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Besonderheiten des Schriftspracherwerbs bei Lese-Rechtschreibschwäche

Termpaper, 2003, 47 Pages
Authors: Nadja Hinze, Frauke Lau
Subject: Pedagogy - School Pedagogics

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 47
Grade: 1.0
Language: German
Archive No.: V17474
ISBN (E-book): 978-3-638-22047-7
ISBN (Book): 978-3-638-69983-9
File size: 257 KB

Abstract

Der Nachholbedarf hinsichtlich der Unterstützung von Menschen mit Problemen beim Schriftspracherwerb ist an Schulen in Deutschland immer noch hoch. Die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder an unseren Schulen nehmen stetig ab. Das Lesen und Schreiben zu lehren, gehört zu den Hauptaufgaben der Grundschule. Dieses Können ist in unserer Gesellschaft Grundlage schulischen Lernens. Um im späteren Berufsleben mithalten zu können, sind die Kinder immer wiederkehrend weniger qualifiziert. Viele Unternehmen klagen über vor Fehlern strotzenden Bewerbungen und Auszubildende, die keinen vollständigen Satz fehlerfrei zu Papier bringen können. Begründet ist dies auch in unserm derzeitigen Schulsystem. Es bedarf einer umfassenden Reform, um die künftigen Chancen der Kinder zu verbessern, die Stresssituationen in der Schule zu entlasten und Kinder lebenstauglicher zu machen. In dieser Arbeit wurde versucht den Begriff LRS näher zu beleuchten. Zunächst wird auf die Uneinheitlichkeit bezüglich des Begriffverständnisses und der vielfältigen Definitionen eingegangen. Differenziert wird die Lese-Rechtschreib-Schwäche als Teilleistungsschwäche definiert und die betroffenen Bereiche analysiert. Weiterhin wird darauf eingegangen wie LRS festgestellt wird. Im Anschluss daran wird der Prozess des Rechtschreiblernens beleuchtet und aufgezeigt, mit welchen Methoden an sächsischen Grundschulen lese-rechtschreib-schwache Schüler der Lese- und Schreiblernprozess erleichtert wird. Die unterschiedlichen Auffassungen führen zu verschiedenen Konzepten der Förderung betroffener Kinder. Als ein Beispiel schulischer Förderung werden die LRS-Klassen näher erläutert und im außerschulischen Bereich das L.O.S..


Excerpt (computer-generated)

Besonderheiten des Schriftspracherwerbs bei
Lese-Rechtschreibschwäche

Seminararbeit
im Fachbereich Grundschuldidaktik - Deutsch
Studienrichtung Lehramt an Förderschulen
an der Universität Leipzig

Frauke Lau / Nadja Hinze
WS 02/03

 

 

 

Inhalt

Einleitung  1

1. Zum Begriff LRS  10

2. LRS als Teilleistungsschwäche  12
2.1 „Jedes Kind hat seine eigene LRS“  12
2.2 Vorschullalter  13
2.3 In den ersten Grundschulklassen  14
2.3.1 Optisch-graphomotorischer Bereich  14
2.3.2 Akustisch-phonematischer Bereich  15
2.3.3 Kinästhetischer Bereich  15
2.3.4 Rhythmischer Bereich  16
2.3.5 Melodischer Bereich  16

3. Feststellung der Lese-Rechtschreibschwäche  18

4. Der Prozess des Rechtschreibenlernens  20
4.1 Die erste Phase – Schreiben ist „Logos“ kennen  20
4.2 Die zweite Phase- Schreiben ist Zuordnen von Laut und Zeichen  21
4.3 Die dritte Phase – Schreiben ist Kennen von Bausteinen und Regeln  22
4.4 Die Wechselbeziehung der Rechtschreibstrategien  22
4.5 Worauf Eltern und Lehrer achten können hinsichtlich der Stufen der Rechtschreibentwicklung  23

5 Methoden des Schreib- und Leselernprozesses bei lese-rechtschreib-schwachen Schülern  24
5.1 LRS-Klassen an sächsischen Grundschulen  24
5.1.1 Aufnahme in LRS-Klassen  24
5.1.2 Arbeitsgrundsätze in den LRS-Klassen  25
5.1.3 Didaktisch-methodische Gestaltung des Unterrichts in Klasse 3/I  26
5.1.4 Besonderheiten der Förderung in Klasse 3/II  29
5.1.5 Förderprogramme und Fördergutachten  30
5.1.6 Der Übergang in Klasse 4  32
5.1.7 Leistungsermittlung und Leistungsbeurteilung  33
5.2 Das Konzept des Lehrinstitutes für Orthographie und Schreibtechnik (L.O.S.) als Therapie bei Lese-Rechtschreibschwachen Kindern  34
5.2.1 Überblick  34
5.2.2 Die Diagnostik  35
5.2.3 Die Therapie  35
5.2.4 Dauer  38

