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Kunstgeschichte und Nation - Julius Langbehn: Rembrandt als Erzieher - von einem Deutschen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 22 Pages
Author: Jochen Fischer
Subject: Art - Art Theory, General

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 22
Grade: 1.0
Language: German
Archive No.: V17755
ISBN (E-book): 978-3-638-22247-1

File size: 97 KB


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg
Institut für Kunstgeschichte
SS 2001
SE: Kunstgeschichte und Nation

Kunstgeschichte und Nation:
Julius Langbehn: Rembrandt als Erzieher

von einem Deutschen

Jochen Fischer

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung 3

2. Der Autor 4
2.1. August Julius Langbehn 4
2.2. Persönlichkeitsstruktur 5

3. Das Werk 6
3.1. Auflagen 7
3.2. Inhalt
3.2.1. Rembrandt und Deutschland
3.2.2. Wissenschaft und Kunst
3.2.3. Imperialismus und Antisemitismus
3.2.4. Der heimliche Kaiser
3.3. Wirkung  13

4. Die Zeit 14
4.1. Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund  14
4.2. Kunstströmungen  16

5. Fazit 17

6. Quellen 20

7. Literatur 20

 

1. Einführung


„Wie es nur Eichen, Tannen, Palmen usw., aber niemals einen Baum an sich gibt, so gibt es auch nur griechische, deutsche, französische Kunst usw., aber niemals Kunst an sich.“1

Mit dieser Verbindung von Volk, Nation und Kunst als Leitmotiv versucht August Julius Langbehn mit seinem 1890 erstmals veröffentlichten Werk Rembrandt als Erzieher – von einem Deutschen eine auf Nationalismus und Antisemitismus begründete Kunst- und Gesellschaftskritik. Rembrandt, der niederländische Maler des 17. Jahrhunderts, besitzt für Langbehn jene Tugenden, die ihn „als ein Hauptvertreter des deutschen Geistes und ein Haupterzieher des deutschen Volkes“2 ausweisen. Mit ihm als Vorbild sollen die Modererscheinungen auf kultureller und politische Ebene dieser Zeit, wie Demokratie oder Impressionismus, in die Schranken gewiesen werden, um die Wiedererlangung der deutschen Vorherrschaft zu erreichen.. Versucht man jedoch den Ansatz Langbehns aufzunehmen, stellt sich die Frage, warum er den Holländer Rembrandt als Erzieher für das deutsche Volk vorsieht? Ist es nicht ein Widerspruch, den Vertreter einer anderen Nation, damit auch einer andersartigen Kunst, als Vorbild für das eigene Volk zu nehmen, wenn die nationalen Künste doch per Definition Langbehns so verschieden sind?

Diese und andere Problemfelder, die das Werk aufwerfen, sollen im Folgenden behandelt werden. Zunächst muss aber der Autor, sein Werk und die darin enthaltenen Thesen vorgestellt werden, ehe Rembrandt als Erzieher im Zusammenhang mit den geistigen, den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts betrachtet wird. Wichtig für die Analyse des Werkes ist es auch, sich mit dem Leben und dem Charakter Langbehns auseinander zusetzen, da auf diese Weise ein Zugang zu den Motiven des Rembrandtdeutschen gefunden werden kann. Außerdem ist es unerlässlich, nach der Wirkung und dem Einfluss des Erzieherbuches im Hinblick auf die Auswüchse des Nationalismus in Deutschland vierzig Jahre nach der Erstveröffentlichung der Schrift Langbehns zu fragen.

2. Der Autor

Zunächst ist zu erwähnen, dass der Autor des kunst- und kulturkritischen Werkes „Rembrandt als Erzieher“ bei der Veröffentlichung anonym auftrat und sich nur mit dem Untertitel „von einem Deutschen“ vorstellte. In der Öffentlichkeit begann nach der Publikation das Rätselraten um den Verfasser der Schrift. So wurde immer wieder Paul de Lagarde genannt. Manches in dem Werk war von Lagarde übernommen worden, einem „exzentrischem Gelehrten und Moralist“, der „unaufhörlich gegen den sittlichen Verfall des deutschen Volkes“3 wetterte und dessen Untergang verkündete. Trotz der häufigen Zitate von Bismarck, der von Langbehn neben Goethe als einer der deutschen Ideale dargestellt wird, zählte auch Geheimrat Hinzpeter, der Erzieher Kaiser Wilhelms II., zu den vermeintlichen Autoren. Diese Vermutung dürfte im Hinblick auf die politischen Spannungen zwischen dem neuen Kaiser und Bismarck nach der Thronbesteigung Wilhelms II. 1888 und die durch den deutschen Kaiser 1890 vorgenommene Entlassung des Reichskanzlers Bismarck allerdings auch den meisten Zeitgenossen unwahrscheinlich erschienen sein. Der wahre Schöpfer dieses Werkes, August Julius Langbehn, war vielen auch nach seinem Tod 1927 noch unbekannt.4

2.1. August Julius Langbehn

August Julius Langbehn, der sich selbst auch als der „Rembrandtdeutsche“ bezeichnete, wurde am 26. März 1851 in Hadersleben, dem heute dänischen Haderslev, geboren, das zwischen 1864 und 1920 zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehörte. Er starb am 30.4. 1907 in Rosenheim.

Langbehn wuchs nach dem frühen Tod des Vaters, der es bis in die Stellung eines Konrektor geschafft hatte, mit seinen Brüdern und der Mutter in bescheidenen Verhältnissen auf. Durch die knappen finanziellen Mittel war es nur Julius möglich, ein Studium aufzunehmen. Als nun die Brüder und die Mutter durch Unfall oder Krankheit starben, war Langbehn auf sich allein gestellt. Infolge dieser ungünstigen sozialen Konstellation entwickelte sich Langbehn zu einem Außenseiter der Gesellschaft.

....]


1 August Julius Langbehn: Rembrandt als Erzieher. Von einem Deutschen. Leipzig 1925, S. 60. Im Folgenden: Langbehn (1925).

2 Ebd.

3 Fritz Stern: Paul de Lagarde und eine nationale Religion. In: Fritz Stern: Kulturpessimismus als politische Gefahr. Bern, Stuttgart, Wien 1963, S. 25-126. hier S. 25.

4 Vgl. Clara Menck: Die falsch gestellte Weltenuhr: Der »Rembrandtdeutsche« J. Langbehn. In: K. Schwedhelm (Hrsg.): Propheten des Nationalismus, München 1969, Seite 88-104, hier S. 88. Im Folgenden werden Verweise mit Menck (1969) gekennzeichnet.


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