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Lobbyismus im politischen Prozess der USA - Voraussetzungen, Methoden und Einfluss

Termpaper, 2003, 21 Pages
Author: Anne Thoma
Subject: Politics - International Politics - Region: USA

Details

Event: Vergleichende Analyse ausländischer politischer Systeme: Einführung in das politische System der USA
Institution/College: University of Tubingen (Politikwissenschaft)
Tags: Lobbyismus, Prozess, Voraussetzungen, Methoden, Einfluss, Vergleichende, Analyse, Systeme, Einführung, System
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 21
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V19095
ISBN (E-book): 978-3-638-23304-0
ISBN (Book): 978-3-638-85497-9
File size: 228 KB

Abstract

"Lobbyism has always played a necessary part in our democratic form of representative government. In effect it is the institutionalization of the people′s constitutional right to petition their government" (Sieper 1975, 125). Diese Aussage stammt aus einem Bericht des amerikanischen Senate Foreign Relations Committee von 1964. Darin spiegelt sich die positive Sichtweise der Teilnahme von Interessengruppen am politischen Prozess wider. In den USA wird diese also nicht nur als legal angesehen, sondern sie ist auch erwünscht. Anders in der BRD. Dort definiert sich Lobbyismus als "Versuch, Abgeordnete, Regierungs- oder Verwaltungsbeamte durch Information, Überzeugungsarbeit oder Gefälligkeiten im eigenen Interesse zu beeinflussen" (Nohlen 2001, 267). Die negative Konnotation des Begriffs liegt im Korporatismus begründet, der Interessengruppen anders als in den USA formell in den politischen Prozess einbindet und den Begriff "Lobbyist" für den reserviert, der um eine Beeinflussung der Politik ohne die institutionalisierte "Kooperation von Kapital, Arbeit und Staat" bemüht ist (Adams et al. 1992, 506). In dieser Hausarbeit werde ich der Frage nachgehen, welche Methoden des Lobbyismus US-amerikanischer Verbände anwenden und welches Maß an Einfluss sie dadurch auf den politischen Prozess ausüben. Dabei werde ich zunächst auf die Struktur der Verbände, ihre Adressaten und rechtliche Einbindung im Vergleich zu Deutschland eingehen, um auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Interessengruppen in einer pluralistischen Präsidial-Demokratie wie den USA hinzuweisen. Nach einer allgemeinen Beschreibung der Methoden des amerikanischen Lobbyismus werde ich an zwei Fallbeispielen (AIPAC, Öl-Lobby) die Einflussreichweite einiger Lobbyisten aufzeigen und das Ergebnis mit den Einschätzungen zweier Politologen vergleichen. Dabei werde ich zu dem Schluss kommen, dass der politische Prozess nicht von einer "tyranny of minorities" beherrscht wird, wie Hans O. Staubs Buch mit gleichnamigem Titel suggeriert (Hrebenar 1982, 259). Vielmehr möchte ich mich Lester W. Milbrath anschließen, der - abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen - den Einfluss der Lobbys für gering hält: "There are many forces in addition to lobbying which influence public policy; in most cases these other forces clearly outweigh the impact of lobbying" (Milbrath 1970, 428).


Excerpt (computer-generated)

Lobbyismus im politischen Prozess der USA -
Voraussetzungen, Methoden und Einfluss




von: Anne Thoma

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung S. 3

2 Untersuchung: Lobbyismus im politischen Prozess der USA - Voraussetzungen, Methoden und Einfluss S. 4

2.1 Die US-Verbände - ein Vergleich mit der BRD S. 4

2.1.1 Die Organisation der Verbände S. 4
2.1.2 Die Adressaten der Verbände S. 4
2.1.3 Die Rechtliche Einbindung der Verbände S. 6

2.2 Die Methoden des amerikanischen Lobbyismus S. 7

2.2.1 Die Ziele der Verbände S. 7
2.2.2 Die Beeinflussung der Legislative S. 8
2.2.3 Die Beeinflussung der Exekutive S. 10
2.2.4 Die Beeinflussung der Judikative S. 10

2.3 Der Einfluss des amerikanischen Lobbyismus auf den politischen Prozess S. 11

2.3.1 Die Interessengruppen im Gesamtbild S. 11
2.3.2 Der Einfluss der Lobbyisten aus der Sicht der Abgeordneten S. 12
2.3.3 Der Einfluss der Lobbyisten aus der Sicht zweier Politologen / Illustration mit Fallbeispielen S. 13

3 Zusammenfassung S. 18

4 Literaturverzeichnis S. 20









 

