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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 29 Pages
Author: Iris Baumgärtel
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Constance (Fachbereich Sprachwissenschaft)
Tags: Diskursstruktur, Intonation, Diskursstruktur, Intonation
Year: 2002
Pages: 29
Grade: 1,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-22873-2
ISBN (Book): 978-3-638-64578-2
File size: 296 KB
Untertitel: Gegenüberstellung und Anwendung der theoretischen Ansätze von Michael Halliday und der Prager Schule. Die Differenzierung von Thema und Rhema gründet in der Unterscheidung alter versus neuer bzw. bekannter versus nicht bekannter Information und dem Blick auf die Intonationsstruktur des Satzes. Die Theorien von Halliday und Prager Schule werden unter Berücksichtigung der Intonation zunächst theoretisch erläutert und später praktisch auf ein bekanntes Textfragment angewendet.
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Abstract
Als Sprach-Handlungs-Theorie analysiert die Pragmatik die Regeln der Form und Interpretation von sprachlichen Äußerungen im Kontext. Die Analyse eines Diskurses, der, laut Brown/Yule im Gegensatz zum Text, einem Prozess unterzogen und situationsgebunden ist, kann also nicht nur anhand linguistischer Regeln erfolgen, sondern muss ebenso die Formen berücksichtigen, die die Sprache im Gebrauch hervorbringt. Im Diskurs verankert sind die Informations- und Intonationsstruktur, genauer gesagt definiert sich nach Michael Halliday die Informationsstruktur a)durch die einzelnen Informationseinheiten (information units) und b)deren Korrelation zur intonatorischen Phrasierung (intonational phrasing) . Die Informationsstruktur ist weder mit der syntaktischen noch der grammatischen Struktur gleichzusetzen, sie stellt vielmehr den Aufbau eines Satzes in der Frage nach dem Gegenstand und der Aussage dar. Die Gliederung eines Satzes bzw. einer Äußerung erfolgte in der Prager Schule (z.B. Beneš)nach „Topik“ und „Fokus“ - die Termini „Thema“/„Rhema“ wurden eingeführt, die später dann von Halliday übernommen wurden. Die Differenzierung von Thema und Rhema gründet in der Unterscheidung alter versus neuer bzw. bekannter versus nicht bekannter Information und dem Blick auf die Intonationsstruktur des Satzes. Als zweiter Aspekt spielt in der Thema-Rhema-Gliederung (TRG) der Intonationsverlauf eine in den Theorien mehr oder weniger respektierte Rolle. Janet Pierrehumbert und Julia Hirschberg befassten sich eingehend mit einer „Intonationskontur zur Diskursinterpretation“ , die sie an Hand von einem differenzierten System von Tönen und Akzenten verfassten. In Kapitel II.2. soll dieses kurz zusammengefasst und als Grundlage für die Beschreibung der intonatorischen Untersuchung des Beispieltextes verwendet werden. Die Wechselbeziehung zwischen Informations- und Intonationsstruktur kann man zunächst grob in folgender allgemeiner Tendenz benennen: Der Fokus des Satzes liegt auf neuer Information, die intonatorisch hervorgehoben wird und als Rhema bezeichnet werden kann. Die Grundlage der Mitteilung beinhaltet meist alte Information und ist als Thema weniger betont.
Excerpt (computer-generated)
Universität Konstanz
WS 2001/2002
Hauptseminar: Diskursstruktur und Intonation
Informationsstruktur und Intonationsverlauf
Gegenüberstellung und Anwendung der theoretischen Ansätze
von Michael Halliday und der Prager Schule
Autorin: BAUMGÄRTEL, Iris
Hauptfach: Sprachwissenschaft mit germ. Schwerpunkt
1. Nebenfach: Soziologie
2. Nebenfach: Kunst- und Medienwissenschaft
Fachsemester: 7
Inhalt
Einführung 3
I. Die Thema-Rhema-Struktur
Funktionale und konfigurationelle Theorie 5
1. Die TRG in der Prager Schule 5
1.1 Thema und Theatisierung 6
1.2 Rhema und Rhematisierung 10
2. Thema und Rhema nach Halliday 13
II. Praktischer Teil 17
1. Eigene Annahmen zur Thema-Rhema-Struktur 17
1.1 Textbeispiel – semantische Analyse 18
2. Die Intonationsstruktur nach Pierrehumbert und Hirschberg 21
2.1. Textbeispiel – die intonatorische Analyse und die TRG 22
III. Zusammenfassung 25
Literatur 28
Einführung
Die Pragmatik beschäftigt sich mit der handlungsbezogenen Betrachtung von Sprache, das heißt, wie sie als Mittel der Kommunikation eingesetzt wird und somit kommunikative Ziele erreicht werden können. Als Sprach-Handlungs-Theorie analysiert sie die Regeln der Form und Interpretation von sprachlichen Äußerungen im Kontext. Der Philosoph Charles Morris betrachtete die Pragmatik neben Syntax und Semantik als Teil der Semiotik, wobei sie dort die „Beziehung von Zeichen zu den Interpretanten“1, d.h. das Verhältnis der Sprache zum Hörer bzw. Sprecher, untersuche. Gillian Brown und George Yule2 weisen darauf hin, dass in der Diskursanalyse insbesondere zwischen gesprochener und geschriebener Sprache zu differenzieren ist, die sich natürlich neben der Produktion unter anderem auch in Dialektik, Akzent, Komplexität der syntaktischen Struktur und in der Einbindung des Kontextes unterscheiden. Die Analyse eines Diskurses, der, laut Brown/Yule im Gegensatz zum Text, einem Prozess unterzogen und situationsgebunden ist, kann also nicht nur anhand linguistischer Regeln erfolgen, sondern muss ebenso die Formen berücksichtigen, die die Sprache im Gebrauch hervorbringt.3 Der Diskurs zeichnet sich auch dadurch aus, dass er über eine zusätzliche Struktur verfügt, die über das Wörtliche hinausgehende Informationen enthält.
