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Diploma Thesis, 2003, 117 Pages
Author: Barbara Lietz
Subject: Psychology - Media Psychology
Details
Tags: Jahre, Sesamstrasse, Anlass, Nostalgie
Year: 2003
Pages: 117
Grade: eins
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23217-3
File size: 533 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Braunschweig
Institut für Psychologie
Diplomarbeit
30 Jahre Sesamstraße:
Anlass zur Nostalgie?
eingereicht von
Barbara Lietz
Braunschweig im Juni 2003
Zusammenfassung
In dieser Pilotstudie auf dem Gebiet der Sesamstraßen-Nostalgie-Forschung wurden mit Hilfe eines Internetfragebogens drei Hypothesen untersucht. Versuchspersonen waren 31 Eltern, die alte wie neue Sesamstraßenfolgen kennen und Kinder im Sesamstraßen-Zielgruppen-Alter (drei bis sechs Jahre) haben. Ausgewertet wurden Häufigkeiten sowie Berechnungen des Spearman-Rho-Korrelationskoeffizienten. Die erste Hypothese, dass Eltern Sendungen für ihre Kinder auswählen, die sie in ihrer eigenen Kindheit gern gesehen haben, konnte bestätigt werden. Bei der Untersuchung der zweiten Hypothese, dass Eltern, die die Sesamstraße ihrer Kindheit mochten, auch den aktuellen Sendungen gegenüber positiv eingestellt sind, zeigte sich, dass viele die Sesamstraße als positiv für ihr Kind beurteilen, obwohl sie persönlich die aktuellen Folgen nicht mögen. Die dritte Hypothese ging davon aus, dass die alten Sesamstraßenfolgen lieber gemocht werden als die neuen und konnte bestätigt werden.
Danksagung
[...]
INHALT
1. Einleitung ... 1
2. Problemstellung ... 3
2.1 Zweck und Nutzen der Sesamstraße: Das pädagogische Konzept der Vorschulsendung auf dem Prüfstand ... 4
2.1.1 Exkurs: Die Geschichte der Sesamstraße oder der Bildungsnotstand und die Geburt des Vorschulfernsehens ... 5
2.1.2 Warum aus der Sesame Street die Sesamstraße wurde - die Schwerpunktfrage ... 7
2.1.3 Unter der Lupe: die Sesamstraße als Forschungsobjekt ... 8
2.2 Die Rolle der Eltern beim Lernen mit der Sesamstraße ... 10
2.3 Eltern, Kinder, ihr Fernsehverhalten und die Frage nach der Nostalgie ... 12
2.3.1 Generationenbeziehungen beim Fernsehen ... 12
2.3.2 Die Frage nach der Nostalgie ... 16
3. Methode ... 17
3.1 Die Stichprobe: 31 Eltern mit Sesamstraßenkenntnissen ... 17
3.2 Die Erhebungsmethode: der Internetfragebogen ... 22
3.3 Die Auswertung: Kategorisierung, Kodierung und mathematische Operationen ... 25
3.3.1 Die Kategorisierung und Kodierung ... 25
3.3.2 Die mathematischen Operationen ... 26
4. Ergebnisse ... 28
4.1 Überprüfung der ersten Hypothese, dass... Eltern Sendungen für ihre Kinder auswählen, die sie in ihrer eigenen Kindheit selbst gern gesehen haben ... 28
4.2 Überprüfung der zweiten Hypothese, dass... Eltern, die früher gern die Sesamstraße gesehen haben, der Sendung gegenüber auch heute noch positiv eingestellt sind ... 37
4.3 Überprüfung der dritten Hypothese, dass... Eltern die alten Sesamstraßenfolgen, die sie aus ihrer Kindheit kennen, lieber mögen als die neuen aktuellen Folgen. ... 51
5. Diskussion und Anregungen für weiterführenden Untersuchungen ... 66
5.1 Diskussion und Anregungen aus den Ergebnissen zur Überprüfung der ersten Hypothese, dass Eltern Sendungen für ihre Kinder auswählen, die sie in ihrer eigenen Kindheit selbst gern gesehen haben ... 66
5.2 Diskussion und Anregungen aus den Ergebnissen zur Überprüfung der zweiten Hypothese, dass Eltern, die früher gern die Sesamstraße gesehen haben, der Sendung gegenüber auch heute noch positiv eingestellt sind ... 70
5.3 Diskussion und Anregungen aus den Ergebnissen zur Überprüfung der dritten Hypothese, dass Eltern die alten Sesamstraßenfolgen, die sie aus ihrer Kindheit kennen, lieber mögen als die neuen aktuellen Folgen ... 73
6. Literaturverzeichnis ... 78
6.1 Literatur aus Büchern, Zeitungen und Zeitschriften ... 78
6.2 Literatur aus dem Internet ... 81
6.2.1 Internetquellen zu Forschungsangaben ... 81
6.2.2 Internetquellen zu Filmnennungen: ... 81
6.3 Filmmaterial ... 81
1. Einleitung
"Ach, was für Zeiten. Manchmal, wenn Pferd und Wolle artig und angestrengt gängige TV-Formate parodieren, wünschen wir uns etwas vom ruppigen Charme der Anfangsjahre zurück, von Krümelmonsters gierigem "Ich will Keeeeekse!", von Ernies und Berts nervtötenden Debatten und Oscars schepperndem Bekenntnis "Ich mag Müll!" Aber was wissen wir in die Jahre gekommenen Nostalgiker schon, die wir jetzt abends ab 18 Uhr immer auf die Wiederholungen der alten Filmchen hoffen - heute sind wir die Eltern." (Helge Hopp in der "Berliner Zeitung" vom 7. Januar 2003: "Ich will Keeeeekse!" Vor 30 Jahren war die "Sesamstraße" ein Aufruf zur Anarchie")
Sesamstraßen-Nostalgie: gibt es sie wirklich, wie dieser und die folgenden Zeitungsartikel nahe legen? Das soll in dieser Studie untersucht werden.
