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Examination Thesis, 1999, 105 Pages
Author: Markus Dange
Subject: Theology - Systematic Theology
Details
Tags: Communio, Klammer, Offenbarungsglauben, Praxis, Eine, Analyse, Anthropologie, Gisbert, Greshake
Year: 1999
Pages: 105
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23205-0
File size: 307 KB
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Excerpt (computer-generated)
"Communio als ′Klammer′ zwischen Offenbarungsglauben
und gelebter christlicher Praxis. Eine systematische Analyse der theologischen Anthropologie von Gisbert Greshake"
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der
Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufen II/I
dem
Staatlichen Prüfungsamt Köln
vorgelegt von
Markus Dange
eingereicht im: März 1999
"Nichts vom Geliebten bleibt aus der Einigung mit dem Liebenden ausgeschlossen"
Thomas von Aquin
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 6
I. Communio als Grundgedanke allen Seins ... 10
A. Der Communiobegriff ... 10
1. Ursprung und Bedeutung des Begriffs Communio ... 10
2. Zugänge zu einer personal-kommunialen Trinitätstheologie ... 11
3. Herkunft und Definition des Personbegriffs ... 13
4. Die Relevanz des Personenverständnisses für das Verständnis der Communio ... 16
B. Gott ... 17
1. Gott ist Communio - Communio als Verstehensschlüssel ... 17
2. Die Einheit Gottes und die Differenz der göttlichen Personen ... 19
3. Die drei göttlichen Personen ... 21
4. Ergebnis: ... 24
C. Schöpfung ... 24
1. Gott und Schöpfung ... 24
2. Schöpfung als Bild der Trinität ... 28
3. Schöpfung als Prozeß - Ziel der Schöpfung: Communio ... 32
4. Ergebnis: ... 33
II. Anthropologie ... 35
A. Der Mensch als Bild des dreieinen Gottes ... 35
B. Das Wort ... 37
1. Das Wort "an sich" ... 37
2. Gottes Wort ... 38
3. Das Wort Gottes angesichts geschöpflicher Vermittlung ... 39
C. Der Mensch als selbständiges Subjekt und relationales Wesen ... 41
1. Der Ruf ins "Eigene" und ins "Andere" ... 41
2. Der Leib als Medium ... 42
3. Der Mensch als Person und Subjekt ... 43
4. Ergebnis: ... 45
D. Freiheit und Abhängigkeit des Menschen ... 45
E. Sünde und Leid ... 48
1. Das Wesen der Sünde: Verweigerung von Communio ... 49
2. Die gemeinschaftliche Dimension der Sünde ... 50
3. Erbsünde ... 51
4. Die Bedeutung der Sünde für Gott ... 52
5. Der Preis der Liebe ... 54
6. Ergebnis ... 56
F. Prinzip Stellvertretung ... 56
G. Inkarnation ... 59
H. Erlösung ... 62
1. Die Bewegung Gottes auf die Welt zu ... 62
2. Die Bewegung der Welt auf Gott hin ... 64
I. Auf dem Weg zur vollendeten Communio ... 68
1. Nachfolge Jesu ... 68
2. Herstellende und darstellende Praxis ... 71
3. Auferstehung und vollendete Communio ... 72
III. Greshakes Ergebnisse für die gelebte christliche Praxis ... 78
A. Kirche ... 78
B. Religiöser Dialog ... 82
C. Gesellschaft und Schöpfung ... 86
Ergebnisse und kritische Anmerkungen ... 89
A. Die göttliche Communio ... 89
B. Theologische Anthropologie und gelebte christliche Praxis ... 93
1. Communio durch Integration von Glauben und Rationalität ... 93
2. Communio durch Individualität und neue Zugehörigkeit ... 95
3. Kirche und religiöser Dialog ... 95
C. Einige Anmerkungen zur Anwendung des Prinzips Communio ... 98
D. Schlußbemerkungen ... 99
Literaturverzeichnis ... 100
Einleitung
Im Zentrum des christlichen Glaubens steht das Bekenntnis zum dreieinen Gott. Dennoch, obwohl getauft auf den Namen des trinitarischen Gottes, stehen sehr viele Christen und sogar Theologen der Trinität Gottes fremd gegenüber. Nachdem die Trinität für Jahrhunderte im Zentrum der Theologie stand, spielt sie heute für sehr viele Christen im Glaubens- und Lebensvollzug keine wesentliche Rolle mehr. Vielen Christen reicht ein einfaches (monotheistisch-abstraktes) Gottesbild, an das zu glauben für sie ohnehin schon schwer genug ist. Ferner besteht für viele Christen im trinitarischen Gottesglauben die Gefahr eines Tritheismus, da ihnen bei dieser Gottesvorstellung die Einheit Gottes zu sehr im Hintergrund steht. Dementsprechend bevorzugen viele einen modalistischen Gott, der in sich selbst eine differenzlose Einheit ist und erst in der Schöpfung und Geschichte nach außen ein trinitarisches Gesicht annimmt, um dadurch vor allem einem möglichen Tritheismus entgegenzuwirken. Für andere besteht wiederum die Gefahr, sich in Spekulationen über die göttlichen Personen und Relationen zu verrennen.
