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Der Kulturkanal Arte - Ein Beitrag zur Integration des europäischen Kommunikationsraums?

Diploma Thesis, 2003, 133 Pages
Author: Emily Mühlfeld
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 133
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V17743
ISBN (E-book): 978-3-638-22237-2

File size: 387 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Der Kulturkanal Arte
Ein Beitrag zur Integration des europäischen Kommunikationsraums?

Diplomarbeit

im Studiengang Kommunikationswissenschaft
in der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Verfasser: Emily Mühlfeld

März 2003

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG ... 5

2. BEGRIFFSDEFINITIONEN ... 8
2.1 Europa als Kommunikationsraum ... 8
2.1.1 Die Kommunikationsraum-These von Kleinsteuber ... 9
2.1.2 Raum, Kommunikation und Rundfunk ... 9
2.1.3 Faktoren der Raumbildung ... 11
2.2 Kultur ... 13
2.2.1 Der Kulturbegriff von Arte ... 13
2.2.2 Kritik an kulturellen Programmen ... 14
2.3 Der europäische Kanal Arte ... 15
2.3.1 Der Vorgänger Eurikon ... 16
2.3.2 Der Vorgänger Europa-TV ... 17
2.4 Fernsehen und Europäische Integration ... 19
2.4.1 Der Integrationsbegriff ... 19
2.4.2 Der Identitätsbegriff ... 21

3. ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE VON ARTE ... 23
3.1 Voraussetzungen auf europäischer Ebene ... 23
3.1.1 Grundlegende Verträge - Regelungskompetenz der EU ... 23
3.1.2 Tätigkeiten der Europäischen Institutionen ... 25
3.1.2.1 Europäisches Parlament ... 26
3.1.2.2 Ministerrat ... 27
3.1.2.3 Europäische Kommission ... 28
3.1.3 Tätigkeiten des Europarats ... 29
3.1.4 Die Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen" von 1989 ... 30
3.1.5 Vergleich Europaratskonvention / Fernsehrichtlinie ... 32
3.2 Voraussetzungen in Deutschland und Frankreich ... 34
3.2.1 Frankreichs Weg zu Arte ... 34
3.2.1.1 Französisches Kulturfernsehen: LA SEPT ... 35
3.2.1.2 Französisches Interesse und Strategie ... 36
3.2.2 Deutschlands Weg zu Arte ... 37
3.2.2.1 Deutsches Kulturfernsehen: Dritte Programme, 3sat, 1Plus und Vox ... 37
3.2.2.2 Deutsches Interesse und Strategie ... 39
3.2.3 Gemeinsame Erklärungen und Vertrag zum Europäischen Kulturkanal ... 40
3.2.3.1 Gemeinsame Erklärungen zum Europäischen Fernsehkulturkanal ... 40
3.2.3.2 Vertrag zum Europäischen Fernsehkulturkanal ... 42
3.2.3.3 Arte-Gründungsvertrag ... 44

4 ARTE ALS KOMMUNIKATIONSRAUM-PROGRAMM ... 45
4.1 Externe Konfliktlinien ... 46
4.1.1 Politik - Zentralismus trifft auf Föderalismus ... 46
4.1.2 Recht - Rechtliche Vorgaben ... 49
4.1.3 Wirtschaft - Ökonomischer Raum ... 52
4.1.4 Technik - Technische Dimension ... 55
4.1.5 Kultur - Kulturraum trotz Differenzen ... 57
4.1.6 Zusammenfassung der Externen Konfliktlinien ... 60
4.2 Interne Konfliktlinien ... 62
4.2.1 Politik - Interne Politik des Senders ... 62
4.2.1.1 Erweiterung um neue Mitglieder ... 63
4.2.1.2 Streit um Arte-Präsidentschaftskandidaten ... 64
4.2.2 Recht - Struktur des Senders ... 66
4.2.2.1 Organisation der nationalen Pole ... 66
4.2.2.2 Gesellschaftsform und Organisation der Zentrale ... 68
4.2.3 Wirtschaft - Marktanteil, Rentabilität ... 70
4.2.3.1 Marktanteil ... 70
4.2.3.2 Rentabilität ... 72
4.2.4 Technik - Reichweiten, Empfang und technische Probleme ... 74
4.2.4.1 Reichweiten, Empfang ... 74
4.2.4.2 Technische Schwierigkeiten ... 76
4.2.5 Kultur - Interne kulturelle Differenzen ... 77
4.2.5.1 Der Arte-Journalismus ... 78
4.2.5.2 Zuschauerprofil ... 79
4.2.6 Zusammenfassung der internen Konfliktlinien ... 81
4.3 Conclusio aus der Untersuchung des Kommunikationsraums ... 83

