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Aussenpolitische Leitbilder: Die Schweiz als Kleinstaat

Scholary Paper (Seminar), 1999, 17 Pages
Author: Michael Vetsch
Subject: Politics - International Politics - Region: Western Europe

Details

Event: Seminar Aussen- und Sicherheitspolitik
Institution/College: University of Bern (Politologisches Institut)
Tags: Aussenpolitische, Leitbilder, Schweiz, Kleinstaat, Seminar, Aussen-, Sicherheitspolitik
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1999
Pages: 17
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V17301
ISBN (E-book): 978-3-638-21905-1

File size: 226 KB
Notes :
"Die Schweiz ist ein Kleinstaat" - Mit dieser oft unbestrittenen Annahme erklären viele Experten und Politiker die Zurückerhaltung der Schweiz auf internationalem Parkett. Die Arbeit versucht, den Mythos der Kleinstaatlichkeit zu hinterfragen, indem sie die besonderen Funktionen, Leistungen und Probleme eines "kleinen Staates" auf das Fallbeispiel Schweiz analysiert. Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.



Excerpt (computer-generated)

„Die Schweiz als Kleinstaat“

 

 


Michael Vetsch

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 3

2. Definitionsprobleme Seite 4

2.1 Die physische Grösse Seite 4
2.2 Das Machtpotential Seite 5

3. Gründe für die starke Identität mit der Kleinstaatlichkeit Seite 5

3.1 Historischer Kontext Seite 5
3.2 Generalisierung von Kleinstaaten Seite 8
3.3 Leistungen und Funktionen von Kleinstaaten im Vergleich zu Grossstaaten Seite 11′

4. Zukunft der Kleinstaaten Seite 13

5. Fazit Seite 15

6. Bibliographie Seite 16

 

 



1. Einleitung

Während Kernpunkte der schweizerischen Identität wie Föderalismus, direkte Demokratie und Neutralität oft genau erläutert und beschrieben werden, geschieht dies mit einem Leitbild der Schweiz nicht: die Kleinstaatlichkeit wurde bis in die jüngste Zeit auch aus wissenschaftlicher Warte als Tatsache hingenommen. Jedoch wurde nicht nur versäumt die vermeintliche Kleinheit zu hinterfragen, es wurden Theorien aufgestellt, dass Kleinstaaten glücklichere Staaten und in ihren Leistungen und Funktionen den Grossstaaten überlegen seien. Dieses Bild hat sich bei der Bevölkerung festgesetzt. Jürg Martin Gabriel verweist auf einen überhöhten Stellenwert der Kleinstaatlichkeit in ihrer politischen Identität und ruft denn auch zur Relativierung auf.1

Genau dieses Ziel verfolgt meine Arbeit, das Bild des Kleinstaates Schweiz soll neu bewertet werden. Es stellen sich fragen, was überhaupt gross und was klein ist und schliesslich wie ein Kleinstaat definiert werden kann. Deshalb erläutere ich kurz einige Definitionsprobleme in bezug zur Kleinstaatlichkeit. Dann gilt es die vermeintlich „kleine“ Schweiz unter die Lupe zu nehmen. Wieso, stellt sich die Frage, identifiziert sich eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land noch immer mit der Kleinheit? Ist die Schweiz wirklich so klein? Zuerst werde ich mit historischen Gegebenheiten versuchen zu zeigen, dass das Bild der eidgenössischen Grösse und Stärke nicht immer gleich wahrgenommen wurde. Eine Rolle dürften auch die Verallgemeinerungen über Kleinstaaten spielen, auf die ich in einem weiteren Abschnitt zu sprechen komme. Besitzen kleinere Staaten Fähigkeiten und Qualitäten, welche Grossstaaten nicht erbringen können? Schliesslich widme ich mich der Zukunft, wo ich frage, ob in einer zunehmend interdependenten Welt der Kleinstaat überhaupt noch von Bedeutung ist. Diese Frage gilt für die Schweiz ganz besonders, liegt sie doch geographisch genau im Zentrum eines sich wirtschaftlich und politisch zusammenschliessenden Kontinents.

2. Definitionsprobleme

Welche Merkmale einen Kleinstaat ausmachen, ist in der Wissenschaft sehr umstritten. Oft wird in den Sozialwissenschaften auf eine Definition verzichtet, oder der Begriff wird nur ungenau umschrieben. Arno Waschkuhn gibt zu, dass es „bislang weder politisch-praktisch noch politikwissenschaftlich gelungen ist, den Kleinstaat in allgemein-verbindlicher Weise zu definieren“.2 Der Historiker Walther Hofer geht noch weiter und meint, dass es nicht gelingen kann, den Kleinstaat allgemeinverbindlich zu definieren, ausser der Begriff würde so allgemein, dass er nichtssagend bleibt. Hofer erklärt diesen Umstand damit, dass der Begriff in einem historischen Kontext steht und somit eben grundsätzlich relativ ist, d.h. in Beziehung zur jeweiligen konkreten politischen Umwelt interpretiert werden muss (siehe Kapitel 3.1).3 Der „Kleinstaat“ soll also ein nicht zu definierender Begriff sein? In den Sozialwissenschaften gibt es viele Termini, welche nicht eindeutig und allgemeinverbindlich festzulegen sind. Zum Beispiel gehört der wichtige Begriff „Demokratie“ dazu. Obwohl die Politikwissenschaft nicht eindeutig sagen kann, in welchen Staaten eine qualitativ bessere Demokratie herrscht, besteht ein Konsens darüber, welche Faktoren erfüllt sein müssen, dass man überhaupt von „Demokratie“ sprechen kann. Für die Kleinstaatlichkeit fehlt zwar ein solcher Konsens.4 Ich möchte im folgenden dennoch zwei Konzepte beschreiben, wie Kleinstaaten in wissenschaftlichen Arbeiten festgelegt werden können.

2.1 Die physische Grösse

[...]


1 Gabriel, Jürg Martin: Kleinstaatlichkeit und Identität – oder das Problem der Kontextlosigkeit, in: Linder, Wolf; Lanfranchi, Prisca; Weibel, Ewald R. (Hrsg): Schweizer Eigenart – eigenartige Schweiz. Der Kleinstaat im Kräftefeld der europäischen Integration, Bern 1996, S.215
2 Waschkuhn, Arno: Strukturbedingungen und Entwicklungsprobleme des Kleinstaates, in: Zukunft des Staates, schweiz. Jahrbuch für politische Wissenschaften, Bern 1991
3 Hofer, Walther: Die Schweiz als „Kleinstaat“ oder wie klein ist die Schweiz nun wirklich?, in: Weibel, Ewald; Feller, Markus (Hrsg.): Schweizerische Identität und Europäische Integration, Bern 1992, S.55
4 Gabriel, S.216


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