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Die Gestalt der Rosa Fröhlich in Heinrich Manns Professor Unrat

Scholary Paper (Seminar), 2001, 31 Pages
Author: Marcel Egbers
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 31
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V19404
ISBN (E-book): 978-3-638-23544-0

File size: 310 KB
Notes :
Dieser Roman Heinrich Manns ist geprägt von Charakteren, die Gegensätze in sich verweinen. Die vorliegende Arbeit hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, diese Ambivalenz nicht anhand des titelgebenden Gymnasiastenschrecks „Professor Unrat“ zu beleuchten, sondern richtet ihr Augenmerk auf den WEIBLICHEN Hauptcharakter: Rosa Fröhlich. Dabei wird vor allem auf den Widerspruch der Figur eingegangen, einerseits gewiefte Manipulatorin zu sein, andererseits Liebe und Mitgefühl für ihre Umwelt zu empfinden.



Excerpt (computer-generated)

Die Gestalt der Rosa Fröhlich in
Heinrich Manns Professor Unrat

 

 

Verfasser: Marcel Egbers

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung Seite 3

II. Die Außenwelt: Milieu, Erscheinung und Auftreten der Rosa Fröhlich

2.1. Milieu und Status Seite 5
2.2. Erscheinung und Auftreten Seite 8

III. Rosa Fröhlich: Manipulativer Misanthrop oder gefühlvolle Märtyrerin?

3.1. Die menschenverachtende Manipulatorin Seite 14
3.2. Die berechnende Verführerin Seite 18
3.3 Die emotionale, fürsorgliche Seite Rosas Seite 21

IV. Das Konzept der überlegenen Frau. Der Einfluss Balzacs auf das Werk Heinrich Manns Seite 27

Literaturverzeichnis Seite 30

 

 

 

 

I. Einleitung

Dass Heinrich Mann ein gesellschaftskritischer Schriftsteller war, der in seinen Romanen auf die Missstände seiner Zeit hingewiesen hat, und dass er dies häufig auf satirische Art und Weise tat, wurde bereits in diversen literaturwissenschaftlichen Werken festgestellt, ebenso wie die Tatsache, dass die in der Gesellschaft und dem Menschen existierenden Gegensätze oft Hauptthema dieser Romane waren. Dieses Nebeneinanderbestehen von Widersprüchen bei Heinrich Mann hat auch der Germanist Henk Harbers in seiner Hochschulschrift „Ironie, Ambivalenz, Liebe“1 behandelt. Dort wird zum Werk Heinrich Manns unter anderem folgendes gesagt: „Vieles im Werke Heinrich Manns wird als ironisch und als ambivalent charakterisiert werden. Die ironische Ambivalenz in seinem Werk lässt sich umschreiben als ein unendliches Spiel von sich gegenseitig aufhebenden und in Frage stellenden Gegensätzen, [...]“2 Der Titel „Ironie, Ambivalenz, Liebe“ enthält bereits zwei der Kernthemen dieser Hausarbeit: Ambivalenz und Liebe.

Während das Nebeneinanderexistieren von Gegensätzen und das Thema der Liebe in Heinrich Manns Werken meistens anhand der Henri-Quatre-Romane untersucht wird, konzentriert man sich bei den Romanen „Im Schlaraffenland“, „Der Untertan“ und auch „Professor Unrat“ hauptsächlich auf den Aspekt der Ironie und der Satire3; die bereits angesprochenen Themen der Ambivalenz und Liebe werden dort in der Regel vernachlässigt. Daher wird sich diese Arbeit entgegen der literaturwissenschaftlichen Gewohnheit nicht mit dem Begriff der Ironie befassen, sondern das Augenmerk auf die im Roman „Professor Unrat“ auftauchenden Gegensätze und zwischenmenschlichen Beziehungen richten. Außerdem wird das Zentrum dieser Untersuchung wird nicht die Hauptfigur und gleichzeitiger Namensgeber des Romans, Professor Unrat, sein, sondern der weibliche Hauptcharakter – Rosa Fröhlich. Ich befasse mich also ausschließlich mit jenen Gegensätzen und Dualismen, die durch die Figur Rosa Fröhlich verdeutlicht werden, und insofern ist die vorliegende Hausarbeit nur eine ausführliche Charakterisierung dieser Gestalt und nicht als allgemeine Abhandlung zum Thema der Ambivalenz in „Professor Unrat“ zu verstehen - auch wenn einige der aufgezeigten Eigenschaften Rosas als exemplarisch für viele von Heinrich Manns Romanfiguren gelten können.

