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Forcieren im Wahlkampf

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 19 Pages
Author: Florian Scharr
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Hauptseminar Alltagsrhetorik
Institution/College: University of Mannheim (Institut für Deutsche Sprache)
Tags: Forcieren, Wahlkampf, Hauptseminar, Alltagsrhetorik
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 19
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V1907
ISBN (E-book): 978-3-638-11171-3
ISBN (Book): 978-3-638-94502-8
File size: 186 KB
Notes :
Analyse des Forcierens in Wahlkampfveranstaltungen, gefolgt von einer anhand der gewonnenen Erkenntnisse formulierten Anleitung.279 KB


Abstract

Das Werk analysiert die rhetorische Technik des "Forcierens", frei übersetzt das Lächerlichmachen bzw Erniedrigen des Diskussionsgegners, ohne daß man dabei vom Zuschauer als Bösewicht wahrgenommen wird. Eine Fülle genialer Fallstudien von Kommunikationsprofis aus politischer Bundesebene und daraus abgeleitete Regeln und Erfolgsfaktoren sind äußerst interessant für jeden von uns, der sich in beruflichen oder privaten Diskussionen durchsetzen muß.


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim
WS 1999/2000
Hauptseminar (Sprachwissenschaft)

Alltagsrhetorik

Forcieren im Wahlkamp

Germanistik / Anglistik / Politik (M.A.)
5. / 2. / 4. Fachsemester

von 

Florian Scharr

 

 

GLIEDERUNG

I. EINLEITUNG 3

II. FORCIEREN - EINE DEFINITION 4
II. I. DIE NORMALKONVENTION 5
II.II. FORCIEREN - DIE "HÄRTERE GANGART" 6
II.III WIE KOMMT FORCIEREN ZUSTANDE? 7

III. IDEAL FORCIEREN IM WAHLKAMPF 8
- EINE ANLEITUNG 8
III.I. GRUNDREGELN 9
III. II. FORCIERENDE TECHNIKEN IM POLITISCHEN STREITGESPRÄCH 10
III.III. REAKTIONEN AUF GEGNERISCHES FORCIEREN 15

IV. NACHWORT 18

LITERATURANGABE

 

 

I. EINLEITUNG

Die Analyse von Politik benötigt relativ viel Zeit und bringt relativ wenig Nutzen - der gewöhnliche Bürger muß sich um Arbeit, Freunde, Familie, Steuerabrechnungen uvm. kümmern und benötigt nebenbei auch noch Zeit für Sport, Hobbys und soziale Engagements; er hat dementsprechend vielleicht gerade mal die Zeit, sich im Autoradio die Fünf-Minuten-Nachrichten anzuhören.

Der normale Bürger entscheidet anhand der Informationsstücke, die ihm zufallen, welche politische Alternative ihm am besten zusagen würde. Solche Informationsstücke können Wahlkampfauftritte sein, denen meist erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wird, da das Interesse des Volkes an Politik durch die anstehende Wahlentscheidung sensibilisiert wird - und meist auch, weil sie bisweilen unterhaltsame oder gar kabarettreife Elemente enthalten.

Also sind die Auftritte eines politischen Kandidaten im Wahlkampf von extremer Wichtigkeit. Da der Kandidat oft "neu" im Licht der Öffentlichkeit steht, kann er auch meist nur aufgrund dieser Auftritte beurteilt werden. Also haben solche Informationen einen überwältigenden Effekt auf die Beurteilung des Charakters des Politikers durch die Wähler. Ein guter Auftritt eines Kandidaten, den der Bürger abends beim Durchschalten durch die Fernsehkanäle mitbekommt, kann bereits wahlentscheidend sein.

Meine Hausarbeit bezieht sich auf einen bestimmten Aspekt des Wahlkampfes, nämlich das öffentliche Streitgespräch mit einem politischen Gegner.
Noch genauer gesagt: diese Hausarbeit soll eine Anleitung des Forcierens im öffentlichen Streitgespräch im Wahlkampf werden.
Ein Kandidat will im politischen Streitgespräch das Publikum, die Wähler, auf seine Seite ziehen, von der Richtigkeit seiner Person und / oder seiner Argumente zu überzeugen.

Eine Methode dazu ist, den politischen Gegner in seinem Ansehen und in dem Vertrauen in seine politische Fähigkeiten zu demontieren - allerdings ohne dabei selbst vom Zuschauer als Aggressor beurteilt zu werden. Ein offen aggressiver Sprecher läuft Gefahr, vom Publikum als Querulant oder unseriöser Störenfried angesehen zu werden.

Diese Hausarbeit behandelt das Forcieren im politischen Streitgespräch - aber nicht hin zu einem brachialen "Pressing", sondern zu einer unterschwellig forcierenden Rhetorik innerhalb des feinfühligen Bereiches, der uns in unserer heutigen Gesellschaft nützen und weiterbringen kann.

II. FORCIEREN - EINE DEFINITION

Der Begriff “Forcieren” meint “Gesprächsaktivitäten eingeschränkter Kooperativität”1, wie sie in vielen Kommunikationssituationen - z.B. in strittigen Diskussionen - geradezu die Normalform darstellen. Forcierende Aktivitäten laufen zumeist darauf hinaus, die eigenen Möglichkeiten zu erweitern und fremde zu verringern. Forcierende Kooperationsformen sind also als Aktionen zu bestimmen, die gegen die Unterstellung von Gemeinsamkeiten gerichtet sind. Denn Forcieren bedeutet, daß die Sprecher jeweils eigene Möglichkeiten auf Kosten des anderen ausnutzen und dessen Spielräume beschneiden, was klar als egoistisch zu verstehen ist: es dient dazu, die Beteiligungsbedingungen für die eigene Seite günstiger und für die andere Seite ungünstiger zu gestalten. Es ist ein Eingriff in das eigenständige Handeln des Adressaten und hat insofern Aspekte von Entmündigung. Im Kern ist das Ziel, das durch forcierende Aktivitäten erreicht werden soll, also eine gesteigerte Selbstbestimmung des Sprechers bei gleichzeitig dazu gesteigerter Fremdbestimmung des anderen.
Wer forcierende Aktivitäten anwendet, verletzt also die Regeln des Miteinanders, die sogenannte “Normalkonvention”.
Um uns mit diesem Thema genauer beschäftigen zu können, müssen wir diese Regeln zunächst einmal definieren:

[...]


1 = Kallmeyer / Schmitt 1996, S.20

 


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