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Möglichkeiten des Streßabbaus mittels asiatischer Bewegungskünste (Tai Chi Chuan, Yoga, Qi Gong)

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Christian Kuhn
Subject: Sport - Sport Psychology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V18500
ISBN (E-book): 978-3-638-22834-3
ISBN (Book): 978-3-638-64540-9
File size: 194 KB

Abstract

Während eines sportpsychologischen Hauptseminars wurde am Beispiel des Boxsports und im Einklang mit Untersuchungen zum Stress bei der Ausübung von Wettkampfsportarten der erhöhte Bedarf an effektiven Methoden zur Stressbewältigung für den Sport deutlich. Demnach bot es sich an, im Kontext der Kampfsportarten ein Thema zu referieren, welches an sich bereits eine Möglichkeit des Stressabbaus darstellt. Im asiatischen Kulturraum und mittlerweile auch in unseren Breiten lassen sich nämlich neben vielen Kampfsportarten bzw. Kampfkünsten auch traditionsreiche Bewegungspraktiken finden, die ganz bewusst auf die Beeinflussung des menschlichen Wohlbefindens ausgerichtet sind. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich Techniken wie Yoga, Qi Gong und besonders das direkt aus der Tradition der chinesischen Kampfkünste stammende Tai Chi Chuan. Letzteres wird noch heute alltäglich von Millionen von Chinesen praktiziert und stellt ein interessantes Untersuchungsobjekt dar, mit dem sich der Bogen von der schwer zugänglichen asiatischen Philosophie zur Sportwissenschaft schlagen lässt. Zu diesem Zweck werden in der vorliegenden Arbeit einige asiatische Bewegungskünste – mit besonderem Fokus auf dem Tai Chi Chuan – hinsichtlich ihrer stressreduzierenden Wirkung charakterisiert und evaluiert. Beim Studium der zahlreichen Veröffentlichungen zu den einzelnen Übungssystemen und den asiatischen Zweikampfstilen fallen besonders die Aspekte der asiatischen Philosophie auf, welche diese Themen stets begleiten. Ihnen wird ein direkter Bezug sowohl zur Entstehung und zum Zweck der Übungen als auch zu deren Praxis nachgewiesen, was letztlich auch für eine eventuelle stressreduzierende Wirkung von Bedeutung ist. Das erscheint umso wichtiger, da die Sportpsychologie als Fachgebiet der Sportwissenschaft im Kontext von Erziehung und Gesellschaft von den Teildisziplinen Sportgeschichte und Sportsoziologie begleitet wird. Im Anschluss daran werden die Übungsformen Tai Chi Chuan, Qi Gong und Yoga beschrieben und in den Kontext der Kampfsportarten gebracht. Am Beispiel des Tai Chi wird dann anhand einer chinesischen Studie die positive Wirkung solcher Übungen zunächst auf die allgemeine Gesundheit belegt. Daraufhin wird ein System möglicher Wirkungsmechanismen des Stressabbaus mittels asiatischer Bewegungskünste vorgestellt. Eine kritische Nachbetrachtung mit Argumenten für und gegen die Verwendung der einzelnen Übungssysteme stellt den Abschluss dieser Arbeit dar.


Excerpt (computer-generated)

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Geistes-, Sozial- und
Erziehungswissenschaften
Institut für Sportwissenschaft
Hauptseminar: Psychische Belastungen und Beanspruchungen im Sport

SS 2002

Seminararbeit zum Thema:

Möglichkeiten des Stressabbaus mittels asiatischer
Bewegungskünste (Tai Chi Chuan, Yoga, Qi Gong)

Verfasser: Christian Kuhn

8. Semester Magisterstudiengang
7. Fachsemester Sportwissenschaft (NF)

INHALTSVERZEICHNIS

1. Problemstellung 3

2. Asiatische Philosophie - Grundlage für sportliche Bewegungspraktik 5
2.1. "Kulturgut Bewegungskunst" 5
2.2. Konfuzianismus und Taoismus 5
2.3. Buddhismus 8

3. Drei asiatische Bewegungskünste - Entwicklung und Charakterisierung 9
3.1. Tai Chi Chuan 9
3.2. Qi Gong 12
3.3. Yoga 12

4. Mögliche Wirkungsweisen des Stressabbaus mittels asiatischer Bewegungspraktiken 13
4.1. Ein empirischer Beleg für die gesundheitsfördernde Wirkung von Tai Chi Chuan 14
4.2. Allgemeines zur Stressproblematik 15
4.3. Indirekt-präventive und direkt-situative Wirkungsmechanismen 16

5. Schlussbetrachtung 18
5.1. Kritische Charakterisierung der drei Übungssysteme 18
5.2. Zusammenfassung 19
5.3. Ausblick 20

LITERATURVERZEICHNIS 21

 

 

