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Quartiersmanagement: Eine adäquate Antwort auf Prozesse der Desintegration in marginalisierten Stadtteilen?

Termpaper, 2003, 35 Pages
Author: Joachim Schmidt
Subject: Sociology - Habitation, Urban Sociology

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 35
Grade: ohne Benotung
Language: German
Archive No.: V18541
ISBN (E-book): 978-3-638-22869-5
ISBN (Book): 978-3-638-72880-5
File size: 332 KB

Abstract

Seit Ende der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts werden in Deutschland unter der Bezeichnung Quartiersmanagement oder Stadtteilmanagement Strategien diskutiert und umgesetzt, die darauf abzielen, die Abwärtsspirale zunehmender Desintegration in marginalisierten Stadtteilen zu unterbrechen und dem Desintegrationsprozess entgegen zu wirken. Der Autor stellt in seiner Arbeit die Frage, ob und inwiefern solche auf den Stadtteil bezogene Konzepte tatsächlich eine adäquate Antwort auf Desintegrationsprozesse in marginalisierten Stadtteilen darstellen. Zunächst wird diese Fragestellung konkret am Beispiel der praktischen Umsetzung eines Quartiersmanagementprojekts im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ am Kottbusser Tor in Berlin diskutiert. Um zu einer darüber hinaus reichenden gesellschaftsanalytisch fundierten Gesamtbeurteilung zu kommen, werden dann in einem weiteren Schritt die dem Quartiersmanagement-Ansatz explizit oder implizit zugrunde liegenden theoretischen Annahmen und der gesamtgesellschaftliche Kontext dieses Konzepts thematisiert. Vor allem die Vernachlässigung von Kategorien wie Macht, Herrschaft und Ungleichheit, die Tendenz zur Generierung neuer Exklusionsprozesse durch eine dem Ansatz inhärente Verschränkung von Sozial- und Ordnungspolitik und die Gefahr einer Instrumentalisierung zur Durchsetzung des „aktivierenden Sozialstaates“ im Sinne einer Flankierung neoliberal gefärbter Politik lassen den Quartiersmanagement-Ansatz trotz eines unbestreitbaren partiellen Demokratisierungsgewinns und einigen positiv zu beurteilenden pragmatischen Ansätzen zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in marginalisierten Stadtteilen in einem eher kritischen Licht erscheinen.


Excerpt (computer-generated)

QUARTIERSMANAGEMENT: EINE ADÄQUATE ANTWORT
AUF PROZESSE DER DESINTEGRATION IN
MARGINALISIERTEN STADTTEILEN?

 


Vorgelegt von: Joachim Schmidt

1 EINLEITUNG 4

2 DAS KONZEPT DES QUARTIERSMANAGEMENT 5

2.1 Ausgangslage und Problembeschreibung 5
2.2 Definition 7
2.3 Aufgaben und Handlungsfelder 9
2.4 Quartiersmanagement als intermediäre Instanz 10
2.5 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Quartiersmanagement 11

3 QUARTIERSMANAGEMENT AM BEISPIEL KOTTBUSSER TOR IN BERLIN 12

3.1 Das Gebiet um das Kottbusser Tor 13
3.2 Zentrale Problemfelder 14
3.3 Management und Organisation 15
3.4 Entwicklungsziele und Handlungsschwerpunkte 18
3.5 Bewertung des Quartiersmanagement Kottbusser Tor 20

4 DAS KONZEPT DES QUARTIERSMANAGEMENT: VERSUCH EINER GRUNDSÄTZLICHEN BEWERTUNG 22

4.1 Umsetzung in der Praxis 22
4.2 Die theoretische Perspektive 25

5 FAZIT 31

6 LITERATURVERZEICHNIS 33

 

 

 