6 Zusammenfassung  39

Literatur

Anhang

Interview mit der Mutter eines LRS-Kindes

Frage: „Vor Ihnen liegt ein Diktat Ihres Sohnes Nico1) aus der 2. Klasse. Es spiegelt die Probleme wider, die er in der 1. Klasse in der Grundschule hatte. Nico konnte einfache Wörter nicht richtig schreiben und Lesen. Er kannte zwar die meisten Buchstaben, mühte sich auch diese hintereinander zu reihen, nur bekam er mit dieser Methode kaum ein sinnvolles Wort zusammen. Der Junge vergaß Wortendungen, brachte die Reihenfolge der Laute durcheinander und bekam keinen Sinn zusammen. Seit einem halben Jahr nun besucht Nico die LRS-Klasse. Wie kam es dazu?“

Mutter: „Zurückblickend kann ich sagen, daß es schon im Kleinkindalter Auffälligkeiten bei Nico gab, wobei ich aber diese nie mit einer möglichen Lese-Rechtschreib-Schwäche in Verbindung gebracht hätte. Mein Sohn konnte erst relativ spät sprechen und fing im Alter von zweieinhalb an zu stottern. Dies gab sich jedoch nach einer logopädischen Behandlung. Im Kindergarten dann stellte er sich beim Malen und Basteln tollpatschig an und konnte mit der Schere nicht richtig umgehen. Auch Lieder, die sie lernten, konnte er sich nicht merken und an Schleifen binden war gar nicht zu denken.“

Frage: „Wurden damals schon diese Auffälligkeiten wahrgenommen und nach eventuellen Ursachen gesucht?“

Mutter: „Nein. Aus meiner beruflichen Erfahrung als Kindergärtnerin heraus, glaubte ich dies wäre auf eine mangelnde Beschäftigung, wie es sich früher gab, zurückzuführen. Da Nico sehr zappelig und aufgedreht war, ließ ich mir ein Rezept von der Kinderärztin geben und ging einmal pro Woche mit ihm zur Beschäftigungstherapie. Ich hoffte, daß er dann etwas ruhiger werden würde und auch sein Interesse für selbständige Beschäftigungen wachsen würde.“

Frage: „Hatten Sie nach diesen Beobachtungen mit Schwierigkeiten beim Schuleintritt gerechnet?“

Mutter: „Nein, denn die Ursache stand für mich ja fest. Ich hatte eine für mich plausible Erklärung.“

Frage: „Und wie begann der Unterricht in der 1. Klasse?“

Mutter: „Nach den ersten paar Monaten fiel mir auf, daß Nico enorme Probleme beim Lesen und Schreiben hatte und im Gegensatz zu anderen Schülern seiner Klasse sehr langsam lernte. Beim Lesen konnte er die Laute nicht verbinden, ließ Endungen weg und verwechselte Buchstaben, wie b und p, d und t oder g und k. Auch beim Schreiben traten diese Fehler auf. Nico arbeitete sehr unsauber und strich willkürlich in seinem Heft herum. Vorher gemachte Fehler konnte er sich nicht merken und machte sie immer wieder. Zum Üben und zu Hausaufgaben zeigte er stets seinen Unwillen und antwortete darauf mit dem Satz: `Ich brauche sowieso nicht üben, denn ich bin eh schlecht!` Er resignierte und war aufgrund seiner schlechten Leistungen in Deutsch oft deprimiert. Wenn er geübt hatte war er sehr enttäuscht als es in der Schule nicht abgefragt wurde und vertrat dann die Meinung, daß er dann auch gar nicht mehr üben bräuchte. Nico ermattete sehr schnell, konnte sich nicht konzentrieren und zappelte ständig auf seinem Stuhl herum.“

Frage: „Was ging damals ihn Ihnen vor?“

Mutter: „Was ich damals wahrnahm, brachte ich mit den Schülern der LRS-Klassen in Verbindung, welche ich aus meinem Beruf als Hortnerin kannte. Vor allem die Verhaltensauffälligkeiten, wie die schlechten Redensarten und das aggressive Verhalten. Das kam mir alles bekannt vor und ich sah die Gefahr, daß mein Sohn auch so wird.“

Frage: „Haben Sie mit der Lehrerin gesprochen?“

Mutter: „Damals noch nicht gleich. Ich wollte erst Sicherheit haben und wollte so schnell wie möglich versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. So ließ ich von einer Logopädin, die auch für die Schulen im Kreis zuständig war einen Test mit Nico durchführen. Ich wollte erste helfende Schritte einleiten, um zu vermeiden, daß mein Sohn in eine LRS-Klasse kommt und die Aggressionen sich dann später nicht ausweiten würden. Mit der Bestätigung, daß mein Sohn eine Tendenz zur Lese-Rechtschreib-Schwäche habe, ging ich dann zu seiner Klassenlehrerin.“

Frage: „Wie reagierte diese?“

[....]


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