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Der Erfolg der geschlossenen Unterbringung von Mädchen

Subtitle: Worin besteht er objektiv und wie wird er subjektiv während eines Heimaufenthaltes erlebt?

Diploma Thesis, 2003, 105 Pages
Author: Nicole Lorch
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 105
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V19584
ISBN (E-book): 978-3-638-23671-3
ISBN (Book): 978-3-638-70051-1
File size: 373 KB
Notes :
In der Diplomarbeit wird die umstrittene Form der Heimerziehung, die geschlossene Unterbringung näher erläuter und auch diskutiert. Zudem wird noch ein Heim mit geschlossener Unterbringung vorgestellt. Sehr interessant für jeden, der sich mit Heimerziehung beschäftigt.


Abstract

Die folgende Arbeit soll einen Überblick geben über die kontroversen Diskussionen der geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen. Des Weiteren wird ein Überblick über die Niefernburg, die die geschlossene Unterbringung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren anbietet, geliefert. Im empirischen Teil wird versucht den Mädchen und MitarbeiterInnen der Einrichtung eine Stimme zu geben und kritisch zu hinterfragt wie die geschlossene Unterbringung erlebt/ gelebt wird.


Excerpt (computer-generated)

Berufsakademie Stuttgart
Ausbildungsbereich Sozialwesen

Der Erfolg der "geschlossenen Unterbringung" von Mädchen:
Worin besteht er objektiv - und wie wird er subjektiv während eines Heimaufenthaltes erlebt?

Diplomarbeit

eingereicht von

Nicole Lorch

März 2003

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung ... 1

2. Geschlossene Unterbringung - ein Streitfall der Jugendhilfe ... 4
2.1 Klärung des Begriffs ... 4
2.2 Rechtliche Grundlagen der geschlossenen Unterbringung in der Heimerziehung ... 6
2.2.1 Freiheitsentziehung - Freiheitsbeschränkung ... 7
2.2.2 Freiheitsentziehende Maßnahmen nach § 1631 b BGB ... 8
2.2.3 Unterbringung in einem Heim der Jugendhilfe anstelle Untersuchungshaft nach §§ 71/72 JGG ... 9
2.3 Abriss über den historischen Hintergrund der geschlossenen Unterbringung ... 10
2.3.1 Eine Rückblende der Pro und Contra Diskussion der geschlossenen Unterbringung ... 11
2.3.2 Reform mit Verspätung - Heimerziehung für Mädchen ... 13

3. Kontroverse Diskussion um GU ... 15
3.1 Indikationen für geschlossene Unterbringung im Heim ... 15
3.2 "Hilfe durch Einschluss?" ODER "Therapie unter Zwang?" ... 18
3.2.1 Geschlossene Unterbringung als "Ultima ratio" ... 20
3.2.2 Gegenstimmen zur geschlossenen Unterbringung ... 21
3.3 Kinder und Jugendliche als Grenzfälle zwischen Heimerziehung und Psychiatrie ... 24
3.4 Kinder und Jugendliche zwischen Heimerziehung und Jugendstrafvollzug ... 26
3.5. Geschlossenheit in Heim, Psychiatrie und Jugendstrafvollzug ... 27
3.6 Ziele der geschlossenen Unterbringung ... 28
3.7 Abschließendes zur Diskussion um geschlossene Unterbringung ... 29

4. Kriterien für Erfolg der Heimerziehung ... 30

5. Zusammenfassung der theoretischen Ergebnisse ... 33

6. Die PTI der Niefernburg als eine Form der geschlossenen Unterbringung ... 35
6.1 Allgemeine Beschreibung der Einrichtung ... 35
6.2 Darstellung der PTI ... 36
6.3 Rechtsgrundlagen der Unterbringung ... 38
6.4 Pädagogisch- therapeutische Alltagsgestaltung ... 38
6.5 Individuelle Teilgeschlossenheit ... 39
6.6 Rahmenbedingungen der einzelnen Mädchen ... 42

