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Diplomarbeit, 2002, 131 Seiten
Autor: Sören Funk
Fach: Pädagogik - Heil- und Sonderpädagogik
Details
Tags: Auswirkungen, Wohnsituation, Lebensqualität, Menschen, Behinderung
Jahr: 2002
Seiten: 131
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-23707-9
Dateigröße: 561 KB
Die sonder- bzw. heilpädagogischen Paradigmen Normalisierung, Integration und Selbstbestimmung waren bei der Entwicklung im Bereich der Behindertenhilfe über viele Jahre handlungsleitend und haben wesentlich zu einer Humanisierung der Wohnbedingungen beigetragen. Seit Anfang der 90er Jahre hat sich neben den allgemein anerkannten Leitideen eine neue Richtlinie etabliert: das Paradigma der Lebensqualität.Die Arbeit besteht aus einem theoretischen Teil und einer qualitativen Studie.
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Katholische Fachhochschule Freiburg
Fachbereich Sozialpädagogik
DIPLOMARBEIT
Auswirkungen der Wohnsituation auf die Lebensqualität von
Menschen mit geistiger Behinderung
eingereicht von
Sören Funk
Abgabetermin: 16.05.2002
Inhaltverzeichnis
1 Einleitung und Fragestellung ... 1
2 Bedeutung des Wohnens ... 4
2.1 Wohnpsychologie: das ökologische Modell ... 4
2.2 Wohnbedürfnisse ... 6
2.2.1 Biologisch-physiologische Bedürfnisse ... 7
2.2.2 Psychische Bedürfnisse ... 7
2.2.3 Soziale Bedürfnisse ... 8
2.3 Wohnbedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung ... 9
3 Geistige Behinderung - Begriffsklärung und Personenkreis ... 13
3.1 Semantische Unzulänglichkeit des Begriffs "geistige Behinderung" ... 13
3.2 Schwierigkeit der Definition des Personenkreises ... 13
3.3 Geistige Behinderung als Stigma ... 14
3.4 Medizinischer Ansatz ... 15
3.5 Psychologischer Ansatz ... 17
3.6 Pädagogischer Ansatz ... 18
3.7 Juristischer Ansatz ... 19
3.8 Zusammenschau der Ansätze ... 21
4 Leitideen und Prinzipien des Wohnens für Menschen mit geistiger Behinderung im historischen Wandel ... 22
4.1 Anstaltsunterbringung - die Anfänge des institutionalisierten Wohnens ... 22
4.2 Diskriminierung und Vernichtung - Sozialdarwinismus im 3. Reich ... 23
4.3 Verwahrung in der Psychiatrie ... 24
4.4 Enthospitalisierung - die Folgen der Psychiatrie-Enquête ... 25
4.5 Normalisierung und Integration ... 26
4.5.1 Entstehung des Normalisierungsprinzips ... 26
4.5.2 Elemente des Normalisierungsprinzips ... 27
4.5.2.1 Normaler Tagesablauf ... 28
4.5.2.2 Normaler Wochenablauf ... 28
4.5.2.3 Normaler Jahresablauf ... 28
4.5.2.4 Normale Erfahrungen eines Lebenszyklus ... 29
4.5.2.5 Normaler Respekt ... 30
4.5.2.6 In einer zweigeschlechtlichen Welt leben ... 30
4.5.2.7 Normaler Lebensstandard ... 30
4.5.2.8 Normale Umweltbedingungen ... 31
4.5.3 Integration als Mittel und Ziel von Normalisierung ... 31
4.5.4 Missdeutungen des Normalisierungsprinzips ... 32
4.5.5 Erweiterung des Normalisierungsprinzip durch Wolfensberger ... 34
4.5.6 Aufnahme des Normalisierungsprinzips in Deutschland ... 35
4.6 Selbstbestimmung ... 36
4.6.1 Einfluss der Independent-Living-Bewegung ... 37
4.6.2 Entwicklungen in Deutschland ... 38
4.6.3 Personelle Erschwernisse ... 38
4.6.4 Strukturelle Erschwernisse ... 41
