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Autobiographisches Schreiben am Beispiel von Franz Kafkas "Die Verwandlung"

Termpaper, 2001, 36 Pages
Author: Monika Reichert
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2001
Pages: 36
Grade: 1,4
Language: German
Archive No.: V17568
ISBN (E-book): 978-3-638-22115-3
ISBN (Book): 978-3-638-73029-7
File size: 863 KB

Abstract

1. Einleitung Franz Kafka zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Von ihm selbst sind aber nur wenige Bücher zum Druck freigegeben worden. Diese fanden in der Öffentlichkeit zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Interesse. Der Schriftsteller gelangte erst nach seinem Tod zu Weltruhm, indem seine Hauptwerke (Tagebücher und Briefe) z.B. durch Max Brod, einem Freund Kafkas, veröffentlicht wurden. Das Interesse an Kafka erscheint um so erstaunlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Kafka eigentlich eher ein provinzielles Dasein führte. Im Vergleich zu anderen Dichtern und Schriftstellern fehlten ihm weite Reisen, Bildungserlebnisse, Begegnungen mit berühmten Kollegen oder auch gewisse Ortswechsel. „Der Fall des Schriftstellers Kafka ist ungewöhnlich insofern, als zu seinen Lebzeiten die Nebenwerke, nach seinem Tod die Hauptwerke veröffentlicht wurden, soweit sie ihr Verfasser vor seinem Sterben nicht zerstörte.“ Diese Äußerung von Franz Blei über die Ungewöhnlichkeit Kafkas teilen die meisten Leser. Seine Werke seien abstrus, dunkel, verworren und mit dem Verstande kaum nachvollziehbar. Warum schreibt Franz Kafka in einem derartigen Stil, der als kafkaesk bezeichnet werden kann? Um zu einer Antwort auf diese Frage zu kommen, wird im Folgenden zunächst die Frage nach dem autobiographischen Schreiben Kafkas mit Hilfe von Zitaten erörtert. Im Anschluss daran werden die Hauptfiguren in Franz Kafkas Werk „Die Verwandlung“ direkt mit denen der Familie Kafka in Beziehung gesetzt. Es sollen hierbei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Ausdruck gebracht werden. Die Arbeit soll mit einer Zusammenfassung der bisher gewonnenen Ergebnisse. abgerundet werden. An ihrem Schluss findet sich die eigene Meinung der Verfasserin.


Excerpt (computer-generated)

Autobiographisches Schreiben am Beispiel von
Franz Kafka „Die Verwandlung“


 

Verfasserin: Monika Reichert

Inhaltsverzeichnis

1. Franz Kafka, ein Schriftsteller wie jeder andere? S. 3

2. Autobiographisches Schreiben bei Franz Kafka S. 4

3. Familie Samsa im Vergleich mit Familie Kafka im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede S. 6

3.1 Frau Samsa und Julie Kafka S. 6
3.2 Herr Samsa und Hermann Kafka S.10
3.3 Grete Samsa und Ottilie Kafka S.15
3.4 Gregor Samsa und Franz Kafka S.18

3.4.1 Gregor Samsa vor der Verwandlung im Vergleich mit Franz Kafka S.18
3.4.2 Gregor Samsa nach der Verwandlung im Vergleich mit Franz Kafka S.25

4. Ergebniszusammenfassung mit eigener Meinung S.30

Literaturverzeichnis S.34

 

 