5 EUROPÄISCHE INTEGRATION ... 84
5.1 Arte und die Europäische Integration ... 85
5.2 Anspruch und Ziele von Arte ... 86
5.3 Mittel der Integration bei Arte ... 87
5.3.1 Der regard croisé ... 87
5.3.2 Programmprofil ... 89
5.4 Medienwirkung von Arte ... 90
5.4.1 Europäische Öffentlichkeit - Arte-Publikum ... 90
5.4.2 Arte und Medienwirkungs-Konzepte ... 92
5.5 Probleme für die Integration durch Arte ... 95
5.5.1 Sprache ... 96
5.5.2 Publikum ... 97
5.5.3 Defizite im Kommunikationsraum ... 99
5.6 Zusammenfassung ... 100

6 CONCLUSIO UND AUSBLICK ... 102

7 LITERATURVERZEICHNIS ... 105

8 ANHANG ... 117
8.1 Tabelle: Analoger Satellitenempfang von Arte ... 117
8.2 Tabelle: Digitaler Satellitenempfang von Arte ... 118
8.3 Interview mit Dr. Thomas Gruber ... 119
8.4 Interview mit Tobias Gerlach ... 122
8.5 Interview mit Ruth Hieronymi, MdEP ... 129
8.6 Anfrage an den Arte-Zuschauerdienst ... 131

 

1. Einleitung


“Si je devrais refaire l´Europe je recommençerais par la culture.”

Jean Monnet1

Jean Monnet gilt als einer der politischen Begründer der Europäischen Union. Zu seiner Zeit war Europa als Staatengemeinschaft eher eine Vision denn ein klar definierbares Ziel. Es ist nicht verwunderlich, dass ein Mensch, der sein Leben lang versuchte, seine Vision zu verwirklichen, rückblickend feststellt, was er hätte besser machen können. Jean Monnet erkannte, dass vor allem die Kultur eine europäische Ausprägung bekommen müsste, wenn man Europa gründen möchte. Genau vierzig Jahre nachdem die Hohe Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, mit Jean Monnet als Präsident, die Arbeit aufnahm, wurde Arte gegründet. Arte fing 1992 an, Europa mittels der Kultur einigen zu wollen. Und da Frankreich und Deutschland schon lange als “Motor Europas” gelten, nimmt es nicht Wunder, dass auch der Europäische Kulturkanal von diesen beiden Ländern ausgeht. Arte zeichnet sich dadurch aus, dass es der einzige europäische Sender ist, der europäische Einigung zum Ziel hat und kein Spartenkanal ist.

Aus dem Anspruch von Arte hat sich der Forschungsgegenstand dieser Arbeit entwickelt. Europa wird dabei als Kommunikationsraum betrachtet, also nicht als ein spezifisch politischer oder rechtlicher Raum. Die untersuchungsleitende Frage war, inwiefern Arte ein Programm für den Kommunikationsraum Europa ist und so in einen solchen Raum integriert. Dazu war es zuerst nötig, die Entstehungsgeschichte des Senders aus französischer, deutscher und europäischer Sicht darzustellen. Mit dem Forschungsgegenstand verbunden waren Fragen wie: Bestand bereits ein Kommunikationsraum für Arte? Wie war dieser beschaffen? Wie hat sich Arte selbst in den europäischen Kommunikationsraum integriert? Entspricht Arte den europäischen Strukturen des vorhandenen Kommunikationsraums? Ist Arte also selbst ein europäischer Sender für ein europäisches Publikum? Diese Fragen habe ich durch eine Untersuchung des Kommunikationsraums zu beantworten versucht. Dazu wurde der Kommunikationsraum in die fünf Räume Politik, Recht, Wirtschaft, Technik und Kultur geteilt, die einzeln betrachtet wurden. Anhand dieser Kriterien wurde zuerst der vorhandene Kommunikationsraum untersucht. Dann bin ich dazu übergegangen, den Kommunikationsraum, in dem Arte heute agiert, nach den gleichen Faktoren zu untersuchen.

Im Anschluss daran habe ich mir die Frage gestellt: Wie integriert Arte sein Publikum in den Kommunikationsraum? Ich habe mir zuerst exemplarisch den regard croisé sowie das Programmprofil als Mittel der Integration bei Arte angesehen. Die Medienwirkung von Arte zu quantitativ zu untersuchen war im Rahmen dieser Arbeit leider nicht möglich. Ich bin deshalb auf die Frage eingegangen, ob es eine europäische Öffentlichkeit für Arte gibt. Außerdem habe ich denkbare Untersuchungsansätze aus der Medienwirkungsforschung in Bezug auf die Wirkung von Arte geprüft. Im Anschluss daran habe ich mögliche Probleme für die Integration aufgezeigt. Ein Ausblick sowie eine Bewertung der integrativen Wirkung von Arte bildet den Abschluss der Arbeit.