"Die "Sesamstraße" war auch ein Grund, mich besonders auf mein erstes eigenes Kind zu freuen. Denn so brauche ich keine Ersatzbefriedigung für Erwachsene wie "Emergency Room" oder "Sex and the City". Ich kann mit meinem Sohn einfach das Original ansehen. Naja, fast das Original. Im deutschen Viertel der "Sesamstraße" haben heute leider völlig unausstehliche Erwachsene ihre Isomatten ausgebreitet. Dann gibt es dort den Würstchen-gemästeten Samson, ein wandelndes Plädoyer für das Wiederaussetzen von Bären in den tiefsten Weiten Alaskas. Hinzu kommen die unerträglich naseweis-zickige Tiffi und Herr von Bödefeld, schlecht gespielte Handpuppen (....). Im amerikanischen Viertel gibt es dagegen außer Bob und Linda auch noch Herrn Huber mit seinem kleinen Geschäft an der Ecke und den legendären Oskar aus der Mülltonne. Dorthin sollte die "Sesamstraße" zurückziehen." (Jakob Hein in "Die Welt" vom 4. Januar 2003: "Pssst...Gebt ihm ein "S"!")
"So weit war das unsere gute alte "Sesamstraße", in der sich manche junge Eltern dennoch nicht mehr recht zu Hause fühlen können, weil sich seit ihrer eigenen Kindheit grundlegendes verändert hat." (Frank Olbert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2.April 2001: "Wieso? Weshalb? Warum? Wer fragt, bleibt manchmal dumm: Milosevic in der "Sesamstraße"")
Anlässlich der 2000. Sesamstraßensendung schreibt Meike Günzel am 13. Mai 2000 in "Die Welt": "(...) Eine lange Zeit. Lang genug jedenfalls, damit Oscar aus der Mülltonne in aller Ruhe sein Comeback vorbereiten kann. Denn nicht alles war früher schlechter."
Und schon 1976, gerade mal drei Jahre nach dem Start der Sesamstraße in Deutschland, als sich aber schon die ersten entscheidenden Veränderungen zugetragen hatten, zitiert die Frankfurter Rundschau die Bild-Zeitung mit den Worten "Wir wollen unsere gute alte Sesamstraße wiederhaben" und fügt hinzu: "Denn am meisten vermissen die (großen) Zuschauer das muntere Feuerwerk von Zahlen und Buchstaben, am heftigsten kritisieren sie den Mangel an Benimmregeln und Bastelanregungen. Bibo und Oscar fehlen ihnen außerdem, Bob, Susanne und Herr Huber (...)." (Heike Mundzeck: "Wieder einmal Wirbel um die Sesamstraße" in der Frankfurter Rundschau vom 5.März 1976)
Wie sieht es nun heute aus, im Jahr des 30. Geburtstages des Vorschulmagazins? Sind es immer noch bestimmte Figuren, die vermisst werden? Und wenn ja, welche? Wer oder was ist schuld an der Nostalgie, die, wie die Ausschnitte aus den Zeitungsartikeln zeigen, so manchen erwachsenen Fernsehzuschauer befällt, wenn er an die Sesamstraße seiner Kindheit denkt? Mögen Eltern, die früher gern die Sesamstraße gesehen haben, die Sendung heute grundsätzlich immer noch, obwohl sich so vieles geändert hat? Mögen sie wirklich die alten Folgen lieber oder handelt es sich bei den zitierten Journalisten und Autoren um Ausnahmeerscheinungen?
Mit der Befragung von 31 Eltern versucht diese Pilot-Studie auf dem Gebiet der Sesamstraßen-Nostalgie-Forschung diesen Fragen nachzugehen, um aufzuzeigen, ob und wie die Eltern der Vorschulkinder angesprochen werden können. In der Untersuchung wird davon ausgegangen, dass auf dem Weg über die Eltern die Beliebtheit der Sendung auch bei den Kindern erhöht werden kann.
