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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 24 Pages
Author: Manja Wiesner
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Institution/College: University of Potsdam (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Tags: Vereine, Produzenten, Kapitals, Vereine, Freiwillige, Vereinigungen, Dritten, Sektor
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23277-7
File size: 199 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
SS 2003
Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Allgemeine Soziologie
„Vereine als Freiwillige Vereinigungen im Dritten Sektor“
Vereine als (Re-) Produzenten sozialen Kapitals
Manja Wiesner
Inhalt
1 Einleitung 1
2 Sozialkapital 2
2.1 Begriffsbestimmung 2
2.2 Putnam’s Konzept 3
2.3 Bourdieu’s Konzept 6
2.4 Synopse der Konzepte 8
3 Vereine im Dritten Sektor 9
3.1 Das Modell des Dritten Sektors 9
3.2 Freiwillige Vereinigungen 10
4 Die Rolle von Vereinen bei der (Re-)Produktion von Sozialkapital 13
4.1 Rolle von Vereinen bei Putnam 13
4.2 Exkurs: Bürgerschaftliches Engagement 14
4.3 Rolle von Vereinen bei Bourdieu 15
4.4 Fazit: Bedeutung von Vereinen zur Bildung von sozialem Kapital 16
5 Fazit und kritische Anmerkungen 19
6 Literaturverzeichnis 21
1 Einleitung
Im Rahmen sozialwissenschaftlicher Auseinandersetzungen um Zivilgesellschaft bzw. Bürgergesellschaft ist das vorliegende Thema angesiedelt. In diesen Debatten werden Funktionen und Aufgaben von Vereinen zur Lösung gesellschaftspolitischer Problemlagen diskutiert. Diese Diskurse erstrecken sich von der Krise des Wohlfahrtsstaates über die Krise der Erwerbsgesellschaft bis hin zur Erosion des sozialen Zusammenhalts und der Krise der Demokratie. So bestehen z.B. Besorgnisse über das Ende des Sozialstaats, die Dominanz ökonomischer Prinzipien oder/und die fortschreitende Individualisierung und deren Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben.
Den Hintergrund der Ausführungen bildet der Komplex um den Verfall sozialen Zusammenhalts. Soziales Kapital gilt in diesen Diskursen als Mittel der Sozialintegration, um so soziale Beziehungen zu stärken und damit die Selbständigkeit und Eigenverantwortung der Bürger zu erhöhen. Vertreter der kritischen These sehen dagegen in den Debatten um Sozialkapital den „Ausdruck eines Gemenges aus politischen Erwartungen, mehr oder minder theoretisch gehaltvollen Gegenwartsdiagnosen und sozialwissenschaftlicher Forschung“1.
Als Teil einer Sphäre, die weder zu Staat, Markt oder der Privatsphäre zählt, sind Vereine den Organisationen der Zivilgesellschaft zuzuordnen. Vereinen kommt die Bedeutung zu, dass in ihnen soziales Kapital vorhanden und messbar ist. Aus diesem Grund soll das Verhältnis zwischen Sozialkapital und Vereinigungen näher betrachtet werden, wobei die zentrale Frage aufgeworfen wird, ob Vereinigungen soziales Kapital produzieren und reproduzieren.
An den Begriff „Sozialkapital“ soll sich durch zwei verschiedene Ansätze angenähert werden. Anschließend werden Vereine als Organisationen im Dritten Sektor verortet sowie die Differenzierung zu freiwilligen Vereinigungen dargelegt und definiert. In der Zusammenführung der Termini Sozialkapital und Vereinigung soll der Rolle von Vereinen in den beiden Konzepten von sozialem Kapital nachgegangen werden. Ein Exkurs zum bürgerschaftlichen Engagement soll dieses nicht nur definieren, sondern auch einen Einblick in den politisch motivierten Hintergrund der Diskussion um das Sozialkapital geben. Schließlich geht es um die Bedeutung, die Vereinigungen bei der Produktion und Reproduktion sozialen Kapitals erlangen.
2 Sozialkapital
2.1 Begriffsbestimmung
In der Forschung existieren eine Reihe von Interpretationen, Deutungen und Verwendungen des Begriffs „Sozialkapital“, die im Kontext unterschiedlicher theoretischer Ansätze und Forschungsdisziplinen stehen.
Aus historischer Perspektive läßt sich die erstmalige Verwendung des Terminus „Sozialkapital“ am Beginn des 20. Jahrhunderts verorten. Lydia Judson Hanifan prägte den Begriff zur Erklärung des Zusammenhangs zwischen Gemeinschaftsengagement und Demokratie.2
Mehrfach wurde seitdem der Terminus von diversen Forschern „unabhängig voneinander [...] wieder erfunden“3. So differenzieren sich die unterschiedlichen Dimensionen vor allem in politische, soziologische und ökonomische Konzepte, die jeweils verschiedene Aspekte des Begriffs in den Vordergrund rücken4. Meier beschreibt beispielsweise das allgemeine Ziel des Konzepts vom sozialen Kapital als „primäre Analyse der Funktionsvoraussetzungen von Systemen und Strukturen“5 und bezieht sich damit auf einen systemtheoretisch-strukturfunktionalen Ansatz.
Um sich dem Terminus „Sozialkapital“ zu nähern, muss auch die Debatte um das Wort „Kapital“ berücksichtigt werden. Der Kapitalbegriff definiert sich durch vier ökonomische Kriterien: Erstens ist dann von Kapital die Rede, wenn es einen Eigentümer mit juristischen Rechten gibt, der zweitens mit dem Kapital Erträge erzielen will. Drittens ist es möglich in dieses Kapital zu investieren, um die Erträge zu steigern. Viertens sinkt mit dem Ver-/Gebrauch des Kapitals dessen Wert (sog. Abschreibung)6. Die vier ökonomischen Bestimmungen sind nach Claus Offe bei sozialem Kapital nicht zutreffend. Es handelt sich daher bei dem Begriff „Sozialkapital“ um eine „irreführende Metapher“7. Wie Offe aufzeigt, gibt es keinen Eigentümer, keine Erträge, keine Investitionen und auch keine Abschreibung des Sozialkapitals. Der alleinige Grund der Verwendung des Kapitalbegriffs sei der Beitrag, den soziales Kapital für die kollektive Wohlfahrt leistet.
[....]
1 vgl. Braun, 2003a: 33
2 vgl. Putnam/Goss, 2001; vgl. Keupp, 2001
3 vgl. Putnam/Goss, 2001: 17
4 Zwei Aufsätze geben einen kurzen, aber prägnanten Überblick: Putnam/Goss, 2001; Herrmann-Pillath/Lies, 2001a
5 vgl. Meier, 1996: 12
6 vgl. Offe, 1999
77 vgl. Offe, 1999: 117
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