In den Beschlüssen des 2. Vatikanischen Konzils steht die an der göttlichen Trinität "abgelesene" "Communio", die – grob vereinfacht – eine Gemeinschaft von gegenseitigem Durchdringen und zugleich Anerkennen von Individualitäten ist, wieder im Zentrum der katholischen Theologie. Dadurch hat, vor allem nach der Bischofssynode 19851, die Communio-Theologie einen großen Aufschwung erfahren. Gisbert Greshake gehört zu den Theologen, die seitdem bemüht sind, die göttliche Communio wieder in das Zentrum des christlichen Glaubens zu stellen. Für ihn ist "Communio" der Kern aller Theologie. Dementsprechend geht es ihm darum, die "theoretische Bedeutung und praktische Konsequenz, man könnte auch sagen: die Leuchtkraft des Glaubens"2 herauszustellen, wenn die Christen ernsthaft an einen dreipersönlichen Gott glauben, der in sich Communio ist.
Inwiefern sich dieses Ziel, sowie alle anderen Ansichten Greshakes, im Laufe der Zeit entwickelt haben, müßte eigentlich in einer umfassenden Genese seiner Werke untersucht werden. Das heißt, daß in allen seinen Werken festgestellt werden müßte, welche Auffassungen er vertreten hat und in welcher Weise sich diese verändert haben. Jedoch erlaubt es der Umfang dieser Arbeit nicht, eine solche umfassende Analyse durchzuführen. Deshalb kann nur in Kürze etwas über Greshakes Werke gesagt werden:
Greshake konnte durch seine Dissertation Auferstehung der Toten aus dem Jahre 1969 viel Anerkennung gewinnen. Aufgrund seiner weiteren Veröffentlichungen in diesem Bereich – hierbei ist vor allem an die Werke Naherwartung – Auferstehung – Unsterblichkeit sowie Resurrectio mortuorum zu denken – ist es Greshake gelungen, die Entwicklung der Eschatologie voranzutreiben.3 Auch in den Bereichen der Anthropologie und Gnadenlehre hat Greshake durch wichtige Veröffentlichungen, wie vor allem seine Habilitationsschrift Gnade als konkrete Freiheit, sowie durch die Bücher Gottes Heil - Glück des Menschen, Erlöst in einer unerlösten Welt? oder Geschenkte Freiheit wesentliches zur theologischen Diskussion beigetragen. Dies gilt besonders für die durch die Bischofssynode 1985 entfachte Diskussion über die Communio: Nach zahlreichen vorangehenden kleineren Beiträgen (vgl. z. B. "Communio – Schlüsselbegriff der Dogmatik") hat Greshake hierzu vor allem 1997 durch sein Werk Der dreieine Gott. Eine trinitarische Theologie einen wichtigen Beitrag geleistet.
In diesem Werk stellt Greshake sehr ausführlich seine Positionen nicht nur zur Trinität, sondern auch davon abgeleitet, zu seiner gesamten Theologie dar. So zeigt bereits der Untertitel, daß für Greshake in diesem Werk der Trinitätsglauben die Basis für eine gesamttheologische Sichtweise ist. Aufgrund der thematisch sehr umfassenden Darstellung seiner trinitarischen Theologie und des hohen Aktualitätsgrades, soll das Werk als "Leitfaden" für diese Arbeit dienen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß deshalb Greshakes übrige Literatur völlig in den Hintergrund gedrängt wird, da diese zur Ausarbeitung der genauen Positionen Greshakes notwendig ist. Denn trotz der Fülle an Stoff in Der dreieine Gott, kann dieses Werk nicht Greshakes gesamte Theologie umfassen. Jedoch können aufgrund des begrenzten Umfanges dieser Arbeit nicht alle von Greshakes über 400 Veröffentlichungen berücksichtigt werden, sondern nur die Werke, die sich im wesentlichen mit theologischer Anthropologie befassen.
Der Titel "Communio als ′Klammer′ zwischen Offenbarungsglauben und gelebter christlicher Praxis" dieser Staatsexamensarbeit deutet darauf hin, daß Communio nicht nur in der göttlichen Trinität im Zentrum steht, sondern sich auch in allen anderen theologischen Bereichen bis hin zur gelebten christlichen Praxis finden läßt. Communio ist dementsprechend der "Verstehensschlüssel", mit dessen Hilfe der Zusammenhang zwischen Offenbarungsglauben und Praxis deutlich wird.
