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Termpaper, 2001, 27 Pages
Author: Götz Kolle
Subject: History - Non-German
Details
Institution/College: Technical University of Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften)
Tags: Palaestinenser, Palaestinensische Identitaet, Palaestinensischer Nationalismus, Geschichte Israel/ Palaestina, Kollektive Identitäten, Palaestinensisches Volk, Identität, Ethniziät, Ethnie, Volk, palästinensisches, Palästinenser, arabische, Israel, Westbank, Gaza Streifen, Besetzte Gebiete, Araber, Osmanisches Reich, Geschichte, Nationalismus, arabischer Nationalismus, PLO, Arafat, besetzte Gebiete, zionismus, Zionismus, Nahostkonflikt, Konflikt, Konfliktlinien, historische, historisch, Mittlerer Osten, Jordanien, Identitätsbildung
Year: 2001
Pages: 27
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 25 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11188-1
ISBN (Book): 978-3-638-68372-2
File size: 138 KB
Darstellung ueber die Entstehung eines kollektiven Verstaendnisses als Volk der Paleastinenser und eines palaestinensischen Nationalismus vom Osmanischen Reich bis zur ersten Intifada. Mit kurzer Einfuehrung in die theorie von Identitaet, Ethnizitaet und Nationalitaet.212 KB
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Abstract
In meiner Arbeit möchte ich den Versuch unternehmen die Entstehung und Entwicklung einer kollektiven Identität, die Genese einer Wir-Gruppe, die sich als Palästinenser oder palästinensisches Volk bezeichnen, bzw. von außen als solche benannt werden, nachzuzeichnen. Ich werde die Grundlagen, Faktoren und Mechanismen aufzeigen, die zu der Ausformung einer spezifisch palästinensischen Identität, in Abgrenzung zu konkurrierenden Identitätssystemen, geführt hat und darstellen, wie diese mit der Entstehung einer nationalen Identität korrelierte. Meine These geht davon aus, daß sowohl das Selbstverständnis als Volk der Palästinenser, als auch die darauf aufbauende Vorstellung einer palästinensischen Nation relativ neue "Erfindungen", bzw. Konstruktionen sind. Diese Identitäts-Konstruktionen sind allerdings keine freischwebenden Ideen, sondern sie beruhen auf der gemeinsamen Tradition einer Gruppe von Menschen mit ähnlicher Vergangenheit und kollektiver Erinnerung, die jedoch immer in unterschiedlicher Weise interpretiert wurde. Die Bevölkerung auf dem Gebiet des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina hat, so meine Argumentation, eine Reihe von Identitäts-formationen durchlaufen, die jeweils im historischen, sozialen und politischen Kontext oder aber auch in Konkurrenz mit anderen "befreundeten" oder "fremden" Identitäten standen. In diesem Zusammenhang wird auch die oftmals überinterpretierte Rolle des Zionismus bei der Identitätsbildung der Palästinenser zu hinterfragen sein. Meine Darstellung wird versuchen einen historisch-deskriptiven Stil mit soziologischen Interpretationsansätzen zu verknüpfen, denn nur so können imaginäre soziologische Konstrukte wie Identität, Volk oder Nation (denen aber durch ihre Wirksamkeit ein gewisser Realitätscharakter zukommt) historisch nachvollzogen und begründet werden. Deshalb beginne ich meine Arbeit mit der zugrundeliegenden soziologischen Theorie, um dann die einzelnen Perioden der Geschichte des Nahen Ostens vom Ende des Osmanischen Reiches bis zur Intifada 1987 auf der Suche nach der palästinensischen Identitätsbildung darzustellen.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
Institut für Geschichtswissenschaften
Hausarbeit zum Thema:
Historische Bedingungsfaktoren der Palästinensischen Identität
von
Goetz Kolle
Juli 2001
Gliederung
1 Einleitung ... 2
2 Volk - Nation - Identität - Theoretische Vorüberlegungen ... 4
2.1 Volk ... 4
2.2 Nation ... 5
2.3 Identität ... 6
3 Historische Untersuchung ... 7
3.1 Wandlungen im Osmanischen Reich (1850-1914) ... 7
3.1.1 Die heilige Einheit der Araber ... 8
3.1.2 Ideologien und Identitäten im Angesicht des Zionismus ... 9
3.1.3 Die heilige Vorstellung von Palästina ... 10
3.2 Großsyrisches Zwischenspiel (1914-1920) ... 12
3.3 Die britische Mandatszeit und die Nationalbewegung (1920-1947) ... 12
3.3.1 Die Palästinensische Gesellschaft ... 13
3.3.2 Die palästinensisch aristokratische Nationalbewegung ... 14
3.3.3 Die Entstehungsfaktoren eines palästinensischen Nationalismus ... 16
3.4 Die Auswirkungen der Nakba (1948-1967) ... 18
3.5 Identitäten in der Palästinensischen Diaspora (1948-1967) ... 20
3.5.1 Die Flüchtlinge ... 20
3.5.2 Westbank und Gaza-Streifen ... 21
3.5.3 Die Palästinenser in Israel ... 22
3.6 Die PLO und die palästinensische Identität (1967-1987) ... 23
4 Resümee ... 24
1 Einleitung
Oktober 2000, das Palästinensische Volk steht auf zur zweiten Volksrevolte gegen die israelische Besatzung. Von Gaza bis Nazareth, von Hebron bis in die Flüchtlingslager im Libanon erschallt einmütig die Forderung nach einem unabhängigen palästinensischen Nationalstaat. Historisch gesehen hat hier eine beachtliche Entwicklung stattgefunden, denn vor nur 85 Jahren gab es weder ein als Palästina definiertes Gebiet, noch ein palästinensisches Volk. An die Vorstellung eines palästinensischen Nationalstaates war deshalb in keinster Weise zu denken. Was war in diesem kurzen Zeitraum, der dem eines Menschenlebens entspricht geschehen? Kann ein Volk in einer nur so kurzen Zeitspanne geboren werden?
