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E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' - Das Augenmotiv in der Erzählung: Mythos, Augen als Mittel zur Charakterisierung und als Grund für Nathanaels Wahnsinn

Seminararbeit, 2000, 22 Seiten
Autor: Emily Mühlfeld
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 22
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V17744
ISBN (E-Book): 978-3-638-22238-9

Dateigröße: 281 KB


Textauszug (computergeneriert)

E. T. A. Hoffmanns "Der Sandmann" -
Das Augenmotiv in der Erzählung: Mythos, Augen
als Mittel zur Charakterisierung und als Grund für Nathanaels Wahnsinn

 

 

von Emily Mühlfeld

Inhalt

1 Der Sandmann - ein Nachtstück  4

2 Interpretation Sigmund Freuds  5

3 Das Augenmotiv  7

3.1 Der Mythos “Auge”  7
3.2 Das Augenmotiv zu Hoffmanns Zeit  8

4 Augen als Mittel zur Charakterisierung  9

4.1 Coppelius/Coppola 9
4.2 Clara  10
4.3 Olimpia 11
4.4 Nathanael 11

5 Augen als das Mittel, das zum Wahnsinn bei Nathanael führt 11

5.1 Augen im Märchen der Amme  12
5.2 Augen in der Laborszene 12
5.3 Nathanaels Dichtung über seine Vorahnungen 13
5.4 Der Kauf und das Erproben des Perspektivs  14
5.5 Die Rolle der Augen bei der Liebe zu Olimpia  14
5.6 Die Rolle der Augen bei den beiden Wahnsinnsanfällen 15

5.6.1 Der erste Wahnsinnsanfall 15
5.6.2 Der zweite Wahnsinnsanfall 16

6 Optische Geräte als Kritik an der Technik-Gläubigkeit zu Hoffmanns Zeit 17

Literaturliste 19

 

 

 


1 Der Sandmann - ein Nachtstück

“In Anlehnung an Bildkunst und Musik wird um 1800 auch die literarische Gestaltung einer nächtlichen Szene mit “Nachtstück”, seltener Vigilie, bezeichnet. Nachstücke entsprechen dem Interesse der Romantik an Geistererscheinungen, Träumen, Magnetismus u. a.. Material und gedankliches Rüstzeug lieferte dazu die romantische Naturphilosophie.” 1 “Der Sandmann” ist das erste von E. T. A. Hoffmanns “Nachtstücken”, einem zweiteiligen Zyklus, der Ende 1817 erschien. Allgemein war der Begriff im 15. Jahrhundert für Gemälde eingeführt worden, die eine Szene in einem nächtlichen Innenraum oder der Natur darstellten. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde er auch für literarische Werke verwandt, die in der Nacht spielten oder eine schauerliche Stimmung vermittelten.2

Tatsächlich spielt der Sandmann vor allem nachts, doch der eigentliche Grund, weshalb er als Nachtstück bezeichnet werden kann, ist die unheimliche Gestalt des Sandmanns. Sie verleiht der Geschichte die gruselige Stimmung. Coppelius/Coppola erscheint als eine dunkle Macht; ob er jedoch wirklich der von Nathanael so gefürchtete Sandmann ist, bleibt ungeklärt. Dadurch, dass der Leser die Geschichte nur aus der Sicht von Nathanael erzählt bekommt, fühlt er seine Angst mit. Er kann jedoch nicht wissen, ob Nathanael als Wahnsinniger sich in seiner Geistesgestörtheit den Sandmann nur einbildet, oder ob dieser wirklich existent und nur für die anderen fiktiven Personen nicht sichtbar ist.3

Die Thematik des Unheimlichen behandelte Sigmund Freud in seinem gleichnamigen Aufsatz (s. u.). Danach wurde “Der Sandmann” zum meist-interpretierten Werk Hoffmanns. Kaiser bezeichnet das Stück als im “Perspektivismus und im traumartigen Übergang von figürlichmetaphorischer und gegenständlich-ereignishafter Rede das vielleicht radikalste Erzählexperiment (...)”4 Hoffmanns. Tatsächlich ist dies auch der Haupt-Ansatzpunkt vieler Interpretationen. Nathanael als subjektiver Erzähler und später der Herausgeber, der aus Nathanaels Sicht erzählt, lassen für den Leser keine objektive Beurteilung der Geschehnisse zu. Der Gegensatz zwischen Nathanael als einem möglicherweise wahnsinnigen Protagonisten und Clara und der Außenwelt als fiktive Personen, die Nathanaels Erlebnisse realistisch und nüchtern betrachten wird von Hoffmann im “Sandmann” geradezu perfekt ausgearbeitet. Gerade diese Tatsache steigert das Unheimliche im “Sandmann”, der deshalb als exemplarisch für die so genannten “Nachstücke” zu Hoffmanns Zeit gelten kann.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Augenmotiv, einem Thema, das sehr oft untersucht wurde. Trotz der vielen Abhandlungen zu Hoffmanns Augenmotiv im “Sandmann” habe ich versucht, eigenständig zu arbeiten und die Sekundärliteratur vor allem als Unterstützung für meine eigenen Thesen einzusetzen. Die Arbeit beschäftigt sich zuerst mit der wohl wichtigsten Literatur zum “Sandmann”, dann wird die Funktion der Augen als charakterisierendes Mittel dargestellt. Auch die Rolle der Augen bei der Entwicklung des Wahnsinns in Nathanel habe ich berücksichtigt und untersucht. Als Abschluss dient eine kurze Überlegung darüber, inwieweit Hoffmann optische Geräte als Ergänzung des Augenmotivs dazu benutzt, die Technik-Gläubigkeit seiner Zeit zu kritisieren.

2 Interpretation Sigmund Freuds

[...]


1 Meyers enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Band 16 (Mei-Nat) Hg. vom Bibliographischen Institut Mann heim, Wien, Zürich: Lexikonverlag 1976. S. 712.
2 ebd., S. 711.
3 Bogdal, Klaus-Michael; Kammler, Clemens (Hg.): E. T. A. Hoffmann. Der Sandmann/Das Fräulein von Scuderi. Interpretation von Marion Bönnighausen. München: Oldenbourg 1999 (= Oldenbourg Interpretationen 93). S. 21.
4 Kaiser, Gerhard: E. T. A. Hoffmann. Stuttgart: Metzler 1988 (= Sammlung Metzler 243). S. 54.


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