Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 51 Pages
Author: Philipp Lehmann
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security
Details
Institution/College: LMU Munich (Geschwister-Scholl-Institut (GSI))
Tags: Auswärtige, Sicherheitspolitik, Periode, September, Januar, Vereinigten, Staaten, Amerika, Bundesrepublik, Deutschland, Vergleich, Fragen, Politikforschung
Year: 2003
Pages: 51
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23824-3
File size: 228 KB
Forschungskolloquium am Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) in München.
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität, München
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften
Fragen angewandter Politikforschung
Sommersemester 2002
Auswärtige Sicherheitspolitik in der Periode
Vom 11.September 2001 bis zum 27.Januar 2003:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Bundesrepublik Deutschland im Vergleich
Philipp Lehmann
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 2
2 Afghanistankrieg und Anti-Terror-Koalition 5
2.1 Der Afghanistankrieg 5
2.2 Die Bewertung des Afghanistankrieges 10
2.3 Die Anti-Terror-Koalition 12
2.4 Die Bewertung der Anti-Terror-Koalition 13
3 Strategische Ausrichtung in einer Neuen Weltordnung 15
3.1 Der Umbruch der Internationalen Struktur 15
3.2 Die strategischen Konzepte der USA 19
3.3 Die strategischen Versäumnisse der BRD 21
3.4 Die Implementierung der Strategischen Ansätze 25
4 Irakkrise 28
4.1 Die US-Strategien im Bezug auf die Irakkrise 28
4.2 Der geradlinige Weg der USA 30
4.3 Der Schlingerkurs der BRD 33
4.4 Die Auswirkung der Strategien auf die Außenpolitiken 39
5 Fazit 42
Quellenverzeichnis 47
1 Einführung
Das Ende des Ost-West-Konfliktes repräsentiert eine drastische Wende in der Ausgestaltung der internationalen Strukturen. Doch noch bevor eine Neue Weltordnung deutliche Konturen annehmen kann, sieht sich die Welt am 11.September 2001 mit einer erneuten historischen Zäsur konfrontiert. In der Folgezeit wird schnell offenbar, dass die Staaten jenseits und diesseits des Atlantiks den neuen Herausforderungen mit teils sehr unterschiedlichen Rezepten begegnen. Die vorliegende Arbeit vergleicht exemplarisch die Entwicklung auswärtiger Sicherheitspolitik in den Vereinigten Staaten und in der Bundesrepublik Deutschland. Den Zeitrahmen der Analyse bildet die Periode vom 11.September 2001 bis zum 27.Januar 2003, dem Termin, an dem der Chef der UN-Waffeninspektoren Hans Blix dem UN-Sicherheitsrat den Kontrollbericht über das irakische Rüstungsniveau vorstellt.
Orientiert an einem chronologischen Gerüst, wird die untersuchte Phase schwerpunktmäßig in drei Themenkomplexe untergliedert:
Das erste Kapitel skizziert die Entwicklungen vom 11.September 2001 bis zum Afghanistankrieg. Rasch wird dabei deutlich, dass die USA in unmittelbarer Folge auf die Anschläge die Handlungshoheit übernehmen und die entstandene Dynamik nutzen, ihr Vorgehen national wie international in einem weitgehenden Konsens einzubetten. Nach Meinung des Verfassers müssen die vermeintlichen Erfolge des Afghanistanfeldzuges aus heutiger Sicht aber in Frage gestellt werden. Eine stabile Nachkriegsordnung ist bis dato nicht abzusehen. Als loses Staatenkonstrukt ohne institutionelle Ausprägung scheint auch die Anti-Terror-Koalition keiner funktionsfähigen Zukunft entgegen zu sehen. Die Bundesrepublik Deutschland erklärt sich zwar uneingeschränkt solidarisch zu den USA, kann aufgrund ihrer eingeschränkten Kooperationsfähigkeit aber nur sehr begrenzten Einfluss auf den Kriegsverlauf und die internationale Terrorbekämpfung ausüben.