In meiner Arbeit möchte ich den Versuch unternehmen die Entstehung und Entwicklung einer kollektiven Identität, die Genese einer Wir-Gruppe, die sich als Palästinenser oder palästinensisches Volk bezeichnen, bzw. von außen als solche benannt werden, nachzuzeichnen. Ich werde die Grundlagen, Faktoren und Mechanismen aufzeigen, die zu der Ausformung einer spezifisch palästinensischen Identität, in Abgrenzung zu konkurrierenden Identitätssystemen, geführt hat und darstellen, wie diese mit der Entstehung einer nationalen Identität korrelierte.
Meine These geht davon aus, daß sowohl das Selbstverständnis als Volk der Palästinenser, als auch die darauf aufbauende Vorstellung einer palästinensischen Nation relativ neue "Erfindungen", bzw. Konstruktionen sind. Diese Identitäts-Konstruktionen sind allerdings keine freischwebenden Ideen, sondern sie beruhen auf der gemeinsamen Tradition einer Gruppe von Menschen mit ähnlicher Vergangenheit und kollektiver Erinnerung, die jedoch immer in unterschiedlicher Weise interpretiert wurde. Die Bevölkerung auf dem Gebiet des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina hat, so meine Argumentation, eine Reihe von Identitäts-formationen durchlaufen, die jeweils im historischen, sozialen und politischen Kontext oder aber auch in Konkurrenz mit anderen "befreundeten" oder "fremden" Identitäten standen. In diesem Zusammenhang wird auch die oftmals überinterpretierte Rolle des Zionismus bei der Identitätsbildung der Palästinenser zu hinterfragen sein.
Die Frage nach der Identitätskonstruktion eines Volkes ist ein vergleichsweise junger Forschungsansatz. Während zahlreiche Arbeiten zur palästinensischen Nationsbildung entstanden (Büren1, Sharaf`2, Mulish3), wurde die Identitätsfrage oft nur am Rande berührt. Erst Helga Baumgarten4 untersucht die Nationalbewegung im Hinblick auf identitätsstiftende Momente. Nach der Intifada erscheinen dann Arbeiten, die sich konkret mit den Wurzeln und Faktoren der palästinensischen Identitätsbildung beschäftigen: Greenstein (im Vergleich zu anderen Identitätsbildungen),5 Khalidi gründlich-historisch ( und als besonders bahnbrechend hervorzuheben),6 Ortlieb sehr theoriebezogen,7 und Kimmerling aktuell und mit Schwerpunkt auf die sozio-ökonomischen Voraussetzungen.8
Meine Darstellung wird versuchen einen historisch-deskriptiven Stil mit soziologischen Interpretationsansätzen zu verknüpfen, denn nur so können imaginäre soziologische Konstrukte wie Identität, Volk oder Nation (denen aber durch ihre Wirksamkeit ein gewisser Realitätscharakter zukommt) historisch nachvollzogen und begründet werden. Deshalb beginne ich meine Arbeit mit der zugrundeliegenden soziologischen Theorie, um dann die einzelnen Perioden der Geschichte des Nahen Ostens vom Ende des Osmanischen Reiches bis zur Intifada 1987 auf der Suche nach der palästinensischen Identitätsbildung darzustellen.
2 Volk - Nation - Identität - Theoretische Vorüberlegungen
Die Erforschung identitätsbildender Prozesse, die Suche nach historischen Komponenten die letztlich dazu geführt haben daß ein Volk als ein Volk erscheint setzt natürlich voraus, daß Begriffe wie Ethnie, Volk und Nation keine ursprünglich gegebenen Bindungen bezeichnen, sondern historisch bedingte Konstrukte mit Prozeßcharakter sind. Dadurch, daß man also bei einem Volk nicht unbedingt eine gemeinsame Herkunft und Kultur postuliert, sondern allein der Glaube an eine gemeinsame Herkunft betont wird, unterscheiden sich neuere Definitionen von Volk gravierend vom klassischen Ethnos-Begriff des Primordialismus.9
[...]
1 Büren, Rainer, Ein palästinensischer Teilstaat? Zur internen, regionalen und internationalen Dimension der Palästinafrage, Baden Baden 1982.
2 Shamil Sharaf, Die Palästinenser. Geschichte der Entstehung eines nationalen Bewußtseins, Wien 1982.
3 Mulish, Muhammad Y., The Origins of Palestinian Nationalism, New York 1988.
4 Baumgarten, Helga, Palästina, Befreiung in den Staat. Die palästinensische Nationalbewegung seit 1948, Baden Baden 1991.
5 Greenstein, Ran, Genalogies of Conflict. Class, Identity, and State in Palestine/ Israel and South Africa, Hannover, London 1995.
6 Khalidi, Rashid, Palestinian identity. The Construction of Modern National Consciousness, New York 1997.
7 Ortlieb, Sylvia, Palästinensische Identität und Ethnizität. Genese und Entwicklung des Selbstverständnisses der Palästinenser, Köln 1995.
8 Kimmerling, Baruch, Zur Entwicklung palästinensischer kollektiver Identitäten, Berliner Debatte Initial 12/ 2, 2001. S. 47-60.
9 Wichtige Gründungsväter des Primordialismus sind z.B. Shils, Edward, Primordial, Personal, Sacred and Civiel Ties, in: The British Journal of Sociology, Vol.8, No.2, 1957, S. 130-145 und Geertz, Clifford (Hrsg.), Old Societies and New States, New York 1963.
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