1 Einleitung

Seit den späten 80er Jahren werden in Deutschland Strategien diskutiert und umgesetzt, die darauf abzielen, die Abwärtsspirale zunehmender Desintegration in marginalisierten Stadtteilen zu unterbrechen und stabilisierend zu wirken (Alisch 1998: S. 9). Auf das Quartier bezogene Konzepte werden dabei als Quartiersmanagement oder Stadtteilmanagement bezeichnet. In meiner Arbeit beschränke ich mich auf Erfahrungen mit Quartiersmanagement in Deutschland und auf die bundesrepublikanische Diskussion. Ich beziehe mich dabei zum größten Teil auf das seit Ende 1999 etablierte Bund-Länder Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ (Becker u.a. 2002: S. 12). Eine wichtige Vorreiterrolle zu diesem Programm spielten dabei einzelne Bundesländer mit spezifischen Länderprogrammen, insbesondere das seit 1993 laufende NRW-Programm „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ sowie seit 1994 das Hamburger „Pilotprojekt zur Armutsbekämpfung“ (Becker u.a. 2002: S. 14). Im zweiten Kapitel meiner Arbeit stelle ich zunächst das Konzept des Quartiersmanagement in seinen wesentlichen Grundzügen dar. Im dritten Kapitel beschäftige ich mich dann mit der konkreten Umsetzung eines Quartiersmanagementprojekts im Rahmen des o.g. Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ im Stadtteil Kottbusser Tor in Berlin. Schließlich gehe ich im vierten Kapitel der grundsätzlichen Frage nach, ob und inwiefern das Konzept des Quartiersmanagement adäquate Antworten auf Probleme zunehmender Desintegration in marginalisierten Stadtteilen geben kann. Im fünften und letzten Kapitel ziehe ich zusammenfassend ein abschließendes Fazit. Ein großer Teil der von mir benutzten Literatur war (nur) im Internet verfügbar. Dies deutet nicht zuletzt auch auf die Aktualität der hier diskutierten Fragestellung hin.

2 Das Konzept des Quartiersmanagement

Da „in Deutschland keine Einigkeit darüber herrscht, was das Instrument Quartiersmanagement im Einzelnen bedeutet und wie es eingesetzt werden sollte“1 (Becker u.a. 2002: S. 36), beschränke ich mich darauf, wesentliche gemeinsame Grundzüge von Quartiersmanagement-Ansätzen in Deutschland darzustellen, ohne auf die Unterschiede einzelner Ansätze einzugehen. Zunächst skizziere ich in Abschnitt 2.1 die Ausgangslage bzw. Problembeschreibung, vor deren Hintergrund sich das Konzept des Quartiersmanagements entwickelt hat. Im Anschluss daran stelle ich einen Definitionsversuch von Quartiersmanagement vor (2.2), um dann in 2.3. die Aufgaben und Handlungsfelder von Quartiersmanagement zu beschreiben. In den beiden letzten Abschnitten beschäftige ich mich mit Quartiersmanagement als intermediärer Instanz (2.4) und den Voraussetzungen eines erfolgreichen Quartiersmanagements (2.5).

2.1 Ausgangslage und Problembeschreibung

Seit etwa zwei Jahrzehnten werden in der westlichen Welt grundlegende sozialräumliche Veränderungen konstatiert, die mit Begriffen wie „Polarisierung“, „Spaltung der Stadt“ oder „soziale Ausgrenzung“ beschrieben werden (Strieder 2000). Spätestens seit Beginn der 90er Jahre lässt sich auch in der Bundesrepublik „eine neue Form sozialer und (stadt-) räumlicher Ungleichheit feststellen, die sich unter anderem in der Herausbildung benachteiligter Quartiere niederschlägt“(Becker u.a. 2002: S. 16). Dabei handelt es sich um stark segregierte innerstädtische Gebiete, in denen sich eine sozial benachteiligte Bevölkerung konzentriert. Sogenannte „Problemquartiere“ oder - in weniger stigmatisierender Formulierung - „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf“ (Becker u.a. 2002: S. 16) zeichnen sich durch eine Mischung komplexer miteinander zusammenhängender Probleme aus. Zu den am meisten genannten Problemen gehören:

[...]


1 Dies spiegelt sich sowohl in unterschiedlichen Begrifflichkeiten - neben Quartiersmanagement und Stadtteilmanagement werden u.a. auch Bezeichnungen wie Gebietsmanagement, Quartiersmoderation oder Stadtteilkoordination verwendet - als auch unterschiedlichen Organisationsformen wider (Becker u.a. 2002: S. 36). Aus pragmatischen Gründen verwende ich die Bezeichnungen Quartiersmanagement und Stadtteilmanagement Im Folgenden synonym.


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