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Der Religionsführer Louis Farrakhan als (Außen-) Politiker der USA

Magisterarbeit, 2002, 102 Seiten
Autor: Sabine Krieg
Fach: Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 102
Note: 2-3
Literaturverzeichnis: ~ 31  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V19680
ISBN (E-Book): 978-3-638-23745-1
ISBN (Buch): 978-3-638-70054-2
Dateigröße: 371 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Idee für diese Arbeit entstand nach der Belegung eines Hauptseminars mit dem Titel: „Mormonen, Mennoniten, Moslems – ausgewählte Kapitel zur Geschichte der Religionen in Nordamerika“ am Amerika-Institut der LMU München. Angetrieben von der Neugier, mehr über die Nation of Islam und Louis Farrakhan als Religionsführer erfahren zu wollen, ging die Autorin der Frage nach, wer dieser Mensch ist, dem vorgeworfen wird, ein Rassist zu sein, und was hinter der Nation of Islam genauer steckt. Darüber hinaus wurde zum einen Louis Farrakhans Rolle als Religionsführer genauer untersucht, zum anderen seine Rolle als Außenpolitiker der USA analysiert. Die Arbeit gliedert sich insgesamt, neben der Einleitung und einem Ausblick am Ende, in vier große Kapitel. Nach einer Beschreibung der Nation of Islam und ihre Einordnung im Kontext der afroamerikanischen Bewegung folgt in Kapitel 3 eine Untersuchung der Ideologie der Nation of Islam. Kapitel 2 und 3 haben das Ziel, darzustellen, welche Entwicklung die Nation of Islam seit ihrem Bestehen durchgemacht hat und wo sie heute steht. In den anschließenden Kapiteln 4 und 5 geht es um Louis Farrakhan selbst, wobei zunächst seine Karriere innerhalb der Organisation erörtert wird und dann seine Funktion als inoffizieller Politiker der USA beleuchtet wird. Bei den Recherchen in deutschen Bibliotheken hat sich herausgestellt, dass Louis Farrakhan in deutscher Literatur kaum Beachtung geschenkt wird. Allerdings stieß die Autorin auf einen deutschen Journalisten, der im Auftrag des SPIEGELS innerhalb von zehn Jahren das Glück hatte, Farrakhan persönlich sprechen zu können. Das Ergebnis waren zwei Artikel, die in der Zeitschrift erschienen sind sowie ein Buch, in dem der Autor seine Beobachtungen und sein Wissen über den Religionsführer genauer beschreibt. Diese Magisterarbeit zieht fast ausschließlich englischsprachige Quellen heran: von Büchern und Zeitungsartikeln, sowohl Primär- als auch Sekundärliteratur, bis hin zu Internetrecherchen. An einigen Stellen der Arbeit werden Begriffe der Nation of Islam und der Schwarzenbewegung verwendet, die nicht übersetzt sind. Dies geschieht vor allem dann, wenn ihre Übersetzung für wenig aussagekräftig gehalten wird oder die Worte als Eigennamen zu verstehen sind. Die Abkürzung NOI steht für Nation of Islam.


Textauszug (computergeneriert)

 

Der Religionsführer Louis Farrakhan als (Außen-)Politiker der USA

Abschlussarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Magister Artium (M.A.)
am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München