7. Vorgehen bei der empirischen Untersuchung ... 45

8. Evaluation - Mädchen ... 47
8.1 Methodisches Vorgehen ... 47
8.2 Vorstellen der Einzelfälle und protokollierte Wiedergabe der Interviews ... 50
8.3 Auswertung ... 63

9. Evaluation - Mitarbeiter ... 67
9.1 Methodisches Vorgehen ... 67
9.2 Vorstellen der Personen und protokollierte Wiedergabe der Interviews ... 69
9.3 Auswertung ... 76

10. Vergleich der Ergebnisse ... 81

11. Abschließende Diskussion ... 82

12. Literaturverzeichnis ... 84

Anhang

 

1. Einleitung

Bei einer Auseinandersetzung mit dem Thema "Geschlossene Unterbringung" wird sehr schnell klar, dass es in diesem Zusammenhang keine einfachen Antworten auf viele Fragen gibt.
Die Frage nach einem geeigneten Umgang mit "Problemjugendlichen", die trotz ihres jungen Lebens auf viele Stationen und schlechte Erfahrungen zurückblicken können und in vielfältiger Weise das System der Jugendhilfe durchlaufen haben, kommt immer wieder auf die "letzte" Möglichkeit der geschlossenen Unterbringung zurück.
Gegner dieser Form der Unterbringung sprechen von einer veralteten Erziehungsmethode und fordern im Zuge dessen eine Neustrukturierung durch offene, flexiblere Hilfen. Die Befürworter sehen jedoch die geschlossene Unterbringung als notwendige Maßnahme um für Kinder und Jugendliche, die bereits mehrere Hilfen durchlaufen haben, nochmals einen Zugang zu schaffen und ihnen eine positive Zukunftsgestaltung zu ermöglichen.

Die Heimerziehung sorgt sich hierbei um das immer "Schwierigerwerden" der Jugendlichen im allgemeinen, die Politik um Wählerstimmen, und die Justiz wünscht sich von der Jugendhilfe eine spürbare Entlastung im Bereich von Untersuchungshaft, Arrest und Strafvollzug.

Die Diskussion und erneute Forderung von Vertretern der Politik (v.a. zu Wahlkampfzeiten) und auch der Jugendhilfe, kriminelle und auffällige Jugendliche im Rahmen der Hilfen zur Erziehung hinter verschlossenen Türen unterzubringen und auf diesem Wege mit ihnen zu arbeiten, löst in Fachkreisen Widerspruch aus und erschreckt viele Beteiligte durch die aufkommende Forderung nach neuen Wegen in der Heimerziehung.

Ist geschlossene Unterbringung die "Kapitulation der Jugendhilfe?" werden damit pädagogische Grundsätze über Bord geworfen oder findet sogar ein Rückschritt in die repressive Vergangenheit der Heimerziehung statt? Welche Konkurrenzen und Schuldzuweisungen gibt es bei einem ,Versagen′ der Jugendhilfe? Was wäre, wenn es weder geschlossene Heimunterbringung noch die Kinder- und Jugendpsychiatrie geben würde? Wer würde dann diese Lücke im Hilfesystem übernehmen (müssen)? Verschwände dann die Problematik der Jugendlichen, welche die Jugendhilfe nur schlecht erreichen kann? Verschwände die Problematik der Jugendlichen, wenn es temporär geschlossene Plätze gäbe, oder für wen könnte es Sinn machen, wenn immer wieder Jugendliche durch das Netz fallen? Für jede dieser Fragen gibt es verschiedene, sich widersprechende und trotzdem stimmige Antworten.