4.6.5 Gesetzliche Grundlagen des Selbstbestimmungsrechts ... 42
4.6.6 Selbstbestimmung bei schwerer geistiger Behinderung ... 44
4.6.7 Empowerment ... 44
5 Zielperspektive Lebensqualität ... 46
5.1 Annäherung an das Konstrukt Lebensqualität ... 46
5.2 Lebensqualität als Gegenstand der Fachdiskussion ... 46
5.3 Objektive Bedingungen und subjektives Wohlbefinden ... 47
5.4 Konzepte von Lebensqualität ... 48
5.5 Das Konzept von Seifert ... 49
5.5.1 Objektive Prüfkriterien ... 49
5.5.2 Kategorien des Wohlbefindens ... 53
5.6 Hilfequalität und Qualitätsstandards ... 57
5.7 Qualitätssicherung ... 58
5.8 Nutzerkontrolle als wichtiger Bestandteil von Qualitätssicherung ... 61
5.9 Verständnis von Lebensqualität in der vorliegenden Arbeit ... 63
6 Auswirkungen verschiedener Wohnsituationen auf die Lebensqualität: Objektive Rahmenbedingungen und Einschätzung aus der Außenperspektive ... 65
6.1 Wohnsituation 1: Wohnen im gruppengegliederten Wohnheim ... 65
6.1.1 Rechtliche Grundlagen ... 65
6.1.2 Beschreibung ... 67
6.1.3 Einschätzung der Lebensqualität ... 69
6.2 Wohnsituation 2: Wohnen in einer betreuten Wohngruppe innerhalb des Wohnheims ... 71
6.2.1 Rechtliche Grundlagen ... 71
6.2.2 Beschreibung ... 71
6.2.3 Einschätzung der Lebensqualität ... 72
6.3 Wohnsituation 3: Wohnen in einer betreuten Außenwohngruppe ... 74
6.3.1 Rechtliche Grundlagen ... 74
6.3.2 Beschreibung ... 75
6.3.3 Einschätzung der Lebensqualität ... 76
6.4 Wohnsituation 4: Ambulant-betreutes Einzelwohnen ... 77
6.4.1 Rechtliche Grundlagen ... 77
6.4.2 Beschreibung ... 80
6.4.3 Einschätzung der Lebensqualität ... 81
7 Qualitative Untersuchung der Lebensqualität in verschiedenen Wohnsituationen: Subjektive Bewertung aus der Nutzerperspektive ... 83
7.1 Methodisches Vorgehen ... 84
7.1.1 Untersuchungsinstrument ... 84
7.1.2 Auswahl der Stichprobe ... 87
7.1.3 Datenerhebung ... 88
7.1.4 Aufbereitung und Analyse der Daten ... 89
7.2 Auswertung der Interviews ... 89
7.2.1 Zufriedenheit und Wohlbefinden auf der materiellen Ebene ... 90
7.2.2 Zufriedenheit und Wohlbefinden auf der aktivitätsbezogenen Ebene ... 91
7.2.3 Zufriedenheit und Wohlbefinden auf der sozialen Ebene ... 94
7.2.4 Zufriedenheit und Wohlbefinden auf der interaktionalen Ebene ... 95
7.3 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 97
7.3.1 Bewertung von Wohnsituation 1 durch Herrn M. ... 97
7.3.2 Bewertung von Wohnsituation 2 durch Frau D. ... 98
7.3.3 Bewertung von Wohnsituation 3 durch Herrn K. ... 100
7.3.4 Bewertung von Wohnsituation 4 durch Frau S. ... 101
7.4 Evaluation, Interpretation und Diskussion der Ergebnisse ... 103
7.4.1 Vorbemerkung ... 103
7.4.2 Vergleich der Ergebnisse mit den Arbeitshypothesen ... 103
7.4.3 Vergleich der außenperspektivischen Einschätzung mit den subjektiven Bewertungen ... 108
7.4.4 Empfehlungen für die Praxis ... 110
8 Kritische Würdigung und Ausblick ... 112
Abbildungsverzeichnis ... 115
Literatur- und Quellenverzeichnis ... 116
Anhang I ... 123
Anhang II ... 126
1 Einleitung und Fragestellung