von

Sabine Krieg

Beginn der Bearbeitungszeit: 01. Oktober 2002
Abgabe: 31. März 2003

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 6

2. Die Nation of Islam im Kontext der afro-amerikanischen Bewegung ... 8
2.1 Grundzüge der Nation of Islam ... 8
2.1.1 Wo kommt die Nation of Islam her? ... 8
2.1.2 Wo gehört die Nation of Islam hin? ... 11
2.1.3 Religion oder Nation? ... 12
2.2 Die Nation of Islam - eine soziale Bewegung? ... 15
2.2.1 Soziale Aspekte ... 15
2.2.2 Vergleiche mit Vorläufern ... 20
2.2.2.1 Henry McNeal Turner (1834-1915) ... 20
2.2.2.2 Booker T. Washington (1856-1915) ... 20
2.2.2.3 W.E.B. Du Bois (1869-1963) ... 22
2.2.2.4 Noble Drew Ali (1866-?) ... 23
2.2.2.5 Marcus Garvey (1887-1940) ... 24
2.2.2.6 Father Divine ... 26
2.3 Die Struktur der Nation of Islam als Organisation ... 28
2.3.1 Das System Nation of Islam ... 28
2.3.2 Das Erziehungs- und Bildungssystem der Nation of Islam ... 30
2.4 Die Wurzeln der NOI ... 31
2.5 Zielgruppe und Adressaten ... 32
2.6 Grundpositionen der Nation of Islam ... 33

3 Die Ideologie der Nation of Islam ... 35
3.1 Beziehung zum amerikanischen Kapitalismus ... 35
3.2 Beziehung zur protestantischen Arbeitsethik ... 36
3.3 Beziehung zum Individualismus/Kollektivismus und schwarze Identität ... 40
3.4 Beziehung zum arabischem Islam (Sunniten, Wahhabiten, Shiiten) ... 42
3.4.1 Orthodoxer Islam ... 42
3.4.2 Sunnitischer Islam ... 43
3.5 Beziehung zu Juden ... 44
3.6 Gender - Frauen unter Männer ... 46
3.7 Beziehung zum Christentum in den USA ... 48

4 Louis Farrakhan und der Islam ... 49
4.1 Der Redner Louis Farrakhan ... 49
4.1.1 Seine Herkunft ... 49
4.1.2 Sein Charakter ... 50
4.1.3 Seine Reden am Beispiel Saviour′s Day Speech 1996 ... 52
4.2 Die Attraktivität der Nation of Islam ... 54
4.2.1 Farrakhans Wirkung auf seine Adressaten ... 54
4.2.2 Die Gefängnisreform der Nation of Islam ... 55
4.2.3 Farrakhans Wirkung auf Jugendliche ... 56
4.2.4 Die Popularität der Nation of Islam ... 58
4.3 Der Aufstieg Farrakhans zum Religionsführer ... 60
4.4 Das Dilemma Louis Farrakhan ... 61
4.5 Louis Farrakhans innere Einstellung ... 62
4.6 Die Entwicklung Louis Farrakhans in der Nation of Islam ... 64

5 Louis Farrakhan als Politiker der USA ... 66
5.1 Farrakhans "Außenpolitik" ... 66
5.2 Farrakhans pragmatischen Ziele ... 68
5.2.1 Das Programm "P.O.W.E.R." ... 68
5.2.2 Die Armee "Fruit of Islam" F.O.I ... 70
5.2.3 Der "Million Man March" 1995 ... 73
5.2.4 Die HipHop- und Rap-Musik als Sprachrohr Farrakhans ... 75
5.2.5 Die Zeitschrift "The Final Call" ... 79
5.3 Farrakhans Mittel ... 81
5.3.1 Auseinandersetzung mit der Geschichte der USA ... 81
5.3.2 Kritik an der US-amerikanischen Regierung ... 83
5.3.3 Unterstützung für Jesse Jackson ... 85
5.4 Farrakhans Umgang mit den Medien ... 87
5.5 Instrumentalisierung außenpolitischer Aktionen für innenpolitische Ziele ... 89
5.5.1 Kontakte nach Libyen ... 89
5.5.2 World Friendship Tour und andere Reisen ... 90
5.6 Reaktion in den USA auf ihn ... 92

6 Schluss ... 94

7 Literaturverzeichnis ... 96

8 Anhang ... 101

 

