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Die räumliche Orientierung der Wohnbevölkerung im Kontext abgeschwächter Stadt-Land-Differenzen

Termpaper, 2003, 24 Pages
Author: Martin Runkel
Subject: Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V17864
ISBN (E-book): 978-3-638-22327-0

File size: 683 KB
Notes :
Die Arbeit behandelt das Thema "Suburbanisierung" nicht wie in der einschlägigen Literatur in einem normativen Zusammenhang (kritisiert also nicht die zuhehmende Verlagerung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Funktionen in das städtische Umland), sondern versucht diese globale Entwicklung in einem kognitiven Kontext aufzugreifen um so mögliche Entwicklungen nachzuvollziehen, die außerhalb des planerisch und politisch angestrebten stehen.



Excerpt (computer-generated)

Studiengang: Geographie

Die räumliche Orientierung der Wohnbevölkerung im Kontext
abgeschwächter Stadt-Land-Differenzen

Einschließlich spezifischer Beispiele aus der Region Bremen

Martin Runkel

 

Abb.1 Nach Brake/Dangschat/Herfert, (2001) S.131
[Abb. 1 in Downloaddatei enthalten]

Vorwort

Suburbanisierung lässt sich unter verschiedenen Aspekten betrachten. Unter dem empirischen Gesichtspunkt stehen dabei vor allem der zeitliche Ablauf und die räumliche Ausprägung im nationalen und globalen Kontext im Vordergrund. Der Blickwinkel richtet sich bei weiterer Differenzierung auf die unterschiedlichen Landnutzungsformen, wie die Wohnsuburbanisierung, die Einzelhandels- und Gewerbesuburbanisierung. Der vorliegende Aufsatz betont auf dieser Betrachtungsebene die Suburbanisierung der Wohnstandorte, welche raumnutzungsbezogen den Beginn des Entstädterungsprozesses einleitete.

Die quantitativ spärliche Literatur zum Thema Suburbanisierung untersucht die verschiedenen Ausprägungsformen wesentlich im normativen Kontext, beschäftigt sich also mit den gesellschaftlichen und räumlichen Konsequenzen des Prozesses.1 Zumeist wird dabei die negative Seite der Suburbanisierung betont, also aus dem politisch-planerischen Blickwinkel werden Kanalisierungs- und Eingrenzungspotentiale hervorgehoben, mit denen der räumlichdezentralistischen Entwicklung Einhalt geboten werden kann. Die gewachsenen urbanen Strukturen werden gedanklich - wenn auch nicht restituiert - zumindest konserviert. Von Seiten der Stadtsoziologen wird die sozialräumliche Segregation mit der Suburbanisierung in Verbindung gebracht und negativ bewertet:


„Since it is mainly the middle class that leaves the core city, the proportion of elderly, poor people, singles, and immigrants increases in the core city creating severe financial problems for the local authorities.”2

Doch können innerhalb eines demokratischen politischen Systems tragfähige Maßnahmen ergriffen werden, um den Prozess zu stoppen? Bahrenberg bestreitet dies3. Im Zentrum dieser Arbeit soll die kognitive Betrachtungsweise stehen, welche die bis dato vorangeschrittene Abschwächung der Stadt-Land-Differenzen als gegeben hinnimmt, um so den Blick auf die Hintergründe und Bezugsverflechtungen der räumlichen und gesellschaftlichen Ausprägungen zu richten.

Worpswede, im Spätsommer 2003
Martin Runkel

Inhalt

Vorwort  2

1.Von der Kernstadt zum Stadtland  4

2. Hintergründe der räumlichen Neuorientierung suburbaner Haushalte  9

3. Der politisch-administrative Umgang mit den Folgeerscheinungen einer mobilen Gesellschaft  17

4. Abschließende Betrachtung  21

Quellenverzeichnis  23

 

1. Von der Kernstadt zum Stadtland

Obwohl die Wohnsuburbanisierung bereits im 17. und 18. Jahrhundert in England ihren Ausgang nahm und von dort aus relokativ nach Amerika diffundierte, taucht der Begriff der Suburbanisierung in Deutschland erst nach dem zweiten Weltkrieg auf.4 Die bis zu dieser Epoche ablaufende Suburbanisierung war quantitativ weitestgehend unbedeutend, so dass die Stadt- Land-Wanderung unter siedlungsstrukturellen Aspekten erst in den vergangenen Dekaden ins Blickfeld geriet.5

Zur Zeit der Industrialisierung waren die Städte Wachstumszentren sowohl durch die Zuwanderung der Wohnbevölkerung als auch der Betriebe und Unternehmen des sekundären und tertiären Sektors. Neben dem jeweiligen Zuwachs in absoluten Zahlen hebt Bahrenberg das flächenhafte Wachstum der Städte hervor, welches auf die enorm dichte räumlicher Nutzung in den vorindustriell gewachsenen Stadtkernen zurückgeführt wird.6 Ein hoher Verstädterungsgrad, die lange Geschichte der Stadtentwicklung in den Jahrhunderten vor der Motorisierung und die äußere Begrenzung durch Befestigungsanlagen förderten ein hochverdichtetes Wohnen, welches mit strenger stadtplanerischer Regulierung kontrolliert und begrenzt wurde. 7 Eine intraurbane Expansion war aus diesem Grund räumlich nicht zu realisie ren. Die Städte wuchsen über die Stadtmauern hinaus8, und es kam zu Eingemeindungen des vormals ländlich geprägten Umlandes. Erst seit den 1960er und frühen 70er Jahren ist der suburbane Raum in die Lage gekommen, diesen raumintegrativen Bemühungen der Kernstädte zu widerstehen. 9 Der Prozess der Suburbanisierung zeichnet sich durch eine dieser Wachstumsphase entgegenstehende Entwicklung aus: Den „relative[n] Bedeutungsgewinn der Umländer gegenüber den Städten […], ohne dass die Bevölkerung oder die Zahl der Arbeitsplätze in dem Stadt und Umland umfassenden Gebiet in gleichem Umfang mitwachsen.“10 Mit dieser relativen Verlagerung der Wohnbevölkerung und nachfolgend des Gewerbes und der Arbeitsplätze von der Stadt in das Umland geht eine flächenbezogene Auflockerung der vorindustriell gewachsenen Städte einher. Parallel zu dieser Wohnsuburbanisierung durch Stadt-Land-Wanderung erfolgen der relative Zuwachs und die flächenbezogene Expansion des suburbanen Raumes durch interregionale Zuwanderung aus dem Umland.

[....]


1 vgl. Brake, Dangschat, Herfert (Hrsg.), (2001)
2 Bahrenberg (c) (2003), S. 4
3 Bahrenberg (c) (2003), S. 5
4 Bahrenberg (a) (2003), S. 1, Erst Ende der 1960er Jahre wurde das Verlassen der Städte in Deutschland zu einem siedlungsstrukturelle bedeutsamen Thema. (Bahrenberg (c) (2003), S. 1)
5 Bahrenberg (a) (2003), S. 1
6 Bahrenberg (a) (2003), S. 1
7 Knox / Marston (2001), S.543
8 Bahrenberg (c) (2003), S. 1
9 Bahrenberg (c) (2003), S. 5
10 Bahrenberg (a) (2003), S. 1/2


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