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Ansätze und Strömungen der westlichen Koranforschung. Revisionisten contra Neue Ästhetik

Scholary Paper (Seminar), 2003, 16 Pages
Author: Annika Silja Sesterhenn
Subject: Orientalism / Sinology - Arabistic

Details

Event: Offenbarung und Erzählen: Repräsentation mythischer Elemente im Koran
Institution/College: Free University of Berlin (Seminar für Arabistik und Semitistik)
Tags: Ansätze, Strömungen, Koranforschung, Revisionisten, Neue, Offenbarung, Erzählen, Repräsentation, Elemente, Koran
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 16
Grade: gut (2,0)
Language: German
Archive No.: V17247
ISBN (E-book): 978-3-638-21863-4

File size: 180 KB
Notes :
Die Arbeit bietet einen Überblick über wichtige Werke der westlichen Koranforschung und befasst sich besonders mit dem Werk "Gott ist schön" von Navid Kermani (Erscheinungsjahr 2000). Ausserdem beinhaltet sie einen Überblick über die Textgeschichte des Koran.



Excerpt (computer-generated)

Seminar: Offenbarung und Erzählen:
Represäntation mythischer Erzählungen im Koran
WS 02/03

Ansätze und Strömungen der westlichen Koranwissenschaft:
Revisionisten contra Neue Ästhetik

 Annika Silja Sesterhenn

 

1. Einleitung

2. Allgemeines über den Koran
2.1Kurze Einführung in Form und Inhalt
2.2Mohammed

3. Die verschiedenen Strömungen und Ansätze der westlichen Koranwissenschaft

4. Neue Wege: „Gott ist schön-Das ästhetische Erleben des Koran“ von Navid Kermani

5. Schlußbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

Wissenschaft im Allgemeinen ist ein rationales System des Erkenntnisgewinns. Ihre Ergebnisse müssen nachprüfbar sein, müssen über bloße Meinung, Glauben, Erfahrung, Weisheit, Sinnlichkeit oder Gefühl hinausgehen und mit Quellen begründet sein. Geisteswissenschaften haben dabei eine Sonderstellung. Sie müssen, in höherem Grade als andere Bereiche der Forschung, stets die Gratwanderung begehen, auf rationaler Ebene Phänomene zu untersuchen, die sich eben mit Glauben, Gefühlen, Sinnlichkeit und subjektiven Erfahrungen befassen. Dass die Wissenschaftler bei dieser Aufgabe selbst immer wieder mit ihren grundeigenen subjektiven Empfindungen konfrontiert werden ist unausweichlich. Ein altes, beinahe ebenso unausweichliches Problem jedweder Forschung ist es, dass wer nach Beweisen für seine subjektiven Empfindungen sucht, meist auch welche findet. Ein Literaturwissenschaftler, der davon überzeugt ist, Shakespeare habe nur die Hälfte seines Werks selbst geschrieben und den Rest von seinen Geliebten geschenkt bekommen, wird das in komplizierten Arbeiten wissenschaftlich zu untermauern wissen. Genauso wie jener, der Shakespeare alleinverantwortlich für sein großes, weltbedeutendes Werk hält. Diese Arbeit soll und kann nun in keinster Weise beweisen wer in der Koranforschung seinen subjektiven Ideen erlegen ist und diese durch zweifelhafte wissenschaftliche Thesen zu stützen versucht oder wer auf dem hundertprozentig rein objektiv-wissenschaftlichen Weg geblieben ist, dessen tatsächliche Existenz anzweifelswert ist. Sie soll eher im Allgemeinen aufzeigen, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen Forscher kommen können, die dasselbe Werk untersuchen. Wobei bei einigen Beispielen eine eher wissenschaftsferne Motivation zu erkennen sein wird.

Im folgenden Kapitel werden einführend allgemein verbreitete und in den meisten wissenschaftlichen Kreisen als Grundlage anerkannte Informationen zur Geschichte des Korans und seiner Redaktion, sowie ein kleiner Überblick über seine wichtigsten formalen und inhaltlichen Kennzeichen angeführt werden. Kapitel 3 gibt anschließend einen Einblick in die westliche Koranwissenschaft und ihre verschiedenen Ansätze. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf jenen Arbeiten, deren Thesen von den allgemein anerkannten Basisannahmen über die Geschichte und den Inhalt des Koran abweichen. Das vierte Kapitel stellt die Arbeit „Gott ist schön- Das ästhetische Erleben des Koran“ von Navid Kermani und damit eine neue Herangehensweise an das Thema vor.

2. Allgemeines über den Koran

2.1 Kurze Einführung in Form und Inhalt

Der Islam ist eine monotheistische Religion, deren Grundlage der Koran (qur´an) ist. Dieser ist die Sammlung der vom Propheten Mohammed empfangenen und vor seiner Gemeinde erst in Mekka und dann in Medina verkündeten Offenbarungen Gottes. Das arabische Wort qur´an bedeutet ursprünglich das Vorzutragende oder das zu Rezitierende. Im Koran selbst wird das Wort qur´an an 70 Stellen genannt, wobei die Bedeutung oft variiert. Ist qur´an an manchen Stellen mit kitab (Buch) gleichzusetzen, muss an anderen Stellen qur´an eher als Akt der Rezitation, Akt des lauten Vortragens des Textes übersetzt werden.1 Der Koran, wie wir ihn heute in Händen halten, ist in 114 Suren (sura pl. suwar) geteilt, die wiederum in Verse ( aya, pl. ayat) unterteilt sind. Die Länge der Suren variiert stark, die kürzeste Sure 108 hat drei Verse, die längste Sure 2 hat 286 Verse. Nach der Eröffnungssure al-Fatiha, die die Gegenwart Gottes erbittet, sind die Suren nicht chronologisch, nach der Reihenfolge der Offenbarung, sondern grob der Länge nach geordnet: von der Längsten bis zur Kürzesten. Aber auch die Verse selbst sind von unterschiedlicher Länge: sie können aus mehreren Zeilen langen Sätzen, aber auch nur aus einem Wort bestehen. Alle Suren haben Nummern (z.B. Sure 48=Surat al-fath) und Namen, die als Gedächtnisstütze beim Auswendiglernen nützlich sind. Jede Sure beginnt mit der berühmten Basmala, dem Ausspruch „bi-smi-llahi rrahmani r-rahim“ (Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers). Formal ist der Koran klar von der altarabischen Dichtung abzugrenzen, bei ihm sind die Verse nicht metrisch gegliedert. Da trotzdem der Reim ein fester Bestandteil der koranischen Sprache ist, spricht man von Reimprosa (sag´). Bei den frühen Suren ist Reimwechsel häufig, bei den späteren medinensischen Suren kommen häufig eigene Reimsätze vor, die den prosaischen Redefluß neu gliedern und so besondere theologische Aussagen unterstreichen.2 Die koranischen Reime sind unglaublich vielseitig und facettenreich.

[....]


1 vergl. hierzu: Bobzin, Hartmut: Der Koran-Eine Einführung, München 1999, Kapitel 2
2 vergl. hierzu: ders. S.90


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