1. Einleitung

Die Idee für diese Arbeit entstand nach der Belegung eines Hauptseminars mit dem Titel: "Mormonen, Mennoniten, Moslems - ausgewählte Kapitel zur Geschichte der Religionen in Nordamerika" am Amerika-Institut der LMU München.
Angetrieben von der Neugier, mehr über die Nation of Islam und Louis Farrakhan als Religionsführer erfahren zu wollen, ging die Autorin der Frage nach, wer dieser Mensch ist, dem vorgeworfen wird, ein Rassist zu sein, und was hinter der Nation of Islam genauer steckt. Darüber hinaus wurde zum einen Louis Farrakhans Rolle als Religionsführer genauer untersucht, zum anderen seine Rolle als Außenpolitiker der USA analysiert.
Die Arbeit gliedert sich insgesamt, neben der Einleitung und einem Ausblick am Ende, in vier große Kapitel. Nach einer Beschreibung der Nation of Islam und ihre Einordnung im Kontext der afroamerikanischen Bewegung folgt in Kapitel 3 eine Untersuchung der Ideologie der Nation of Islam. Kapitel 2 und 3 haben das Ziel, darzustellen, welche Entwicklung die Nation of Islam seit ihrem Bestehen durchgemacht hat und wo sie heute steht. In den anschließenden Kapiteln 4 und 5 geht es um Louis Farrakhan selbst, wobei zunächst seine Karriere innerhalb der Organisation erörtert wird und dann seine Funktion als inoffizieller Politiker der USA beleuchtet wird.
Bei den Recherchen in deutschen Bibliotheken hat sich herausgestellt, dass Louis Farrakhan in deutscher Literatur kaum Beachtung geschenkt wird. Allerdings stieß die Autorin auf einen deutschen Journalisten, der im Auftrag des SPIEGELS innerhalb von zehn Jahren das Glück hatte, Farrakhan persönlich sprechen zu können. Das Ergebnis waren zwei Artikel, die in der Zeitschrift erschienen sind sowie ein Buch, in dem der Autor seine Beobachtungen und sein Wissen über den Religionsführer genauer beschreibt.
Diese Magisterarbeit zieht fast ausschließlich englischsprachige Quellen heran: von Büchern und Zeitungsartikeln, sowohl Primär- als auch Sekundärliteratur, bis hin zu Internetrecherchen.
An einigen Stellen der Arbeit werden Begriffe der Nation of Islam und der Schwarzenbewegung verwendet, die nicht übersetzt sind. Dies geschieht vor allem dann, wenn ihre Übersetzung für wenig aussagekräftig gehalten wird oder die Worte als Eigennamen zu verstehen sind. Die Abkürzung NOI steht für Nation of Islam.

