Zeit und Zeitrechnung im Umfeld der 'Karolingischen Renaissance'

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Details

Titel: Zeit und Zeitrechnung im Umfeld der 'Karolingischen Renaissance'
Autor: Björn Schreier
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Veranstaltung: Hauptseminar zur Mittelalterlichen Geschichte: Zeitmessung und Zeitverständnis im Mittelalter
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Historisches Seminar)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 281 KB
Archivnummer: V19347
ISBN (E-Book): 978-3-638-23492-4

Textauszug (computergeneriert)

Zeit und Zeitrechnung
im Umfeld der „Karolingischen Renaissance“

 



Vorgelegt von Björn Schreier

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung 2

II Astronomie und Zeitrechnung im Kontext der „Karolingischen Renaissance“ 3

1. Begriffliche Probleme: „Renaissance“ oder „Correctio“? 3
2. Die Bildungsinhalte der „Karolingischen Renaissance“ 4
3. Zeitrechnung im historischen Überblick 5

III Der komputistische und astronomische Gedankenaustausch zwischen Karl dem Großen und Alkuin 6

1. Alkuin als geistiger Ratgeber am Karlshof 6
2. Der Briefwechsel zwischen Alkuin und Karl 7
3. Die Rolle der Zahl 6 bei Alkuin und Karl 8

IV Karls Bedeutung für Zeitrechnung und Zeitordnung 9

1. Die Einführung fränkischer Monatsnamen als Teil der correctio 9
2. Karls Rolle in der Heilsgeschichte 11
3. Die Admonitio generalis als Anlass für die Schaffung eines Reichskalenders 12

V Die Schaffung des Karolingischen Reichskalenders 13

1. Das Problem der Kalendergattung 14
2. Vorlagen und Entstehung des Lorscher Kalenders von 789 15
3. Der Aufbau des Kalenders: Kern- und Rahmentexte 15
4. Die Überlieferung des Kalenders 17
5. Die Zugabe des Mondzykluskalenders 17
6. Die weitere Entwicklung 18

VI Schlussbetrachtung 19

Quellen- und Literaturverzeichnis 20

 

 

 

 


I Einleitung

Für die geistigen Reformbewegungen zur Zeit Karls des Großen gibt es viele Bezeichnungen, unter denen der der „Karolingischen Renaissance“ der geläufigste ist. Neben dem Wiederaufleben der sieben Artes liberales mit Trivium und Quadrivium im allgemeinen spielt in diesem Zusammenhang insbesondere die Astronomie und die Zeitrechnung (computus) eine zentrale Rolle, da sowohl Karl der Große als auch sein wichtigster Hofgelehrter Alkuin ein starkes Interesse für diese Thematik besaßen, ein Interesse, das sich schließlich in der Schaffung eines einheitlichen Reichskalenders widerspiegelt. Ziel ist es nun nachzugehen, in welchem Kontext das nach FRIED „eigentümlichste und großartigste Opus“, das durch Karls Wirkung zustande kam, 1 geschaffen wurde und inwieweit es einen Bezug zu den als Karolingische Renaissance oder correctio bezeichneten geistigen Strömungen hat.

II Astronomie und Zeitrechnung im Kontext der „Karolingischen Renaissance“

1. Begriffliche Probleme: „Renaissance“ oder „Correctio“?

Unter dem Begriff „Karolingische Renaissance“ werden geistige Strömungen mit dem Ziel der Erneuerung und Förderung der sich seit der Merowingerzeit im Niedergang befindenden Künste und Wissenschaften zusammengefasst. Auf Anregung Karls des Großen, der als fränkischer König (ab 768) bzw. Kaiser (800-814) eine zentrale Stellung in der Karolingischen Renaissance einnahm, wurde bewusst auf die Werke der heidnischen und christlichen Antike (wie z.B. von Cicero und Plinius dem Älteren) zurückgegriffen, um ein gemeinsames geistiges Ideal für die kulturell tragende Schicht zu schaffen. Neben der Einsicht eines Zusammenhangs zwischen einer Bildungsreform und der Förderung der christlichen Kirche, die Karl als seine Herrscherpflicht ansah, stellte aber auch der persönliche Bezug des an der Hofschule ausgebildeten Königs zur Bildung eine wesentliche Grundlage für seine Bemühungen dar.2 Selbst der bedeutendste der an seinen Hof berufenen Gelehrten, Alkuin, bescheinigte ihm seine Liebe zur „sapientia, quae beatos aeternos efficiet dies“.3 In einem Loblied auf Karl sah der Dichter Modoin im Aachen Karls des Großen gar die Wiedergeburt des antiken Roms, indem er schreibt: „Aurea Roma iterum renovata renascitur orbi“ (Ecloga I, 27).4

