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Die Darstellung der Schlacht um Stalingrad in den deutschen Filmen Hunde Wollt Ihr Ewig Leben (1958) und Stalingrad (1992)

Scholary Paper (Seminar), 1997, 29 Pages
Author: Jochen Fischer
Subject: Politics - Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1997
Pages: 29
Grade: 2+
Language: German
Archive No.: V17752
ISBN (E-book): 978-3-638-22244-0

File size: 107 KB


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg
Institut für Europäische Ethnologie,
Institut für Medienwissenschaft und Institut für Politikwissenschaft
WS 1996/97
Seminar: Krieg und Medien

Die Darstellung der Schlacht um Stalingrad in den
deutschen Filmen ‘Hunde Wollt Ihr Ewig Leben’ (1958)
und ‘Stalingrad’ (1992)

Jochen Fischer

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Stalingrad
2.1 Filmtechnische Daten
2.2 Gestaltung des Films
2.3 Rezensionen

3. Hunde Wollt Ihr Ewig Leben
3.1 Filmtechnische Daten
3.2 Gestaltung des Films
3.3 Rezensionen

4. Vergleich der beiden Filme
4.1. Personenkonstellation
4.2. Die Darstellung des Krieges

5. Fazit

6. Literatur

 

1. Einführung

Am 31.12. 1943, elf Monate nach der Kapitulationserklärung von Generaloberst Paulus, meldete der Völkische Beobachter „Die Schlacht um Stalingrad ist zu Ende“. Verschwiegen wurde bei dieser Meldung allerdings, daß 146 000 Soldaten allein auf deutscher Seite gefallen, und 90 000 Soldaten in Gefangenschaft geraten waren. Doch wie kam es zur ‘Schlacht um Stalingrad’? Im Sommer 1942 formierte sich die deutsche Wehrmacht erneut, um nach der Niederlage vor Moskau (1941/42) das ‘Unternehmen Barbarossa’ (Eroberung der Sowjetunion zur sogenannten ’Schaffung neuen Lebensraumes’) doch noch zum Erfolg zu bringen. Ziel von Hitler war es, die Rüstungs- und Industriestadt Stalingrad und die Ölfelder um Baku im Kaukasus, zu erobern, um bei der Unterwerfung der Sowjetunion strategische Vorteile und einen „gigantischen Umschlagplatz“1 zu haben und nicht zuletzt aus Prestigegründen, um die Stadt mit Stalins Namen zu besitzen. Gegen die Vorstellung seiner Generäle versuchte er diese beiden Ziele gleichzeitig durchzusetzen. Während zu Beginn noch alles nach Plan lief, hatte sich bald die Offensive um Baku festgelaufen. Auch der Angriff auf Stalingrad endete in erbitterten Straßenkämpfen. Unter großen Verlusten der deutschen und rumänischen Armeen konnten die Sowjets am 19. November 1942 zum Gegenangriff antreten und die Stadt mit der nun eingeschlossenen 6.Armee einkesseln. Hitler befahl jedoch Stalingrad zu halten und nicht, wie der Befehlshaber der 6. Armee Paulus es vorsah, den Kessel zu durchbrechen und sich nach Westen zurückzuziehen. Der strenge Winter und die nicht eingehaltene Luftversorgung machte die Lage der eingeschlossenen Soldaten immer schwieriger. Hinzu kam, daß die versprochenen Entlastungen der anderen Truppen nicht fruchteten. Am 31.1. und 1.2. 1943 ergaben sich schließlich die übrig gebliebenen erschöpften, größtenteils verletzten und kranken, deutschen, italienischen, österreichischen, ungarischen und rumänischen 90 000 Soldaten in die sowjetische Gefangenschaft. Erst Jahre später kehrten noch 6000 Überlebende zurück.2 In Deutschland nutzte Propagandaminister Goebbels Stalingrad, um die deutschen Soldaten als heroische Kämpfer darzustellen (Der Völkische Beobachter schrieb am 4. Februar 1943: „Sie starben, damit Deutschland lebe“), und den Haß gegenüber dem sowjetischen Gegner zu schüren. Diese Schlacht sollte den weiteren Verlauf des Krieges bestimmen: auf sowjetischer Seite bedeutete dieser militärische Sieg ein Stärkung des eigenen Selbstbewußtseins, und steigerte die Entschlossenheit, dem Aggressor Deutschland mit aller Kraft entgegenzutreten. Deutschland, bzw. die Führer des Naziregimes, veranlaßte die Niederlage der 6. Armee den „Kampf bis zur letzten Patrone“ zu fordern. Dies gipfelte schließlich in der bekannten Rede Goebbels vom 18.2.1943 im Berliner Sportpalast, wo er die Frage nach dem „totalen Krieg“ stellt. Dieser endete, wie man weiß, in einem völlig zerstörten Deutschland und Millionen von toten Menschen auf dem ganzen Erdball. Ob die ‘Schlacht um Stalingrad’ nun der entscheidende Wendepunkt im Kriegsverlauf war oder nicht, ist an dieser Stelle nicht zu beantworten. Wichtig für diese Arbeit ist jedoch die Tatsache, daß Stalingrad sich im Bewußtsein von Deutschen und den Bürgern der Sowjetunion festgesetzt hat. Susanne zur Nieden3 vergleicht ‘Stalingrad’ mit der ‘Schlacht von Verdun’ aus dem ersten Weltkrieg. Für sie sind beide Orte „fester Bestandteil kollektiver Erinnerung von Deutschen“. Doch wie sieht die Erinnerung der Deutschen an diesen Ort des Massensterbens aus?

Während des Krieges wurde Stalingrad mit Hilfe des Propaganda-Apparates der Nazis zum mystischen Ort ‘heldenhaften, deutschen Kampfes’ verklärt. Es wurden Stalingrad-Denkmäler errichtet und Gedenkfeiern abgehalten, um die Niederlage zu verherrlichen und den Glaube an den ‘Endsieg’ zu erhalten. Der Mythos von Stalingrad blieb auch nach dem Krieg in den deutschen Köpfen. War es während des Krieges noch ‘der russische Feind’, der an dem Inferno Schuld hatten, wurde in der weiteren Geschichtsbetrachtung die alleinige Verantwortung den Naziführern, im besonderen natürlich Hitler, zugeschrieben. Dieser hatte gegen die Empfehlungen der Generäle gehandelt, und die 6. Armee bis zum bitteren Ende kämpfen lassen, ohne überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben. Es entwickelte sich eine gewisse Opferhaltung im deutschen Gedächtnis an Stalingrad, wobei vor allen Dingen das Leid der deutschen Soldaten und der Verrat Hitlers Platz haben. Stalingrad wird zum Ort, an dem Deutsche eine Stadt vor angreifenden Russen verteidigen, dann aber, durch den Verrat ihres Führers und die Übermacht des Gegners, geschlagen werden. Die deutschen Soldaten sehen sich als das Opfer ihres Führers und dessen Politik!

[....]


1 Rede Hitlers am 8.11.1942 im Bräukeller München. In: Wolfgang Michalka (Hrsg): Das dritte Reich. Dokumente zur Innen- und Außenpolitik, Bd. 2, München 1985.

2 Informationen aus: Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte, Mannheim 1988, S.293/294

3 Susanne zur Nieden: „Umsonst geopfert“?-Zur Verarbeitung der Ereignisse in Stalingrad... Aus: Krieg und Literatur/War and Literature, Bd.10, 1993,S.33-44


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