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Hausarbeit, 2003, 34 Seiten
Autor: Joachim Schmidt
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen
Details
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld (Fakultät für Soziologie)
Tags: Modell, Webers, Erklärung, Entstehung, Kapitalismus, Vergleich, Erklärungsansatz, Karl, Marx, Webers, Theorie, Okzidentalen, Rationalismus
Jahr: 2003
Seiten: 34
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-23136-7
ISBN (Buch): 978-3-638-72881-2
Dateigröße: 308 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Karl Marx und Max Weber entwickelten zwei große konkurrierende Theorien über den sozialen Wandel, die auch heute noch in der Soziologie eine bedeutende Rolle spielen. Bei beiden steht die wissenschaftliche Untersuchung des modernen Kapitalismus im Mittelpunkt ihrer Werke. Der Autor dieser Arbeit setzt sich mit den jeweiligen Erklärungsansätzen von Marx und Weber zur Genese des Kapitalismus auseinander. Es geht also um diejenigen historischen und verursachenden Kräfte, mit denen Marx und Weber jeweils unterschiedlich die Entstehung des modernen Kapitalismus zu erklären versuchen. Dabei scheinen die Positionen von Marx als Begründer des historischen Materialismus und von Weber als Vertreter einer bürgerlichen Soziologie auf den ersten Blick weit auseinander zu liegen und gegensätzliche Pole zu markieren. Der Autor arbeitet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Positionen heraus und kommt zu dem Ergebnis, dass die konkurrierenden Erklärungsmodelle von Marx und Weber zur Genese des Kapitalismus näher beieinanderliegen als man zunächst vermuten würde. Relativiert man die Tendenz zum ökonomischen Determinismus bei Marx und vermeidet man gleichzeitig eine einseitig idealistische Interpretation der Position von Weber, lassen sich beide Theorien, bei allen Unterschieden, durchaus sinnvoll kombinieren.
Textauszug (computergeneriert)
DAS MODELL MAX WEBERS ZUR ERKLÄRUNG
DER ENTSTEHUNG DES MODERNEN KAPITALISMUS
IM VERGLEICH ZUM ERKLÄRUNGSANSATZ VON KARL MARX
Vorgelegt von: Joachim Schmidt
1 EINLEITUNG 4
2 DAS MODELL MAX WEBERS 4
2.1 DER BEGRIFF DES KAPITALISMUS BEI WEBER 5
2.1.1 ÄLTERE FORMEN DES KAPITALISMUS 5
2.1.2 DER MODERNE OKZIDENTALE KAPITALISMUS 7
2.2 BEDINGUNGEN DER ENTSTEHUNG DES KAPITALISMUS 8
2.2.1 MATERIELLE BZW. INSTITUTIONELLE BEDINGUNGSFAKTOREN 9
2.2.2 ASKETISCHER PROTESTANTISMUS UND "KAPITALISTISCHER GEIST" 11
2.2.2.1 Prädestinationsglaube und Rationalisierung der Lebensführung 13
2.2.2.2 Beruf und innerweltliche Sittlichkeit 14
2.2.2.3 Der Sektencharakter der reformierten religiösen Organisationen 15
2.2.2.4 Der Geist des Kapitalismus 16
2.3 PARADOXE UMBRÜCHE 19
2.3.1 PARADOXIE DER SÄKULARISIERUNG 19
2.3.2 PARADOXIE DER RATIONALISIERUNG 20
3 DAS MODELL VON KARL MARX 22
3.1 DIE GESCHICHTE ALS EINE GESCHICHTE VON KLASSENKÄMPFEN 22
3.2 DIE SOGENANNTE "URSPRÜNGLICHE AKKUMULATION" 24
4 DIE MODELLE VON WEBER UND MARX IM VERGLEICH 25
4.1 GEMEINSAMKEITEN 26
4.1.1 DIE NEUEN SOZIALEN WERTE DES KAPITALISMUS 26
4.1.2 DIE VERSELBSTSTÄNDIGUNG DER RESULTATE MENSCHLICHEN HANDELNS 27
4.2 UNTERSCHIEDE 28
4.2.1 IDEALISMUS VERSUS MATERIALISMUS? 28
4.2.2 ZUR FRAGE VON IMMANENTEN ENTWICKLUNGSLOGIKEN DER GESCHICHTE 30
5 FAZIT 31
6 LITERATURVERZEICHNIS 33
1 Einleitung