Die Betrachtung der Künstlerin Rosa beginnt mit der Beschreibung ihrer Außenwelt, ihres Milieus und optischen Erscheinungsbildes und führt dann immer weiter in die Innenwelt dieser Person, ihre Eigenschaften und Motive. Dabei wird vor allem der innere Widerspruch dieser Figur beleuchtet, auf der einen Seite eine manipulative Menschenhasserin zu sein, andererseits aber auch Liebe und Mitgefühl für ihre Umwelt zu empfinden. Da man in dem gesamten Roman nur sehr wenig direkte Einblicke in Rosa Fröhlichs Gedankenwelt bekommt, kann eine Charakterisierung nur aus der Wiedergabe ihrer Verhaltensweisen und den Beziehungen zu ihren Mitmenschen bestehen – mit einer gleichzeitigen Analyse derselbigen. Aus diesem Grund gehe ich genauer auf den Umgang mit ihren Schauspielkollegen, den Schülern und Professor Raat ( den ich im Folgenden entsprechend seines Spitznamens im Roman auch Unrat nennen werde) ein. Den größten Raum wird dabei die Analyse ihres Verhältnisses zu Unrat einnehmen, da in Rosa Fröhlichs Beziehung zu Unrat der Konflikt zwischen Berechnung, Verachtung, Geldgier im Gegensatz zu Liebe, Achtung und Mitleid besonders deutlich wird. Im Verlaufe dieser Arbeit wird auch die Frage beantwortet werden, ob die Künstlerin Rosa Fröhlich zu irgendeinem Zeitpunkt des Romans eine wirkliche Liebe für Professor Unrat empfunden hat.

Bei der Argumentation werde ich textanalytisch vorgehen und meine Thesen größtenteils auf Zitate aus den einzelnen Gesprächen stützen; eventuell autobiographisch zu deutende Details, die im Roman auftauchen ( wie z.B. die Parallelen von Lohmanns Lebenswandel zu Heinrich Manns eigenen Überzeugungen4), werden vernachlässigt, da sie nicht nur den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würden, sondern für die Betrachtung der Gestalt Rosas ohnehin von geringer Bedeutung sind. Der Charakterisierung Rosas folgt abschließend eine Erläuterung, inwiefern Heinrich Mann beim Konzept der Figur Rosa Fröhlich vom Gedankengut des französischen Schriftstellers Honore de Balzac und von dessen Motiv der „überlegenen Frau“ beeinflusst wurde. 4 siehe dazu: Epple, Thomas: Heinrich Mann, Professor Unrat. Interpretation/ 1. Aufl. in der neuen Rechtschreibung/ München: Oldenbourg, 1998 (Oldenbourg-Interpretationen; Bd.86), S.57

I. Die Außenwelt: Milieu, Erscheinung und Auftreten der Rosa Fröhlich

2.1. Milieu und Status:

[...]


1 Harbers, Henk: Ironie, Ambivalenz, Liebe: zur Bedeutung von Geist u. Leben im Werk Heinrich Manns/ Frankfurt am Main ; Bern ; New York ; Nancy: Lang, 1984. (Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Dt. Sprache u. Literatur; Bd. 768)
2 Ebd. S.27f.
3 Vgl. Siebert, Ralf: Heinrich Mann: Im Schlaraffenland, Professor Unrat, Der Untertan: Studien zur Theorie des Satirischen und zur satirischen Kommunikation im 20. Jahrhundert/ Siegen: Böschen Verl., 1999. (Kasseler Studien – Literatur, Kultur, Medien; Bd.3)


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