1. Problemstellung

Während des oben aufgeführten Hauptseminars wurden im Rahmen der Auseinandersetzung mit psychischen Belastungen und Beanspruchungen in unterschiedlichen Sportarten exemplarisch einzelne Kampfsportarten analysiert. Dabei standen trainings- und insbesondere wettkampfspezifische Aspekte im Mittelpunkt. Am Beispiel des Boxens konnte gezeigt werden, dass dem Stress in den Kampfsportarten durch den Einfluss einiger typischer Stressoren eine ganz eigene Qualität zukommt. Zu solchen in der Welt des Sports sonst eher seltenen Stressoren zählen verschiedene physikalische Einwirkungen, insbesondere Schlag-, Stoß- oder Wurfwirkungen, dadurch hervorgerufene Traumata sowie ungewöhnliche Körperzustände in Wettkampfsituationen ("Gewicht machen")1. Im Einklang mit weiteren Untersuchungen zum Stress - auch in anderen Sportarten - wurde der erhöhte Bedarf an effektiven Methoden zur Stressbewältigung für den Sport deutlich. Demnach sollten sich die darauf folgenden Seminarsitzungen mit Möglichkeiten des Umgangs mit psychischen Beanspruchungen im Sport befassen. Vorab bot es sich an, im Kontext der Kampfsportarten ein Thema zu referieren, welches sich übergangsartig zwar dem Thema Kampfsport im weitesten Sinne zuordnen lässt, aber an sich bereits eine Möglichkeit des Stressabbaus darstellt. Im asiatischen Kulturraum und mittlerweile auch in unseren Breiten lassen sich nämlich neben vielen Kampfsportarten bzw. Kampfkünsten auch traditionsreiche Bewegungspraktiken finden, die ganz bewusst auf die Beeinflussung des menschlichen Wohlbefindens ausgerichtet sind. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich Techniken wie Yoga, Qi Gong und besonders das direkt aus der Tradition der chinesischen Kampfkünste stammende Tai Chi Chuan. Letzteres wird noch heute alltäglich von Millionen von Chinesen praktiziert und stellt ein interessantes Untersuchungsobjekt dar, mit dem sich der Bogen von der schwer zugänglichen asiatischen Philosophie zur Sportwissenschaft schlagen lässt.

Zu diesem Zweck sollen in der vorliegenden Arbeit einige asiatische Bewegungskünste - mit besonderem Fokus auf dem Tai Chi Chuan - hinsichtlich ihrer stressreduzierenden Wirkung charakterisiert und evaluiert werden. Beim Studium der zahlreichen Veröffentlichungen zu den einzelnen Übungssystemen und den asiatischen Zweikampfstilen fallen besonders die Aspekte der asiatischen Philosophie auf, welche diese Themen stets begleiten. Angesichts unseres abendländischen kulturellen Hintergrundes besteht die Gefahr, derartige Erklärungsansätze mit Esoterik zu verwechseln. Es soll daher anfangs versucht werden, den Zugang zu diesem "Mysterium" zu erleichtern. Ihm wird ein direkter Bezug sowohl zur Entstehung und zum Zweck der Übungen als auch zu deren Praxis nachgewiesen, was letztlich auch für eine eventuelle stressreduzierende Wirkung von Bedeutung ist. Das erscheint umso wichtiger, da die Sportpsychologie als Fachgebiet der Sportwissenschaft im Kontext von Erziehung und Gesellschaft von den Teildisziplinen Sportgeschichte und Sportsoziologie begleitet wird. Im Anschluss daran werden die Übungsformen Tai Chi Chuan, Qi Gong und Yoga beschrieben und in den Kontext der Kampfsportarten gebracht. Am Beispiel des Tai Chi soll dann anhand einer chinesischen Studie die positive Wirkung solcher Übungen zunächst auf die allgemeine Gesundheit belegt werden. Daraufhin wird ein System möglicher Wirkungsmechanismen des Stressabbaus mittels asiatischer Bewegungskünste vorgestellt. Eine kritische Nachbetrachtung mit Argumenten für und gegen die Verwendung der einzelnen Übungssysteme soll den Abschluss dieser Arbeit darstellen.

Das wissenschaftliche Interesse widmet sich also zuerst philosophisch-kulturellen und danach physiologischen Aspekten. Bleibt zu bemerken, dass es n i c h t das Ziel dieser Arbeit ist, genaue Anleitungen zur Praxis einzelner Bewegungskünste zu geben oder diese gar als Allheilmittel darzustellen. Auch kann sicher nicht die Gesamtheit aller möglichen Wirkungsweisen für eine Reduzierung psychischer Belastungen und Beanspruchungen durch asiatische Bewegungskünste dargelegt werden, dies würde sowohl den zeitlichen als auch den inhaltlichen Rahmen dieser Arbeit sprengen. Gleiches gilt für die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ursachen und Wirkungen von Stress, auch auf sportspezifische Aspekte des Stresses soll nicht weiter eingegangen werden. Ich möchte im Einzelnen lediglich versuchen, eine Unterteilung in direkte und indirekte möglichen Wirkungsmechanismen asiatischer Bewegungskünste vorzunehmen. Dies kann eine Grundlage für ausführlichere Untersuchungen sein.

[...]


1 "Gewicht machen" bedeutet im Boxsport das drastische Verringern des Kampfgewichtes vor dem Wiegen, um in einer günstigeren Gewichtsklasse bei noch möglichst guter körperlicher Konstitution kämpfen zu können. Erreicht wird dies vorrangig durch Dehydrierung.


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