Die Eltern füllten einen Internet-Fragebogen zu ihrer Person bzw. Familie, zu ihren Fernsehgewohnheiten, sowie zur alten und aktuellen Sesamstraße aus.
Nach einem Überblick zur Geschichte der Sesamstraße und den sie betreffenden Forschungsergebnissen folgt eine Übersicht dazu, warum überhaupt in dieser Studie davon ausgegangen wird, dass die Bedeutung der Eltern für den Erfolg der Sesamstraße nicht zu unterschätzen ist.
Der Methodenteil stellt die Vor- und Nachteile von Internetbefragungen dar, erläutert die Konstruktion und Auswertung des Fragebogens und beschreibt die Stichprobe. Die mit Hilfe des Fragebogens gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend dargestellt und diskutiert.
Ziel dieser explorativen Studie ist es, Anhaltspunkte für spätere Studien zu liefern, die mit repräsentativen Stichproben auf dem Gebiet der Sesamstraßen-Nostalgie-Forschung arbeiten wollen sowie den Redakteuren der Sesamstraße aufzuzeigen, ob und warum sie die Eltern ihrer Zielgruppe (nicht) erreichen.
2. Problemstellung
Die Sesamstraße ist eine Sendung für Drei- bis Sechsjährige1 und will zugleich die Eltern dieser Zielgruppe ansprechen2. Ob sie das auch schafft oder ob die Eltern, wie zahlreiche Zeitungsartikel3 nahe legen, der Sesamstraße ihrer Kindheit nachtrauern und der aktuellen Sesamstraße gar nicht so positiv gegenüber stehen, wird diese Arbeit untersuchen.
Die Sesamstraße wurde als prominentes Beispiel einer pädagogischen Kindersendung gewählt. Sie gilt, wie Charlton und Mitarbeiter (1975) feststellen, als Vorläufer für andere deutsche Serien zur Vorschulerziehung und hat es geschafft, sich seit 30 Jahren einen Platz im deutschen Fernsehen zu sichern.
Die praktische Verwertbarkeit der Untersuchung liegt somit darin, der Redaktion der Sesamstraße aufzuzeigen, ob und wie sie die Eltern ihrer Zielgruppe ansprechen kann. Durch den Weg über die Eltern könnte sie es schaffen, auch wieder mehr Kinder als Zuschauer zu gewinnen. Denn die Zahl der Kinder steigt, die um 18 Uhr den Kinderkanal einschalten und damit nicht mehr die Sesamstraße im Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunk (NDR) sehen. Nach einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung liegt der Marktanteil der Sendung für Kinder im Vorschulalter nur noch bei 3,6 Prozent (vgl. Eickmann, C. (15. Mai 2003)). Vor sieben Jahren hätten noch doppelt so viele Kinder Sesamstraße gesehen. Das führe dazu, dass die Sesamstraße künftig einen anderen Sendeplatz bekommt und nur noch um 7.30 Uhr statt um 18 Uhr im NDR zu sehen sein wird. Jedoch habe der Kinderkanal angeboten, mittags vier zusätzliche Sendetermine für die Serie zu schaffen: Die Chance, die Zuschauerquote wieder steigen zu lassen, besteht.
Nach einem Exkurs über Entstehungsgeschichte der Sesamstraße und ihre Ziele wird zunächst geklärt, wieso in dieser Arbeit davon ausgegangen wird, dass die Einstellung der Eltern zur Sesamstraße überhaupt eine Rolle spielt. Anschließend wird ein Überblick zu Forschungsergebnissen gegeben, die sich mit dem Zusammenhang von elterlichem und kindlichem Fernsehverhalten und Fernsehvorlieben beschäftigen.
[...]
1 Bents, I., Weiß, S. (2000): Sesamstraße. Pressemappe des Norddeutschen Rundfunk
2 So erklärt etwa Sesamstraßen-Redakteurin Anke Schmidt-Bratzel im Interview für die Sesamstraßen-Pressemappe (2003): „Die „Sesamstraße“ ist auch ein Familienformat. (.....) Bei Dirk Bach oder Marianne Sägebrecht haben wir bewusst nach Schauspielern gesucht, die auch für Erwachsene das Fantasievolle verkörpern.“ (Quelle: Möllmann, B., Bents, I., Weiß, S. (2003): 30 Jahre Sesamstraße. Pressemappe der Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen / Presse und Information)
3 vgl. Zitate im Einleitungsteil von Helge Hopp in der „Berliner Zeitung“ vom 7. Januar 2003, Jakob Hein in „Die Welt“ vom 4. Januar 2003, Frank Olbert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2.April 2001, Meike Günzel in „Die Welt“ am 13. Mai 2000
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