Geschlossene Unterbringung scheint innerhalb der Jugendhilfeszene ein "rotes Tuch" zu sein, während die Debatte vom Wegsperren als Möglichkeit im Umgang mit "Problemkids" das Argumentationsrepertoire von Politikern aller Couleur zu bereichern scheint. Hier, wie auch in der fachpolitischen Diskussion erscheint die Thematik häufig polarisiert, verkürzt und bisweilen sehr polemisch: Geschlossene Unterbringung kann nur Ausweg - oder Irrweg sein. Die Diskussion, ob geschlossene Unterbringung sinnvoll, notwendig und vor allem zumutbar ist, erfordert eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen dieser umstrittenen Form der Unterbringung. So findet man in der gängigen Fachliteratur hierzu: "Einsperren!" fordern die einen. "Die müssen doch in die Psychiatrie!" die anderen. Die Dritten melden sich mit: "Denen fehlt nur ein anständiges Zuhause!" zu Wort.

Offensichtlich zeichnet sich eine zunehmende Hilflosigkeit gegenüber strafunmündigen Kindern und Jugendlichen, sowie deren fortschreitende Verwahrlosung, und der daraus resultierenden Anfrage für weitere intensiv- therapeutische Hilfsangebote ab.

Aufgrund der vielfältigen Forderung nach geschlossener Unterbringung und der gleichzeitig negativen Meinung der Öffentlichkeit und der Kritik an freiheitsentziehenden Maßnahme möchte ich mit meiner Arbeit die Fachliteratur zu dem Thema "Geschlossene Unterbringung" untersuchen. Zudem werde ich auf die Titelfrage eingehen und abschließend durch eine Befragungsreihe die unterschiedlichen Sichtweisen des "Erfolgs" darlegen.

In meinen Ausführungen werde ich folgendermaßen vorgehen:
Zunächst werde ich in Kapitel 2, besonders in 2.1 auf die allgemeine Bergriffsbestimmung von geschlossener Unterbringung eingehen und unter Punkt 2.2 die rechtlichen Grundlagen der geschlossenen Unterbringung erläutern. In 2.3 zeige ich wichtige geschichtliche Zusammenhänge auf.

In Kapitel 3 möchte ich genauer auf die Diskussion um geschlossene Unterbringung eingehen und ab Punkt 3.3 die Nähe der geschlossenen Unterbringung zur Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie dem Jugendstrafvollzug aufzeigen und unter Punkt 3.6 diese Diskussion abschließen.

In Kapitel 4 werde ich versuchen allgemeine Kriterien für Erfolge in der Heimerziehung darzulegen.

Nach einer kurzen Zusammenfassung der theoretischen Ergebnisse in Kapitel 5, beinhaltet Kapitel 6 eine Einrichtungsbeschreibung, wobei ich mich in Kapitel 6.2 näher mit der Pädagogisch- Therapeutischen- Intensivgruppe (PTI) beschäftigen werde.

In Kapitel 7 werde ich mein empirisches Vorgehen erläutern. Kapitel 8 und 9 stellen meine Evaluation dar. Ich werde auf Einzelfälle eingehen und mit MitarbeiterInnen der Niefernburg Interviews führen und diese Ergebnisse werde ich in Kapitel 10 vergleichen.

Mit Kapitel 11, der abschließenden Diskussion werde ich meine Arbeit beenden.

Zur Vereinfachung und zur überschaulichen Textdarstellung werde ich in meiner Diplomarbeit grundsätzlich nur die männliche Form verwenden, auch wenn gleichzeitig beide Geschlechter gemeint sind.

2. Geschlossene Unterbringung - ein Streitfall der Jugendhilfe

" Seit langem ist die geschlossene Heimunterbringung junger Menschen ein Thema, an dem sich die Geister der Jugendhilfe scheiden. Zwar nehmen die geschlossenen Heime im Spektrum der Leistungen und Maßnahmen öffentlicher Erziehung nur eine Randstellung ein, doch werden sie durch ihre tatsächliche oder vermeintliche Nähe zu Jugendgefängnis und Jugendpsychiatrie immer wieder in den Mittelpunkt heftiger Kontroversen gerückt." (v. WOLFFERSDORFF 1996, S. 9)

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