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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 31 Pages
Author: Christoph Osterholt
Subject: History - National Socialism, World War II
Details
Institution/College: University of Münster (Abteilung für Westfälische Landesgeschichte)
Tags: Bild, Hanse, Forschung, Nationalsozialismus, Hauptseminar, Fachdidaktik, Störtebeker, Jahre, Hinrichtung
Year: 2001
Pages: 31
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-22003-3
File size: 224 KB
Untersuchung des Hansebildes hauptsächlich in den Hansischen Geschichtsblättern, jedoch auch eine Übersicht über Geschichtsbilder in der deutschen Mediävistik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
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Excerpt (computer-generated)
Das Bild der Hanse in der Forschung während
des Nationalsozialismus
Christoph Osterholt
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Der Hansische Geschichtsverein und die Hanseforschung 3
3. Fritz Rörig 5
4. Das nationalsozialistische Geschichtsbild 8
5. Tendenzen der deutschen Geschichtswissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts 9
6. Die Publikationen in den Hansischen Geschichtsblättern 11
6.1 Überlegenheit germanischer Völker 11
6.2 Überlegenheit einheitlich handelnder Gesellschaften 13
6.3 Machtgedanke 16
6.4 Reichsgedanke 18
6.5 Ostbewegung 19
7. Schlusswort 20
Literatur 25
1. Einführung
Geschichte läuft immer Gefahr, im Rahmen von Gegenwartsdeutung missbraucht zu werden. Dieser Umstand begründet sich in verschiedenen menschlichen Grundbedürfnissen, die den Rahmen des Geschichtsbewusstseins des Individuums bilden. Historische Neugier, die die Quelle jedweder Beschäftigung mit Geschichte ist, Historische Identität des Subjekts, das dieses im Abwägen kollektiver Erinnerungen gegeneinander entwickelt und sich damit seines eigenen Platzes in der Geschichte vergewissert, sowie Historische Legitimation und Argumentation zur gezielten Beeinflussung anderer und zur Erklärung von bestimmten Verhaltensweisen im Großen wie im Kleinen. Die Geschichtswissenschaft soll in der Erwartung der Öffentlichkeit in diesem Rahmen eine regulierende Funktion einnehmen und Instanz für die historische Wahrheit sein. Problematisch am Verhältnis zwischen Geschichtswissenschaft und öffentlichen Erwartungen ist, dass das öffentliche Bedürfnis nach einfachen Symbolen, Gewissheiten und Wahrheiten durch die Geschichtswissenschaft, deren „Produkt“ der Diskurs und der Austausch von Argumenten ist, nicht gestillt werden kann1.
Das Bedürfnis nach historischer Legitimation wird in Kriegszeiten größer, denn die Selbstvergewisserung über die eigenen Kriegsziele und Feindbilder bedarf um so mehr des Rückgriffs auf die Geschichte, je mehr einer aus sich selbst ungerecht(-fertigt)en Sache der Ruch des Übels anhaftet. Ausdruck dieses Bedürfnisses wurden für den Forschungsbereich der Hanse während des Zweiten Weltkriegs die beiden Bände „Hanse, Downing Street und Deutschlands Lebensraum“2 und „Hanse, Rhein und Reich“3. Auf jeweils etwa 160 Seiten finden sich hochwertige, großformatige Reproduktionen hansischer Dokumente, von Siegeln, Bildern, Fotos von Bauten aus Hansestädten oder mit Bezug zur Hanse, dazu Übersichtskarten über die geographische Ausbreitung der Hanse und ihrer Handelswege4 (bzw. des Rheines und der deutschen Städte im Mittelalter5 oder der Verbreitung deutscher Stadtrechte in Europa6) denen eine „Karte des britischen Weltbesitzes“7 in Relation zur Bevölkerung (verglichen mit dem deutschen Besitz) gegenübergestellt wird. Die darstellenden Beiträge nehmen sich dagegen mit 62 bzw. 68 Seiten eher schmal aus. Auch sie bieten einen historischen Rückblick auf die Zeiten der Hanse, denen die britische Expansionspolitik gegenübergestellt und – in Abgrenzung zu dieser – Gedanken über die zukünftige wirtschaftliche und territoriale Gestalt Europas – mit der eindeutigen „Stoßrichtung“ gegen Großbritannien – entwickelt werden.
Die Hanse, so formuliert das Vorwort, „ist die Trägerin der Schutz- und Kampfgemeinschaft deutscher Kaufleute und Städte, getragen von größter Achtung vor allem Volkstum und fremder Souveränität, wirtschaftlich und kulturell Ausdruck höchster Leistung.“8 Ihre Kaufleute waren „die Schicksalsgemeinschaft der Auslandsdeutschen“, die beseelt vom Reichs- und Volkstumsgedanken Außenpolitik trieben, und damit zum entscheidenden Faktor der deutschen Ostkolonisation geworden sind.9 Das historische Vorbild der Hanse legitimiert hier also aktuelle Politik, wobei ungeachtet historischer oder aktueller Ereignisse der friedliche Charakter der Hanse hervorgehoben wird. Nun stellt sich angesichts der eindeutig politisch-propagandistischen Ausrichtung dieser Bände die Frage, ob das hier vermittelte Bild den Ergebnissen der damaligen Hanseforschung entspricht. Entspricht die Meinung derjenigen Historiker, die sich in solcher Weise während der Jahre 1933-1945 geäußert haben, ihren Äußerungen über Hanse und Hansekaufleute vor und – soweit feststellbar – nach dieser Periode? Daran schließen sich zwei weitere Fragen an: Inwieweit wurden diesem Bild entsprechende Strömungen innerhalb der Geschichtswissenschaft im Allgemeinen festgestellt, und war diese Darstellung vom nationalsozialistischen Weltbild beeinflusst, oder hat die Geschichtswissenschaft mit zur Genese desselben beigetragen? Das Augenmerk soll deshalb nicht auf die substanziellen Erkenntnisse der damaligen Forschung gerichtet sein, sondern auf die Wertung ihrer Autoren: Wie werten sie historische Gegebenheiten in Hinblick auf ihre Folgen, und welche Handlungen und Charakterzüge werden von ihnen als positiv oder negativ bewertet?
2. Der Hansische Geschichtsverein und die Hanseforschung
[...]
1 Vgl.: K.-E. Jeismann, Geschichte und Öffentlichkeit. Historie zwischen Vergewisserung und Verführung, Osnabrück/Bad Iburg 1999.
2 H. Hunke (Hrsg.), Hanse, Downing Street und Deutschlands Lebensraum, Berlin 1940
3 H. Hunke (Hrsg.), Hanse, Rhein und Reich, Berlin 1942. Ein dritter Band unter dem Titel: „Hanse, Novgorod und die Erschließung des Ostens“ sowie zwei weitere geplante Bände der Hanse-Reihe kamen wegen des Krieges offenbar nicht mehr zur Ausführung.
4 Hunke (wie Anm. 2), 16 bzw. Hunke (wie Anm. 3), 64
5 Hunke (wie Anm. 3), 33, 36
6 Hunke (wie Anm. 2), 128
7 Hunke (wie Anm. 2), 96
8 H. Hunke, Geleitwort, in: Hunke (wie Anm. 2), 7
9 H. Reincke, Hanse, in: Hunke (wie Anm. 2), 17-37, 19-21. Gleiches konstatiert dieser Autor für den Bereich der Niederlande und Flanderns in seinem Beitrag: Der Hansische Kaufmann und die Niederlande, 45-74. Die derzeitige Unabhängigkeit der Niederlande von Deutschland wird als Folge der Einflussnahme Englands und Spaniens angesehen.
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