannte Dicthterkatalog ist jedoch als Produkt literarischer Legendenbildung (Dichtersage) einzuordnen. Vgl. Reinhard Hahn: Meistergesang. Leipzig 1985, S. 10 f.

3 Vgl. Wilhelm Richard Berger: Hans Sachs. Schuhmacher und Poet. Frankfurt a. M. 1949, S. 140 f.


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