1. Einleitung

Franz Kafka zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Von ihm selbst sind aber nur wenige Bücher zum Druck freigegeben worden. Diese fanden in der Öffentlichkeit zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Interesse. Der Schriftsteller gelangte erst nach seinem Tod zu Weltruhm, indem seine Hauptwerke (Tagebücher und Briefe) z.B. durch Max Brod, einem Freund Kafkas, veröffentlicht wurden. Das Interesse an Kafka erscheint um so erstaunlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Kafka eigentlich eher ein provinzielles Dasein führte. Im Vergleich zu anderen Dichtern und Schriftstellern fehlten ihm weite Reisen, Bildungserlebnisse, Begegnungen mit berühmten Kollegen oder auch gewisse Ortswechsel. „Der Fall des Schriftstellers Kafka ist ungewöhnlich insofern, als zu seinen Lebzeiten die Nebenwerke, nach seinem Tod die Hauptwerke veröffentlicht wurden, soweit sie ihr Verfasser vor seinem Sterben nicht zerstörte.“1 Diese Äußerung von Franz Blei über die Ungewöhnlichkeit Kafkas teilen die meisten Leser. Seine Werke seien abstrus, dunkel, verworren und mit dem Verstande kaum nachvollziehbar.2 Warum schreibt Franz Kafka in einem derartigen Stil, der als kafkaesk bezeichnet werden kann? Um zu einer Antwort auf diese Frage zu kommen, wird im Folgenden zunächst die Frage nach dem autobiographischen Schreiben Kafkas mit Hilfe von Zitaten erörtert. Im Anschluss daran werden die Hauptfiguren in Franz Kafkas Werk „Die Verwandlung“ direkt mit denen der Familie Kafka in Beziehung gesetzt. Es sollen hierbei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Ausdruck gebracht werden. Die Arbeit soll mit einer Zusammenfassung der bisher gewonnenen Ergebnisse. abgerundet werden. An ihrem Schluss findet sich die eigene Meinung der Verfasserin.

2. Autobiographisches Schreiben bei Franz Kafka

Auffallend ist die Gleichartigkeit bei den Texten Kafkas, nicht nur die Stilistik sondern z.B. auch die Ähnlichkeit der jeweiligen Mittelpunktsfigur mit der Individualität des Autors. Martin Walser bemerkt ebenfalls den Bezug von Autor und Werk: „Bei Kafka muss man das Leben aus dem Werk erklären, während das Werk auf die Erhellung durch die biographische Wirklichkeit verzichten kann.“3 Welche Gründe Kafka dennoch dazu gebracht haben, seine Autobiographie in die Werke mit einzubauen, soll im folgenden Abschnitt verdeutlicht werden. Der Dichter muss in seiner Kindheit und Jugend starke Eindrücke erfahren haben. Denn sonst würde er wohl kaum so viele Jahre später noch darüber schreiben! Es mangelt z.B. an gegenseitigem Verständnis von Familie und Sohn. Als besonders erwähnenswert gilt hier der Vaterkonflikt (siehe 3.4.2). Das Schreiben erleichtert Franz Kafka, mit der Konfliktsituation besser zu Rande zu kommen. Der Dichter hat so die Möglichkeit zu klagen, was er bei seinem Vater offenbar nicht kann.4

Durch die neu erworbene Tätigkeit gelingen Kafka erstmals „kleine Selbstständigkeitsversuche, Fluchtversuche mit allerkleinstem Erfolg“.5 So schafft er es, von seinem dominanten Vater wegzukommen. Kafka sucht eine Bezugsperson, der er seine Sorgen und Ängste mitteilen kann. Natürlicherweise ergibt sich in den meisten Familien eine eher stärkere Mutter-Tochter-Beziehung bzw. Vater-Sohn-Beziehung. Da der junge Kafka bei seinem Vater diese Art des Verständnisses nicht findet, sucht er dieses im Vorgang des Schreibens. Um vollste Befriedigung erreichen zu können, konzentriert er sich in ganzer Weise auf Letzteres. In einem Tagebucheintrag vom 3. Januar 1912 schreibt Franz Kafka, dass das Schreiben die ergiebigste Richtung seines Wesens sei. Seine Kräfte waren in ihrer Gesamtheit so gering, dass sie nur gesammelt dem Zweck des Schreibens halbwegs dienen könnten. Je intensiver sich Kafka mit seinem „inneren“ Leben, dem Schreiben, befasst, desto mehr kann er Zufriedenheit erlangen.

[...]


1Joachim, Unseld: Franz Kafka. Ein Schriftstellerleben. Die Geschichte seiner Veröffentlichungen. Mit einer Bibliographie sämtlicher Drucke und Ausgaben der Dichtungen Franz Kafkas 1908-1924. München 19833, S.11.
2Vgl. http://www.asamnet.de/~kassecch/content/home.html
3 Martin, Walser: Beschreibung einer Form. Versuch über Franz Kafka. Frankfurt am Main u.a.: Ullstein Verlag 1973 (Literatur als Kunst. Ullstein- Buch, 2878), S.14.
4Franz, Kafka: Brief an den Vater. Frankfurt am Main: Fischer 20002, S.42.
5Vgl. ebd., S.56.


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