Im Diskurs verankert sind die Informations- und Intonationsstruktur, genauer gesagt definiert sich nach Michael Halliday die Informationsstruktur a)durch die einzelnen Informationseinheiten (information units) und b)deren Korrelation zur intonatorischen Phrasierung (intonational phrasing)4. Die Informationsstruktur ist weder mit der syntaktischen noch der grammatischen Struktur gleichzusetzen, sie stellt vielmehr den Aufbau eines Satzes in der Frage nach dem Gegenstand und der Aussage dar.
Die Gliederung eines Satzes bzw. einer Äußerung erfolgte nach unterschiedlichen Mustern: So differenzierten frühere Forscher wie zum Beispiel Herrmann Paul nach „psychologischem Subjekt“ und „psychologischem Prädikat“5, während die Prager Schule (z.B. Bene(?)) von „Topik“ und „Fokus“ sprach und die Termini „Thema“/„Rhema“ einführte, welche später von Halliday übernommen wurden.
Die Differenzierung von Thema und Rhema gründet in der Unterscheidung alter versus neuer bzw. bekannter versus nicht bekannter Information und dem Blick auf die Intonationsstruktur des Satzes. Die Definitionen dessen, was als neu oder alt angesehen wird, orientiert sich neben dem Blickwinkel entweder auf den gesamten Text oder auf einzelne Sätze mitunter am allgemeingültigen Bekanntheitsgrad der Person, des Gegenstandes oder sonstigen Umstandes und dessen Einführungsstatus in den Text.
Als zweiter Aspekt spielt in der Thema-Rhema-Gliederung (TRG) der Intonationsverlauf eine in den Theorien mehr oder weniger respektierte Rolle. Janet Pierrehumbert und Julia Hirschberg befassten sich eingehend mit einer „Intonationskontur zur Diskursinterpretation“6, die sie an Hand von einem differenzierten System von Tönen und Akzenten verfassten. In Kapitel II.2. soll dieses kurz zusammengefasst und als Grundlage für die Beschreibung der intonatorischen Untersuchung des Beispieltextes verwendet werden. Laut Pierrehumbert und Hirschberg ist die Betonung einerseits vorausberechenbar, aber auch im Satz verschiebbar, was wiederum bei der TRG deutlich wird.
Die Wechselbeziehung zwischen Informations- und Intonationsstruktur kann man zunächst grob in folgender allgemeiner Tendenz benennen: Der Fokus des Satzes liegt auf neuer Information, die intonatorisch hervorgehoben wird und als Rhema bezeichnet werden kann. Die Grundlage der Mitteilung beinhaltet meist alte Information und ist als Thema weniger betont. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Thema-Rhema-Struktur, auf Grund des eingeschränkten Rahmens aber lediglich mit einer Gegenüberstellung der Auffassungen von Halliday und einem Überblick der Prager Schule. Diese werden unter Berücksichtigung der Intonation zunächst theoretisch erläutert und die Ergebnisse schließlich konkret auf ein aus dem Seminar bekanntes Textfragment angewendet.
I. Die Thema-Rhema-Struktur
Funktionale und Konfigurationelle Theorie
Zur Untersuchung der Informationsstruktur wird der Satz in thematische und rhematische Teile gegliedert, je nach deren Informationsgehalt und der Bedeutung der Information im Satzgefüge. Die Auslegung dieser Thema-Rhema-Gliederung (TRG) basiert auf den Ansätzen der Prager Schule, deren Forscher diese zur Deutung und zum Vergleich verschiedener Sprachen und deren Typologien einsetzten, wobei im Vorfeld schon Herrmann Paul Ende des 19. Jahrhunderts auf den psychologischen Hintergrund der Linguistik verwies. Die Prager Schule legte ihren Untersuchungsschwerpunkt auf die Funktionen der unterschiedlich informativen Konstituenten im Satz, maßen der Intonation aber auch eine wichtige Rolle zu. Darauf aufbauend entwarf Michael Halliday seine Theorie, die den Informationskomplex und die Intonationsstruktur des Textes bzw. Satzes parallel betrachtet. Seiner Meinung nach gestalten sich beide Strukturen zusammenhängend. Die beiden Standpunkte unterscheiden sich grundsätzlich im Hinblick auf die angenommene Ordnung der Informationsformen im Satz, woraus sich eine strukturell unterschiedliche Auffassung der TRG ergibt.
[...]
1 In: Levinson 1994, S.1
2 Brown/Yule 1983
3 Vgl. Ib.S.1
4 Vgl. Halliday 1967, S.101
5 Paul 1909
6 Pierrehumbert / Hirschberg 1990, S.271
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