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Hauptseminararbeit, 2002, 24 Seiten
Autor: Elvira Nafikova
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft)
Tags: Tolstoj, Anna, Karenina, Annas, Augen, Hauptseminar, Flaubert, Tolstoj, Fontane
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-23840-3
Dateigröße: 239 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Tolstoj, Leo
Anna Karenina: Annas Augen
Elvira Nafikova
1. Einführung Seite 3
2. Die Physiognomie in der Literatur des 19. Jahrhunderts Seite 5
2.1. Körper als Zeichensystem im westeuropäischen Realismus Seite 5
2.2. Die physiologische Methode in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts Seite 8
3. Körper, Mimik und Gestik als Bedeutungsträger im Roman „Anna Karenina“ von Leo Tolstoj Seite 10
4. Annas Augen als Leitmotiv im Roman „Anna Karenina“ Seite 14
4.1. Charakterisierende Funktion der Augen Annas Seite 14
4.2. Annas Augen als Ausdruck der Gefühle und des inneren Zustandes der Protagonistin Seite 17
4.3. Kommunikative Funktion Annas Augen Seite 18
5. Schlusswort Seite 21
6. Literaturverzeichnis Seite 23
1. Einführung
Das Besondere am russischen Realismus besteht darin, dass seine Entwicklung von einer Reihe fast oberbürtiger und gleichgestellter Vertreter getragen wurde, wie Turgenev, Dostoewskij, Goncarov, Leskov, dass aber jeder von ihnen seine eigene Spielart realistischer Kunst mit großer Individualität in die russische Literatur brachte. Unübersehbar unter diesen Schriftstellern ist die geniale Kunst des Grafen Leo Tolstoj. Sein Bestreben nach einer „treffenden Präzision des Gedankens, nach einer Wahrhaftigkeit des stilistischen Ausdrucks“1 schaffte seinen individuellen Stil, dessen Gipfel zwei riesige Romane „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ bilden. „Anna Karenina“ fasziniert nicht nur mit seinem Sujet, seiner Vielfältigkeit der Themen, die im Roman zum Diskussionsstoff werden, sondern auch mit der künstlerischen Genialität, mit deren Leo Tolstoj seine Romanhelden dargestellt hat. Jeder Figur wurde von dem Autor ein besonderer Abriss von äußerlichen Merkmalen verliehen, der keinem anderen der Protagonisten in seinen Details glich. Und wie jeder andere Autor versuchte auch Tolstoj beim Porträtieren eines Menschen mehr als nur die äußere Gestalt wiederzugeben.
Die Körpersprache, Mimik und Gestik der Figuren trugen bei Tolstoj in verschiedener Hinsicht zum Sinn-, und Wirkungspotenzial des Romans bei. Körperhaltung und Raumverhalten, Gesichtsausdruck, Blicke und Gesten, seien sie bewusst und unbewusst, ließen auf Charakterzüge, mentale Befindlichkeiten und interpersonale Beziehungen der Figuren schließen. Die Protagonisten wurden von Tolstoj meistens indirekt beschrieben - durch ihre Handlungen und Äußerungen, durch ihre Gestik und Mimik. Damit wurden alle handelnden Personen vom Tolstoj nicht als statische Porträtbilder eingeführt, sondern als „Verhaltende, Redende, Denkende, Fühlende vorgestellt.“2 In ihren Äußerungen, Bewegungen und Blicken enthüllte sich das Seelenleben der Figuren. Es ist klar, dass jeder Autor seine eigene künstlerische Methode hat, mit der er seine Helden beschreibt. Die vorliegende Arbeit setzt es zum Ziel Tolstojs Methode beim Darstellen der Mimik, Gestik und Bewegungen der Protagonisten im Roman „Anna Karenina“ zu untersuchen. Dies wird dann implizit an Annas Augen veranschaulicht, indem es versucht wird, verschiedene Funktionen von Augen der Hauptheldin im literarischen Text aufzuschlüsseln.
Dieses Ziel fordert aber eine breitere Analyse der realistischen Methode des 19. Jahrhunderts. Deswegen wird die Physiologie, die in der Zeit des Realismus wie in Westeuropa auch in Russland eine Blüte erlebte, in Betracht gezogen. Die Betrachtung der Physiognomie ist für die Arbeit deshalb bedeutend, weil die physiognomische Methode im 19.Jahrundert zu einer neuen Auffassung von Literatur und ihrer Funktion führte. Die Literatur war nicht mehr durch Fiktion und Imagination bestimmt, sondern sie gründete sich auf Beobachten und Beschreiben. Diese Grunderfahrung blieb bei fast allen künftigen Realisten lebendig, unter allen auch bei Tolstoj. Deswegen wird diese Methode und ihre Grundlagen in den 2. und 3. Kapiteln der vorliegenden Arbeit erläutert. Die Arbeit will damit unter anderem auf die Frage eingehen, in wie weit die Physiognomie den Einfluss auf den Realismus ha tte und wie es sich beim darstellen der Figuren geäußert hatte.
2. Die Physiognomie in der Literatur des 19. Jahrhunderts
[...]
1 Stender-Petersen, Adolf. Geschichte der russischen Literatur. München: Beck, 1978, S. 379
2 Zelinsky, Bodo. Der Russische Roman. Düsseldorf: August Bagel Verlag, 1979, S. 225
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