1 Einleitung

"Lobbyism has always played a necessary part in our democratic form of representative government. In effect it is the institutionalization of the people′s constitutional right to petition their government" (Sieper 1975, 125). Diese Aussage stammt aus einem Bericht des amerikanischen Senate Foreign Relations Committee von 1964. Darin spiegelt sich die positive Sichtweise der Teilnahme von Interessengruppen am politischen Prozess wider. In den USA wird diese also nicht nur als legal angesehen, sondern sie ist auch erwünscht. Anders in der BRD. Dort definiert sich Lobbyismus als "Versuch, Abgeordnete, Regierungs- oder Verwaltungsbeamte durch Information, Überzeugungsarbeit oder Gefälligkeiten im eigenen Interesse zu beeinflussen" (Nohlen 2001, 267). Die negative Konnotation des Begriffs liegt im Korporatismus begründet, der Interessengruppen anders als in den USA formell in den politischen Prozess einbindet und den Begriff "Lobbyist" für den reserviert, der um eine Beeinflussung der Politik ohne die institutionalisierte "Kooperation von Kapital, Arbeit und Staat" bemüht ist (Adams et al. 1992, 506).

In dieser Hausarbeit werde ich der Frage nachgehen, welche Methoden des Lobbyismus US-amerikanischer Verbände anwenden und welches Maß an Einfluss sie dadurch auf den politischen Prozess ausüben. Dabei werde ich zunächst auf die Struktur der Verbände, ihre Adressaten und rechtliche Einbindung im Vergleich zu Deutschland eingehen, um auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Interessengruppen in einer pluralistischen Präsidial-Demokratie wie den USA hinzuweisen. Nach einer allgemeinen Beschreibung der Methoden des amerikanischen Lobbyismus werde ich an zwei Fallbeispielen (AIPAC, Öl-Lobby) die Einflussreichweite einiger Lobbyisten aufzeigen und das Ergebnis mit den Einschätzungen zweier Politologen vergleichen. Dabei werde ich zu dem Schluss kommen, dass der politische Prozess nicht von einer "tyranny of minorities" beherrscht wird, wie Hans O. Staubs Buch mit gleichnamigem Titel suggeriert (Hrebenar 1982, 259). Vielmehr möchte ich mich Lester W. Milbrath anschließen, der - abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen - den Einfluss der Lobbys für gering hält: "There are many forces in addition to lobbying which influence public policy; in most cases these other forces clearly outweigh the impact of lobbying" (Milbrath 1970, 428). 2 Untersuchung: Lobbyismus im politischen Prozess der USA - Methoden und Einfluss

2.1 Die US-Verbände - ein Vergleich mit der BRD

2.1.1 Die Organisation der Verbände

Die Zahl und Vielfalt amerikanischer Verbände sind höher, als es in Deutschland der Fall ist. Daraus folgt jedoch nicht, dass die gesamtstaatlichen Entscheidungsträger einer Massenbelagerung ausgesetzt sind. Dies liegt an der Struktur der Verbände: Sie sind dezentral organisiert, regional, lokal oder in einzel- oder zwischenstaatlichen Bündnissen verwurzelt und deshalb auf Bundesebene nicht unbedingt schlagkräftig (Filzmaier/Plasser 1997, 223). Beispielsweise gibt es unter den Verbänden von Kapital und Arbeit keine allumfassenden Arbeitnehmer - und Arbeitgebervereinigungen wie in Deutschland. "Vielmehr vertreten Großkorporationen ihr Interesse häufig direkt [ohne Zusammenarbeit untereinander] und ohne Zuhilfenahme von Verbänden. Unternehmer einer Branche sind in trade unions zusammengeschlossen" (Wersich 1995, 441). Nur 15 Prozent der abhängig Beschäftigten lassen sich durch Gewerkschaften vertreten (Borst et al. 2003, 46). Daraus wird ersichtlich, dass es in den USA keinen Korporatismus gibt. Dies führt notwendigerweise zu einer anderen Auffassung des Lobbyismus. Ein Lobbyist im amerikanischen Sinne ist meist nicht

der Verbandsvertreter, der die von seinem Verband vertretenen Interessen einem Abgeordneten oder Ministerialbeamten gegenüber (...) vorträgt. Amerikanische Lobbyisten sind vielmehr (...) solche Personen, die sich am Sitz der Legislative niedergelassen haben und professionell die Verabschiedung oder Bekämpfung von Gesetzesvorlagen beeinflussen wollen. (...) Lobbying ist also ein ‚Job′ (Saipa 1971, 79).

Um ihre Interessen trotz fehlender formeller Einbindung in den politischen Prozess artikulieren zu können, müssen die für die Verbände tätigen Berufslobbyisten folglich eine offensivere Form des Lobbyismus wählen (Filzmaier/Plasser 1997, 222). Wie diese genau aussehen, werde ich unter 2.2 erläutern.

2.1.2 Die Adressaten der Verbände

[...]


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