Ein solcher noch zu Lebzeiten Karls erfolgter Rückgriff auf die römische Antike, dazu noch unter der Verwendung des Verbes renasci, motiviert Historiker wie Frederic James Edward RABY und Wilhelm LEVISON sicherlich zu der Anwendung der von Jacob BURCKHARDT eingeführten Bezeichnung „Renaissance“ auch auf die Karolingerzeit. Aufgrund der von Karl betriebenen Ersetzung der lateinischen Monatsnamen durch fränkische, einem Aufschwung der volkssprachlichen Literatur und der christlichen Ablehnung des antiken Heidentums ist aber zu fra- gen, ob sich die angestrebte Wiederherstellung des früheren Zustandes nicht v.a. auf den politischen (z.B. Wiederherstellung des römischen Kaisertums), nicht jedoch auf den kulturell-religiösen Bereich bezog. So stellt SCHRAMM der dem Begriff Renaissance ähnlichen Bezeichnung renovatio (für die politischen Ideen der Zeit) die Bezeichnung correctio (für kulturelle Tendenzen) gegenüber – gemäß dem Vorrang des Richtigen vor dem Alten, so dass nur die für ‚richtig‘ befundenen Elemente der Antike übernommen werden, mit dem Christentum unvereinbare Werte aber missbilligt werden. 5 Neben „Karolingische Renaissance“ und „correctio“ treten in der Literatur noch weitere Ausdrücke auf: „Karolingische Bildungsreform“ (Josef FLECKENSTEIN) bzw. „Bildungserneuerung“ (Karl HAUCK u. a.), „Essor Carolingien“ (Erna PATZELT), „Carolingian Revival“ (Richard KRAUTHEIMER).6

2. Die Bildungsinhalte der „Karolingischen Renaissance“

[...]


1 Johannes FRIED, Karl der Große, die Artes liberales und die karolingische Renaissance, in: BUTZER, Paul Leo / KERNER, Max / OBERSCHELP, Walter (Hgg.): Karl der Große und sein Nachwirken. 1200 Jahre Kultur und Wissenschaft in Europa, Bd. 1, Turnhout 1997, S. 31.
2 Josef FLECKENSTEIN, Die Bildungsreform Karls des Großen als Verwirklichung der norma rectitudinis, Freiburg 1953, S. 17f.
3 Epistolae Karolini aevi, Bd. 2 (hg. von Ernst DÜMMLER u.a.), Berlin 1895, ND 1974 (MGH Epist. 4), Nr. 229, S. 373.
4 Poetae Latini aevi Carolini, Bd. I (hg. von Ernst DÜMMLER), Berlin 1881 (MGH Poet. Lat. 1), S. 385, V. 25ff.
5 Percy Ernst SCHRAMM, Kaiser, Könige und Päpste. Gesammelte Aufsätze zur Geschichte des Mittelalters, Bd. 1, Stuttgart 1968, S. 27f, 338f.; Josef FLECKENSTEIN, Artikel Bildungsreform Karls des Großen, in: LexMA, Bd. 2, München 1983, Sp. 187. Vgl. auch den Brief Papst Zacharias‘, nach dem sich die Bildungsreform am christlichen Wertsystem und nicht an der Geschichte richten soll: Die Briefe des heiligen Bonifatius und Lullus (hg. von Michael TANGL), Berlin 1916 (MGH Epist. sel. 1), Nr. 58, S. 108.
6 Zusammengestellt bei Fleckenstein, Artikel Bildungsreform, Sp. 187.

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