Der Forschungsstand bezüglich dieses Themas ist noch nicht weit fortgeschritten. Es gibt einige Werke über Arte, die sich einerseits mit Medienpolitik und -kultur befassen, wie die von Gräßle2 und Merkel3. Schmid4 hat sich mit der Rechtsgestalt von Arte befasst, Hahn5 die massenmediale Multikulturalität untersucht. Von Kleinsteuber6 stammt die Kommunikationsraum- These, über die auch Erbring7 ein Buch herausgegeben hat. Er hat insbesondere Akteure, Strukturen und Konfliktpotentiale in der europäischen Medienpolitik untersucht. Seinen Fokus legte er dabei auf das Fernsehen. Arte im Speziellen wurde bisher jedoch noch nicht als Akteur in einem derartigen Raum untersucht.

Da ein Kommunikationsraum von vielen einzelnen Faktoren unterschiedlichster Felder beeinflusst wird, war es nötig, für diese Arbeit Literatur über verschiedenste Themen in Bezug auf Arte einzubeziehen. Recht, Politik und Wirtschaft eines Fernsehsenders sowie des gesamten Raums Europa spielten eine Rolle, genauso wie technische Einflüsse und kulturelle Begebenheiten. Durch die große Diversität der verschiedenen Punkte konnte ich nur eine Auswahl einzelner Faktoren untersuchen. Ich habe versucht, stets die auffälligsten und dennoch repräsentative Beispiele zu wählen. Durch die Darstellung und Untersuchung exemplarischer Probleme bin ich auf meine Schlüsse bezüglich der vorher genannten Fragestellungen gekommen.

Die vorliegende Arbeit ist zum einen ein Beitrag zur Forschung bezüglich Arte, zum anderen aber auch europäischen, grenzüberschreitenden Fernsehens im Allgemeinen und des Integrationsrundfunks. Zudem zeigt sie Möglichkeiten auf, anhand welcher Ansätze die Medienwirkung, insbesondere der integrative Effekt des Programms, untersucht werden kann. Der Ausblick, den ich am Ende der Arbeit gebe, ist eine rein subjektive Bewertung aufgrund der von mir erarbeiteten Ergebnisse. Eine andere Entwicklung von Arte soll damit auf keinen Fall ausgeschlossen werden.

2. Begriffsdefinitionen

Einige zentrale Begriffe bedürfen der Definition, um sie richtig einordnen zu können. Der Begriff Kommunikationsraum und die dahinterstehende Theorie sollen beschrieben werden.

[...]


1 Jean Monnet (1888 -1979) war in den frühen 20er Jahren stellvertretender Generalsekretär des Völkerbundes. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Jean Monnet in den USA das amerikanische Victory Programm aus, einen Plan zur Umstellung der Kriegs- auf die Nachkriegsproduktion. Zurück in Europa stellte er als Leiter des Planungsamtes (1946-1950) Modernisierungsprogramme für die französische Wirtschaft auf. Jean Monnet war Präsident der Pariser Schumanplankonferenz und später Präsident der Hohen Behörde der Montanunion.

2 Gräßle, Inge: Der Europäische Fernseh-Kulturkanal ARTE. Deutsch-französische Medienpolitik zwischen europäischem Anspruch und nationaler Wirklichkeit. Frankfurt/Main/New York: Campus 1995.

3 Merkel, Katrin: Europa auf dem Bildschirm: Eine Untersuchung der europäischen Medienpolitik und -kultur am Beispiel des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE. Coppengrave: Coppi-Verlag 1995.

4 Schmid, Dieter: Der Europäische Fernsehkulturkanal ARTE. Idee und Rechtsgestalt nach deutschem und europäischem Recht. Berlin: Duncker & Humblot 1997 (=Tübinger Schriften zum Internationalen und europäischen Recht 42).

5 Hahn, Oliver: Arte – der europäische Kulturkanal: eine Fernsehsprache in vielen Sprachen. München: Fischer 1997.

6 Kleinsteuber, Hans J./Rossmann, Torsten: Europa als Kommunikationsraum. Akteure, Stru kturen und Konfliktpotentiale in der europäischen Medienpolitik. Opladen: Leske + Budrich 1994.

7 Erbring, Lutz (Hrsg.): Kommunikationsraum Europa. Konstanz: Ölschläger 1995 (= Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 21).


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