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Zur Einordnung nicht-fiktionaler Romane

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 24 Pages
Author: Katharina Schnell
Subject: German Studies - Comparative Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 24
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V18842
ISBN (E-book): 978-3-638-23101-5

File size: 288 KB


Excerpt (computer-generated)

Zur Einordnung nicht-fiktionaler Romane am Beispiel
der beiden Werke In Cold Blood von Truman Capote
und Das Abenteuer des Miguel Littín von Gabriel García Márquez

 

 


Katharina Schnell

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG  2

2. DIE INTENTION DES AUTORS UND DIE WIRKUNG BEIM LESER 3

2.1 TRUMAN CAPOTES INTENTION IN BEZUG AUF IN COLD BLOOD 3
2.2 DIE UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN FACTUAL STATUS UND FACTUAL ADEQUACY  4

3. DIE EINORDNUNG VON IN COLD BLOOD  5

3.1 DIE TENDENZEN IN DER LITERATURKRITIK  5
3.2 CAPOTE UND DER NEW JOURNALISM  6

3.2.1. Szenenartiger Aufbau 7
3.2.2. Vollständige Wiedergabe der Dialoge 7
3.2.3. Perspektive der dritten Person 8
3.2.4. Detaillierte Darstellung des Umfelds als Symbol des Lebensstandards 8

4. UNTERSUCHUNGEN BEZÜGLICH DES AUTHENZITÄTSANSPRUCHS CAPOTES 9

4.1 DIE DARSTELLUNG PERRY SMITHS  10
4.2 DIE PROBLEMATIK DER FIGUR PERRYS IN BEZUG AUF CAPOTES INTENTION 12

5. DIE ERZÄHLPERSPEKTIVE  13

5.1 DER ALLWISSENDE ERZÄHLER IN NICHT-FIKTIONALEN ROMANEN  13
5.2 DIE ERZÄHLPERSPEKTIVE IN IN COLD BLOOD  14
5.3 DIE ERZÄHLPERSPEKTIVE IN GARCÍA MÁRQUEZ 14

6. GARCÍA MÁRQUEZ UND DER NEW JOURNALISM 16

6.1 SZENENARTIGER AUFBAU UND VOLLSTÄNDIGE WIEDERGABE DER DIALOGE  16
6.2 DETAILLIERTE DARSTELLUNG DES UMFELDS ALS SYMBOL DES LEBENSSTANDARDS  16

7. CAPOTES KRITERIEN FÜR EINEN NICHT-FIKTIONALEN ROMAN  17

8. SCHLUSSBEMERKUNG 20

9. LITERATURVERZEICHNIS  21

 

 


 

 

1. Einleitung

Tom Wolfe1 zufolge überließen die Romanciers, indem sie den sozialen Realismus vernachlässigten, den Autoren des new journalism die ganze amerikanische Gesellschaft als Themenfeld. John Hellmann verfasste eines der Standardwerke zu nicht-fiktionalen Texten. Darin gibt er folgende Definition von new journalism und nonfiction novel, die der folgenden Arbeit zugrunde liegen soll: The terms „new journalism“ and „nonfiction novel“ both serve as names for a contemporary genre in which journalistic material is presented in the forms of fiction.2 Sowohl Truman Capotes In Cold Blood als auch Gabriel García Márquez´ Das Abenteuer des Miguel Littín sind Werke, in welchen faktuale Ereignisse mit Hilfe stilistischer Merkmale des Fiktionalen dargestellt werden und somit sind beide Werke als nicht-fiktionale Romane einzuordnen. Betrachtet man die beiden Werke jedoch näher, so verdeutlicht dies, wie komplex die Merkmale dieser Unterform des Romans sind.

In der nun folgenden Arbeit werden unterschiedliche Kriterien zur Einordnung erläutert und vergleichend auf die beiden Werke angewendet. Zur Beschreibung und Einordnung der Werke wird hierbei zunächst der Unterschied zwischen den Autoren und der Leserposition dargestellt. Im Folgenden wird eine Diskussion über die Einordnung des Werks von Capote skizziert, um die Problematik weiter zu verdeutlichen. Wie aus dem oben genannten Zitat erkennbar wird im Rahmen der Einordnung von In Cold Blood immer wieder der new journalism genannt. Aus diesem Grund werden die stilistischen Merkmale hier erläutert und auf der Grundlage beider Werke untersucht. Letztlich finden auch die von Capote selbst benannten Kriterien zum Verfassen eines nicht-fiktionalen Romans Beachtung und werden im Vergleich auf beide Werke angewendet. Abschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Werke im Kontext ihrer Beurteilung noch einmal zusammengefasst.

2. Die Intention des Autors und die Wirkung beim Leser

In Bezug auf die Einordnung der beiden Werke ergeben sich Problemstellungen auf unterschiedlichen Ebenen. Zum Einen geht es um die Einteilung von Fakt und Fiktion und in diesem Zusammenhang auch um die Einteilung zwischen Journalismus und fiktionalem Schreiben, zum Anderen geht es aber auch um das, was der Leser als „wahr“ oder „erfunden“ ansieht. Gerade in Bezug auf die Rezeption durch den Leser spielt die Intention des Autors ein Rolle. Hierbei ist auch relevant, inwiefern der Autor mit Hilfe der Paratexte seine Intention bezüglich seines Werkes verdeutlicht.

John Searle3 erläutert dies am Beispiel einer Anekdote. Angenommen ein Freund erzählt eine Anekdote. Die Haltung der Zuhörer ist völlig unterschiedlich, je nachdem, ob der Erzähler sie als Witz oder einfach als eine Erfindung deklariert. Die „richtige“ Rezeption hängt in diesem Fall also davon ab, welche Intention der Erzähler hat und ob der Zuhörer diese akzeptiert – denn wirklich sicher, ob die Anekdote beispielsweise völlig frei erfunden ist oder nicht, kann der Zuhörer nicht sein. Dieses Beispiel lässt sich sowohl auf Capotes als auch auf García Márquez´ Werk übertragen. Auch hier geht es darum, was der Autor deklariert hat und wie der Leser nun das Werk rezipieren soll. Selbstverständlich ist die Problemstellung in diesem Fall komplexer als im Falle der Anekdote; dennoch bleiben die Grundzüge erhalten.

2.1 Truman Capotes Intention in Bezug auf In Cold Blood

[...]


1 Vgl. Tom Wolfe: The New Journalism, New York 1973, S.12
2 John Hellmann: Fables of Fact. The New Journalism as New Fiction. University of Illinois Press 1981, S.1


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