Die Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung hat sich innerhalb der letzten 100 Jahre kontinuierlich verändert. Wurde die Betreuung bis Mitte des 19. Jahrhunderts ausschließlich von den Familien übernommen, entwickelten sich nach und nach große Behindertenzentren und psychiatrische Anstalten, die diesen Personenkreis aufnahmen. Als Folge des in den 60er Jahren in Skandinavien formulierten und praktizierten Normalisierungsprinzips, entstanden auch in Deutschland kleinere Wohneinrichtungen mit regionalem Bezug. Diese Tendenz fand durch die Integrationsbemühungen von Elterninitiativen in den 80er Jahren ihre Fortsetzung und machte es vor allem für relativ selbständige Bewohner1 möglich, in gemeindeintegrierte Wohnformen umzuziehen, die mehr Raum für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung boten.
Die sonder- bzw. heilpädagogischen Paradigmen Normalisierung, Integration und Selbstbestimmung waren bei der Entwicklung von Diensten und Angeboten im Bereich der Behindertenhilfe über viele Jahre handlungsleitend und haben wesentlich zu einer Humanisierung der Wohnbedingungen beigetragen. Die Verbesserung der Bedingungen brachte für das Leben geistig behinderter Menschen positive Auswirkungen mit sich. Seit Anfang der 90er Jahre hat sich neben den allgemein anerkannten Leitideen eine neue Richtlinie etabliert: das Paradigma der Lebensqualität. In der Diskussion um Entwürfe und Ziele sozialer Dienstleistungen ist der Begriff Lebensqualität mittlerweile von zentraler Bedeutung. Nicht zuletzt durch § 20 des Sozialgesetzbuches IX und die novellierten §§ 93 ff. Bundessozialhilfegesetz wird Lebensqualität im Prozess des Qualitätsmanagements als Zielgröße sonderpädagogischer Hilfe- und Unterstützungsqualität festgelegt.
In der Fachwelt herrscht Einigkeit darüber, dass sich Lebensqualität aus einer objektiven und einer subjektiven Komponente zusammensetzt. Objektive Faktoren können in Form von materiellen, aktivitätsbezogenen, sozialen und interaktionalen Bedingungen näher beschrieben werden. Subjektive Faktoren sind Bewertungen und Urteile, die durch individuelle Wahrnehmungsprozesse der Nutzer von Diensten und Angeboten zustande kommen. Das subjektiv empfundene Wohlbefinden einer Person ist abhängig von der individuellen Einschätzung der Lebensbedingungen und der persönlichen Zufriedenheit. Will man die Lebensqualität in verschiedenen Wohnformen in angemessener Weise beurteilen, benötigt man neben den Aussagen der Nutzer auch objektive Maßstäbe, welche die subjektiven Sichtweisen ergänzen. Somit lässt sich Lebensqualität definieren als die Verknüpfung zwischen objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden.
Die Gestaltung der Hilfen im Wohnbereich wirkt sich auf das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung umso mehr aus, je abhängiger sie von diesen Hilfen sind. Zwischen der Wohnsituation bzw. der Qualität der wohnbezogenen Dienste und Angebote und der Lebensqualität der Bewohner kann also ein unmittelbarer Zusammenhang angenommen werden. In der vorliegenden Arbeit soll es um diesen Zusammenhang gehen. Dabei wird folgender Fragestellung nachgegangen:
Wie wirkt sich die Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung auf deren Lebensqualität aus?
