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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 28 Pages
Author: Daniel Seibel
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Institution/College: University of Siegen
Tags: Gottlob, Freges, Semantik, Sinn, Bedeutung, Theorie, Gottlob, Freges
Year: 2003
Pages: 28
Grade: Sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-22385-0
File size: 270 KB
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Excerpt (computer-generated)
Gottlob Freges Semantik
Über Sinn und Bedeutung
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Der Aufsatz 2
3. Die Identität 3-6
4. Namen – Sinn und Bedeutung
4.1. Eigennamen und Sinn 6-8
4.2. Sinn ohne Bedeutung 8-9
4.3. Vorstellung, Sinn, Bedeutung und Verknüpfung 9-13
4.4. Zahlen – Sinn, Bedeutung 13-15
5. Sätze – Sinn und Bedeutung
5.1. Der Sinn des Satzes 15-16
5.2. Die Bedeutung des Satzes 16-22
6. Abschluss, Kritik und Ausblick 22-23
7. Literatur 24-25
Andere Beschäftigungen und Mangel an Kraft [...]1
1. Einleitung
Wir wissen nicht, ob Wolfgang Grams, als er 1993 in Bad Kleinen erschossen wird, weiß, dass er dort 68 Jahre nach Gottlob Frege stirbt. Frege, der "Aristoteles von Mecklenburg-Vorpommern",2 der Großvater der modernen Logik, der Vater der Sprachphilosophie, der selbst nie eigene Kinder hatte, wird mit unterschiedlichsten Prädikaten bezeichnet – "analytic philosopher", "rationalist", "neokantian“, "platonist" "neophytagorean",3 wie sie etwa Wolfgang Carl aufzeigt. Obwohl Frege mit philosophischen Größen seiner Zeit wie Russell und Wittgenstein in Kontakt steht, wird seine Philosophie zunächst, vor allem im deutschen Raum, geringgeschätzt oder gar ignoriert. Die Differenz von Geltung zu Lebzeiten und posthumer Wirkung – ist fast tragisch zu nennen. Doch sein schmales Werk gewinnt mit der Ausdehnung der analytischen Philosophie im 20. Jahrhundert großen Einfluss. Fragen nach Sprache und ihrem Verstehen erlangen in der Metaphysik neuen Stellenwert. An der paradigmatischen Wende hin zur Sprachphilosophie hat Frege wesentlichen Anteil. In seinem Streben, die Beziehungen zwischen Gedanken, Sprache und Welt darzustellen, ist ihm erstmals seit Aristoteles, in Logik und Semantik ein Durchbruch gelungen. Ihn interessiert es, die Struktur des Denkens zu begreifen, was es heißt, Sprache zu verstehen, was Wahrheit ausmacht, was Zahlen darstellen. Obwohl oder weil seine Fragestellungen sowohl psychologischer als auch philosophischer und mathematischer Natur sind, finden seine Schriften zunächst nur begrenzte Rezeption, und sein Stil, der Distinktion und Präzision vor pathetischen Gestus stellt, stößt im wissenschaftlichen Umfeld auf Befremdung. Wenn Frege auch in seinen semantischen Studien großen Wert auf unbedingte Kohärenz legt und sich bemüht, auf unsinnige Spekulationen und falsche Ambitionen zu verzichten, so ist er doch kein Systemdenker im eigentlichen Sinne, sein Philosophieren mehr ein Streben, das bereit ist, Irrungen einzugestehen und neue Wege zu gehen. So stellt sein Aufsatz Über Sinn und Bedeutung eine Abwendung von der Begriffsschrift dar. In ihm entwirft er einen „Urtext der modernen Semantik“ 4
Man macht sich leicht unnötige Sorgen über die Ausführbarkeit der Sache5
2. Der Aufsatz
