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Die "unsichtbare Hand": Vor- und Nachteile nicht-regulierter Märkte aus der Sicht von Adam Smith

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Victoria Krummel
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1.0
Language: German
Archive No.: V19539
ISBN (E-book): 978-3-638-23635-5
ISBN (Book): 978-3-638-74725-7
File size: 220 KB
Notes :
Dichter Text - kleine Schrift.


Abstract

Weit über 200 Jahre sind vergangen, seit Adam Smith mit „The Wealth of Nations“ jenes Werk schrieb, das ihn zum Gründervater der Nationalökonomie machte. Daß die Diskussion um die Interpretation seiner Aussagen noch immer nicht verebbt ist, ist – so könnte man sagen – Smiths eigene Schuld. Hätte er nicht die Metapher der „unsichtbaren Hand“ verwendet und staatliche Abstinenz vom Wirtschaftsprozeß gefordert, zugleich aber Raum gelassen für staatliche Eingriffe in einer Vielzahl von Bereichen, dann ergäben sich möglicherweise aus seinem Werk weniger Widersprüche und Ungereimtheiten. “Smith was always in favour of natural order and market adjustment. Except, of course, when he was not.” (David A. Reisman). „The Wealth of Nations“ ist ohne Zweifel ein Plädoyer für ein von staatlichen Übergriffen befreites ökonomisches System, in dem die Aktivitäten der Einzelnen zur Erhöhung des allgemeinen Wohlstand führen. Aber Smith machte selbst eine Reihe von Ausnahmen von diesem Prinzip. Diese Arbeit versucht, in Auseinandersetzung mit der Interpretation des so geläufigen Begriffs der „unsichtbaren Hand“ das Verhältnis von Laissez-faire und Regulation bei Smith zu klären und überprüft in diesem Sinne anschließend Smiths Aussagen zur Organisation des nationalen Geld- und Bankenwesen. Dabei wird deutlich, daß Smith weder von den Befürwortern einer Laissez-faire-Marktwirtschaft noch den Protagonisten staatlicher Intervention mit vollem Recht für sich vereinnahmt werden kann. Daß Smith manchmal in Widersprüche zwischen die von ihm entworfenen Idealvorstellungen und seinen aus empirischen Beobachtungen gezogenen Schlußfolgerungen geriet, zeigen sein Ausführungen zur Bankenregulation: Das von ihm geforderte, vollständig wettbewerblich organisierte Banken- und Geldsystem wird durch die von Smith selbst befürworteten zeitgenössischen Regulationen des Gesetzgebers konterkariert. Diese gesetzlichen Maßnahmen verstärkten in der Konsequenz die dominierende Stellung der Bank of England und begünstigten so die Entwicklung zu einer zentralwirtschaftlichen Bankenordnung.


Excerpt (computer-generated)

DIE "UNSICHTBARE HAND": VOR- UND NACHTEILE
NICHT-REGULIERTER MÄRKTE AUS
DER SICHT VON ADAM SMITH

 

 

von Victoria Krummel

INHALT

I. Einleitung 4

II. Die „unsichtbare Hand“ – das Argument für nicht-regulierte Märkte?  4

Die „unsichtbare Hand“ und ihr Kontext in The Wealth of Nations 5
Was meinte Smith mit der „unsichtbaren Hand“?  6

III. Markt und Staat bei Adam Smith 8

Smiths Plädoyer für Wettbewerb und freie Märkte 8
Die Funktionen des Staates und Fälle staatlicher Marktintervention 9

IV. Adam Smith und das Banken- und Geldsystem 11

Die öffentlichen Banken England und Schottlands 12
Die gesetzliche Regulation des Banken- und Geldmarkts 13
Theorie und Praxis: Widersprüchlichkeiten und Unklarheiten 14

V. Resümee  16

Literatur 17

 


 

 

 