Im folgenden Abschnitt wird dargestellt, welche sicherheitspolitischen Konsequenzen die Vereinigten Staaten bzw. Deutschland aus der veränderten Bedrohungslage ziehen. Basierend auf dem Konzept des Nuclear Posture Review verkünden die USA, sich den Einsatz nuklearer Waffen generell als taktische Option offen zu halten. Die
Gegenüberstellung mit asymmetrischen Bedrohungsszenarien relativiert jedoch deutlich das Abschreckungs- bzw. Vergeltungspotential dieser Erwägungen. Eine grundlegendere Auseinandersetzung mit den sicherheitspolitischen Herausforderungen liefert die National Security Strategy. Unter der Prämisse der Effizienz wird Multilateralismus auf eine instrumentelle Variable reduziert. Gefahrenpotentiale sollen dabei unilateral definiert und notfalls mit antizipatorischer Verteidigungsschlägen bekämpft werden. Besonders kritisch erscheint hierbei das weite Feld zu bekämpfender Akteure: Das stetige Spektrum reicht von terroristischen Netzwerken bis hin zu Staaten, die aufgrund (geo-)strategischer Machtpotentiale oder per Proliferation von Massenvernichtungswaffen zu einer künftigen Gefahrenquelle generieren könnten. Deutschland vermag den amerikanischen Strategiepapieren zunächst keine umfassenden Ergänzungs- oder Alternativkonzepte entgegen zu setzen. Anstatt die entstandene Dynamik auf eine Reform internationaler Institutionen und Beziehungen zu kanalisieren, beharrt die BRD auf den althergebrachten Normen, selbst wenn diese der realpolitischen Funktionalität entbehren. Effiziente Strukturen multilateraler Entscheidungsfindung bilden jedoch eine essentielle Handlungsvoraussetzung für die Bundesrepublik, da ihre außenpolitische Machtstellung ein singuläres Vorgehen nicht zulässt. Innenpolitische Budgetrestriktionen begrenzen zudem die nötige Kostenbereitschaft, sicherheitspolitische Idealvorstellungen auch substanziell zu unterfüttern.
Das folgende Kapitel beschreibt, wie die unterschiedlichen Positionen der USA und Deutschlands im Irakkonflikt zu Tage treten. Von amerikanischer Seite wird das irakische Regime wegen mutmaßlicher Verbindungen zum internationalen Terrorismus, dem vermuteten Besitz von Massenvernichtungswaffen und aufgrund geostrategischer Machtpotentiale zum Feindbild deklariert. Zwar halten sich die USA die Option offen, ihr Vorgehen wenn möglich über einen Beschluss der Uno zu legitimieren. Ihr aktuelles Gebären scheint jedoch darauf hinzuweisen, dass eine gewaltsame Intervention auf unilateraler Ebene bereits entschieden worden ist. Sollte es zu einem weiteren Irakkrieg kommen, könnte sich die amerikanische Konzeptlosigkeit betreffend einer Nachkriegsordnung noch als folgenreiches Manko erweisen. Vor dem Hintergrund eines polarisierenden Bundestagswahlkampfes zeigt sich die deutsche Regierung jedoch nicht in der Lage, die Debatte auf die argumentativen
Defizite der USA zu fokussieren. Kakophonie und undiplomatische Wahlkampfrhetorik ebnen stattdessen den Weg ins außenpolitische Abseits. Besonders deutlich wird dies bei den erfolglosen Bemühungen, eine europäische Position zu konstruieren. Betreffend der Frage, ob nach der Vorstellung des UN-Rüstungskontrollberichtes eine weitere Resolution von Nöten ist, manövriert sich die BRD in eine diplomatische Sackgasse. Ein schlüssiges Rezept, wie dem irakischen Regime international zu begegnen sei, bietet Deutschland nicht an.
