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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 22 Pages
Author: Jochen Fischer
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Marburg (Institut für Neuere deutsche Litertaur und Medien)
Tags: Welt, Films, Selbstreflexion, Francois, Truffaut, Film, Kino
Year: 2001
Pages: 22
Grade: 2.0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-22251-8
File size: 102 KB
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Excerpt (computer-generated)
Philipps-Universität Marburg
Sommersemester 2001
Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien
HS „Film im Film und selbstreflexives Kino“
Die artifizielle Welt des Films und die filmische
Selbstreflexion in Francois Truffauts
La nuit américaine
Jochen Fischer
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Metafilm oder Film im Film? - Begriffsklärung 4
2.1.Genrebildung und das selbstreflexive Kino 5
3. La nuit américaine 7
3.1. Handlungsstruktur 7
3.2. François Truffaut 9
3.3. Filmische Selbstreflexion 11
4. Das Spiel mit der Realität 15
4.1. Interfilmizität und Intermedialität 16
4.2. Ist der Film wichtiger als das Leben? 17
5. Fazit 18
6. Quellen 20
7. Literatur 20
1. Einführung
Der Film La nuit américaine (Die amerikanische Nacht, 1972/73)1 macht bereits mit seinem Titel den Verweis auf die Scheinwelt des Films deutlich und beginnt damit die Reflexion über das eigene Medium, die sich im Film auf mehren Ebenen fortsetzt.2 La nuit américaine erzählt vordergründig die Geschichte der Dreharbeiten zu dem Film Je vous présente Paméla. Filmtricks zur Illusionsbildung werden gezeigt, Streitigkeiten und Beziehungsprobleme innerhalb des Filmteams und die Schwierigkeiten des Regisseurs werden vorgeführt. Darüber hinaus verweist der Film aber auch auf die Filmgeschichte und auf die filmische Biographie seines Regisseurs François Truffaut. Er macht gleichzeitig auf die Faszination der Traumwelt und auf die Scheinwelt des Kinos aufmerksam. Der Regisseur François Truffaut, der bis zu La nuit américaine bereits dreizehn abendfüllende Spielfilme gedreht hatte, äußert sich über seinen Film La nuit américaine, dass dieser „den Anspruch erhebt, nicht die ganze Wahrheit, aber zumindest etliche wahre Dinge über das Filmemachen zu sagen.“3 Die Frage ist jedoch, wo die Realität und wo die Illusion in dem Film dargestellt werden und wo die Grenzen zwischen beiden liegen. Oder allgemeiner gefragt, gibt es Realität in einem Film, der die Kulissen des Filmemachens offenbart?
Die Entschlüsselung der reflexiven Ebenen und deren Wirkung auf den Film soll daher im Folgenden geleistet werden. Dazu ist es notwendig sowohl auf die Frage nach der Begrifflichkeit für selbstreflexive Filme einzugehen, wie deren Unterschiede aufzuzeigen. Erst dann soll Truffauts Auseinandersetzung mit dem Medium Film und dem eigenen Schaffen aufgegriffen werden. Zudem soll anhand dieser verschieden Reflexionsmodi eine Einordnung des Films innerhalb der Gattung ‚Film im Film‘ gemacht werden.
2. Metafilm oder Film im Film? - Begriffsklärung
Bevor nun im Folgenden auf François Truffauts La nuit américaine eingegangen wird, ist es zunächst erforderlich, reflexiven Film zu kategorisieren und die zutreffenden Begriffe zu bestimmen.
Matthias Kraus fragt im Zusammenhang mit Selbstreflexivität zurecht, ob der Begriff meine, „daß ein auteur seine ästhetischen Mittel transparent macht, ein fiktionales Selbst seine Hervorbringung reflektiert oder nur, daß Film ‚irgendwie‘ über sich selbst spricht?“4 In dieser Frage steckt zugleich die Problematik der Unterscheidungen in der Art der Selbstreflexivität. Vor allem um die Trennlinien zwischen den unterschiedlichen Attributen der Auseinandersetzung mit dem Medium Film deutlicher zu machen, müssen daher neue Termini hinzugezogen werden.
In dem Aufsatz „Metafilm – Das reflexive Kino“ der Filmstelle Zürich wird explizit der Terminus Metafilm im Zusammenhang mit selbstreflexivem Kino benutzt.5 Während der Begriff Film im Film lediglich die Darstellung des Filmemachens, der Filmindustrie, sowie deren Begleiterscheinungen meint, steht der Begriff Metafilm für einen „mehrdimensionalen Ansatz... der sich bis zur Auseinandersetzung mit dem kreativen Schaffensprozess, dem filmischen Umsetzungsprozess, mit Fragen des Mediums selbst und Erfahrungen des Seherlebnisses erstreckt.“6 Für William F. Van Wert beinhaltet das Wesen des Metafilms vor allem die Spannung, die zwischen der Beschreibung der Außenwelt des Films und der Reflexion über sich selbst als gegensätzliche Innenwelt, entsteht.7 Vereinfacht gesagt sind unter dem Begriff Metafilm jene Filme zu verstehen, die über die Darstellung einer Filmproduktion als Handlungsort der zu erzählenden Geschichte hinausgehen und in ihrer Aussage über sich selbst, bzw. ihr Medium oder die Geschichte dieses Mediums reflektieren. Insofern kann ein Metafilm Film im Film sein, jedoch muss nicht zwangsläufig jeder Film, der vor dem Hintergrund des Filmemachens erzählt wird ein Metafilm sein.
[....]
1 Quelle ist die deutsche Fernsehfassung. Im Folgenden werden Zitate aus dem Film durch den Zeitpunkt der deutschen Synchronisation gekennzeichnet, wobei 00:00:00 der Beginn des Vorspanns ist.
2 Hans T. Siepe hat darauf hingewiesen, dass vor allem der italienische Titel Effetto notte diesen Hinweis stärker im Namen beinhaltet als der französische (La nuit américaine) oder der deutsche (Die amerikanische Nacht) Titel. Vgl. Hans T. Siepe: Spiegelspiele oder Im Reich der Filme. La Nuit américaine (1973) von François Truffaut. In: Jochen Mecke; Volker Roloff (Hrsg.): Kino- / (Ro)Mania. Intermedialität zwischen Film und Literatur. Tübingen 1999, S. 277-291, hier S. 277. Im Folgenden: Siepe (1999).
3 Robert Fischer (Hrsg.): Monsieur Truffaut, wie haben Sie das gemacht? François Truffaut im Gespräch mit José-Maria Berzosa, Jean Collet und Jérôme Prieur. Köln 1991, S. 165. Im Folgenden: Fischer (1991).
4 Matthias Kraus im Vorwort zu: „Filmische Selbst-Reflexionen.“ <Themenheft.> AUGEN-BLICK. Marburger Hefte zur Medienwissenschaft. H. 31 (Oktober 2000), S. 6.
5 Vgl. „Metafilm – Das reflexive Kino“. In: Filmstelle VSETH (Hg.): Bernardo Bertolucci / Woody Allen / Metafilm. Zürich 1985, S. 139-273.
6 Ebd., hier S. 143.
7 Vgl. William F. Van Wert: „Meta-Film and Point of View: Alain Resnais‘ Providence“. In: Sight and Sound, Vol. 48, No. 3, Summer 1979, S. 179-181.
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