I. EINLEITUNG

Weit über 200 Jahre sind vergangen, seit Adam Smith mit The Wealth of Nations jenes Werk schrieb, das ihn zum „Gründervater der Nationalökonomie“1 machte. Daß die Diskussion um die Interpretation seiner Aussagen noch immer nicht verebbt ist, ist – so könnte man sagen – Smiths eigene Schuld. Hätte er nicht die Metapher der „unsichtbaren Hand“ verwendet, hätte er nicht staatliche Abstinenz vom Wirtschaftsprozeß gefordert, zugleich aber Raum gelassen für staatliche Eingriffe und für eine Vielzahl staatlicher Aktivitäten in anderen gesellschaftlichen Bereichen, dann ergäben sich möglicherweise aus seinem Werk nicht so viele Widersprüche – ob scheinbare oder tatsächliche – die ihn einerseits als Propagandist von Laissez-faire und Minimalstaatlichkeit erscheinen lassen, andererseits aber auch staatlicher Intervention und Regulation Tür und Tor öffnen können.2 Diese Arbeit versucht, in Auseinandersetzung mit der Interpretation des Begriffs der „unsichtbaren Hand“ das Verhältnis von Laissez-faire und Regulation bei Smith zu klären und überprüft in diesem Sinne anschließend Smiths Aussagen zur Organisation des nationalen Geld- und Bankenwesen. Vorangestellt sei noch, daß bei der Beschäftigung mit The Wealth of Nations der Hinweis VINERs nicht außer Acht gelassen werden sollte, daß Smith darin zwar generelle Prinzipien des ökonomischen Systems analysiert hat, aber daß er dieses Werk zu einem nicht unerheblichen Teil auch verfaßte als „a tract for the times, a specific attack on certain types of government activity.“ „Smith’s primary objective was to secure the termination of these activities of government. […] Everything else was to a large degree secondary.”3

II. DIE "UNSICHTBARE HAND" - DAS ARGUMENT FÜR NICHT-REGULIERTE MÄRKTE?

Obwohl von Smith in The Wealth of Nations nur an einer einzigen Stelle explizit genannt, ist die „unsichtbare Hand“ zu einer der gängigsten Metaphern in der Sprache von Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftlern geworden. In einer griffigen Formel scheint sie die Überzeugung vom nicht-regulierten Markt als stärkstem Promoter der gesamtgesellschaftlichen Nutzenmaximierung zusammenzufassen. Was sich genau dahinter verbirgt, ist jedoch Gegenstand verschiedenster Interpretationen. BLAUG zum Beispiel versteht darunter „schlicht und einfach [den] Gleichgewichtsmechanismus am Konkurrenzmarkt“, der unter den Bedingungen vollständiger Konkurrenz – worauf Smiths Prinzip der natürlichen Freiheit letztlich hinausliefe – „zu einer optimalen Allokati- on von Arbeit und Kapital führt“, wodurch die allgemeine Wohlfahrt befördert würde.4 FRIEDMAN sieht ihr Wirken eher in der Koordination der Handlungen von Millionen Einzelner „through a price system without central direction“.5 Mitunter scheint die Idee von der „unsichtbaren Hand“ „mutated from analysyis to mythology“. 6 So, wenn VAUGHN sie als ein Prinzip beschreibt, das aus den unbeabsichtigten Konsequenzen individuellen menschlichen Handels eine nützliche und wohltätige soziale Ordnung entstehen läßt oder RECKTENWALD sie letztlich mit der Vorsehung gleichsetzt.7 Verkörpert die „unsichtbare Hand“ in VAUGHNs Augen jene Idee, die Smith erst ermöglichte, die erste umfassende Theorie des ökonomischen Systems zu schaffen, so mißt ihr ROTHSCHILD nur eine marginale Bedeutung für Smiths Vorstellungen bei und argumentiert, er selbst habe sie lediglich als „ironic, but useful joke“ angesehen.8

Die „unsichtbare Hand“ und ihr Kontext in The Wealth of Nations

[...]


1 Vorwort der Herausgeber in: Markt, Staat und Solidarität bei Adam Smith, 10.
2 Vgl. die Diskussion bei Gretschmann, bes. 125, der sich auf Friedman, Buchanan und Wille bezieht, und bei Reisman, 357f., mit Hinweis auf Musgrave, Rothbard und Macfie.
3 Viner, 218, dem sich Reisman, 378, anschließt.
4 Blaug, 120f.
5 Friedman, 17.
6 Persky, 196.
7 Vaughn, 997; Recktenwald, LXXII.
8 Rothschild, 319.


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