Abschließend wird deutlich, dass die Vereinigten Staaten den Wandel zu einer Neuen Weltordnung unwiderruflich eingeläutet haben. Die Kompromisslosigkeit, mit der sie diese Ordnung zu gestalten versuchen, wirft jedoch die Frage auf, ob die USA den Umgestaltungsprozess auf lange Sicht unilateral kontrollieren können. In Deutschland hingegen ist die außenpolitische Neupositionierung nach dem Ost-West-Konflikt durch innenpolitische Problemstellungen lange Zeit verschleppt worden. Innerhalb eines vertretbaren Rahmens scheint eine deutsche Interessenpolitik auf auswärtiger Ebene durchaus legitim. Substanzielle Unterfütterung und professionelle Güterabwägungen müssen den Emanzipationsprozess jedoch begleiten.
2 Afghanistankrieg und Anti-Terror-Koalition
2.1 Der Afghanistankrieg
Bereits am 11.September 2001 wird deutlich, dass die USA die terroristischen Anschläge als einen Kriegsakt interpretieren. Diese Perzeption eröffnet eine reaktive Optionenvielfalt, die das Recht auf kriegerische Vergeltung ausdrücklich einschließt. Da der aus Saudi-Arabien stammende Terrorist Osama Bin Laden bereits für die Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) am 7.August 1998 sowie für den Anschlag auf den US-Zerstörer USS-Cole bei Aden (Jemen) am 12.Oktober 2000 verantwortlich gemacht wird, kann das Al- Qaida-Netzwerk um Bin Laden rasch als erstes und allgemein unwidersprochenes Feindbild implementiert werden. In einem Spiegel-Interview erläutert Bush´s außenpolitischer Berater General a.D. Brent Scowcroft unmissverständlich, dass die Wortwahl von „Krieg der Mobilisierung“ 1 diene und das Feindbild Bin Ladens ein „nützliches Symbol“ 2 dafür biete.
In einer argumentativen Verknüpfung mit der historischen Bringschuld der BRD gegenüber den Vereinigten Staaten verkündet der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder am 12.September in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag die uneingeschränkte Solidarität mit den USA. Unter der Formel „Wir sind eine Welt“ brandmarkt er die Anschläge zur „Kriegserklärung gegen uns alle, […] gegen die gesamte zivilisierte Welt.“ 3 Schröder folgt somit zunächst der amerikanischen Kriegslogik und unterstützt diese solidarisch. Die Berufung auf eine zivilisierte Welt suggeriert zudem die Existenz eines unzivilisierten Weltteils, der nur schwerlich trennscharf abzugrenzen sein dürfte. Die undifferenzierten Solidaritätsbekundungen werden bald durch eigene Initiativen ergänzt. In einer weiteren Regierungserklärung erklärt der Bundeskanzler:
[....]
1 Scowcroft, Brent (Interview) in: Der Spiegel (Nr.40 / 2001), S.´170
2 ebenda
3 Emcke, Carolin u.a. in: Der Spiegel (Nr.38 / 2001), S.´30
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Soziologie des Wohnens
Author: Ellen HoffmannSociology - Habitation, Urban Sociology, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Deutschlands Rolle im Kosovo-Konflikt
Author: Florian RothPolitics - International Politics - Topic: German Foreign Policy, 2002 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Zunehmende sozialräumliche Segregation und wachsende Ungleichheit in Deutschland - die soziale Stadt in der Krise
Author: Friederike StollerSociology - Habitation, Urban Sociology, 2006 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Theorien der Internationalen Beziehungen und ihre praktische Anwendung auf den Ost-West-Konflikt und den Kaschmir-Konflikt
Author: Catrin KnußmannPolitics - International Politics - General, 2004 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Der Staat bei Marx
Author: Niko PankopPhilosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries, 2006 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Deutsche Außenpolitik- Entscheidungsträger und Perspektiven nach der Wiedervereinigung
Author: Tilo MaierPolitics - International Politics - Topic: German Foreign Policy, 2002 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Bürgerschaftliches Engagement
Author: Jacqueline HofmannSocial Pedagogy / Social Work, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Vom 11. September 2001 zum Irak-Krieg 2003
Author: Matthias EichlerPolitics - International Politics - Region: USA, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
Author: Gregor PattPolitics - International Politics - Topic: European Union, 2004 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Die Antwort der USA auf den 11. September 2001
Author: Nannette RemmelPolitics - International Politics - Region: USA, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: