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Das Verhältnis der Geschlechter in Stanley Kubricks Full Metal Jacket

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 22 Pages
Author: Jochen Fischer
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 22
Grade: 1.7
Language: German
Archive No.: V17756
ISBN (E-book): 978-3-638-22248-8

File size: 201 KB


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg
Wintersemester 1999/2000
HS: Stanley Kubrick

Das Verhältnis der Geschlechter in
Stanley Kubricks ‚Full Metal Jacket‘

Jochen Fischer

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Full Metal Jacket im Kontext des Vietnamfilmgenres

3. Die Dualität in Full Metal Jacket

4. Die Darstellung des Weiblichen
4.1. Camp Parris Island
4.2. Vietnam

5. Der Männerbund
5.1. Camp Parris Island
5.2. Vietnam

6. Schlussbetrachtung

7. Literatur

 

1. Einleitung

Die Welle von Kriegsfilmen Ende der siebziger bis in die achtziger Jahre, die sich größtenteils mit der bedeutendsten und traumatischsten Niederlage der USA, dem Krieg in Vietnam, beschäftigte, brachte umstrittene und unterschiedliche Werke hervor. Neben den besonders populären Actionfilmen wie Rambo I – III und den von der Kritik gelobten Filmen, etwa Michael Ciminos The Deer Hunter (1978), Francis Ford Coppolas Apocalypse Now (1979) und Oliver Stones Platoon (1986,) kam 1987 mit Stanley Kubricks Full Metal Jacket ein weiterer großer Hollywoodfilm zum Thema Vietnamkrieg in die Kinos.

Kubricks Full Metal Jacket, der sich auf den Roman The Short Timers1 des ehemaligen Kriegsberichterstatters Gustav Hasford bezieht, zeichnet sich vor allem durch die Offenlegung der psychologischen Konflikte aus, die die Soldaten sowohl im ersten Teil des Films, im Ausbildungscamp Parris Island in South Carolina, als auch später an der Front in der vietnamesischen Stadt Hué durchleben. Anders als die genannten Filme legt Kubrick sein Augenmerk weniger auf die Sinnlosigkeit der Materialschlacht Krieg, sondern er zeichnet vor allem das Bild von jungen Männern, die durch das von Drill und Unmenschlichkeit geprägte Lager ihre Individualität und Vorgeschichte verlieren, um letztlich als Kampfmaschinen in den Krieg zu ziehen. Kubrick selbst sagte, er wollte „[...] die narrativen Strukturen des Kinos sprengen“.2 Das Motiv der Dualität taucht immer wieder in Full Metal Jacket auf. Die Thematik der zwei gegenüber stehenden Pole ist ein wiederkehrender Kerngedanke in den Filmen Stanley Kubricks.3 Sein Interesse an der Gespaltenheit des Menschen beruht auf den Lehren des Schweizer Psychoanalytikers und Freud-Vertrauten Carl Gustav Jung, der auf dem Gebiet der Entwicklung der individuellen Persönlichkeit und den Zusammenhängen zwischen Natur und Psyche tätig war.4 Vor allem sein Begriff Anima‘, für das Weibliche in der männlichen Psyche, wird in Full Metal Jacket angesprochen.5

Die folgende Arbeit sucht nun den Interpretationsansatz nicht in der bereits abgehandelten Bezugnahme auf das Verhältnis Mensch-Maschine6 und ihrer wechselseitigen zerstörerischen Wirkungen.

Kay Kirchmann geht in seiner Interpretation zu Full Metal Jacket auch auf die Beziehung des unterdrückten Eros mit der Diskrepanz von Sexualität und Weiblichkeit in dieser Männerwelt ein. Demnach ist die Bestie Mensch, oder auch Mann, in Form von ‚Animal Mother‘ aus Full Metal Jacket das „Paradebeispiel eines Kubrickschen Helden [...] dessen wahres, tierhaftes Ich durch den Krieg zum Vorschein kommt, gerade weil genau dieses im gesellschaftlichen Konditionierungsprozess verdrängt worden ist.“7

Diesem Ansatz folgend dient als Zugang zu Kubricks Film der Gegensatz von Mann und Frau, um damit ein Beispiel für den Dualismus und die Gegensätzlichkeit in Kubricks Filmen aufzuzeigen. Während Kirchmanns Interpretation von Dualismus sich hauptsächlich auf das Doppelgängermotiv in Stanley Kubricks Filmen bezieht, soll im Folgenden vor allem auf die Widersprüche der zwei Pole und die daraus resultierenden Dissoziationen eingegangen werden. Nicht zuletzt wegen der Kohärenz zwischen Männern, Krieg und Sexualität8 und der dazu konträren Bedeutung von Frauen in Filmen dieses Genres ist es interessant, die in Full Metal Jacket eingesetzten direkten und metaphorischen Mittel zur Darstellung von Weiblichkeit zu untersuchen und sie auf den Gesamtkontext des Filmes zu beziehen. Zur Analyse wird der Film in die zwei Teile Camp Parris Island sowie Hué untergliedert, da dies die Erzählstruktur des Films vorgibt und sie durch ihren Kontext im Gesamtfilm verschieden betrachtet werden müssen. Nach der Analyse der militärischen Männerwelt anhand ihrer Darstellung soll abschließend das Charakteristikum der Beziehungen zwischen den Geschlechtern innerhalb des Films als Interpretationsansatz für Full Metal Jacket dienen.

2. Full Metal Jacket im Kontext des Vietnamfilmgenres

[....]


1 Vgl. die deutsche Ausgabe: Gustav Hasford: Höllenfeuer. München 1988.

2 Aus einem Interview mit Stanley Kubrick. In: Newsweek, 29.6.1987. Nach: Stefan Reinecke: Es ist besser zu leben, als tot zu sein: Full Metal Jacket. In: Lars-Olav Beier u.a.: Stanley Kubrick. Berlin 1999, S. 213-232, hier S.225.

3 Siehe z.B. Clockwork Orange (1971); The Shining (1980). Vgl. Alexander Walker: Stanley Kubrick: Leben und Werk. Berlin 1999, S. 315.

4 Vgl. Jung, Carl Gustav: Symbole der Wandlung. Zürich 1952.

5 Kirchmann verweist in diesem Zusammenhang auf den Namen ‚Animal Mother‘, dessen Anfangssilben zusammen Anima ergeben. Vgl. Kay Kirchmann: Stanley Kubrick - Das Schweigen der Bilder. Marburg 1993, S. 58.

6 Vgl. dazu Georg Seesslen, der in dem „ [...] Aufstand der Maschine gegen seinen Schöpfer [...]“ im Zusammenhang mit 2001 und Clockwerk Orange ein zentrales Thema von Full Metal Jacket sieht. Vgl.: Georg Seesslen/Fernand Jung: Stanley Kubrick und seine Filme. Marburg 1999, S. 264. Vgl. auch Kay Kirchmann vor allem das Kapitel 2.8. Mensch - Maschine – Marionette. Kay Kirchmann: Stanley Kubrick - Das Schweigen der Bilder. Marburg 1993, S. 76 – 80.

7 Kay Kirchmann: Stanley Kubrick - Das Schweigen der Bilder. Marburg 1993, S.64.

8 Vgl. dazu Rainer Gansera: „Krieg und Geilheit, die bleiben immer in Mode“ (Shakespeare). In: Ernst Karpf: Kino und Krieg. Von der Faszination eines tödlichen Genres. Arnoldshainer Filmgespräche. Band 6. Frankfurt a.M. 1989, S. 33-46.


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