Grundlegende semantische Fragen wie „Was sind die Bedeutungen von Zeichen und sprachlichen Ausdrücken“ und „Wie unterscheidet sich die Bedeutung von Begriffswörtern, Prädikaten, Namen, Sätzen?“ versucht Frege in den Aufsätzen Funktion und Begriff, Über Begriff und Gegenstand und Über Sinn und Bedeutung, die in den Jahren 1892/93 erscheinen, neu zu beantworten. In ihnen revidiert Frege Auffassungen der Begriffsschrift und der Grundlagen der Arithmetik und gelangt von früheren Unklarheiten und Unstimmigkeiten auf den semiotischen Ebenen zur Unterscheidung von Sinn und Bedeutung sowie zur Differenzierung des beurteilbaren Inhalts in Gedanke und Wahrheitswert. In Über Sinn und Bedeutung setzt Frege die Termini Bedeutung, Sinn, Vorstellung, Gedanke und Wahrheitswert in Beziehung zueinander. Vor allem die Wörter Sinn und Bedeutung verwendet Frege abweichend von alltagssprachlichem Gebrauch. Und eben seine Definition dieser Termini, die ja in gewöhnlicher Rede meist synonym gebraucht werden, macht den innovativen Schnitt in der Semantik aus. Es sei dahingestellt, ob man hier vom differenzieren, zerlegen oder auffächern wie Gabriel Falkenberg6 sprechen sollte – es geht gleichwohl um Unterscheidungsweisen, um Probleme der Sprache, um Fragen nach ihrem Inhalt, nach ihrem Bezug, nach ihrer Form und Funktion. In Über Sinn und Bedeutung fragt Frege nach Sinn und Bedeutung von singulären und generellen Termini, Funktionsausdrücken, Gedanken und Sätzen und gelangt so zu einer generellen philosophischen Theorie der Ausdruckskategorien der Sprache. Wenn auch das Bild der semantischen Trias von Bedeutung, Sinn und Vorstellung nicht ohne katachrestische Gefahr7 besteht, veranschaulicht es doch die drei ontologischen Ebenen von Welt, Objektivität und Subjektivität, die die zentralen semantischen Fragen betreffen. Doch trotz der Novität des Fregeschen Entwurfs wäre es falsch, vorschnell Freges Bedeutung mit modernen Termini gleichzusetzen. Freges Bedeutung entspricht eben nicht der Extension und Freges Sinn nicht der Intension, worauf Verena Mayer zu recht8 hinweist.
Jesus ist, was das Begriffswort ′Mensch′ bedeutet in dem Sinne von "Jesus ist ein Mensch".9
3. Die Identität
[...]
1 Gottlob Freges Briefwechsel mit D. Hilbert, E. Husserl, B. Russell, sowie ausgewählte Einzelbriefe Freges. Hg. v. Gabriel Gottfried u.a. Hamburg: 1980. S. 100. (Frege an Russell 9.6. 1912)
2 Böttcher, Dirk: Der Aristoteles von Mecklenburg-Vorpommern. In: Frankfurter Rundschau (06.11.2002).
3 Carl, Wolfgang: Frege′s Theory of Sense and Reference. Its Origins and Scope. Cambridge: 1994. S.1.
4 Bartlett, J.M., zit. n. Speck, Josef: Grundprobleme der großen Philosophen – Philosophie der Gegenwart I. Göttingen: 1985. S. 16.
5 Frege, Gottlob: Über die wissenschaftliche Berechtigung einer Begriffsschrift. In: Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf logische Studien. Hg. v. Günther Patzig. 7. Auflage. Göttingen: 1994. S. 97.
6 Falkenberg, Gabriel: Sinn, Bedeutung, Intensionalität. Der Fregesche Weg. Tübingen: 1998. S. 6.
7 Ebd. (Eben wegen der unterschiedlichen ontologischen Stufen von Sinn, Bedeutung, Vorstellung).
8 Mayer, Verena: Gottlob Frege. München 1996. S. 102. f. (Begriffsgleichsetzung z.B: Kutschera, Franz von: Gottlob Frege. Eine Einführung in sein Werk. Berlin, New York: 1989. S. 82-83).
9 Frege, Gottlob: Nachgelassene Schriften. Hg. v. Hans Hermes u.a. Hamburg: 1969. S. 133.
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