Der Untertitel "Eine systematische Analyse der theologischen Anthropologie Gisbert Greshakes" weist auf diesen durch die Communio hergestellten Zusammenhang zwischen (trinitarischer) Theologie und Anthropologie bei Greshake hin. Es handelt sich deshalb bei ihm nicht um eine philosophische Sichtweise von Anthropologie, sondern um eine theologische. Dementsprechend entwirft Greshake anhand der an der göttlichen Trinität abgelesenen Communio ein Konzept, mit dessen Hilfe er die Wirklichkeit immer weiter erschließt. Dadurch will er zeigen, daß Gott nicht nur Communio ist, sondern daß auch die evolutionäre Schöpfung und mit ihr der Mensch auf Communio angelegt sind und nur durch diese zur Vollendung gelangen können.
Da in dieser Arbeit "eine systematische Analyse" Greshakes theologischer Anthropologie durchgeführt werden soll, müssen Greshake Ansichten systematisch, nach seiner "Entfaltung" des Communiogedankens geordnet, dargestellt und schließlich kritisch beurteilt werden. Deshalb steht auch nicht die ganzheitliche Bearbeitung der Literatur Greshakes im Vordergrund, sondern die inhaltliche. Dementsprechend sollen seine Werke nicht möglichst detailliert wiedergegeben werden, sondern es geht darum, Greshakes Gedankengänge möglichst einleuchtend und in ihren Zusammenhängen darzustellen, so daß eine Gesamtsicht seiner theologischen Anthropologie deutlich wird.
Da für Greshake die göttliche Trinität der Ausgangspunkt für seine Darstellung der Wirklichkeit ist, soll auch in dieser Arbeit bei der Darstellung der Positionen Greshakes von der Trinität ausgegangen werden. Zunächst ist Greshakes Verständnis von der anhand der göttlichen Trinität abgelesenen Communio zu erläutern. Als nächstes soll gezeigt werden, wie er aus dieser Vorstellung heraus die gesamte Wirklichkeit, angefangen bei der Schöpfung, durch die gesamte Heilsgeschichte des Menschen hindurch, bis hin zur Vollendung des Menschen und mit ihm der gesamten Welt, erschließt. Im Anschluß daran befaßt sich diese Arbeit damit, welche Bedeutung für Greshake die theoretisch gewonnenen Erkenntnisse über die Welt und den Menschen für die gelebte christliche Praxis haben. Dabei sollen vor allem die Bedeutung für Kirche und Gesellschaft sowie für den Dialog der Religionen berücksichtigt werden. Mit Hilfe dieser Darstellungen soll gezeigt werden, daß sich bei Greshake der Communiogedanke wie ein roter Faden durch seine gesamte theologische Anthropologie zieht und wie eine "Klammer" Offenbarungsglauben und gelebte christliche Praxis "zusammenhält".
Zur abschließenden Beurteilung der Ansichten Greshakes lassen sich jedoch nur sehr wenige Werke finden, die hilfreich sind: Zwar gibt es in sehr vielen Werken anderer Autoren Hinweise auf Greshakes Arbeiten, jedoch handelt es sich hierbei fast immer nur um äußerst kurze Beiträge. Als einzige Werke, die sich umfassend mit Greshake befassen, sei hierbei auf die Dissertation Tod und Auferstehung innerhalb einer anthropologisch gewendeten Theologie von Pamela Kirk sowie die Habilitationsschrift Seele - Unsterblichkeit - Auferstehung von Heino Sonnemanns hingewiesen.
I. Communio als Grundgedanke allen Seins
A. Der Communiobegriff
1. Ursprung und Bedeutung des Begriffs Communio
Der lateinische Begriff "Communio", der übersetzt zunächst einmal "Gemeinschaft" heißt, besitzt aufgrund seiner sprachlichen Herkunft zwei bildliche Konnotationen. (Com-)munio verweist erstens auf die Wurzel "-mun", welche soviel wie "Schanze", "Umwallung" bedeutet.
[...]
1 Die Synode betont, daß die Communio-Ekklesiologie der zentrale und grundlegende Gedanke des 2. Vatikanischen Konzils ist. Vgl. Leo Scheffczyk, Aspekte der Kirche in der Krise. Um die Entscheidung für das authentische Konzil (Quaestiones Non Disputatae I), Siegburg: Verlag Franz Schmitt, 1993, 71-2.
2 Greshake, Der dreieine Gott: Eine trinitarische Theologie, Freiburg-Basel-Wien: Herder, 1997, 23.
3 Vgl. Pamela Kirk, Tod und Auferstehung innerhalb einer Theologisch gewendeten Anthropologie, 1986, 23.
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