2. Die Nation of Islam im Kontext der afroamerikanischen Bewegung

2.1 Grundzüge der Nation of Islam

2.1.1 Wo kommt die Nation of Islam her?

Im Zuge der Migration vom Süden der USA in den Norden des Landes nach der Abschaffung der Sklaverei sahen sich Afroamerikaner gezwungen, mit Weißen um bestehende Arbeitsplätze zu konkurrieren. Sie waren einer Konkurrenz ausgesetzt, die sie bis dato nie kennen gelernt hatten. Dem Kampf um Arbeitsplätze schloss sich ein Kampf um Wohnungen an, und Immigranten wie Migranten fanden sich in den Slumgebieten der Städte des Nordens wieder.
In der neuen Welt der modernen Städte gingen Familientraditionen und sozialer Status der Lebensgemeinschaften, wie sie im relativ einfachen und ländlichen Süden praktiziert wurden, verloren (Frazier, S. 363ff.). Frazier erkannte bereits in den 1940er Jahren, dass der Prozess der Assimilierung der Afroamerikaner an das weiße Amerika davon abhing, inwiefern sie in die wirtschaftliche Organisation integriert werden und am täglichen Leben der Gesellschaft teilhaben werden ("… the process of assimilation and acculturation will be limited by the extent to which the Negro becomes integrated into the economic organization and participates in the life of the community." S. 368).
Wallace Fard tauchte 1930 zum ersten Mal in Detroit auf. Als hausierender Händler ging er von Tür zu Tür, um mit Hausfrauen und arbeitslosen Männern der Schwarzensiedlungen ins Gespräch zu kommen. Seinem Aussehen nach schien er arabischer Herkunft zu sein, und er machte einer Vielzahl der Menschen seine Theorien und Prophezeiungen über Allah und die Weißen als Teufel glaubhaft.
Ohne Spuren zu hinterlassen tauchte er 1934, genau so plötzlich wie er vier Jahre zuvor erschien, wieder unter. Im Nachhinein betrachtet schein es für Fard ein leichtes gewesen zu sein, in diesen Jahren Anhänger unter den Neuankömmlingen im Norden der USA zu gewinnen. Nach seinem Verschwinden entstand ein Mythos um seine Person und sein Nachfolger, Elijah Muhammad, machte ließ seine Anhänger glauben, er sei Gott in Person gewesen.
Lincoln war einer der ersten Autoren, der sich mit der Nation of Islam beschäftigte. Sein Buch mit dem Titel "The Black Muslims in America" erschien im Jahre 1961. Für Lincoln stand fest, als Black Muslims bezeichnen sich Afroamerikaner, die Anhänger Elijah Muhammads sind, und der "Lost Found Nation" angehören (" … a Black Muslim is an African American who is a follower of Elijah Muhammad, ′Spiritual Leader of the Lost-found Nation in the West′", S. 20).
Black Muslims unterschieden sich für ihn von orthodoxen Moslems zum einen durch die unterschiedliche Schreibweise ihrer Namensgebung, zum anderen durch den Glauben daran, dass ihr Führer, Elijah Muhammad, Gottes Bote sei ("the Messenger of Allah"). Gott erschien ihm in der Person Fards, der ihm direkt beauftragte, die schlafende schwarze Nation wach zu schütteln und sie von der jahrelangen Herrschaft der Weißen zu befreien.
Als Louis Farrakhan in den 1970er Jahren die Führung der Religionsgemeinschaft übernahm, entschied er sich für den Namen "Nation of Islam" (NOI). Unter seiner Leitung hat sich die Religionsgemeinschaft von dem Begriff "Black Muslims" distanziert. Der Autor Clifton E. Marsh führte im September 1994 mit Dr. Abdul Alim Muhammad, dem nationalen Sprecher Louis Farrakhans und "Minister of Health and Human resources" der Nation of Islam, in Washington, D.C. ein Interview (S. 173ff.). Dr. Muhammad kritisierte in diesem Gespräch C. Eric Lincoln und dessen Buch über so genannte "Black Muslims". Er habe mit diesem Buch einen weltweiten Bekanntheitsgrad erlangt, habe aber den Begriff "Black Muslims" nie mit der Nation of Islam abgesprochen.
In diesem Interview wird außerdem erklärt, Mike Wallace habe den Begriff "Black Muslims" in einem TV-Programm im Jahr 1957 erfunden. Die Religionsbewegung um Louis Farrakhan wolle sich nicht Black Muslims nennen, sondern als die "Lost-Found Nation of Islam" bezeichnet werden und Mitglieder würden schlicht den Titel "Muslims" tragen. Dr. Muhammad schien verärgert über das Unwissen vieler Autoren, die sich nicht richtig über die Nation of Islam informieren und einfach Bücher schreiben, mit denen sie eine hohe Popularität erlangen.
Wie schon Elijah Muhammad vor ihm, ging Farrakhan bei der Anwerbung seiner Anhänger zunächst direkt auf Menschen der unteren Gesellschaftsschichten zu (Marsh, S. 117: "… Farrakhan′s resurrected Nation of Islam is seeking to find its mass base again in its lower class origins.").
Mit Farrakhans Übernahme der Führung der Nation of Islam stieg deren Mitgliederzahl ("The 1980s saw the Nation of Islam under Minister Louis Farrakhan grow in size, power, and visibility…", Marsh, S. 117). Für das Wohlbefinden ihrer Mitglieder sorgt die Religionsgemeinschaft auf vielen Ebenen. So werden zum Beispiel Ärzte und Krankenschwerstern angeworben, um eine adäquate medizinische Betreuung in Kliniken bereitzustellen. Ebenso unterrichten gut ausgebildete Spezialisten an eigenen Schulen und wirtschaftlichen Institutionen.

[...]


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