Um diese Fragestellung zu bearbeiten, sind sieben Schritte notwendig. Deshalb ist die Arbeit in insgesamt acht Kapitel (einschließlich der Einleitung) unterteilt.
In Kapitel 2 wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung das Wohnen für den Menschen hat. Auf der Basis des ökologischen Modells von Bronfenbrenner (1981), werden biologisch-physiologische, psychische und soziale Wohnbedürfnisse erarbeitet, deren Befriedigung für humanes Wohnen von nichtbehinderten und behinderten Menschen gleichermaßen ausschlaggebend ist.
Kapitel 3 befasst sich mit der Definition und der Eingrenzung des Personenkreises der Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung, was sich aufgrund der Komplexität des Phänomens "geistige Behinderung" als nicht unproblematisch erweist. Aus der Darstellung des medizinischen, psychologischen, pädagogischen und juristischen Ansatzes wird erkennbar, dass sich das Bild von geistig behinderten Menschen gewandelt hat. Statt nur die Defizite zu sehen, werden zunehmend auch Kompetenzen und Ressourcen berücksichtigt.
Kapitel 4 gibt einen Überblick über die Leitideen und Prinzipien des Wohnens für Menschen mit geistiger Behinderung aus historischer Perspektive. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Vorstellung der Paradigmen Normalisierung, Integration und Selbstbestimmung.
Inhalt von Kapitel 5 ist die Diskussion des neuen Paradigmas Lebensqualität. Lebensqualität wird verstanden als Ergebnis von objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden. Ausgehend von verschiedenen Lebensqualitätskonzepten aus der Fachliteratur, wird ein 4-Ebenen-Modell von Lebensqualität erarbeitet, das für diese Arbeit Gültigkeit haben soll. Des weiteren wird auf Qualitätsstandards, Qualitätssicherung und auf die besondere Bedeutung der Nutzerkontrolle eingegangen.
In Kapitel 6 wird die Frage beantwortet, wie sich verschiedene Wohnsituationen auf die Lebensqualität auswirken. Zu diesem Zweck werden vier typische, gemeindeintegrierte Wohnsituationen anhand je eines konkreten Beispiels aus der Praxis vorgestellt. In die Beschreibung werden rechtliche, strukturelle und pädagogische Aspekte einbezogen. Danach folgt eine Einschätzung aus der Außenperspektive, inwieweit die jeweiligen objektiven Bedingungen Lebensqualität ermöglichen. Als Bezugsrahmen dient das in Kapitel 5.9 erarbeitete 4-Ebenen-Modell von Lebensqualität.
Kapitel 7 bildet eine qualitative Untersuchung. Ziel ist es, die Lebensqualität in den ausgewählten Wohnsituationen aus der Sicht ihrer Nutzer zu ermitteln. Aus jeder der in Kapitel 6 vorgestellten Wohnformen wird ein Bewohner in einem problemzentrierten Interview zu seiner persönlichen Zufriedenheit mit der momentanen Situation befragt. Aus den Ergebnissen der Studie wird ersichtlich, welche Wohnbedingungen Menschen mit geistiger Behinderung für besonders wichtig erachten. Diese Erkenntnisse lassen zu, nachfolgend Empfehlungen für die Praxis zu formulieren.
In Kapitel 8 werden die Einsichten, die sich aus der gesamten Arbeit ergeben, zusammengefasst und einer kritischen Würdigung unterzogen. Zusätzlich wird in einem Ausblick auf offene Fragen verwiesen.
2 Bedeutung des Wohnens
"Wohnen stellt", so Sack, "eine besondere Dimension des Menschseins dar" (Sack 1997, 193).
[...]
1 Im Interesse einer besseren Lesbarkeit des Textes wird bei allen maskulinen Bezeichnungen von Personengruppen auf die Ergänzung der entsprechenden femininen Form verzichtet.
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