Max Weber und Karl Marx entwickelten zwei große konkurrierende Theorien über den sozialen Wandel, die auch heute noch in der Soziologie eine bedeutende Rolle spielen. Bei beiden steht die wissenschaftliche Untersuchung des modernen Kapitalismus im Mittelpunkt ihrer Werke. Meine Arbeit beschäftigt sich in erster Linie mit ihren Erklärungsansätzen zur Genese des Kapitalismus und nicht mit ihren Erklärungsansätzen zu seiner Funktionsweise. Es geht also um diejenigen historischen und verursachenden Kräfte, mit denen Weber und Marx jeweils unterschiedlich die Entstehung des modernen Kapitalismus zu erklären versuchen. Marx Gedanken zur Entstehung des Kapitalismus finden sich am ausführlichsten im Kapital, dessen erster Band im Jahre 1867 veröffentlicht wurde. Webers Auffassung zur Genese des Kapitalismus kristallisierte sich 1904 heraus, als er erstmals "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" veröffentlichte (Birnbaum 1973: S. 38f). Webers Werk ist also etwa ein halbes Jahrhundert später entstanden und basiert zumindest in Teilen auf der polemischen Auseinandersetzung mit Marx. In Kapitel 2 und 3 stelle ich zunächst die beiden Erklärungsmodelle jeweils getrennt vor. Ich beschäftige mich dabei weit ausführlicher und genauer mit dem Modell Webers, eine ebenso ausführliche Darstellung des Modells von Marx hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt. In Kapitel 4 vergleiche ich die beiden Erklärungsmodelle miteinander, indem ich die wesentlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeite. Zum Teil reicht dieser Vergleich über die eigentliche Genese des modernen Kapitalismus hinaus und betrifft grundsätzliche Sichtweisen von Marx und Weber. In Kapitel 5 ziehe ich dann ein abschließendes Fazit meiner Arbeit.
2 Das Modell Max Webers
Weber stellt sich die Frage, wie die Entstehung des okzidentalen, westlichen Kapitalismus möglich gewesen ist. Dabei fragt Weber nicht danach, wie der Kapitalismus, hat er sich erst einmal durchgesetzt, funktioniert (Schluchter 1996: S. 19). Die "Entstehung" des Kapitalismus ist für Weber "das eigentlich zu Erklärende" (Weber 1963: S. 37) Weber unterscheidet also zwischen der historischen Entstehung des Kapitalismus und der kapitalistischen Wirtschaftsordnung als fertigem System, das sich für ihn als "ein ungeheurere Kosmos" darstellt, "in den der einzelne hineingeboren wird und der für ihn ... als faktisch unabänderliches Gehäuse, in dem er zu leben hat, gegeben ist" (Weber 1963: S. 37). In Abschnitt 2.1 erkläre ich zunächst, was Weber unter dem Begriff des Kapitalismus versteht, um mich dann in Abschnitt 2.2 mit den wichtigsten Bedingungsfaktoren der Entstehung des Kapitalismus zu beschäftigen. In 2.2.1 geht es dabei um die "materiellen" bzw. institutionellen Bedingungsfaktoren, die Weber hauptsächlich in seiner "Wirtschaftsgeschichte" dargestellt hat. In 2.2.2 geht es um den asketischen Protestantismus als "ideellen" Bedingungsfaktor, den Weber vor allem in dem Text "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" herausgearbeitet hat. In Abschnitt 2.3 thematisiere ich den Begriff der Paradoxie, der in Webers Denken eine Schlüsselstellung einnimmt (Guttandin 1998: S. 182).
2.1 Der Begriff des Kapitalismus bei Weber
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